Was ist die Voraussetzung für Empathie?


Hausarbeit, 2017
16 Seiten

Leseprobe

Einleitung

1. Das Phänomen Empathie

1.1.Die Konstitution des fremden Leibes

1.2. Die Einfühlung in die fremde Seele

2. Das Bewusstsein von Ich & Andere

2.1 Die Existenz von „Ich“

2.2 Die Existenz der Anderen

3. Das Bewusstsein als Voraussetzung für Empathie

Literaturverzeichnis:


 Was ist die Voraussetzung für Empathie?

 

Einleitung

 

Zu Beginn des zweiten Irakkriegs ereignete es sich, dass eine Gruppe amerikanischer Soldaten sich einer Moschee näherte, um mit dem Imam der Stadt über die Verteilung von Hilfsgütern zu verhandeln. Die irakischen Bewohner aber nahmen aufgrund eines Missverständnisses, an, die Soldaten wollten ihre Moschee stürmen und so versammelten sich hunderte Moslems, um ihr Heiligtum zu verteidigen, sie schrien und drangen auf die Truppen ein. Der befehlshabende Offizier reagierte schnell und befahl den Soldaten sich hinzuknien, ihre Waffen auf den Boden zu richten – und zu lächeln. Einige der Menschen schrien immer noch, aber die meisten erwiderten das Lächeln. Manche klopften den Soldaten bei ihrem Rückzug sogar auf die Schultern(vgl. Goleman 2006, S.7).

 

Was ist hier passiert? Die aufgebrachten Bewohner erkannten die friedliche Absicht der Truppen sofort, als diese lächelten. Der Offizier hat die Lage der Menschen verstanden, konnte sich in sie einfühlen, hat so intuitiv die richtigen Befehle gegeben und das Missverständnis konnte schnell aufgeklärt werden.

 

Empathisch zu sein ist zutiefst menschliches Verhalten, ist sozusagen in der menschlichen Natur verankert und für jede alltägliche Begegnung wichtig, denn ohne dieses Einfühlungsvermögen wären Sozialität und Kommunikation überhaupt nicht möglich. Wenn wir keine Emotionen oder sprachlichen Feinheiten, wie z.B. Ironie, erkennen könnten oder Personen in ihrem Verhalten nicht einschätzen könnten, wäre es kaum möglich eine soziale Situation erfolgreich zu überstehen (vgl. Fiebich 2015, S.9).

 

In meiner Hausarbeit werde ich die Frage versuchen zu beantworten, was das Phänomen Empathie auslöst. Dazu werde ich folgendermaßen vorgehen. Ich werde in meinem ersten Kapiteln das Phänomen von phänomenologischer und philosophischer Sichtweise betrachten und versuchen zu definieren, wie Empathie in Erscheinung tritt und was sie ausmacht. Im zweiten Kapitel werde ich dann vermehrt auf das Bewusstsein eingehen. Ich werde zuerst das Bewusstsein, das Menschen von sich selbst besitzen und wie sie so anderen gegenübertreten können analysieren um daraufhin die anderen Menschen als Subjekte zu bestimmen, die mich in meinem Sein beeinflussen können. Zum Schluss werde ich beide zusammenführen, um so meine These das Bewusstsein sei die Voraussetzung für Empathie zu bestätigen oder zu widerlegen.

 

Was ich in meiner Hausarbeit nicht bearbeiten werde ist das Phänomen der Intersubjektivität, da damit allein schon ganze Bücher gefüllt wurden, des Weiteren werde ich nicht genauer auf die Entwicklung von Empathie, sowie Vorformen der Empathie eingehen. Ich werde Empathie nur in seiner Erscheinungsform beim Menschen betrachten und deshalb nicht die Frage stellen, ob sie auch bei Tieren vorkommen kann, dies ist für meine Hausarbeit nicht weiter relevant.

 

1. Das Phänomen Empathie

 

Die Empathie ist ein Phänomen, welches oft beschrieben wurde und auch sehr unterschiedlich aufgefasst wurde. Ich werde mich im ersten Kapitel meiner Hausarbeit vor allem auf die phänomenologischen Theorien Edith Steins und Edmund Husserls, sowie die Ausführungen Max Schelers zu Sympathie stützen.

 

Den anderen Menschen erkennen wir als, genauso wie wir, fähig zu Wahrnehmungen. Der/die Andere ist also ein fühlender Körper, der die Dinge nicht nur empfindet, sondern sieht und hört und wir verstehen, dass er/sie dies tut, dass er/sie die Dinge so sieht, wie wir sie aus seiner/ihrer Perspektive auch sehen könnten (vgl. Husserl 1973, S.63). Genau dies ist, wenn es auch selbstverständlich erscheint, die Voraussetzung der Möglichkeit der Empathie. Wir müssen zuerst anerkennen, dass der/die Andere ein empfindendes ‚Ich‘ besitzt, das denkt und fühlt und er/sie nicht nur für mich in meiner Welt existiert, sondern ebenfalls ‚Orientierungszentrum‘ seiner/ihrer Welt ist und mit mir in Beziehung treten kann (vgl. Stein 2008, S.13). Darauf werde ich im zweiten Kapitel genauer eingehen. Zuerst möchte ich beschreiben, wie genau Empathie uns erscheint.

 

Empathie ist verwandt mit einigen anderen Emotionen, die man allerdings genau von ihr abgrenzen muss, sodass keine Verwechslungen entstehen. Nehmen wir den Begriff des Mitgefühls. Mitgefühl ist verbunden mit Mitleid. Es gibt einen Unterschied zwischen dem reinen Nachfühlen, wobei ich nur die Gefühle des/der Anderen erkenne und dem Mitgefühl, wobei ich die Gefühle des/der Anderen nicht nur erkenne, sondern auch ein ethischer Gedanke mitspielt, nämlich das Leid des/der Anderen lindern zu wollen (vgl. Scheler 1999, S.20). Mitgefühl ist deshalb eine mögliche Konsequenz von Empathie (vgl. Bischof-Köhler 2009, S. 314). Das Mitfühlen, also die Teilnahme an dem Gefühl, ist eine Reaktion auf die eingefühlten mentalen Zustände des/der Anderen (vgl. Scheler 1999, S.24). Ein weiteres Gefühl, dass nichts mit Empathie zu tun hat, ist die Gefühlsansteckung. Dabei übernimmt der/die Beobachter/in die Stimmung von anderen, ohne sich bewusst zu sein, was die Stimmung überhaupt verursacht hat (z.B. bei Lachen oder Erschrecken) (vgl. Schlossberger 2013, S.138). Es gibt dabei keine Erkenntnis von fremdem Erleben, sondern nur mein eigenes (vgl. Stein 2008, S.36). Dies zeigt sich aber auch, wenn wir - eigentlich in einer traurigen Stimmung – eine lustige Gesellschaft aufsuchen und nach und nach die gute Stimmung der Anderen auf uns übergeht (vgl. Scheler 1999, S. 26).

 

Weiterhin muss man die Einfühlung von der Einsfühlung unterscheiden. Einsfühlung bedeutet nämlich, dass ich nicht unterscheiden kann, ob ein Gefühl aus mir selbst kommt oder es das eines/r Anderen ist und es im Prinzip nur mitgefühlt wird, wie bei einer Gefühlsansteckung (vgl. Stein 2008, S.27).

 

Stein unterscheidet zwischen ‚originären‘ und ‚nicht-originären‘ Erlebnissen (vgl. ebd. S.15). ‚Originäre‘ Erlebnisse seien solche, die ich gerade selbst erlebe, bzw. etwas, das ich gerade fühle, während ‚nicht-originäre‘ Erlebnisse die Erlebnisse oder Gefühle eines/r Anderen sind. Diese Erlebnisse/Gefühle nehme ich zwar wahr, aber ich weiß, dass es nicht meine sind, sondern die eines/r Anderen, ich kann sie zwar spüren, aber ich bleibe immer ganz bei mir (vgl. ebd. S.20). Dieses Fühlen des Erlebnisses als das eines/r Anderen nennt man Empathie. Es kommt nach Stein zustande, indem ich zuerst nur z.B. die Traurigkeit des/der Anderen an seiner/ihrer verzogenen Miene sehe, sie steht mir als Objekt gegenüber, aber wenn ich mir die impliziten Bedeutungen dieser Miene bewusst mache, erkenne ich auch die Stimmung (traurig sein), die sich dahinter verbirgt (vgl. ebd. S.19). Das Gefühl steht mir jetzt nicht mehr als Objekt gegenüber, es „hat mich in es hineingezogen“ (ebd. S.19).

 

Mich selbst nehme ich als direkt als empfindend wahr, die Empfindungen des/der Anderen erfasse ich nur durch die Empathie. Zusammenfassend kann man also sagen, die Einfühlung selbst ist mein eigenes ‚originäres‘ Erlebnis im Moment, aber ihr Gehalt ist ein fremdes Erleben, ein für eine/n Andere/n ‚originäres‘ Erleben (vgl. ebd. S.31).

 

1.1.Die Konstitution des fremden Leibes

 

Husserl und auch Stein beziehen diese Einfühlung zuerst nur auf körperliche Empfindungen. Wenn ich mich bewege, so spüre ich, dass ich mich bewege. Dieses Gefühl habe ich zwar nicht, wenn ich sehe, dass ein unbelebtes Ding bewegt wird, jedoch, wenn ein anderer Mensch sich bewegt. Es ist dann aber nicht dasselbe Gefühl, das ich bei mir empfinde und auch ist es kein Schluss, dieses Gefühl ist durch Einfühlung möglich (vgl. Husserl 1973, S.45). Ein Beispiel, welches beide anführen: Ich sehe meine Hand, ich weiß, dass es meine Hand ist, dass ich sie bewegen kann, dass ich durch meine Hand Empfindungen verspüren kann. Nun sehe ich die Hand eines/r Anderen und empfinde sie nicht als bloßes Ding, sondern fasse sie ebenfalls als Hand auf. Nur eben nicht als Träger meiner aktuellen Empfindungen, meiner Möglichkeiten, sondern als dem anderen Leib zugehörig (vgl. ebd. S.46, sowie Stein 2008, S.75). Stein erklärt sich dieses Einfühlungsvermögen in fremde Körper so, dass ich meinen Körper als variablen Typ innerhalb bestimmter Grenzen erkenne. Das bedeutet, ich kann andere der Kategorie Mensch zuordnen, ohne dass diese genauso aussehen müssen wie ich selbst. Zusätzlich ist die Einfühlung nicht auf Menschen beschränkt; auch in Lebewesen, die Ähnlichkeiten zu Menschen zeigen, können wir uns einfühlen (vgl. Stein 2008, S.76).  

 

Allerdings muss man noch die Unterscheidung machen zwischen Leib und Körper. Denn es ist nicht der Leib des Menschen den wir unmittelbar wahrnehmen, es ist nur sein Körper. Dieser Körper erscheint auch nicht als Körper eines/einer Anderen, sondern nur als ein Körper (vgl. Theunissen 1965, S.59). Denn der Leib ist nicht das, was wir sehen, wenn wir einem Menschen begegnen, sodass das psychische nur ‚mitwahrgenommen‘ wäre. Der Leib ist untrennbar mit dem Geist der Person verbunden und so ergibt es sich, dass die Wahrnehmung einer Person nie vollkommen sein kann, sondern immer Mängel aufweist. Denn die Empfindungen des/der Anderen kann ich mir zwar vergegenwärtigen, aber ich kann sie niemals selbst haben. Das ‚Empfindungsfeld‘ bleibt immer das des/der Anderen, ich kann es niemals so erfassen wie er/sie selbst (vgl. Husserl 1973, S.47). Am vorherigen Beispiel der eigenen und fremden Hand kann man nun also sagen, dass die Wahrnehmungen, die ich von der Hand des/der Fremden habe Vergegenwärtigungen sind, die analog dazu funktionieren, wie ich meine eigene Hand wahrnehme (vgl. ebd. S.50).

 

Das Leib-Körper-Problem ist, dass ich einen Körper prinzipiell komplett erfassen könnte. Auch wenn es unwahrscheinlich für mich ist, jemals z.B. eine Raumstation zu sehen, es besteht immerhin theoretisch die Möglichkeit der Wahrnehmung (vgl. ebd. S.51). Im Gegensatz dazu kann ich eben einen fremden Leib, der untrennbar mit der Persönlichkeit und der Seele der Person verbunden ist, niemals komplett erfassen, denn der/die Andere hat ein individuelles Ich, ein eigenes seelisches Leben, das ich nur aufgrund meines eigenen individuellen Ichs wahrnehmen kann und somit ist der/die Andere mir nie so umfassend gegeben, wie es ein reiner Körper ist (vgl. Scheler 1999, S.21). Ich erfasse den Menschen nur dadurch, dass seine Erlebnisse und Gefühle ihm genauso originär gegeben sind, wie meine für mich. Diese Analogie, dieses Wissen, dass der/die Andere mir ähnlich ist, macht die Einfühlung möglich (vgl. Husserl 1973, S.56).

 

Es ist aber nicht nur die leibliche Beschaffenheit und das Empfindungsvermögen, das mich mit meinen Mitmenschen verbindet. Ein weiterer wichtiger Punkt, der Empathie ermöglicht ist unser Geist. Und so meinen wir auch meist, wenn wir von Einfühlungsvermögen sprechen, nicht die Möglichkeit die körperlichen Empfindungen nachzufühlen, sondern die seelischen Regungen des/der Anderen zu erfassen (vgl. Stein 2008, S.13). Auf diese Möglichkeit der geistigen Einfühlung werde ich jetzt eingehen.

 

1.2. Die Einfühlung in die fremde Seele

 

Durch die Anerkennung, dass der/die Andere einen Leib hat ergibt sich alles Weitere in logischer Konsequenz. Denn wie schon beschrieben, ist ein Leib immer mit Gedanken und Gefühlen unmittelbar verknüpft. Um nun aber die seelischen Regungen der Anderen zu erfassen ist es wichtig zu wissen, dass jede/r Andere sich selbst als Mittelpunkt, sozusagen als ‚Nullpunkt‘, seiner eigenen Welt sieht und alles andere – wie ich selbst – um sich herum anordnet (vgl. Husserl 1973, S.116). Ich bin für mich immer ‚hier‘, alles andere immer nur ‚dort‘ (vgl. Husserl 1963, S.145f.). Analog verhält es sich für alle anderen Personen. Ich muss anerkennen, dass ich für den/die Andere/n eine Andere bin (vgl. Iribarne 1994, S.112).  Durch dieses Wissen kann ich einen Ausdruck einer bestimmten Stimmung zuordnen, also zum Beispiel im Erröten Scham erkennen (vgl. Stein 2008, S.93). Die eigentlich wichtige Leistung der Empathie ist aber, dass ich auch Stimmungen erkennen kann, die der/die Andere vielleicht nicht direkt zeigt. So kann ich oftmals durchschauen, wenn mich jemand anlügt oder anlächelt, es aber nicht ernst meint (vgl. ebd. S. 104). Außerdem muss ich nicht unbedingt die Ursachen kennen, warum sich jemand in einer bestimmten Weise fühlt. Beispielsweise muss ich nicht wissen, dass eine Person friert um zu sehen, dass sie sich unwohl fühlt (vgl. ebd. S. 78). Die implizite Stimmung nehmen wir intuitiv und unmittelbar wahr (vgl. Scheler 1999, S.21).

 

Husserl nennt des Weiteren die ‚Apperzeption‘. Dabei gehen die Gedanken des/der Anderen auf mich über, es sind die Momente im Bewusstsein des/der Anderen, die in mein Bewusstsein übergehen (vgl. Husserl 1963, S.142f.). Dies ist aber kein Schluss, kein Denkakt. Husserl vergleicht das Phänomen mit dem eines Kindes, das zum ersten Mal den Sinn einer Schere versteht. Es wird danach noch häufiger eine Schere sehen und als solche erkennen, aber es muss nicht jedes Mal neu darüber reflektieren und den Schluss ziehen, dass dies auch eine Schere sei (vgl. ebd. S.141). Die Einfühlung in das Psychische des/der Anderen erfolgt durch Erkennen von äußeren Ausdrücken, die ich vorher schon bei mir erfasst habe: „Auch sie indizieren sich leiblich und im außenweltlichen Gehaben der Leiblichkeit […], wohl verstanden von meinem eigenen Gehaben her unter ähnlichen Umständen.“ (ebd. S.149). Ich erkenne den/ die Anderen in mir. Zwar nicht als Original, das ist nicht möglich, denn dann wäre die Scheidung von ich und andere aufgehoben, sondern als Spiegelung (vgl. ebd. S.175).

 

Abgesehen von phänomenologischen Theorien möchte ich noch auf zwei wissenschaftliche Erklärungen der Empathie eingehen. Es handelt sich einmal um die ‚Theory of mind‘ (Theorie des Geistes) von Premack & Woodruff und  zweitens die Entdeckung der Spiegelneuronen durch Rizzolatti.

 

Die Theory of Mind beschreibt das Vermögen von Menschen sich selbst und Anderen geistige Zustände, wie Gefühle, Gedanken, Wünsche, zuschreiben zu können und so das Verhalten anderer voraussagen zu können (vgl. Fiebich 2015, S.19). Allerdings besteht Uneinigkeit darüber, wie Individuen dazu kommen, die mentalen Zustände der Anderen zu erfassen. Auf der einen Seite steht die Theorie-Theorie. Diese besagt, dass wir alltagspsychologische Konzepte besitzen, wie Personen sich normalerweise verhalten und daraus können wir das Verhalten der konkreten Person in dieser konkreten Situation ableiten (vgl. ebd. S.26f.). Dies ist allerdings kein komplizierter bewusster Prozess, sondern läuft über implizit gespeichertes Wissen (vgl. Schlicht 2013, S. 49). Auf der anderen Seite gibt es noch eine zweite Theorie. Die Simulations-Theorie. Vertreter/innen dieser Theorie nehmen an, dass Einfühlungsvermögen entsteht, indem wir uns in den/die Andere/n hineinversetzen und überlegen, wie wir uns an dessen Stelle verhalten würden, produzieren ‚als-ob Zustände‘. Somit können wir dann die mentalen Zustände anderen zuschreiben (vgl. Fiebich 2015, S. 30f.). Beide Theorien wurden häufig kritisiert. Ein Punkt u.a. war, dass beide Theorien soziale Situationen voraussetzten, in denen die Testpersonen nicht mit den Beobachteten interagierten und in keinem direkten Kontakt mit ihnen standen, was das intuitive Erfassen von den mentalen Zuständen der Personen generell erschwert (vgl. ebd. S. 34). In diesem Zusammenhang entstand die Interaktions-Theorie, die davon ausgeht, dass man Personen nicht unabhängig voneinander betrachten kann. Sie besagt, wer sich in einer interaktiven Situation befindet und die Emotionen des Gegenüber erkennt, versteht auch intuitiv die Bedeutung, es ist keine Theorie oder Simulation notwendig (vgl. Gallagher/Zahavi 2008, S.187).

 

Die Entdeckung der Spiegelneuronen war eine wissenschaftliche Sensation, denn sie erklärt viele menschliche Eigenschaften. Sie wurden in der Großhirnrinde der Affen entdeckt, als man feststellte, dass es dort Neuronen gibt, die sowohl feuern, wenn der Affe eine Handlung ausführte, als auch, wenn er einem anderen Affen bei der Handlung zuschaute, daher der Name Spiegelneurone (vgl. Rizzolatti/ Sinigaglia 2008, S. 91). Auf diese Entdeckung hin begann man nachzuforschen, ob es etwas Ähnliches beim Menschen gäbe. Und tatsächlich fand man die Spiegelneurone in ähnlicher Funktionsweise auch beim Menschen (vgl. ebd. S.123ff.) Ich werde hier aus Platzgründen nicht näher auf die Funktionsweise der Spiegelneuronen eingehen, sondern nur die Bedeutung dieser Entdeckung für das Phänomen Empathie hervorheben. Durch die Spiegelneurone ist es möglich die Intentionen der anderen zu verstehen und sich auf ihre Handlungen einzustellen (vgl. ebd. S.131ff.). Die Autoren gehen davon aus, dass unsere Emotionen aus einem evolutionären Vorteil heraus entstanden sind und sie sich deshalb über die Kulturen hinweg ähnlich sind (vgl. ebd. S.175). Die Fähigkeit, Emotionen anderer zu spüren, ist also evolutionär von großem Vorteil gewesen, um das Überleben zu sichern (vgl. ebd. S.177). Außerdem ermöglicht sie es uns, feste Bindungen zu anderen Menschen aufzubauen (vgl. ebd.). Auf die Empathie bezogen scheint es nun so zu sein, dass die Areale im Gehirn, die aktiviert werden, wenn wir eine Emotion bei jemandem beobachten, genau die sind, die auch aktiviert werden, wenn wir diese Emotion selbst fühlen. Dies scheint das Verstehen der Emotionen Anderer zu ermöglichen (vgl. ebd. S. 187).

 

Nachdem ich das Phänomen der Empathie in seiner Erscheinungsweise analysiert habe möchte ich jetzt auf den Menschen, bei dem dieses Phänomen auftritt eingehen. Ich werde mich mit dem Subjekt selbst mit seinem Bewusstsein auseinandersetzen, sowie mich mit dem anderen Menschen, der dem Subjekt gegenübertritt beschäftigen.

 

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Was ist die Voraussetzung für Empathie?
Autor
Jahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V387123
ISBN (eBook)
9783668614383
ISBN (Buch)
9783668614390
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
voraussetzung, empathie
Arbeit zitieren
Kimberly Sommer (Autor), 2017, Was ist die Voraussetzung für Empathie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387123

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