Kabbala – aus dem hebräischen von "qabbada" = Empfangenes, Tradition – ist die klassische jüdische Mystik, wie sie sich ab dem 12. Jahrhundert aus antiken Wurzeln und unter dem Einfluss der neoplatonischen Emanationslehre in Spanien und der Provence entwickelte.
Parallel zu der jüdischen Mystik bildete sich im mittelalterlichen Judentum die jüdische Religionsphilosophie mit Rückgriff auf das aristotelische Denken heraus. "Dem Philosophen geht es darum, Gott zutreffend zur Sprache zu bringen, was letztlich darauf hinausläuft, ihn von allen menschlichen Zügen zu transzendieren. Dem Mystiker hingegen ist es darum zu tun, eine Begegnung (wenn nicht gar Vereinigung) zwischen Mensch und Gott zu denken, er muss also irgendeine Art von Immanenz Gottes begründen."
Die Anfänge der jüdischen Kabbala liegen im 12. Jahrhundert mit dem Buch Bahir, lange Zeit Hauptgrundlage der danach allmählich verschriftlichten kabbalistischen "Geheimlehre". Mystische Strömungen gab es schon davor und so greift auch das Buch Bahir dieses Denken auf und geht zurück auf ältere Formen (Merkaba, Hekhalotliteratur, Buch Ezechiel).
Dabei enthält dieses Buch nur streckenweise das Neue, also Aussagen über Symbole und Funktionen, welche die 10 göttlichen Wirkungskräfte betreffen. Erst mit dem Sohar, der als Hauptwerk der Kabbala gilt, wurde dies strukturell ergänzt und ein ziemlich fixiertes Grundschema konstruiert, quasi eine Leseschablone oder Deutungsfolie für kabbalistische Texte entwickelt
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Die jüdische Kabbala
3. Der Sohar, das Buch des Glanzes,
3.1. Ez Chajim – der kabbalistische Baum des Lebens
3.2. Ejn-Sof
3.3. Das System der 10 Sefirot
3.4. Lurianische Kabbala
4. Zusammenfassung
5. Persönliche Schlussbetrachtung:
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die komplexen Denk- und Deutungsmuster der jüdischen Kabbala zu strukturieren und verständlich aufzuarbeiten, um als angehende Lehrkraft fundierte Einblicke in dieses mystische System vermitteln zu können. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit dem Verständnis des "Gravitationszentrums" der Kabbala – den Wirkungskräften der zehn Sefirot – und wie diese als dynamisches System zur Deutung der göttlichen Welt und ihrer verborgenen Verbindung zur Schöpfung dienen.
- Grundlagen und historische Entwicklung der jüdischen Mystik und Kabbala
- Analyse des Sohar als zentrales Werk der kabbalistischen Literatur
- Struktur und Bedeutung des Ez Chajim (Baum des Lebens) und des Ejn-Sof
- Die funktionale Systematik der zehn Sefirot und ihre Wechselwirkungen
- Kritische Reflexion populärwissenschaftlicher Kabbala-Rezeption in der Gegenwart
Auszug aus dem Buch
3.3. Das System der 10 Sefirot
Wie bereits erwähnt gibt es 10 Sefirot. Sie werden in der klassischen Kabbala als hierarchisch geordnet aufgefasst. Sefirot bedeutet übersetzt hebr. Zahl, eigentlich Zählen, Zählung, zahlenmäßige Folge. Dieser Auffassung liegt der Sefer Jezira aus dem 3./4.Jahrhundert zugrunde. Darin wird gelehrt, „dass der Ewige die Welt auf 32 Pfaden, nämlich mit Hilfe der 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets und der zehn Sefirot (Grundzahlen) geschaffen hat.“ Das innere Selbst der Gottheit wird ohne Attribute oder Bestimmungen gedacht. Nur in den Sefirot werden die Emanationen sichtbar, „die Sefirot, sind die Potenzen, in denen sich die wirkende Gottheit konstituiert, in denen sie- in der Sprache der Kabbalisten gesprochen ein Gesicht gewinnt.“ Die Bezeichnungen der einzelnen Sefirot und die damit verbundenen Zuschreibungen bestimmter Attribute geschahen nicht willkürlich, sondern finden sich in der Bibel und in der rabbinischen Tradition. Die meisten Namen der zehn Sefirot sind beispielsweise in 1. Chr 29,11 zu finden.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Die Autorin legt ihre persönliche Motivation dar, die als befremdlich wahrgenommenen Strukturen der Kabbala für den Unterricht zu erschließen und sich von populärwissenschaftlichen Verkürzungen abzugrenzen.
2. Die jüdische Kabbala: Dieses Kapitel definiert die Kabbala als klassische jüdische Mystik, die sich ab dem 12. Jahrhundert unter dem Einfluss neoplatonischer Emanationslehren entwickelte.
3. Der Sohar, das Buch des Glanzes,: Der Sohar wird als zentrales Werk der Kabbala eingeführt, das sich der Midrasch-Methode bedient, um die Gottheit als dynamischen Fluss von Kräften zu beschreiben.
3.1. Ez Chajim – der kabbalistische Baum des Lebens: Hier wird das Modell des Lebensbaums erläutert, das die zehn Sefirot als rein geistige Wirkungskräfte und Emanationen im Mikrokosmos und Makrokosmos verortet.
3.2. Ejn-Sof: Das Kapitel behandelt das Ejn-Sof als den unendlichen, unwandelbaren und für den Menschen prinzipiell unerkennbaren Aspekt der Gottheit.
3.3. Das System der 10 Sefirot: Dieses Kapitel detailliert die hierarchische und systematische Anordnung der zehn Potenzen, durch die sich die wirkende Gottheit in der Welt konstituiert.
3.4. Lurianische Kabbala: Es wird ein kurzer Einblick in die spätkabbalistische Strömung gegeben, die den Schöpfungsprozess durch die Metapher der zerbrochenen Gefäße und das Exil erläutert.
4. Zusammenfassung: Die Kernaussagen zur Theosophie des Sohar und die Bedeutung der mystischen Suche nach der Begegnung zwischen Mensch und Gott werden rekapituliert.
5. Persönliche Schlussbetrachtung:: Die Autorin reflektiert ihre persönliche Auseinandersetzung mit der kabbalistischen Methodik und zieht ein Fazit für ihre zukünftige Rolle als Lehrkraft im Umgang mit diesem Thema.
Schlüsselwörter
Kabbala, Sefirot, Sohar, Ejn-Sof, Ez Chajim, Jüdische Mystik, Emanation, Schöpfung, Tora, Gott, Theosophie, Midrasch-Methode, Wirkungskräfte, Religion, Transzendenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen und mystischen Grundlagen der jüdischen Kabbala, insbesondere mit der Lehre von den zehn Sefirot und deren Bedeutung innerhalb des Buches Sohar.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die historische Entwicklung der Kabbala, die Definition der Gottheit als Ejn-Sof, die Systematik der Sefirot als göttliche Wirkungskräfte und die Einbettung dieser Lehre in ein ethisches Tora-Verständnis.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, ein Verständnis für das "Gravitationszentrum" kabbalistischen Denkens zu entwickeln, um dieses komplexe System als Werkzeug für eine tiefere, nicht-ekstatische Interpretation biblischer Texte nutzen zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine strukturiert-analytische Herangehensweise, bei der wissenschaftliche Standardwerke zur jüdischen Mystik und zum Judentum rezipiert werden, um die internen Logiken der Kabbala offenzulegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Sohar, die Analyse des Sefirot-Baums, die Erläuterung des Ejn-Sof, die systematische Darstellung der zehn Sefirot und einen kurzen Ausblick auf die Lurianische Kabbala.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wesentlichen Schlüsselwörter sind Kabbala, Sefirot, Sohar, Ejn-Sof, Emanation und Jüdische Mystik.
Wie unterscheidet sich die wissenschaftliche Kabbala-Betrachtung von populären Strömungen?
Die Autorin hebt hervor, dass die klassische mittelalterliche Kabbala ein tiefes Verständnis für die göttliche Struktur und Schöpfungsordnung anstrebte, während populäre moderne Strömungen oft vereinfachende, konsumorientierte Versprechen bieten.
Warum spielt das ethische Handeln eine so zentrale Rolle im kabbalistischen System?
Da nach kabbalistischer Auffassung "Oben" und "Unten" verbunden sind, wirken sich menschliche Taten direkt auf das sensible Wirkungsgeflecht der Sefirot aus, weshalb die Erfüllung der Gebote zur Stabilität der Schöpfung beiträgt.
Wie kann das Modell des "Baums des Lebens" zur Deutung der Welt beitragen?
Das System dient als eine Art Deutungsfolie, die es dem Kabbalisten ermöglicht, irdische Ereignisse und biblische Texte in einem systematischen, symbolischen Zusammenhang mit den göttlichen Emanationen zu sehen.
- Arbeit zitieren
- Britta Warmuth (Autor:in), 2009, Die jüdische Kabbala. Ein Annäherungsversuch an die Gliederung der sefirotischen Welt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386906