Diese Bachelorarbeit berücksichtigt die Interdisziplinarität der Gewaltforschung, die dann am Beispiel des Romans Ich freue mich, dass ich geboren bin von Birgit Vanderbeke veranschaulicht wird.
Zu den relevanten Themen, die in dieser Arbeit behandelt werden, gehören vier Kategorien, die in dem Gewaltdiskurs von großem Belang sind und aus diesem Grund angesprochen werden sollen: Macht, Gewalt, Geschlecht und Raum. Unter Berücksichtigung der oben genannten Kategorien wird folglich auf physische, psychische und sexuelle Formen der Gewalt eingegangen.
Im zweiten Teil der Arbeit findet sich die Analyse des Romans. Bei der Problematisierung der Gewalt gegen Kinder werden auch Bewältigungsstrategien unter die Lupe genommen, d.h. es wird danach gefragt, auf welche Art und Weise Probleme und Gefahren von den betroffenen Figuren bewältigt werden. Gewaltausbrüche und Gewalthandlungen, die in Vanderbekes Roman einfließen, werden sowohl von Tätern, Opfern als auch von Gewaltzeugen gerechtfertigt. In den literarisch inszenierten Motivationslagen werden gesellschaftlich-kulturelle Konzepte sichtbar, z.B. Abhängigkeitsverhältnisse, Stereotype, patriarchale Werte etc. Diese Diplomarbeit wird mit einer Zusammenfassung abgeschlossen, in der die Ergebnisse der Analyse dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Macht- und Gewaltkonzepte
3 Sozialer Raum und seine Beschaffenheit
3.1 Gewalt im Geschlechterverhältnis
3.2 Gewalt gegen Kinder
4 Gewalthandeln und Gewalterleben in Birgit Vanderbekes Ich freue mich, dass ich geboren bin
5 Kinder als Opfer von häuslichen Gewaltstrukturen
5.1 Körperliche Gewalt
5.2 (Non)Verbale Gewalt
6 (Familien)Haus als Gewaltort
7 Motivation und Rechtfertigung von Gewalthandlungen
8 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der häuslichen Gewalt in Birgit Vanderbekes Roman Ich freue mich, dass ich geboren bin. Im Fokus steht die interdisziplinäre Analyse von Macht-, Gewalt- und Raumkonzepten, um die brutalen Beziehungskonstruktionen innerhalb der Familie sowie die Auswirkungen auf die Identitätsentwicklung des namenlosen siebenjährigen Kindes als Gewaltopfer aufzuzeigen.
- Machtdynamiken und Gewaltkonzepte in sozialen Systemen
- Sozialer Raum als Tatort häuslicher Gewalt
- Geschlechtsspezifische Rollenerwartungen und deren gewaltfördernde Inszenierung
- Strategien zur Verleugnung und Rechtfertigung von Gewalt innerhalb der Familie
- Psychische und physische Auswirkungen auf Kinder als Gewaltbetroffene
Auszug aus dem Buch
4 Gewalthandeln und Gewalterleben in Birgit Vanderbekes Ich freue mich, dass ich geboren bin
Der Roman Ich freue mich, dass ich geboren bin von Birgit Vanderbeke entstand im Jahr 2016. Vanderbeke arbeitet in ihrem Roman ein Stück eigener Geschichte auf.
Den zeitlichen Rahmen der Erzählung bildet die Nachkriegszeit, genauer gemeint ist das Jahr 1963. Die Folgen des Krieges und die Teilung Deutschlands umgeben die ganze Handlung und sind in jeder Situation spürbar. Im Mittelpunkt des Textes steht ein namenloses, kleines Mädchen und zugleich die Ich-Erzählerin, aus deren Perspektive ihre doppelte Flucht erzählt wird. Zum einen flüchtet sie zusammen mit ihren Eltern aus dem Osten nach Westdeutschland, in das sogenannte Land der Verheißung und zum anderen erlebt sie die innere Flucht vor der in der Familie existierenden emotionalen Kälte.
Die Mutter, eine Lehrerin, verliert ihren Verlobten im Krieg und um keine alte Jungfer zu bleiben, heiratet sie einen ca. zehn Jahre jüngeren Mann, mit dem sie schwanger wird.
Der junge Vater entscheidet sich mit schwerem Herzen, sein Ost-Berliner Studentenleben und seine Besuche mit Freundinnen in den West-Kinos aufzugeben und sich mit der Vaterrolle zu konfrontieren. Die Eltern, vor allem die Mutter, deren Träume und Wünsche von großem Belang sind, erhoffen sich ein besseres Leben im goldenen Westen. Doch die neue erträumte Dreizimmerwohnung, gewünschte Teakholzmöbeln oder das lang ersehnte Auto Opel Kapitän können das Glück nicht mitbringen, wenn das Familienleben und somit die Ehe zerrüttet ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das interdisziplinäre Thema der häuslichen Gewalt ein und erläutert die Relevanz der Analyse des Romans von Birgit Vanderbeke unter Berücksichtigung von Macht, Gewalt, Geschlecht und Raum.
2 Macht- und Gewaltkonzepte: Das Kapitel vergleicht soziologische Theorien von Foucault, Luhmann und Galtung, um die Übergängigkeit sowie die Repressivität von Macht- und Gewaltbeziehungen theoretisch einzuordnen.
3 Sozialer Raum und seine Beschaffenheit: Hier werden raumsoziologische Konzepte, insbesondere nach Martina Löw, herangezogen, um den familiären Raum als ein durch Machtverhältnisse geprägtes Interaktionsfeld zu definieren.
4 Gewalthandeln und Gewalterleben in Birgit Vanderbekes Ich freue mich, dass ich geboren bin: Dieses Kapitel bettet den Roman in seinen historischen Kontext der Nachkriegszeit ein und analysiert die verzweifelte familiäre Situation der Ich-Erzählerin.
5 Kinder als Opfer von häuslichen Gewaltstrukturen: Die Untersuchung konzentriert sich auf die spezifischen Traumatisierungen des siebenjährigen Mädchens, das sowohl physisch durch den Vater als auch verbal durch die Mutter misshandelt wird.
6 (Familien)Haus als Gewaltort: Dieses Kapitel verdeutlicht, wie das Zuhause statt eines Schutzraumes als Ort der Angst und Unsicherheit fungiert, in dem die Fassade einer perfekten Familie aufrechterhalten wird.
7 Motivation und Rechtfertigung von Gewalthandlungen: Hier wird untersucht, wie Täter ihre Übergriffe durch Externalisierung oder als angebliche Erziehungsmethode legitimieren und warum Außenstehende den Gewaltkreislauf oft nicht unterbrechen.
8 Zusammenfassung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die zerstörerische Wirkung pathologischer Familienstrukturen auf die kindliche Entwicklung.
Schlüsselwörter
Häusliche Gewalt, Birgit Vanderbeke, Machtverhältnisse, Kindesmisshandlung, Raumsoziologie, Familienstruktur, Gewaltforschung, psychische Gewalt, körperliche Gewalt, Identitätsentwicklung, Rollenstereotype, Stigma-Management, Interdisziplinarität, Nachkriegszeit, Traumata.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Analyse von häuslicher Gewalt im Roman Ich freue mich, dass ich geboren bin von Birgit Vanderbeke.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind Machtdynamiken, Gewalt gegen Kinder, geschlechtsspezifische Rollenbilder und die Bedeutung des Raumes (Haus/Familie) bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Gewalt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Gewaltpraktiken in der Familie inszeniert werden und welche psychischen sowie physischen Auswirkungen diese Erfahrungen auf das betroffene Kind haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Ansatz und stützt sich auf soziologische sowie gewaltforschungstheoretische Konzepte von Autoren wie Foucault, Luhmann, Bourdieu und Galtung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Gewaltformen (physisch, (non)verbal), die Rolle des sozialen Raumes, die Rechtfertigungsstrategien der Täter und die Auswirkungen der häuslichen Gewalt auf die Protagonistin.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem häusliche Gewalt, Macht, Kindesmisshandlung, Raumsoziologie und Familienstrukturen.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Vaters und der Mutter im Roman?
Während der Vater primär physische Gewalt ausübt, zeichnet sich die Mutter durch psychische Gewalt und die Anstiftung des Vaters zu weiteren Misshandlungen aus.
Warum wird das Haus im Roman nicht als Rückzugsort wahrgenommen?
Das Haus verliert seine Funktion als Ort der Geborgenheit und wird aufgrund der dort herrschenden Angst und Gewalt zu einem Ort des Terrors und Gefängnis für das Kind.
Welche Rolle spielt die Figur der Ärztin in der Analyse?
Die Ärztin fungiert als Beispiel für das Versagen von Institutionen, die Gewaltspuren zwar bemerken, aber aufgrund der Rechtfertigungsstrategien der Mutter keine intervenierenden Maßnahmen einleiten.
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- Katarzyna Kipczak (Author), 2017, Gewalthandeln und Gewalterleben in Birgit Vanderbekes "Ich freue mich, dass ich geboren bin", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387014