Klassentheorie im Wandel der Zeit. Marx, Engels, Bourdieu, Kreckel


Essay, 2016

5 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

2
Obwohl sich die Lebensweise der Menschen durch die stetige Entwicklung der
Gesellschaft stark verändert hat, sind Klassen, sowie Schichtzugehörigkeit
weiterhin existent und innerhalb der Bevölkerung definierbar.
In der modernen Gesellschaft sind keine klaren Grenzen zwischen Klassen und Schichten
erkennbar, die Übergänge sind oft fließend und werden deshalb weniger stark
wahrgenommen.
Besonders Karl Marx und Friedrich Engels beschäftigten sich, Mitte des 19.
Jahrhunderts, stark mit der Ungleichheit von Klassen. Im Kommunistischen Manifest
wurden die Klassen der Bourgeois und der Proletarier festgelegt.
"Die ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei große feindliche Lager, in
zwei große, einander direkt gegenüberstehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat."
(DkM nach Marx, Engels 1847/48
1
)
Eine Mittelschicht wird hierbei nicht hervorgehoben, da sie ehr als zeitlich begrenzt
wahrgenommen wird. "Die bisherigen kleinen Mittelstände, die kleinen Industriellen,
Kaufleute und Rentiers, die Handwerker und Bauern, alle diese Klassen fallen ins
Proletariat hinab, teils dadurch, daß ihr kleines Kapital für den Betrieb der großen
Industrie nicht ausreicht und der Konkurrenz mit den größeren Kapitalisten erliegt, teils
dadurch, daß ihre Geschicklichkeit von neuen Produktionsweisen entwertet wird." (DkM
nach Marx, Engels 1847/48
1
)
Somit werden die zwei Klassen von der Stellung zu Produktionsmitteln begriffen, was
den Besitz - (Bourgeoisie) und Nicht- Besitz (Proletariat) von Produktionsmitteln meint.
Die Ungleichheit der beiden Klassen kommt, nach Marx durch das bestehende
Abhängigkeitsverhältnis und vor allem durch den unterdrückenden Charakter der
Bourgeoisie zustande.
Diese Abtrennung in zwei sich gegenüberstehende Klassen fand Anwendung während
der Industrialisierung, in der die Gesellschaft einen starken Wandel erlebt hat.
Betrachtet man die heutigen Gesellschaftsstrukturen, erkennt man man parallelen zu
den Theorien von Marx/Engels, jedoch ist diese Betrachtungsweise nicht ausreichend
um eine Beurteilung der Gesellschaft in vollem Umfang zu gewährleisten.
1
DkM 1919:
Das Kommunistische Manifest, Das Erfurter Programm, Verlag Gesellschaft und Erziehung G.M.B.H Berlin

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Auch der Gesellschaftstheoretiker Pierre Bourdieu befasste sich mit sozialen Klassen. Er
unterteilt die Klassenstruktur nach der herrschenden Klasse, der mittleren Klasse und
die Volksklasse.
Soziale Klassen werden nach Bourdieu durch die objektiven Lebensbedingungen, den
Klassenhabitus ("ein System von Grenzen") und den spezifischen Lebensstil bestimmt.
(Bourdieu 2005: 33) Er grenzt sich hiermit von Vorstellungen ab, die "von säuberlich
geschiedenen, neben- oder übereinander stehenden gesellschaftlichen Gruppen"
(Bourdieu 2005: 35) ausgehen.
Bordieu versteht die Gesellschaft als einen sozialen Raum. "Dieser soziale Raum besitzt,
wie der geographische, eine Struktur - es gibt so etwas wie eine gesellschaftliche
Topologie: Einge Menschen stehen >> oben<<, andere >>unten<<, noch andere >>in der
Mitte<<." (Bourdieu 2005: 35)
"Es gibt so etwas wie einen Raum, der sehr starke Zwänge ausübt. Anderseits stehen
Menschen, die räumlich nahe beieinander sind, in einem - wie es in der Topologie heißt
- Nachbarschaftsverhältnis: Sie sehen sich öfter, treten miteinander in Kontakt, zuweilen
auch in Konflikt, aber auch der stellt ja eine Beziehung dar. Was ich analytisch bschreibe,
ist mit andern Worten die Logik einer räumlichen Verteilung." (Bourdieu 2005: 36)
Bourdieu definiert ein Klassenmuster, welches sich von Marx/ Engels Vorstellung
abhebt. Während Marx sich rein mit der Stellung zu den Produktionsmitteln (Besitz oder
Nicht- Besitz - Ökonomisches Kapital) ) beschäftigt, bezieht Bourdieu auch neben dem
Ökonomischen Kapital, das soziale - und kulrurelle Kapital eines jeden Menschen mit
ein. (Bourdieu 2005: 49-75) Soziales Kapital meint "Ressourcen, die auf der
Zugehörigkeit zu einer Gruppe beruhen." (Bourdieu 2005: 63)
Bordieu erweitert mit seinen Aussagen das Spektrum der Klassendefinition und spricht
diesen ein Stück Individualität zu.
Der deutsche Soziologe Reinhard Kreckel schreibt in seinem Beitrag "Klassentheorie am
Ende der Klassengesellschaft" (Kreckel in Berger, Vester 1998) "Ich dagegen bin der
Auffassung, daß - trotz aller Veränderungen der makrosozialen "Großwetterlage", der
politischen Kultur und der intellektuellen Moden - noch immer eine an
gesellschaftskritische Traditionen anknüpfende soziologische Ungleichheitsforschung
vonnöten ist. Deshalb halte ich am Klassenbegriff fest [...]" (Kreckel in Berger,Vester
1998: 31) Auch in der heutigen Gesellschaft, die Kreckel "postindustriell" nennt, hat der
"strukturelle Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit noch immer einen erheblichen,
genau nachweisbaren Einfluß auf die Reproduktion und die fortwährende
Restrukturierung von Vertikalen Ungleichheiten." (Kreckel in Berger,Vester 1998: 40)
Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Klassentheorie im Wandel der Zeit. Marx, Engels, Bourdieu, Kreckel
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
5
Katalognummer
V387170
ISBN (eBook)
9783668614000
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologie, Marx, Engels, Bourdieu, Klassentheorie, Schichtzugehörigkeit
Arbeit zitieren
Nora Hansch (Autor), 2016, Klassentheorie im Wandel der Zeit. Marx, Engels, Bourdieu, Kreckel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387170

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