Im theoretischen Teil sollen zunächst Begriffe und Definitionen aus den betroffenen Wissenschaftsdisziplinen geklärt werden, die für diese Arbeit von immenser Bedeutung sind. Dabei können schon die ersten Unterscheidungen zu den bisher von der Wissenschaft untersuchten Gruppen und Medien getroffen werden, die zum Teil offensichtlich sind. Grundlage dafür sind sowohl die allgemeinen kommunikationswissenschaftlichen Modelle als auch die Erklärung der Begriffe Minderheiten und Minderheitenmedien mit ihren unterschiedlichen Untergruppen wie Exil-, Emigranten- und Enklavenpublizistik. Die so herauskristallisierten und verallgemeinerten Aufgaben und Funktionen traditioneller, also schon seit mehr als einem halben Jahrhundert existierender deutschsprachiger Medien im Ausland dienen dann dazu, im methodisch-praktischen Teil dieser Arbeit anhand von Leitfadeninterviews mit Chefredakteuren und Herausgebern deutscher Medien auf den Kanaren im Allgemeinen wie der Haupt-Insel Gran Canaria im Besonderen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu erarbeiten. Am Anfang steht hier ein Überblick über die deutschsprachige Medienlandschaft auf den Kanarischen Inseln insgesamt sowie die Beschreibung des notwendigerweise eingeschränkten Untersuchungsgegenstandes. Ein weiterer Aspekt sind die Rahmen- und Randbedingungen, die überhaupt dazu geführt haben, dass sich auf den Kanarischen Inseln eine deutschsprachige Medienlandschaft bilden konnte. Dazu zählen sowohl die Herausbildung und Entwicklung des Tourismus auf den Inseln als auch die Entwicklung deutscher Residentschaft am Kanarischen Archipel. Dieser Themenkomplex unterstützt letztendlich die getroffenen Unterscheidungen zu Machern und Rezipienten der bisher wissenschaftlich untersuchten deutschsprachigen Medien im fremdsdprachigen Ausland. Zu einer Beschreibung der Entwicklung deutschsprachiger Medien auf den Kanaren bis heute gehört natürlich auch ein Ausblick in die Zukunft. Ein kurzer Abriss über veränderte technische Rahmen- und Randbedingungen wird in diesem Zusammenhang genauso gegeben wie der Versuch einer Prognose durch eine Online-Befragung von Nutzern des Internetangebots der größten deutschsprachigen Zeitschrift auf den Kanarischen Inseln gewagt werden soll. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Heranführung an das Thema
1.1 Einleitung
1.2 Aufbau der Arbeit
1.3 Forschungskontext
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Begriffliche Klärungen und Definitionen
2.1.1 Kommunikation und Medien
2.1.2 Medien und Minderheiten
2.1.3 Tourismus
2.1.4 Die Kanaren als Mischgebiet
2.2 Funktionen deutschsprachiger Medien im fremdsprachigen Ausland
3 Methoden und Material
3.1 Leitfadeninterviews
3.2 Online-Befragung
4 Untersuchungsgegenstand: Deutschsprachige Medien auf den Kanarischen Inseln
4.1 Überblick
4.2 Eingrenzung des Untersuchungsgegenstandes
5 Entwicklung deutscher Medien auf den Kanarischen Inseln
5.1 Tourismus und Zuwanderung als Grund, Umgebungsrahmen und Funktionsgeber für deutsche Medien auf den Kanaren
5.1.1 Tourismus auf den Kanaren und Gran Canaria
5.1.2 Zuwanderung auf die Kanaren und nach Gran Canaria
5.1.3 Fazit
5.2 Der technische Fortschritt als Funktionsgeber und –begrenzer für deutsche Medien auf den Kanaren
5.2.1 Medienpräsenz aus Deutschland und ihre Auswirkungen als Funktionsbegrenzer
5.2.2 Die Rolle des Internet als Funktionsgeber und –begrenzer
5.2.3 Fazit
5.3 Aktuelle Situation deutscher Medien auf den Kanaren
5.3.1 Auflage, Zielgruppe, Leserschaft
5.3.1.1 Auflage
5.3.1.2 Zielgruppe & Leserschaft
5.3.2 Wirtschaftliche Situation und Konkurrenz
5.3.2.1 Wirtschaftliche Situation
5.3.2.2 Konkurrenz
5.4 Nutzung und Bedeutung der Online-Ausgabe
5.4.1 Basisdaten
5.4.2 Vergleich Print- und Online-Ausgabe
5.4.3 Fazit
5.5 Entwicklungstendenzen für die Zukunft
6 Funktion deutscher Medien auf den Kanarischen Inseln
6.1 Integrationsfunktion
6.2 Brückenfunktion und Erhalt deutschen Kulturgutes
6.3 Zusammenhalt der deutschen Gemeinde
6.4 Sprachrohr der Deutschen gegenüber dem Gastland
7 Fazit
8 Journalistisches Produkt: Beitrag für den „Globus“
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und die spezifischen Funktionen deutschsprachiger Medien auf den Kanarischen Inseln, um eine Lücke in der bisherigen Medienforschung zu schließen. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Abgrenzung dieser Medien von traditioneller Exil-, Emigranten- und Enklavenpublizistik in einem von Tourismus und Zuwanderung geprägten "Mischgebiet".
- Analyse der Medienlandschaft auf den Kanarischen Inseln unter Berücksichtigung der touristischen Rahmenbedingungen.
- Untersuchung von Macher-Intentionen und Nutzerverhalten durch Leitfadeninterviews und eine Online-Befragung.
- Gegenüberstellung der Funktionen deutschsprachiger Medien auf den Kanaren im Vergleich zur klassischen Auslandsmedien-Publizistik.
- Bewertung des Einflusses von technischem Fortschritt und Internet auf die journalistische Ausrichtung.
- Erstellung eines journalistischen Produkts für die Fachpublikation „Globus“ zur Verbreitung der Erkenntnisse.
Auszug aus dem Buch
2.1.4 Die Kanaren als „Mischgebiet“
An dieser Stelle soll auf den schon mehrfach genannten Begriff eines „Mischgebiets aus Urlaubsort und Zuwanderungsziel“ näher eingegangen werden. Derartige Mischgebiete unterscheiden sich von üblichen Exil- und Emigrationszielen genauso wie von Reiners Enklaven durch mehrere Kriterien. Diese wiederum haben einen immensen Einfluss auf das Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein von Funktionen der vor Ort vorhandenen deutschsprachigen Medien.
Die von mir als Mischgebiete bezeichneten Gegenden zeichnen sich durch mehrere Faktoren aus:
• sie entstanden erst mit dem Massen- und Pauschaltourismus;
• sie sind darum geprägt von einem sich gegenseitig befruchtenden Potential an Touristen und Residenten;
• die Zuwanderung hierher fand in größerem Rahmen erst durch den Massentourismus statt bzw. wurde durch ihn möglich gemacht, weshalb die von mir so bezeichneten Mischgebiete durchweg jünger als 60 Jahre sind
Erstens mag die Art der Auswahl eine Rolle spielen. Mischgebiete, so meine These, werden vordergründig dann als Zuwanderungsziel ausgewählt, wenn sie eine qualitative Verbesserung des Lebensumfeldes und der Lebensumstände versprechen. Damit sind vor allem immatierielle Dinge wie das Klima, die Lebensqualität oder die subjektiv als abweichend vom Heimatland empfundene Lebensart der Einheimischen gemeint. Materielle, religiöse oder politische Zwänge spielen wenn, dann nur eine marginale Rolle. Sie unterstützen zwar den persönlichen Drang zur Ausreise aus dem deutschen Sprachraum, haben jedoch wenig Einfluss auf den Zielort.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Heranführung an das Thema: Einleitung in die Thematik der deutschsprachigen Medien auf den Kanaren und Festlegung der Forschungsabsicht.
2 Theoretische Grundlagen: Erläuterung wissenschaftlicher Begriffe zu Kommunikation, Minderheiten und tourismusgeprägten Mischgebieten als Rahmen für die Untersuchung.
3 Methoden und Material: Detaillierte Darstellung der empirischen Vorgehensweise, bestehend aus Leitfadeninterviews und einer Online-Befragung.
4 Untersuchungsgegenstand: Deutschsprachige Medien auf den Kanarischen Inseln: Eingrenzung des Marktes auf relevante Presseerzeugnisse unter Ausschluss kurzlebiger Anzeigenblätter.
5 Entwicklung deutscher Medien auf den Kanarischen Inseln: Analyse der Einflüsse von Tourismus, Zuwanderung und technischem Fortschritt auf die Medienentwicklung.
6 Funktion deutscher Medien auf den Kanarischen Inseln: Überprüfung der Integrations- und Hilfsfunktionen gegenüber klassischen Modellen wie der Brückenfunktion.
7 Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der Rolle und wirtschaftlichen Stabilität der untersuchten Medien.
8 Journalistisches Produkt: Beitrag für den „Globus“: Präsentation des erarbeiteten Artikels für ein Fachpublikum.
Schlüsselwörter
Deutschsprachige Medien, Kanarische Inseln, Tourismus, Residenten, Minderheitenpublizistik, Mischgebiet, Medienfunktion, Online-Abo, Integration, Medienlandschaft, Presse, Auslandsmedien, Medienmarkt, Informationsübermittlung, Mediennutzung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Entwicklung und die Funktionen von deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln im Kontext der touristischen und soziologischen Gegebenheiten vor Ort.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die Rolle von Tourismus und Zuwanderung, die wirtschaftliche Lage der Verlage, die Mediennutzung durch Touristen und Residenten sowie der Einfluss des Internets.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich diese Medien von traditioneller Minderheitenpublizistik (wie Exil- oder Emigrantenmedien) unterscheiden, da sie in einer anderen soziologischen Konstellation agieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt explorative Leitfadeninterviews mit Herausgebern und Chefredakteuren sowie eine quantitative Online-Befragung unter Nutzern eines Online-Angebots.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Definitionen, die Analyse der Marktbedingungen (einschließlich technischer Fortschritt und Konkurrenz) sowie eine detaillierte Auswertung der Online-Befragung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind deutschsprachige Auslandsmedien, Mischgebiete, Kanarische Inseln, Integrationsfunktion und Online-Publizistik.
Welche Rolle spielt das Internet für die untersuchten Medien?
Das Internet wird zunehmend als wichtiges Instrument für die Reichweite sowie als eigenständige Erlösquelle durch Online-Abonnements gesehen, auch wenn die Printausgabe für die Hauptzielgruppe weiterhin bedeutend bleibt.
Wie unterscheidet sich die "kanarische" Minderheitenpresse von klassischer Exilpresse?
Der Hauptunterschied liegt in der fehlenden Notwendigkeit einer "Brückenfunktion" in die Heimat, da durch die räumliche Nähe und moderne Technik ein direkter Kontakt zu Deutschland jederzeit möglich ist.
Wie gehen die Herausgeber mit dem "Sommerloch" auf den Inseln um?
Die Herausgeber reagieren mit saisonaler Anpassung des Seitenumfangs und der Auflagenstärke, da in den Sommermonaten das Werbeaufkommen und die Kaufkraft der Touristen geringer ausfallen.
- Quote paper
- Daniel Körber (Author), 2004, Konzeption, Analyse und Erstellung eines journalistischen Produkts zum Thema 'Entwicklung und Funktion deutschsprachiger Medien auf Gran Canaria', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38725