Die Diskussion um Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema des 21. Jahrhunderts. Mit der zunehmenden Globalisierung der Wirtschaft gehen Rohstoffknappheit, Klimawandel und die Ausbeutung von Arbeitskraft einher. Im Zuge dieser Debatte rückt die Verantwortung der Unternehmen für ihre Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt immer stärker in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung.
Dennoch sorgen wiederholt Verstöße gegen das Konzept der Corporate Social Responsibility in sämtlichen Wirtschaftsbranchen für Aufregung. Dabei kommt es oftmals, wie etwa im Fall des Abgasskandals von Volkswagen, zu erheblichen Reputationsschäden für die Unternehmen. Der Automobilkonzern hatte seine Dieselfahrzeuge derart manipuliert, dass sie die CO2-Grenzwerte lediglich auf dem Prüfstand einhielten. Währenddessen wird dem Lebensmittelriesen Nestlé vorgeworfen, die Wasservorkommen in den Abbaugebieten bis zum Absinken des Grundwasserspiegels auszubeuten und gleichzeitig der ansässigen Bevölkerung den Zugang zu frischem Trinkwasser zu nehmen.
Neben der gesellschaftlichen Forderung nach einer nachhaltigen Ausrichtung der unternehmerischen Tätigkeit steigt auch das Verlangen nach einer Offenlegung der tatsächlich erbrachten Leistung. Vor diesem Hintergrund kommt der Berichterstattung über Nachhaltigkeitsthemen als Instrument zur Kommunikation mit den Stakeholdern und zur Schaffung von Transparenz eine zentrale Rolle zu, deren Wert immer mehr Unternehmen erkennen. Bislang fand dabei die Offenlegung auf freiwilliger Basis statt. Am 9. März 2017 beschloss die deutsche Bundesregierung das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz, welches die Richtlinie 2014/95/EU in deutsches Recht implementiert und erstmalig bestimmte kapitalmarktorientierte Unternehmen zur Veröffentlichung wesentlicher nichtfinanzieller Aspekte für die Geschäftsjahre ab 2017 verpflichtet.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2 GRUNDLAGEN UNTERNEHMERISCHER NACHHALTIGKEIT
2.1 Definition des Begriffs „Nachhaltigkeit“
2.2 Modellkonzeptionen der Nachhaltigkeit
2.2.1 Das Drei-Säulen-Modell
2.2.2 Das integrierende Nachhaltigkeitsdreieck
2.3 Abgrenzung zur unternehmerischen Nachhaltigkeit
2.3.1 Definition des Begriffs „Corporate Social Responsibility“
2.3.2 Das Vier-Stufen-Modell der unternehmerischen Nachhaltigkeit
2.3.3 Das CSR-Reifegradmodell
2.4 Notwendigkeit unternehmerischer Nachhaltigkeit
3 UNTERNEHMERISCHE NACHHALTIGKEIT IN DER BERICHTERSTATTUNG
3.1 Definition des Begriffs „Nachhaltigkeitsberichterstattung“
3.2 Verbreitung von Nachhaltigkeitsberichten
3.3 Aktuelle Entwicklungen
3.4 Richtlinien und standardisierte Rahmenwerke
3.5 Chancen und Herausforderungen der Nachhaltigkeitsberichterstattung
4 DAS CSR-RICHTLINIE-UMSETZUNGSGESETZ
4.1 Intention und Entstehung
4.2 Anwendungsbereich und Ausgestaltung
4.3 Kritische Würdigung
5 FAZIT UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel einer kritischen Gesamtbeurteilung des CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetzes. Dabei wird analysiert, inwieweit das Gesetz vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung unternehmerischer Nachhaltigkeit und ihrer Einbeziehung in die Berichterstattung tatsächlich zu einer Steigerung von Transparenz und Vergleichbarkeit in der nichtfinanziellen Berichterstattung führt.
- Grundlagen und Modellkonzeptionen der Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility
- Entwicklung und aktueller Stand der Nachhaltigkeitsberichterstattung
- Analyse des CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetzes in Deutschland
- Kritische Würdigung der gesetzlichen Anforderungen und ihrer praktischen Umsetzung
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Definition des Begriffs „Corporate Social Responsibility“
Ähnlich wie im Fall des Nachhaltigkeitsterminus existiert zunächst auch für „Corporate Social Responsibility“ keine einheitliche Begriffsdefinition. Eine Analyse der zwischen 1980 und 2003 am häufigsten verwendeten Definitionen zur CSR-Thematik grenzt den Begriff jedoch auf fünf zumeist kongruente Kernbereiche ein:
• die ökologische Dimension, • die soziale Dimension, • die ökonomische Dimension, • die Dimension der Stakeholder, • und die Dimension der Freiwilligkeit.33
Die Europäischen Kommission veröffentlicht 2001 in ihrem EU-Grünbuch eine der weltweit bekanntesten Begriffsbestimmungen. Sie definiert CSR als ein „Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren“.34
Umfassender ist die Definition der Wirtschaftsexperten Meffert und Münstermann, welche auch die ökonomische Dimension in das CSR-Konzept miteinbezieht:
„Corporate Social Responsibility bezeichnet ein integrierendes Unternehmenskonzept, das ausgehend vom Wertgerüst und den Zielen des Unternehmens dessen Rolle in der Gesellschaft und der damit einhergehenden Verantwortung konkretisiert. Es umfasst die Gesamtheit aller sozialen, ökologischen und ökonomischen Beiträge eines Unternehmens zur freiwilligen Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung, die über die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen hinausgehen. Die Integration dieses Engagements in inhaltlicher, zeitlicher und kommunikativer Hinsicht und die strukturell-prozessuale Implementierung in die Unternehmenstätigkeit sowie die Sicherstellung langfristiger Wechselbeziehungen mit den relevanten Anspruchsgruppen (Stakeholdern) sind zentrale Bestandteile des CSR-Konzepts.“35
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Dieses Kapitel führt in die Problematik ein, beleuchtet die steigende Bedeutung unternehmerischer Nachhaltigkeit und definiert die Zielsetzung sowie den Aufbau der Arbeit.
2 GRUNDLAGEN UNTERNEHMERISCHER NACHHALTIGKEIT: Hier werden der Begriff der Nachhaltigkeit definiert, verschiedene Modellkonzeptionen vorgestellt und der Begriff der unternehmerischen Nachhaltigkeit (CSR) durch diverse Modelle sowie seine Notwendigkeit erläutert.
3 UNTERNEHMERISCHE NACHHALTIGKEIT IN DER BERICHTERSTATTUNG: Dieses Kapitel widmet sich der Definition, Verbreitung, Entwicklung und den Rahmenwerken der Nachhaltigkeitsberichterstattung sowie den damit verbundenen Chancen und Herausforderungen.
4 DAS CSR-RICHTLINIE-UMSETZUNGSGESETZ: Der Hauptteil analysiert die Intention, Entstehung, den Anwendungsbereich, die inhaltliche Ausgestaltung sowie die kritische Würdigung des Gesetzes.
5 FAZIT UND AUSBLICK: Das letzte Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf die Zukunft der Nachhaltigkeitsberichterstattung.
Schlüsselwörter
Nachhaltigkeit, Corporate Social Responsibility, CSR, Nachhaltigkeitsberichterstattung, CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz, CSR-RUG, nichtfinanzielle Berichterstattung, Stakeholder, Nachhaltigkeitsbericht, Geschäftsbericht, Gesetzgebung, Transparenz, Unternehmensverantwortung, Integrität, Umweltbelange
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Bewertung des deutschen CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetzes im Kontext der zunehmenden Bedeutung von Nachhaltigkeit in der unternehmerischen Berichterstattung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die theoretischen Grundlagen der unternehmerischen Nachhaltigkeit, die Entwicklung und Bedeutung der Nachhaltigkeitsberichterstattung sowie die detaillierte Analyse der gesetzlichen Umsetzung der EU-Richtlinie in deutsches Recht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu beurteilen, ob das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz effektiv dazu beiträgt, die Transparenz und Vergleichbarkeit bei der Veröffentlichung nichtfinanzieller Informationen durch Unternehmen zu erhöhen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturanalyse, dem Studium von Gesetzesentwürfen, Stellungnahmen sowie der Auswertung aktueller Studien, um das CSR-RUG kritisch zu würdigen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen, die Praxis der Berichterstattung sowie eine fundierte Analyse des CSR-RUG, inklusive dessen Entstehungsgeschichte, Reichweite und kritischer Kommentare von Experten und Interessenverbänden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Nachhaltigkeit, CSR, Nachhaltigkeitsbericht, CSR-RUG, Transparenz und Unternehmensverantwortung charakterisiert.
Welche Rolle spielt das Prinzip der doppelten Wesentlichkeit in der Arbeit?
Das Prinzip wird als eine Voraussetzung für die Angabepflicht diskutiert, wobei kritisiert wird, dass es dazu führen kann, dass Unternehmen Informationen unterdrücken, wenn sie sich nicht unmittelbar auf den Geschäftserfolg auswirken.
Welche Kritik üben Verbände am CSR-RUG laut der Arbeit?
Kritikpunkte sind insbesondere der zu eng gefasste Anwendungsbereich, die unpräzise Wortwahl hinsichtlich der Risikoberichterstattung, die Freiwilligkeit der externen inhaltlichen Prüfung und die mangelnde Verbindlichkeit der Rahmenwerke.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2017, Das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz. Die zunehmende Bedeutung von unternehmerischer Nachhaltigkeit und ihr Ansatz in der Berichterstattung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387289