„Die utilitaristische Ethik ist seit ihrer Entstehung im 18. Jahrhundert stets heftigen, oft auch sehr polemisch geführten Angriffen ausgesetzt gewesen.“ Dennoch, oder gerade deshalb, ist der Utilitarismus bis heute, vor allem in den angelsächsischen Ländern, eine der meistdiskutiertesten moralphilosophischen Theorien geblieben. Seit nunmehr zweihundert Jahren haben sich die Vertreter der utilitaristische Ethik erfolgreich gegen zahlreiche Angriffe aus allen erdenklichen Richtungen gewehrt. Und auch in Deutschland werden nicht wenige Debatten auch unter utilitaristischen Gesichtspunkten geführt. Sowohl über die Frage ob die Polizei Folter androhen darf, um ein Menschenleben zu retten, welche spätestens seit dem Fall Wolfgang Daschner in der Öffentlichkeit heftig diskutiert wird, und mit dem verstärkt auftretenden internationalen Terrorismus noch an Brisanz gewinnt, als auch in der Debatte über das jüngst verabschiedete Luftsicherungsgesetz, wird häufig mit Hilfe des Prinzips der Nutzenmaximierung argumentiert.
In welcher Weise die utilitaristischen Autoren auf Kritik reagiert haben und inwiefern das auch einen Wandel des Utilitarismus zur Folge hatte möchte ich in dieser Hausarbeit, am Beispiel der zwei bedeutendsten Vertreter des klassischen Utilitarismus, darstellen: Jeremy Bentham und John Stuart Mill. Zum besseren Verständnis werde ich zunächst, in aller Kürze, die Werdegänge der beiden Autoren zusammenfassen. Es folgt einer Darstellung der Lehre Benthams und der Kritik die an ihr geübt wurde. Anschließend werde ich zeigen wie John Stuart Mill in seinem wichtigsten Werk „Utilitarianism“ auf die einzelnen Kritikpunkte reagierte, wo Gemeinsamkeiten zu Benthams Lehre zu finden sind, und gegebenenfalls auch, wo er von dieser abweicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Jeremy Bentham
2.1 Zur Person
2.2 Jeremy Benthams Lehre
2.2.1 Das Prinzip der Nützlichkeit
2.2.2 Der Nutzenbegriff bei Jeremy Bentham
2.2.3 Kritik an Benthams Lehre
3. John Stuart Mill
3.1 Zur Person
3.2 John Stuart Mills Lehre
3.2.1 Unterschiede und Gemeinsamkeiten mit Bentham
3.2.2 Der Nutzenbegriff bei John Stuart Mill
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel des Utilitarismus im historischen Kontext, indem sie analysiert, wie die beiden Hauptvertreter Jeremy Bentham und John Stuart Mill auf Kritik an ihren Lehren reagierten. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, inwieweit diese Kritik zu einer inhaltlichen Modifikation und Weiterentwicklung des utilitaristischen Nutzenbegriffs führte.
- Historische Einordnung der Lehren von Jeremy Bentham und John Stuart Mill.
- Analyse des quantitativen Nutzenbegriffs bei Jeremy Bentham und dessen Kritik.
- Untersuchung der qualitativen Erweiterung des Nutzenbegriffs durch John Stuart Mill.
- Vergleichende Betrachtung von Gemeinsamkeiten und Differenzen beider Denker.
- Diskussion der Widerstandsfähigkeit utilitaristischer Ethik gegenüber externer Kritik.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Das Prinzip der Nützlichkeit
„Die Natur hat die Menschheit unter die Herrschaft zweier souveräner Gebieter – Leid und Freude – gestellt. Es ist an ihnen aufzuzeigen, was wir tun sollen, wie auch zu bestimmen, was wir tun werden.“ Schon an diesem ersten Satz in Benthams Hauptwerk „Introduction to the Principles of Morals and Legislation“, mit dem der klassische Utilitarismus praktisch begründet wurde, wird klar, was seiner Meinung nach als Entscheidungsgrundlage für jede erdenkliche Handlung dient. Er erhebt den Anspruch nicht einfach ein theoretisches Konstrukt zu schaffen, sondern mit naturwissenschaftlichen Methoden von Beobachtungen auf Regeln zu schließen. Er selbst bezeichnete sich als Newton der Moralphilosophie. Dass jeder Mensch, durch sein Handeln, insofern dieser nicht durch Gesetze beziehungsweise Sanktionen oder Anreize daran gehindert wird, nur daran bestrebt ist, sein eigenes Glück in Form von Freude zu vermehren und sein Leid zu vermindern ist für Bentham eine zu beobachtende Tatsache und bildet die Grundvoraussetzung für seine utilitaristische Theorie. Dies ist was wir naturgemäß tun, von hieraus schließt Bentham darauf, was wir tun sollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung des Utilitarismus als moralphilosophische Theorie dar und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die Reaktionen von Bentham und Mill auf Kritik zu vergleichen.
2. Jeremy Bentham: Das Kapitel widmet sich der Biografie Benthams sowie seiner quantitativen Lehre und dem von ihm entwickelten Verfahren zur Nutzenmessung, einschließlich der daran geäußerten Kritik.
3. John Stuart Mill: Hier wird Mills Person sowie seine Modifikation der utilitaristischen Theorie beleuchtet, wobei insbesondere der Übergang von einem rein quantitativen zu einem qualitativen Nutzenbegriff im Fokus steht.
4. Resümee: Das Kapitel fasst zusammen, dass die Autoren auf Kritik durch Argumentation oder Theorieanpassung reagierten, was zur Immunisierung des Utilitarismus gegen Angriffe beitrug.
Schlüsselwörter
Utilitarismus, Jeremy Bentham, John Stuart Mill, Nutzenmaximierung, Moral, Ethik, Freude, Leid, Quantitativer Nutzen, Qualitativer Nutzen, Prinzip der Nützlichkeit, Sanktionen, Philosophie, Gerechtigkeit, Glücksbegriff
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung des klassischen Utilitarismus durch den Vergleich der Positionen von Jeremy Bentham und John Stuart Mill.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind der Nutzenbegriff, die verschiedenen Sanktionen zur Verhaltenssteuerung sowie die Frage der qualitativen versus quantitativen Bewertung von Lust und Leid.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, wie die beiden Philosophen auf Kritik an ihren Theorien reagierten und wie dies den Utilitarismus historisch gewandelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine literaturbasierte philosophische Analyse und einen historischen Vergleich der Primärtexte von Bentham und Mill.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt Benthams Prinzip der Nützlichkeit, sein Messverfahren sowie die darauffolgende Kritik und Mills Anpassungen dieser Lehre.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Nutzenmaximierung, quantitativer und qualitativer Nutzen sowie die ethische Grundannahme von Freude und Leid geprägt.
Wie unterscheidet sich Mills Nutzenbegriff von dem Benthams?
Während Bentham einen rein quantitativen Nutzenbegriff vertrat, erweiterte Mill diesen um eine qualitative Komponente, die geistige Freuden höher bewertet als körperliche.
Was bedeutet Benthams „Newton der Moralphilosophie“?
Dies bezieht sich auf Benthams Anspruch, moralische Fragen mit naturwissenschaftlichen Methoden und exakten mathematischen Berechnungen zu lösen.
Wie reagiert Mill auf den Vorwurf, der Utilitarismus sei „gottlos“?
Mill argumentiert, dass eine gottgegebene Glücksmaximierung den Utilitarismus im Gegenteil zu einer zutiefst religiösen Lehre machen würde.
Was ist der Kern des berühmten Vergleichs zwischen Mensch und Schwein?
Mit dem Zitat, es sei besser ein unzufriedener Mensch als ein zufriedenes Schwein zu sein, unterstreicht Mill die Überlegenheit geistiger Würde gegenüber reiner, physischer Triebbefriedigung.
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- Fabian Matthias Pescher (Author), 2005, Der klassische Utilitarismus. Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den Lehren von Jeremy Bentham und John Stuart Mill, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38716