Jede Woche sind unzählige Schiedsrichter und Schiedsrichterinnen in den bayrischen Hallen unterwegs und leiten in verschiedenen Klassen und Altersstufen Handballspiele. Dabei soll der Schiedsrichter, gemäß der Schiedsrichterordnung, als
unauffälliger und neutraler Spielleiter agieren. Dies ist in der Praxis nur schwer umsetzbar. Wenn man einen Blick in die Hallen wirft, so kann man sehen, dass gerade diese `Unauffälligkeit` der Schiedsrichter durch die gegebene Aufmerksamkeit von Spieler, Trainer und Zuschauer beeinflusst wird: Spieler diskutieren mit den Unparteiischen heftig über getroffene Entscheidungen, Trainer lamentieren an der Seitenlinie und Zuschauer kommentieren jeden Pfiff durch Grölen und Beleidigungen.
Dabei stellen sich die Fragen, welche Anforderungen an die Unparteiischen gestellt werden und wie sie mit diesen Faktoren umgehen. Für diese Arbeit wurde eine Umfrage mit 338 Handballschiedsrichtern aus Bayern durchgeführt. Auf die Ergebnisse der Studie wird im zweiten Teil der Arbeit eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Handballschiedsrichter in Bayern
2. Stress- ein oft verwendeter Begriff
2.1 Grundbegriffe der Stresstheorien
2.1.1 Disstress und Eustress
2.1.2 Psychologisches Stresskonzept nach Nitsch
2.1.3 Stressbewältigung
2.1.3.1 Primäre Einschätzungen
2.1.3.2. Sekundäre Einschätzung
2.1.3.3 Bewältigungsstrategien
2.1.4 Stressbewältigung nach Krohne
2.1.4.1 Copingstilmodell der Bewältigungsmodi
2.1.4.2 Bewältigungsmodi in Bezug auf die Persönlichkeit
2.2 Forschungsergebnisse in Bezug auf Stress bei Schiedsrichtern
2.2.1 Selbsteinschätzung des Stressempfindens von Schiedsrichtern
2.2.2 Identifikation und Bewertung von Stresssituationen und deren Belastung
2.2.3 Die empirische Studie von Brand als Vorüberlegung
2.2.3.1 Fragebogen
2.4.3.2 Hypothesen bei Brand
2.4.3.3 Untersuchungsplan und Ablauf
2.4.3.4 Ergebnisse
3. Aufgaben von Handballschiedsrichter
3.1 Der Handballschiedsrichter in der Institution Bayrischer Handballverband
3.2. Regeln- die Grundlage für jeden Schiedsrichter
3.3 Entscheidungen als Ausführung des Regelwerks
3.3.1 Arten von Entscheidungen
3.3.2 Entstehung von Entscheidungen
3.3.3 Urteilsfehler
3.4. Der Schiedsrichter als Regelüberwacher oder Gamemanager?
3.4.1 Rollenbilder von Schiedsrichter
3.4.2 Der Schiedsrichter als „Spielleiter“
4. Die Studie Handballschiedsrichter und Stress
4.1 Untersuchungsziele und Hypothesenentwicklung
4.2 Beschreibungen der Erhebungsmethode
4.3 Untersuchungsablauf
4.4 Probanden
4.5 Ergebnisse der Studie
4.5.1 Ergebnisse zum Hypothesenkomplex 1 (Intensität von Stresssituationen und Häufigkeit)
4.5.2 Hypothesenkomplex 2 ( Vergangenheitsorientierte Kognitionen durch REKIF-BSR)
4.5.3 Hypothesenkomplex 3 (Aufgabe der Schiedsrichter)
4.5.4 Ergebnisse der deskriptiven Analyse
4.6 Zusammenfassung der Ergebnisse
5. Diskussion
5.1.Stressbeanspruchung und Stresshäufigkeit von Schiedsrichtern
5.2. Vergangenheitsbezogene interferierende Kognitionen von Handballschiedsrichter
5.3. Aufgabe des Schiedsrichters (Regelanwender oder Gamemanager)
5.4. Unterschiede und Gemeinsamkeiten der deskriptiven Ergebnisse
5.5 Hilfen und Tipps für Schiedsrichter
5.6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die psychische Beanspruchung von Handballschiedsrichtern und analysiert, wie diese mit Stresssituationen, individuellen Bewältigungsstrategien und dem Rollenbild des Schiedsrichters (Regelanwender vs. Gamemanager) zusammenhängt. Ziel ist es, das Verständnis für die Anforderungen an Schiedsrichter zu vertiefen und Faktoren für Stress sowie mögliche Lösungsansätze für die Praxis aufzuzeigen.
- Stressbelastung und Stresshäufigkeit bei Handballschiedsrichtern
- Einfluss von vergangenheitsorientierten, interferierenden Kognitionen auf die emotionale Beanspruchung
- Untersuchung der Rollenbilder "Regelanwender" und "Gamemanager"
- Vergleichende Analyse zwischen verschiedenen Leistungskadern und Geschlechtern
- Ableitung von praktischen Hilfen und Tipps zur Stressbewältigung
Auszug aus dem Buch
1. Handballschiedsrichter in Bayern
Jede Woche sind unzählige Schiedsrichter und Schiedsrichterinnen in den bayrischen Hallen unterwegs und leiten in verschiedenen Klassen und Altersstufen Handballspiele. Dabei soll der Schiedsrichter, gemäß der Schiedsrichterordnung, als unauffälliger und neutraler Spielleiter agieren. Dies ist in der Praxis nur schwer umsetzbar. Wenn man einen Blick in die Hallen wirft, so kann man sehen, dass gerade diese `Unauffälligkeit` der Schiedsrichter durch die gegebene Aufmerksamkeit von Spieler, Trainer und Zuschauer beeinflusst wird: Spieler diskutieren mit den Unparteiischen heftig über getroffene Entscheidungen, Trainer lamentieren an der Seitenlinie und Zuschauer kommentieren jeden Pfiff durch Grölen und Beleidigungen.
Hierbei ist erkennbar, dass der Schiedsrichter nicht nur eine Nebenfigur auf dem Spielfeld ist, sondern mit den 14 Spielern zusammen eine der Hauptrollen erhält. Dadurch ist es unbestreitbar, dass Trainer, Spieler und meist auch Zuschauer mit der gezeigten Leistung eines Schiedsrichtergespanns unzufrieden sind. Dies zeigte sich sowohl dieses Jahr bei der Handball-EM in Polen, bei der sich auch die deutsche Mannschaft teilweise benachteiligt fühlte. Aber auch in niedrigeren Ligen zeigt sich eine Unzufriedenheit in letzter Zeit immer häufiger in veröffentlichte Spielberichte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Handballschiedsrichter in Bayern: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und verdeutlicht die komplexe Rolle sowie die hohen Erwartungen an den Handballschiedsrichter in der Praxis.
2. Stress- ein oft verwendeter Begriff: Es werden grundlegende psychologische Stresstheorien (Lazarus, Krohne, Nitsch) erläutert, um ein Verständnis für die Stressentstehung und -bewältigung bei Schiedsrichtern zu schaffen.
3. Aufgaben von Handballschiedsrichter: Hier werden die Aufgaben und das Rollenverständnis von Schiedsrichtern, insbesondere im Kontext des Regelwerks und als Spielleiter, beleuchtet.
4. Die Studie Handballschiedsrichter und Stress: Dieses Kapitel beschreibt die Ziele, die Hypothesen, die Methodik sowie die Durchführung der empirischen Untersuchung zur Stressbelastung von Schiedsrichtern.
5. Diskussion: Die Ergebnisse werden kritisch diskutiert, mit bestehender Literatur verglichen und es werden praktische Tipps für Schiedsrichter abgeleitet.
Schlüsselwörter
Handballschiedsrichter, Stress, Stressbewältigung, Spielleitung, Gamemanager, Regelanwender, Leistungsdruck, kognitive Beanspruchung, Stresssituationen, Schiedsrichterrolle, Stressintensität, Stresshäufigkeit, Coping, psychologische Belastung, Schiedsrichterausbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der psychischen Beanspruchung von Handballschiedsrichtern durch Stresssituationen während ihrer Tätigkeit und untersucht, wie diese mit ihrem Rollenverständnis und individuellen Bewältigungsstrategien korrespondieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der Stressintensität, der Häufigkeit stressrelevanter Spielsituationen, der Bedeutung vergangenheitsorientierter Kognitionen sowie der Differenzierung der Schiedsrichterrolle zwischen "Regelanwender" und "Gamemanager".
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, das Anforderungsprofil von Handballschiedsrichtern besser zu verstehen, die Auswirkungen von Stressbelastungen empirisch zu erfassen und Ansätze zur Unterstützung, insbesondere für Nachwuchsschiedsrichter, aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Studie basiert auf einer quantitativen Befragung von 338 Handballschiedsrichtern in Bayern. Zur Erfassung wurden etablierte Befragungsinventare (BOSSS-d, REKIF-BSR) angepasst und statistisch ausgewertet.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen zu Stress und Entscheidungsfindung die Ergebnisse der eigenen Studie präsentiert, deskriptiv analysiert und hinsichtlich verschiedener Faktoren wie Alter, Erfahrung und Kaderzugehörigkeit interpretiert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Handballschiedsrichter, Stressbewältigung, Gamemanager, Regelanwender, Stressintensität und kognitive Beanspruchung definieren.
Welche Ergebnisse liefert die Studie bezüglich der Förderkaderschiedsrichter?
Die Studie identifiziert die Förderkaderschiedsrichter als eine Art "Problemgruppe", die in der Untersuchung durchgehend sehr hohe Werte bei Stressintensität und -häufigkeit aufweist.
Wie unterscheiden sich Männer und Frauen in der Studie?
Frauen reagieren in bestimmten Situationen mit einer höheren Stressintensität auf Stressreize als Männer, während Männer in der Gesamtzahl zwar häufiger Stress empfinden, dies aber nicht als signifikant bewertet wird.
- Quote paper
- Korbinian Konwitschny (Author), 2016, Der Handballschiedsrichter und Stress. Aufgaben und Stressbewältigung der Spielleiter im Sportspiel Handball, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387098