In dieser Arbeit soll anhand des Korpusmaterials nicht nur das grundsätzliche Vorhandensein übergeordneter Strukturen der Bildlichkeit in der Berichterstattung von Geflüchteten in deutschen und französischen Pressetexten empirisch überprüft werden, sondern auch eine vergleichende Mikroanalyse der Strukturiertheit der Bildfelder in den untersuchten Einzelsprachen vorgenommen werden. Für diese Arbeit viel bedeutsamer als die Feststellung der bloßen Bildfeld-Konvergenz sollen deshalb Fragen sein, wie intensiv ein Bildfeld in einer Sprache genutzt wird, ob Produktivitätsunterschiede bestehen und inwiefern weitere Charakteristika in der deutschen und französischen Sprachverwendung vorliegen.
Möchte man die Metaphern im Geflüchtetendiskurs interpretieren, ist es unabdingbar, sie zunächst in den Kontext der aktuellen Flüchtlingsbewegungen zu integrieren. Aus diesem Grund wird im nächsten Kapitel (2.) zunächst der politische Hintergrund der Thematik skizziert und mit Zahlen für die EU, Deutschland und Frankreich (2.1) unterlegt werden. Daraufhin erfolgt eine Einführung in die Theorie der Metaphern (3.). Zunächst wird ein umfassender Forschungsüberblick geschaffen, in dem die gängigsten Ansätze vorgestellt werden (3.1), anschließend werden die Funktionen von Metaphern thematisiert (3.2). Um die Frage nach den kommunikativ-pragmatischen Aspekten der Metaphern in den Zeitungsartikeln angemessen erörtern zu können, wird zudem konkret der Stellenwert der Metaphorik in der Pressesprache betrachtet und die drei wichtigsten Funktionen, die metaphorische Ausdrücke in dieser Textsorte erfüllen können, charakterisiert (3.2.1). Die Vorgehensweise der Metapheranalyse sowie Korpuszusammensetzung werden ausführlich in Kapitel 4 erklärt. Nach dem das Fundament des Forschungsgegenstands und der –methode gelegt wurde, werden im Hauptteil zunächst die quantitativen Ergebnisse (5.1) vorgestellt. In der anschließenden qualitativen Analyse (5.2) folgt eine vergleichende Betrachtung des Metapherngebrauchs in den untersuchten deutschen und französischen Medien. Dort werden die Herkunftsbereiche, die sich durch die Metaphernanalyse als dominierend herausgestellt haben, interpretiert und mit Beispielen untermauert..Es folgt abschließend eine vergleichende Betrachtung des Metapherngebrauchs in deutschen und französischen Medien.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen der aktuellen Flüchtlingsbewegungen
2.1 Statistiken für die EU, Deutschland und Frankreich
3. Annäherung an den Begriff Metapher
3.1 Theorien der Metaphern
3.1.1 Metaphernverständnis der antiken Rhetorik – Substitutions- und Vergleichstheorie
3.1.2 Metaphernverständnis in der modernen Semantik – Interaktionstheorie
3.1.3 Metaphernverständnis der Textlinguistik – Kontext- und Konterdeterminationstheorie
3.1.4 Metaphernverständnis der kognitiven Linguistik – Kognitiv - konzeptuelle Theorie
3.2 Funktionen von Metaphern
3.2.1 Metaphorik in der Pressesprache
4. Methodik
4.1 Methode der Korpusanalyse
4.1.1 Metaphernrekonstruktion und Kategorisierung
4.1.2 Auswertung und Deutung des Metaphereinsatzes
4.1.3 Metaphern im Sprachvergleich
4.2 Wahl des Analysekorpus
5. Analyse - Metaphorik in der deutschen und französischen Berichterstattung über Geflüchtete
5.1 Makroanalyse – Quantitative Auswertung
5.2 Mikroanalyse – Qualitative Auswertung
5.2.1 KAMPF – Metaphorik
5.2.2 PERSONIFIKATION – Metaphorik
5.2.3 BEHÄLTER – Metaphorik
5.2.4 BAUWESEN – Metaphorik
5.2.5 WASSER – Metaphorik
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht metaphorische Konzepte in der deutschen und französischen Presseberichterstattung über Geflüchtete, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der sprachlichen Konstruktion der Migrationsrealität zu identifizieren und die Rolle von Medien bei der Meinungsbildung zu analysieren.
- Kontrastive Analyse der Metaphorik in deutschen und französischen Zeitungen.
- Vergleich von quantitativen und qualitativen Ergebnissen zur Metaphernverwendung.
- Identifikation dominanter Herkunfts- und Zielbereiche von Metaphern.
- Untersuchung der kognitiven und rhetorischen Funktionen von Metaphern im Migrationsdiskurs.
- Analyse des Einflusses politischer Sprache auf die mediale Berichterstattung.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Metaphernverständnis in der modernen Semantik – Interaktionstheorie
Als Gründungsvater der Interaktionstheorie gilt der Literaturkritiker und Rhetoriker Ivor Armstrong Richards, der den Grundstein der Theorie im Jahre 1936 legte. Dieser wurde vom amerikanischen Philosophen Max Black grundlegend weiter entwickelt. Die Vertreter der Interaktionstheorie sehen die Metapher nicht mehr als Abweichung vom Normalsprachgebrauch, sondern als ein Produkt des vergleichend-begriffsbildenden Denkens. Somit gehen sie über den bis dato auf die rhetorisch-ornamentale Funktion reduzierten Metaphernbegriff, wie er im Vorkapitel dargestellt wurde, hinaus. Sie nehmen an, dass bei einer metaphorischen Äußerung zwei Vorstellungen zusammen aktiv sind, die miteinander interagieren: „when we use a metaphor we have two thoughts of different things active together and supported by a single word, or a phrase, whose meaning is a interaction“ Somit wird hier eine Metapher als eine „DoppelEinheit“ auf Satzebene betrachtet. Richards führt zwei Termini ein, um diese beiden Einheiten, d.h. die gleichzeitig aktiven Vorstellungen, zu unterscheiden: Tenor und Vehikel. Dieses Konstrukt lässt sich am besten an Blacks berühmten Beispiel „Man is a wolf.“ demonstrieren.
Die Bedeutung wird durch die Interaktion und die Konstruktion eines “Implikationszusammenhangs” zwischen diesen beiden Einheiten der metaphorischen Aussage generiert. Das Besondere in diesem Kontext ist die Schaffung neuer Ähnlichkeiten zwischen Tenor und Vehikel durch ihre Interaktion, die diese vor dieser Verbindung noch nicht besaßen. Dadurch können neue Erkenntnisse und Wahrnehmungen resultieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Zunahme globaler Fluchtbewegungen im Jahr 2015 und die darauf folgenden gesellschaftlichen Kontroversen, wobei sie das Ziel formuliert, Metaphern im Geflüchtetendiskurs kontrastiv zwischen Deutschland und Frankreich zu analysieren.
2. Grundlagen der aktuellen Flüchtlingsbewegungen: Dieses Kapitel liefert den politischen Kontext und statistische Daten zu Flucht und Asyl in der EU, Deutschland und Frankreich, um die Grundlage für die spätere Metaphernanalyse zu schaffen.
3. Annäherung an den Begriff Metapher: Es erfolgt eine theoretische Einordnung der Metapher durch die Vorstellung antiker, moderner semantischer, textlinguistischer und kognitiv-konzeptueller Theorien sowie eine Diskussion über deren Funktionen.
4. Methodik: Hier wird das methodische Vorgehen zur Korpusanalyse, bestehend aus Metaphernidentifikation, Rekonstruktion, Kategorisierung und Interpretation, detailliert beschrieben und begründet.
5. Analyse - Metaphorik in der deutschen und französischen Berichterstattung über Geflüchtete: Der Hauptteil präsentiert die quantitative Makroanalyse und die qualitative Mikroanalyse spezifischer Bildfelder (Kampf, Personifikation, Behälter, Bauwesen, Wasser) in den untersuchten Medien.
6. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen, wonach die Metaphernverwendung in beiden Ländern stark durch politische Diskurse geprägt ist und primär eine affektive, statt eine sachliche oder erklärende Funktion erfüllt.
Schlüsselwörter
Metaphernanalyse, Geflüchtete, Presseberichterstattung, Deutschland, Frankreich, kognitive Linguistik, interkultureller Vergleich, Kampfmetaphorik, Behältermetapher, Migrationsdiskurs, Asylpolitik, Bildfeldgemeinschaft, Framing, politische Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die sprachliche Gestaltung des Migrationsdiskurses in deutschen und französischen Leitmedien durch den Vergleich von Metaphern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die theoretische Fundierung der Metaphernforschung, die statistischen Grundlagen der Flüchtlingsbewegungen sowie die kontrastive Analyse von Bildfeldern wie Kampf, Wasser und Bauwesen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, welche Metaphern im Geflüchtetendiskurs genutzt werden und welche Unterschiede oder Gemeinsamkeiten sich im Sprachgebrauch zwischen Deutschland und Frankreich zeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine systematische, korpusbasierte Metaphernanalyse durchgeführt, die Ansätze der kognitiven Linguistik (Lakoff/Johnson) und der textlinguistischen Forschung (Weinrich) fusioniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine quantitative Auswertung des Korpus sowie eine tiefgehende qualitative Mikroanalyse dominanter Bildfelder und deren Wirkung auf die Wahrnehmung von Geflüchteten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Metaphernanalyse, Migrationsdiskurs, kognitive Linguistik, politische Kommunikation, interkultureller Vergleich, Framing.
Welche Rolle spielen Politiker für die mediale Metaphorik?
Die Analyse zeigt, dass Medien weniger eigene kreative Metaphern erfinden, sondern primär die von Politikern vorgegebenen Sprachbilder repetieren und somit verstärken.
Warum wird im französischen Korpus das Bildfeld "Wasser" häufiger genutzt?
Die stärkere Nutzung von Wasser-Metaphern im französischen Korpus deutet auf einen Fokus der Berichterstattung hin, der Fluchtbewegungen stärker als unaufhaltbare, naturgewaltartige Phänomene konstruiert.
Wie unterscheidet sich die "Kampf-Metaphorik" in der Bedeutung für das Publikum?
Kampf-Metaphern dienen weniger der Erklärung komplexer Sachverhalte, sondern fungieren als affektive Mittel, die eine atmosphärische Bedrohungssituation konstruieren und politische Aktionen legitimieren.
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- Tatjana Sch (Author), 2017, Metaphorik in der deutschen und französischen Berichterstattung über Geflüchtete, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386935