Die Veränderung des unternehmerischen Zielsystems vom produktionsorientierten Verkäufermarkt zum kundenorientierten Käufermarkt bringt für Unternehmungen zwingend auch eine Veränderung der Strategie zur Sicherung der langfristigen Überlebensfähigkeit mit sich.
Der unternehmerische Geist sieht sich hier nicht mehr nur dem ökonomischen Prinzip und der Frage nach Effizienz, sondern auch zunehmend Fragen der Effektivität der Kundenorientierung gegenübergestellt. Eine Zunahme der strategischen Erfolgsfaktoren(1) führt zu einer Erhöhung des Komplexitätsgrades der Unternehmung und somit zu einem höheren Koordinationsbedarf.
Hier eröffnet sich das Betätigungsfeld für Organisation- bzw. Unternehmensberatungen.
Einen ersten wissenschaftlichen Versuch von Organisationsberatung stellten die im 19. Jahrhundert durchgeführten Zeit- und Bewegungsstudien Frederik Taylors, die zur Philosophie des „scientific management“ führten, dar.
Nach verschiedenen klassischen und neoklassischen Managementtheorien des frühen 20. Jahrhunderts(2) , die eher technisch orientiert waren, hält nun seit der Mitte des 20. Jahrhunderts erstmals eine soziologische Theorie Einzug: die Systemtheorie, die menschliches Verhalten in Gesellschaften und Organisationen zu erklären versucht.
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1 Vgl. Keuper, F. (2001): Seiten 16f
2 Vgl. Kieser, A. (1999, Hrsg.)
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Überblick über die Grundlagen der Systemtheorie
- Grundlagen der Beratung
- Formen der Beratung
- Die Expertenberatung
- Die Prozeßberatung
- Probleme der Beratung aus systemtheoretischer Sicht
- Das Problem der operativen Geschlossenheit
- Das Problem der Kommunikation
- Das Problem der Veränderung
- Das Berater-Klienten-Verhältnis
- Schluß/Ausblick
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Hausarbeit untersucht die Anwendung der Systemtheorie im Bereich der Organisationsberatung. Die Arbeit analysiert die relevanten Grundlagen der Systemtheorie und deren Bedeutung für die Beratungspraxis.
- Operative Geschlossenheit sozialer Systeme
- Kommunikation und Beobachtungsstrukturen
- Das Problem der Veränderung in Organisationen
- Die Rolle des Beraters und des Klienten
- Die Anwendung der Systemtheorie in der Beratungspraxis
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik der Organisationsberatung ein und erläutert die Bedeutung der Systemtheorie in diesem Kontext.
Kapitel 2 bietet einen Überblick über die Grundlagen der Systemtheorie, insbesondere die Konzepte der operativen Geschlossenheit, Selbstreferenz und Beobachtung.
Kapitel 3 beleuchtet die Grundlagen der Beratung, darunter verschiedene Formen und Ansätze.
Kapitel 4 geht auf die Expertenberatung und die Prozeßberatung ein, zwei wichtige Formen der Beratungspraxis.
Kapitel 5 diskutiert die Probleme der Beratung aus systemtheoretischer Sicht, insbesondere die Herausforderungen der operativen Geschlossenheit, Kommunikation und Veränderung in Organisationen.
Kapitel 6 untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Berater und Klient im Kontext der Organisationsberatung.
Schlüsselwörter
Systemtheorie, Organisationsberatung, Operative Geschlossenheit, Kommunikation, Veränderung, Beobachter, Klient, Berater.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Beitrag der Systemtheorie zur Organisationsberatung?
Die Systemtheorie bietet einen soziologischen Rahmen, um menschliches Verhalten in Organisationen zu erklären, wobei Konzepte wie operative Geschlossenheit und Selbstreferenz zentral sind.
Was bedeutet 'operative Geschlossenheit' in der Beratung?
Es beschreibt das Problem, dass soziale Systeme (wie Unternehmen) nach ihrer eigenen Logik funktionieren und von außen – also durch einen Berater – nicht direkt gesteuert, sondern nur irritiert werden können.
Was ist der Unterschied zwischen Expertenberatung und Prozessberatung?
Expertenberatung liefert fertige Fachlösungen, während die Prozessberatung die Organisation dabei unterstützt, eigene Lösungen zu entwickeln und die Selbstbeobachtungsfähigkeit zu stärken.
Warum ist Kommunikation in der Systemtheorie so wichtig?
Systeme bestehen nach Niklas Luhmann aus Kommunikation. Das Verständnis von Kommunikationsstrukturen ist daher der Schlüssel, um organisationale Probleme zu identifizieren.
Wie sieht das ideale Berater-Klienten-Verhältnis aus?
Aus systemtheoretischer Sicht ist es ein komplexes Verhältnis, in dem der Berater als 'Beobachter zweiter Ordnung' fungiert, um dem Klienten dessen eigene blinden Flecken aufzuzeigen.
Was war 'Scientific Management' von Frederick Taylor?
Es war ein früher, technisch orientierter Beratungsansatz des 19. Jahrhunderts, der auf Zeit- und Bewegungsstudien basierte, um die Effizienz der Arbeit zu maximieren.
- Quote paper
- Marcus Haese (Author), 2001, Beiträge der Systemtheorie zur Organisationsberatung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3872