Die Gruppe 47 und ihre Beziehung zu Paul Celan


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

22 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Wer oder was war die Gruppe 47

3. Die Geschichte der Gruppe 47
3.1. Gründung
3.2. Entwicklung im Lauf der Jahre
3.3. Zerfall und Ende

4. Paul Celan und die Gruppe 47

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Gruppe 47 – ein schillernder Begriff, den die meisten schnell mit Literatur und dem Nachkriegsdeutschland in Verbindung bringen. Fast jeder hat den Begriff „Gruppe 47“ schon einmal gehört und vielleicht fallen dem einen oder anderen auch spontan ein paar Autoren dieser Schriftstellergruppe ein.

Doch was war das überhaupt für eine Gruppe? Wer gehörte dazu? Was bewirkte sie? Wie kam es zur Gründung? Wieso zerbrach die Gruppe?

Diesen Fragen soll mit dieser Arbeit auf den Grund gegangen werden, um diese Schriftstellervereinigung etwas näher zu beleuchten.

Ich werde hierbei zunächst einen kurzen Abriss über die Geschichte der Gruppe 47 geben, wobei ich Schwerpunkte bei den Themen „Gründung“ und „Zerfall“ der Gruppe 47 setze und die Entwicklung im Laufe der Jahre nur kurz anreiße, da eine umfassende Darstellung den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.

Im Anschluss an die Betrachtung der berühmten Literatengruppe möchte ich auf ihre Beziehung zum jüdischen Dichter Paul Celan eingehen, die nicht ohne Spannungen verlief und von vielen Missverständnissen gekennzeichnet war.

2. Wer oder was war die Gruppe 47?

Das Gründungsjahr der Gruppe 47, 1947:

„ein intensiver Sommer, überfüllte Züge, winzige Fettrationen, internationale Konferenzen und enttäuschte Hoffnungen. Es wurde viel von Frieden gesprochen, von Menschenwürde und von Kollektivschuld. (…) Die Spruchkammern liefen auf vollen Touren, und Hunderttausende von deutschen Kriegsgefangenen warteten noch in amerikanischen, französischen, englischen und russischen Gefangenenlagern auf ihre Heimkehr. Wer damals die Wiederbewaffnung Deutschlands gefordert hätte oder die Restauration des Krupp-Konzerns wäre eingesperrt worden: entweder ins Irrenhaus oder ins Gefängnis. Elend in den Trümmerstädten. Ein Care-Paket aus Übersee, angefüllt mit Zucker, Reis, Fett, Schokolade. Kaffee und Zigaretten, war beneideter Reichtum (…). Täglich wurden Flüchtlinge aus den polnisch besetzten Ostgebieten aus Güterzügen in die Trümmerlandschaft gespien. Der Begriff „Flüchtling“ wurde zu einem Schimpfwort, die deutsche Not entfesselte die niedersten Instinkte. Amerikas Perfektionismus (…) eroberte die Seelen und Gehirne; angebetet wie eine Götze, erschien er vielen Deutschen als die höchste und erstrebenswerte Stufe menschlicher Entwicklung. Das „Volk der Dichter und Denker“ begann zum kapitalistischen Materialismus zu pervertieren – der Grundstein zum Wirtschaftswunder wurde gelegt.[1]

So beschreibt Heinz Friedrich das Jahr 1947, das Jahr indem sich die Gruppe 47 gründete. Nach Hans Werner Richter war „der Ursprung der Gruppe 47 (…) politischer Natur. Nicht Literaten schufen sie, sondern politisch engagierte Publizisten mit literarischen Ambitionen.“[2] Ihre Intention war in erster Linie, zu verhindern, dass die Vergangenheit sich wiederholte und dass es erneut zu einem Terror-Regime, wie dem der Nazis, kam. Zugleich wollten sie mit ihrer Arbeit den Grundstein für ein neues, ein demokratisches Deutschland legen, das all seinen Bürgern eine bessere Zukunft gewähren sollte. Darüber hinaus setzte man es sich als Ziel, eine neue Literatur zu schaffen, eine Literatur, die sich ihrer politischen und gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sein sollte. Dies resultierte aus der Überzeugung, dass die Literatur und Publizistik nicht schuldlos an den damals erst frisch zurücklegenden und immer noch allgegenwärtigen Geschehnissen war. Man wollte eine komplette Veränderung des Nachkriegsdeutschlands, einen Neubeginn mit neuen Voraussetzungen, neuen Methoden und neuen Zielen.[3] Buck fasst diese Ziele unter den Stichworten „Antifaschismus, Antimilitarismus und ein Engagement für eine neue, humane Gesellschaft mit sozialer Gerechtigkeit“ zusammen.[4]

Nach Hans Werner Richter hat die Gruppe 47 dann im Lauf der Jahre diverse Mutationen durchlaufen und sich dabei gewandelt, die ideellen Ausgangspunkte jedoch sollten immer erhalten bleiben. Diese zählt er wie folgt auf:

„a) demokratische Elitebildung auf dem Gebiet der Literatur und der Publizistik;
b) die praktisch angewandte Methode der Demokratie in einem Kreis von Individualisten immer wieder zu demonstrieren mit der Hoffnung der Fernwirkung und der vielleicht sehr viel späteren Breiten- und Massenwirkung;
c) beide Ziele zu erreichen ohne Programm, ohne Verein, ohne Organisation und ohne irgendeinem kollektiven Denken Vorschub zu leisten.“[5]

Manch einer mag diese Ansätze als einen „ideelle(n) Höhenflug“[6] sehen. Dergleichen war jedoch nicht untypisch für die ersten Nachkriegsjahre und somit schrieb sich diese neue Generation, die Generation der Dichter und Denker zwischen 20 und 40 Jahren, all ihre Gedanken, all ihre quälenden Erinnerungen, ihre Wünsche und Träume von der Seele. Dies alles geschah mit einer gehörigen Portion Mut, war es doch zur damaligen Zeit höchst gefährlich Kritik an der herrschenden Militärregierung zu üben, und ein paar Monate hinter Gittern oder ein Schreib- und Redeverbot waren keine Seltenheit.[7] Doch die Idealisten der Gruppe 47 nahmen dieses Risiko gerne in Kauf, sahen sie doch ihre Chance „für eine geistige und politische Neuordnung zu plädieren, die dem zermarterten Kontinent Europa vielleicht eine Wiedergeburt schenken konnte.“[8] Sie hatten, angesichts der Schlachtfelder des Zweiten Weltkrieges, all ihre Illusionen verloren, hatten die Sinnlosigkeit dieses europäischen Bruderkrieges und die Brüchigkeit dieser Hasserfüllten Propaganda erkannt und wollten nun reinen Tisch mit der Vergangenheit machen, sich dazu äußern und etwas bewegen.[9] Sie forderten „das vereinte Europa ohne nationale Ressentiments und ohne Vorurteile, ein Europa ohne Sieger und Besiegte, ein solidarisches Europa, das die Freiheit garantiert.“[10]

In der Gruppe 47 trafen sie zusammen und aufeinander, denn hier fanden sie ein Sprachrohr für ihre Gedanken, Meinungen, Überzeugungen und Literatur.

3. Die Geschichte der Gruppe 47

Die Gruppe aus Schriftstellern, die sich 1947 um Hans Werner Richter zusammenfand und im Laufe der Jahre immer weiter wuchs, beeinflusste über 20 Jahre lang maßgeblich das literarische Leben in Deutschland.

Eine vollständige Darstellung ihrer Geschichte, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, daher möchte ich im folgenden nur einen kurzen Abriss über die Entstehung, Entwicklung und den Zerfall der berühmten Literaten-Vereinigung geben und mit ihrer Gründung beginnen.

[...]


[1] Richter 1962, S. 15 f.

[2] Richter 1962, S. 8.

[3] Vgl.: Richter 1962, S.8.

[4] Buck 1999, S. 65.

[5] Richter 1961, S. 11.

[6] Richter 1962, S.8.

[7] Vgl.: Richter 1962, S. 16.

[8] Richter 1962, S. 16.

[9] Vgl. Richter 1962, S. 16.

[10] Richter, 1962, S.16 f.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Gruppe 47 und ihre Beziehung zu Paul Celan
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Veranstaltung
Haupseminar: Paul Celan
Note
2
Autor
Jahr
2005
Seiten
22
Katalognummer
V38700
ISBN (eBook)
9783638376907
Dateigröße
653 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Gliederung: 1. Einleitung 2. Wer oder was war die Gruppe 47? 3. Die Geschichte der Gruppe 47 3.1. Gründung 3.2. Entwicklung im Lauf der Jahre 3.3. Zerfall und Ende 4. Paul Celan und die Gruppe 47 5. Literaturverzeichnis
Schlagworte
Gruppe, Beziehung, Paul, Celan, Haupseminar, Paul, Celan
Arbeit zitieren
S. Lauterbach (Autor), 2005, Die Gruppe 47 und ihre Beziehung zu Paul Celan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38700

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