Ziel der Arbeit ist es, auf Basis einer Mitarbeiterbefragung Kriterien und Handlungsempfehlungen für die Erstellung eines BGM-Konzeptes mit besonderer Berücksichtigung des Schichtdienstes abzuleiten. Mit einem individuell entwickelten Fragebogen werden Daten zur Ermittlung von Kriterien und Handlungsempfehlungen evaluiert. Diese können auch auf andere Betriebe mit Schichtdienst übertragen werden. Somit soll der Einstieg in ein betriebliches Gesundheitsmanagement sowie eine dauerhafte Implementierung vereinfacht werden. Des Weiteren soll die Arbeit Informationen darüber liefern, inwiefern sich verschiedene Altersgruppen in Bezug auf Rückenprobleme bzw. Rückenbeschwerden unterscheiden.
Etwa 50 Prozent der Bevölkerung in Deutschland besetzten im Jahr 2016 eine Vollzeitstelle. Die Arbeitszeit beträgt dabei im Durchschnitt acht Stunden pro Tag und 40 Stunden pro Woche. Ausgehend von 168 Zeitstunden wöchentlich, verbringen die Vollzeitangestellten in Deutschland 23,8 Prozent und damit etwa ein Viertel ihrer gesamten Zeit bei der Arbeit. Wird zudem die An- und Abreise sowie die notwendige Schlafenszeit berücksichtigt, bleibt nur wenig Zeit für andere Dinge, wie zum Beispiel Hobbies, Sport, Familie, Gesundheit etc. Die Arbeitszeit stellt somit einen zentralen Bestandteil unserer Lebenszeit dar. Zudem bestimmt sie die Tages- und Wochenabläufe und hat großen Einfluss auf verschiedene Lebensbereiche.
Das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) setzt genau an dieser Stelle an. Hierbei sollen die Menschen dort erreicht werden, wo sie am meisten Zeit verbringen. Mit Hilfe von durchdachten und individuellen Konzepten werden ergonomische Arbeitsweisen und gesundheitsfördernde Aspekte, wie beispielsweise Bewegung sowie gesunde Ernährung in den Betrieben, vorgestellt und durch entsprechende Maßnahmen implementiert. Besonders in Betrieben mit Schichtarbeit kann die Umsetzung eines BGM aufgrund von unregelmäßigen Arbeitszeiten im Schichtsystem schwierig werden. Die Gestaltung der Arbeitszeit in Betrieben mit Schichtarbeit muss einer Vielzahl von Anforderungen gerecht werden. Die im Rahmen dieser Masterarbeit durchgeführte Untersuchung bezieht sich auf einen Produktionsbetrieb mit Schichtdienst. Die Produktionsbranche ist enormem Produktionsdruck ausgesetzt und orientiert sich stark an den Bedürfnissen der Kunden. Für den globalen Markt und die internationalen Kunden wird kontinuierlich produziert.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG / PROBLEMSTELLUNG
2 ZIELSETZUNG
3 GEGENWÄRTIGER KENNTNISSTAND
3.1 Definitionen
3.1.1 Gesundheit
3.1.2 Betriebliche Gesundheitsförderung
3.1.3 Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)
3.1.4 Schichtarbeit
3.1.5 Gründe für Schicht- und Nachtarbeit
3.1.6 Gesetzliche Grundlagen und Stellungnahmen relevanter Institutionen Arbeitssicherheitsgesetz
3.1.7 Die Ottawa-Charta der World Health Organization (WHO)
3.1.8 Arbeitsschutzgesetz
3.1.9 Die Luxemburger Deklaration zur betrieblichen Gesundheitsförderung
3.2 Aktueller Kenntnis- und Forschungsstand zum Thema BGM
3.2.1 Kennzeichen der neuen Arbeitswelt
3.2.2 Kosten-Nutzen Verhältnis im BGM
3.2.3 Krankenstand in Deutschland
3.2.4 Gesundheit und Schichtarbeit
3.2.5 Vorteile BGM
3.2.6 Demografischer Wandel
3.2.7 Akteure des BGM
3.2.8 Nachhaltigkeit
4 METHODIK
4.1 Fragestellungen/Forschungsfragen
4.2 Untersuchungseinheit
4.2.1 Beschreibung
4.2.2 Rekrutierung
4.3 Untersuchungsablauf/Untersuchungsdesign
4.4 Hypothesen
4.5 Messinstrumente
4.6 Datenerhebung
4.7 Datenverwertung
4.7.1 Statistische Verfahren
4.7.2 Einsatz von Statistiksoftware
5 ERGEBNISSE
6 DISKUSSION
6.1 Kritische Reflexion
6.1.1 Kritische Reflexion zum Vorgehen
6.1.2 Kritische Reflexion der Ergebnisse
6.2 Diskussion
7 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Masterthesis verfolgt das Ziel, basierend auf einer Mitarbeiterbefragung, Kriterien und Handlungsempfehlungen für die Implementierung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) zu entwickeln, das speziell auf die Bedürfnisse von Schichtarbeitern zugeschnitten ist. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie ein solches BGM erfolgreich geplant und umgesetzt werden kann, wobei zusätzlich analysiert wird, ob sich verschiedene Altersgruppen in Bezug auf Rückenbeschwerden unterscheiden.
- Analyse der Gesundheits- und Belastungssituation bei Schichtarbeit
- Entwicklung bedarfsgerechter Kriterien für das BGM-Konzept
- Untersuchung von Zusammenhängen zwischen Alter und körperlichen Beschwerden
- Erarbeitung praktischer Handlungsempfehlungen für Produktionsbetriebe
Auszug aus dem Buch
3.1.4 Schichtarbeit
Der Begriff ‚Schichtarbeit‘ wurde erstmals um 1300 n. Chr. im Bergbau als Fachausdruck für die Arbeitszeit verwendet. Im Erzbergbau beschreibt die ‚Schichtzeit‘ jene Zeit, die zum Abbau einer Gesteinsschicht benötigt wurde. Diese Zeiteinheit wurde zum Synonym für die Arbeitszeit pro Tag der Bergleute (Weidum. 2002, S.19 und S.24).
Der Begriff wurde im Laufe der Zeit auch bei Hütten- und Salinenarbeitern benutzt und später auf andere Berufsfelder mit ähnlichen Zeiteinheiten ausgeweitet. Heute wird ‚Schicht‘ für viele Arbeitszweige verwendet und beschreibt im allgemeinen Sprachgebrauch die tägliche Arbeitszeit eines Arbeitnehmers.
Die Richtlinie 2003/88/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über bestimmte Aspekte der Arbeitszeitgestaltung vom 4. November 2013 beschreibt Schichtarbeit aus arbeitsrechtlicher Sicht als „jede Form der Arbeitsgestaltung kontinuierlicher oder nicht kontinuierlicher Art mit Belegschaften, bei der Arbeitnehmer nach einem bestimmten Zeitplan, auch im Rotationsturnus, sukzessive an den gleichen Arbeitsstellen eingesetzt werden, so dass sie ihre Arbeit innerhalb eines Tages oder Wochen umfassenden Zeitraums zu unterschiedlichen Zeiten verrichten“ (Richtlinien 2003/88/EG).
Im Folgenden wird die Schichtarbeit aus arbeitswissenschaftlicher Sicht von Knauth und Hornberger definiert. Schichtarbeit sind „jene Formen der Arbeitszeitorganisation, bei denen Arbeit entweder zu wechselnder Zeit [Wechselschicht] oder zu konstanter, aber ungewöhnlicher Zeit [z. B. Dauernachtschicht] ausgeführt werden muss. Schichtarbeit ergibt sich dabei immer aus der Tatsache, dass die gleiche Tätigkeit zu verschiedenen Abschnitten des Tages und der Nacht von verschiedenen Arbeitnehmern am gleichen Arbeitsplatz ausgeführt werden muss.“ (Knauth, P./Hornberger, S., 1997, S.9 // Knauth, P./ Hornberger, S., 1997,).
Die beiden exemplarisch dargestellten Definitionen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Fokussierung. Die arbeitsrechtliche Definition hebt die betriebsorganisatorische Seite der Schichtarbeit hervor, wohingegen die arbeitswissenschaftliche Definition vermehrt auf den Zeitrahmen der Tätigkeit eingeht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG / PROBLEMSTELLUNG: Einführung in die Arbeitszeitsituation in Deutschland und die spezifischen Herausforderungen von Schichtarbeitern für das betriebliche Gesundheitsmanagement.
2 ZIELSETZUNG: Darlegung des Vorhabens, Kriterien und Empfehlungen für ein BGM-Konzept durch eine Mitarbeiterbefragung in einem Produktionsbetrieb abzuleiten.
3 GEGENWÄRTIGER KENNTNISSTAND: Theoretische Grundlagen zu Gesundheit, Schichtarbeit und BGM sowie Analyse der aktuellen Forschungslage inklusive Kosten-Nutzen-Aspekten.
4 METHODIK: Detaillierte Beschreibung des methodischen Vorgehens, der Untersuchungseinheit, des Fragebogens und der angewandten statistischen Verfahren.
5 ERGEBNISSE: Präsentation und Auswertung der erhobenen Daten aus der Mitarbeiterbefragung sowie Beantwortung der Forschungsfragen.
6 DISKUSSION: Kritische Reflexion des methodischen Vorgehens sowie der Ergebnisse und Einordnung in den aktuellen wissenschaftlichen Kontext.
7 FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf die Notwendigkeit strukturierter BGM-Maßnahmen in Betrieben mit Schichtdienst.
Schlüsselwörter
Betriebliches Gesundheitsmanagement, BGM, Schichtarbeit, Mitarbeiterbefragung, Ergonomie, Arbeitszeitgestaltung, Gesundheit, Produktionsbetrieb, Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Prävention, demografischer Wandel, Arbeitsbelastung, Führungsstil, psychische Gesundheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption eines betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM), das speziell auf die Herausforderungen von Betrieben mit Schichtdienst angepasst ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Schwerpunkte sind Gesundheit und Stress, Ergonomie am Arbeitsplatz sowie eine gesunde Führungskultur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist die Ableitung von Kriterien und Handlungsempfehlungen für ein BGM-Konzept in einem Produktionsbetrieb sowie die Klärung, ob sich verschiedene Altersgruppen bei Rückenbeschwerden unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine empirische Querschnittserhebung mittels eines individuell angepassten, schriftlichen Fragebogens durchgeführt, wobei statistische Verfahren wie der Kruskal-Wallis-Test zur Datenanalyse zum Einsatz kommen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Aufarbeitung des Kenntnisstandes, die methodische Vorgehensweise, die detaillierte Ergebnispräsentation der Befragung und eine anschließende kritische Diskussion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind BGM, Schichtarbeit, Mitarbeiterbefragung, Ergonomie, Arbeitsbelastung und Prävention.
Warum ist das Thema BGM speziell für Schichtbetriebe so relevant?
Aufgrund unregelmäßiger Arbeitszeiten können klassische BGM-Maßnahmen oft nicht wahrgenommen werden, was spezifische, bedarfsorientierte Anpassungen erfordert.
Welche Rolle spielt der demografische Wandel in dieser Untersuchung?
Der demografische Wandel und der Fachkräftemangel machen die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit älterer Mitarbeiter sowie die Integration jüngerer Kräfte zu einem zentralen Motiv für ein nachhaltiges BGM.
- Arbeit zitieren
- Simon Nitschke (Autor:in), 2017, Entwicklung eines BGM-Konzeptes für Betriebe mit Schichtdienst auf Basis einer Mitarbeiterbefragung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386967