Social Learning in Integrationskursen. Eine Konzeption zur Förderung des Spracherwerbs auf Facebook


Bachelorarbeit, 2013

53 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis ... I
1.
Einleitung ...1
2.
Web 2.0 und Social Learning ...3
2.1
Soziale Netzwerke und Online Social Networks ...5
2.2
Facebook ...7
3.
Integrationskurse ...8
3.1
Rahmenbedingungen...9
3.2
Spracherwerb...9
4.
Einsatz von neuen Medien in Integrationskursen...11
5.
Gestaltungsorientierte Mediendidaktik ...13
5.1
Analyse der Zielgruppe ...13
5.2
Lehrinhalte und - ziele...15
5.3
Didaktische Methoden...16
5.4
Lernorganisation ...18
5.5
Aufbau des Lernangebotes ...22
5.6
Medienwahl und technische Implementation...25
6.
Social Learning-Konzeption auf Facebook ...29
6.1
Analyse der Zielgruppe ...29
6.2
Ziele und Lehrinhalte...30
6.3
Didaktische Methoden...32
6.4
Lernorganisation und Aufbau des Blended-Learning-Angebotes...34
6.5
Medienwahl und technische Implementation...38
6.6
Reflexion...40
7.
Fazit ...42
Literaturverzeichnis ... VI
Anhang ... X
A Aufgaben für Gruppenarbeit
B Vorlage Speisekarte
C Antwort auf eine Einladung
I

1. Einleitung
Durch die demografische Entwicklung in Europa und den Strukturwandel der Bil-
dungsanforderungen, wird die Bedeutung des Online-Lernens immer wichtiger. Dies
erfordert Maßnahmen außerhalb formaler Bildungssettings. (Baumgartner, 2011, S.
506) Besonders im Spracherwerb reichen traditionelle Unterrichtsmethoden nicht
mehr aus. Es müssen zusätzlich neue Wege genutzt werden, die ein selbstge-
steuertes und individuelles Lernen ermöglichen (Quetz, Handt, 2002, S.26). Die
neuen Medien bieten Authentizität, die als Ergänzung zum herkömmlichen Unter-
richt notwendig sind (ebd. S. 22). Durch die globale Vernetzung wird weltweite
Kommunikation, Kooperation und der Zugang zu aktuellen Quellen und Unter-
richtsmaterialien ermöglicht (Buchberger, Chardaloupa, Perperidis, Heckmann,
2011, S.2). Daraus ergeben sich gerade für den Sprachunterricht neue Möglichkei-
ten. Für die heutige Generation gehören das Web 2.0, sowie soziale Netzwerke wie
Facebook und Co., schon längst zum alltäglichen Leben. Somit liegt es nahe, diese
Möglichkeiten ebenfalls für den Unterricht zu nutzen.
In dieser Arbeit soll herausgefunden werden ob und wie durch Web 2.0 Anwendun-
gen und Social Learning, der Spracherwerb von Migranten, die an einem Integrati-
onskurs in Plettenberg teilnehmen, gefördert werden kann. Es ergeben sich weitere
Fragen, wie Facebook als sinnvolles Zusatzangebot in einen Integrationskurs ein-
gebunden und gestaltet werden kann, so dass ein Mehrwert dabei entsteht. Durch
den Einsatz von Facebook soll die Medienkompetenz der Teilnehmenden, die sozia-
le Interaktion und dadurch der Spracherwerb verbessert werden. Um diese Fragen
zu beantworten und die genannten Ziele zu erreichen, bedarf es einer tiefgehenden
Auseinandersetzung mit der entsprechenden Theorie zu Web 2.0, Social Software
und der Berücksichtigung der Ziele und der Zielgruppe um eine geeignete medien-
didaktische Konzeption zu erstellen. Dazu werden zunächst in Kapitel 2, die Begrif-
fe Web 2.0 und Social Learning bzw. soziales Lernen erklärt und theoretisch ein-
geordnet. In Kapitel 2.1 werden die Begriffe Soziale Netzwerke und Online Social
Networks beschrieben sowie einige Online Social Networks aufgezählt und in ihrer
Anwendung beschrieben. In Kapitel 2.3 wird anschließend Facebook näher erläutert
und einige Möglichkeiten für den Unterricht aufgezeigt. Kapitel 3 beschreibt die In-
tegrationskurse, die Rahmenbedingungen und den Spracherwerb von Migranten. In
Kapitel 4 ,, Einsatz von neuen Medien in Integrationskursen", wird erläutert, warum
es sinnvoll ist, in Integrationskursen neue Medien einzubinden. Desweiteren wird
Blended Learning als eine mögliche Form aufgezeigt. In Kapitel 5 wird die für diese
Arbeit relevante gestaltungsorientierte Mediendidaktik von Kerres vorgestellt. Ge-
mäß der gestaltungsorientierten Mediendidaktik von Kerres wird in Kapitel 6 eine
1

Konzeption erstellt, die als zusätzliches Angebot zum Integrationskurs, den Sprach-
erwerb fördern soll. Am Ende soll eingeschätzt werden ob durch das Social Lear-
ning-
Angebot auf Facebook, der Spracherwerb gefördert werden kann.
2

2. Web 2.0 und Social Learning
Der Begriff Web 2.0 wurde durch O`Reilly bekannt, indem er das Web 2.0 als aktive
Plattform bezeichnet, wodurch das Internet selbst zur Anwendung wird und die da-
mit verbundenen Geräte umfasst. Je mehr Menschen diese Plattform nutzen desto
besser werden die Ergebnisse (Nutzung kollektiver Intelligenz). Im Gegensatz zu
Web 1.0 muss die notwendige Software nicht gekauft und auf die einzelnen Geräte
oder Computer installiert werden, sondern steht auf den Webseiten als Service zur
freien Verfügung. Daten aus unterschiedlichsten Quellen können konsumiert und
neu vermischt werden, wie zum Beispiel Youtube - Anwendungen können auf Face-
book verlegt werden. Daten und Dienste von individuellen Nutzern ermöglichen die
Wiederverwendung von anderen, indem beispielsweise ein Nutzer Textlinks oder
virtuelle Lernkarteien im eigenen Weblog bereitstellt. (O'Reilly, 2005) Web 2.0 kann
als graduelle Weiterentwicklung des Internets bezeichnet werden, in der soziale und
technologische Entwicklungen vereint sind.
Unter Social Software werden die einfachen und flexiblen internetbasierten Anwen-
dungen verstanden, die das kooperative Teilen und Bearbeiten von Inhalten unters-
tützen. Nicht die Software ist sozial, sondern erst durch den gemeinsamen Ge-
brauch der spezifischen Anwendungen wie Weblogs, Wikis, Podcasts, Musik-Bild-
und Videoplattformen, Social Networking Tools wie Facebook, Xing oder Studi VZ
entsteht diese Qualität. Zusammenfassend kann das Web 2.0 als Weiterentwicklung
des Internet und Social Software als Anwendungen, die Personen (User) über inter-
netbasierte Dienste verbindet, bezeichnet werden. (Pferdt, 2007, S. 145) Es ist
schwer, eine eindeutige Definition von Web 2.0 und Social Software zu finden. Je-
doch besteht Einigkeit darin, dass es sich vielmehr um eine veränderte Nutzung des
Internets handelt als um technologische Innovationen. (ebd. S. 147) Im Web 2.0
dreht sich alles um Kommunikation, Interaktion und Partizipation. Dabei erweisen
soziale Netzwerke und offene Informations- und Unterhaltungsplattformen die größ-
ten Wachstumszahlen. Zu den beliebtesten und erfolgreichsten Web 2.0 Auftritten
gehören das Videoportal YouTube, die Online-Enzyklopädie Wikipedia und die
Community-Seiten von Facebook. Alle drei Angebote beziehen ihre Inhalte aus-
schließlich von ihren Nutzern. (Münker, 2012, S. 47) Dabei entsteht eine große
Menge an Ressourcen, die zum Lernen genutzt werden kann. Das Lernen ist hierbei
nicht an Institutionen gebunden, sondern erfolgt autodidaktisch und selbstgesteuert
in sozialen Netzwerken. (Kerres, Hölterhof, Nattland, 2011, S. 2)
Der Begriff ,,soziales Lernen" hat in der pädagogischen und psychologischen Dis-
kussion eine unterschiedliche Verwendung. In der Psychologie entspricht der Begriff
der ,,sozialen Lerntheorie" von Bandura. In der Pädagogik hingegen meint ,,soziales
3

Lernen" das Erlernen von Sozialverhalten, wie Rollenübernahme, Empathie, Team-
fähigkeit oder Respekt durch einen bestimmten Lerngegenstand und Lehrziele oder
eine bestimmte didaktische Methode, in der gemeinsam an einem Thema gearbeitet
wird (kooperatives Lernen). Soziales Lernen kann sich ebenfalls auf unterschiedli-
che technische Medien und Werkzeuge beziehen (Social Learning), die den kom-
munikativen Austausch von Lernenden dienen (Wikis, Videokonferenzen), oder eine
bestimmte Lernorganisation, bei der das Lernen gemeinsam mit anderen stattfindet,
entweder in Präsenzform oder in einer Lerngemeinschaft im Internet. Das Lernen
kann hierbei autodidaktisch erfolgen oder von einem Lehrer betreut werden. (Ker-
res, 2012, S. 163) Soziales Lernen ist eine wesentliche Voraussetzung für den Auf-
bau kommunikativer und kognitiver Kompetenzen. Durch die Zusammenarbeit in
Gruppen werden soziale Kompetenzen wie Gruppenorganisation und Teamfähigkeit
gefördert, außerdem trägt der Austausch unterschiedlicher Perspektiven wesentlich
zu einer intensiven Auseinandersetzung mit Wissensgebieten bei. Die Motivation
der Lernenden wird erhöht, so dass sie sich besser mit dem Lernangebot identifizie-
ren. Dies führt zu einer erhöhten Lernintensität und damit zu einer geringeren Ab-
bruchquote. (ebd. S. 391) Der Englische Begriff Social Learning, bedeutet das Ler-
nen in sozialen Strukturen und Netzwerken im Internet. Der soziale Austausch för-
dert die Motivation der Lernenden indem sie sich bei Schwierigkeiten gegenseitig
unterstützen. Zudem wird durch Beteiligung in Diskussionen dem Lernenden deut-
lich wo er noch Lernschwierigkeiten hat. Der soziale Austausch mit anderen wirkt
sich außerdem positiv auf die Artikulation aus und bewirkt, dass sich die Lernenden
in andere hineinversetzen können (Rollenübernahme). Auf diese Weise wird Tole-
ranz entwickelt. (Kerres, 2012, S. 21) Für die Lehrenden bedeutet das Web 2.0 vor
allem eine Rollenveränderung. Die Grenzen zwischen Lehrenden und Lernenden
verschieben sich. Der Lehrende fungiert im Online-Learning als Begleiter und Mode-
rator. (D. Meister & Meise, 2010, S. 197)
Social Learning erfolgt somit eher informell. Informelles und kooperatives Lernen
wird in der Weiterbildung und in Betrieben immer wichtiger. Deshalb ist es notwen-
dig, dass didaktische Lernformen in der beruflichen Bildung darauf vorbereiten. Un-
ter informellem Lernen, werden alle Lernprozesse verstanden, die außerhalb von
Bildungsorganisationen stattfinden. Ein Lernergebnis wird beim informellen Lernen
im Gegensatz zu formellen Lernen eher unbewusst erreicht. (Dehnbostel, 2003, S.
5) In Anlehnung an Dewey betont Reich (2005), dass das Lernen konstruktiv, re-
konstruktiv und dekonstruktiv erfolgt und die Lernenden aktiv handeln müssen damit
Lernen entsteht. Im handlungsorientierten Unterricht sollen ebenfalls kommunikative
und soziale Kompetenzen mit einbezogen werden. (ebd. S. 181) Laut Reich (2004)
4

wird der Lehrende immer mehr in der Rolle des Moderators gedrängt und sollte de-
mentsprechend als ,,Mehrwisser" und nicht als ,,Besserwisser" agieren (ebd. S. 117).
In dieser Arbeit wird soziales Lernen bzw. Social Learning, in sozialen Strukturen
und Netzwerken im Internet und ebenfalls als kooperatives Lernen berücksichtigt.
2.1
Soziale Netzwerke und Online Social Networks
Erkenntnisse der Netzwerkforschung liegen schon mehrere Jahrzehnte zurück. Im
Jahr 1967 führte der amerikanische Soziologe Stanley Milgram (1967) ein Experi-
ment (Small World-Phänomen) durch, bei dem er an Personen, die in Nebraska und
Kansas lebten, einen Brief schickte. Diese sollten den Brief an eine bestimmte Per-
son senden. Falls sie diese Person nicht kannten, sollten sie den Brief an eine an-
dere Person weiterleiten, von der sie annahmen, dass sie der Zielperson näher
stand. Überraschenderweise kamen die Briefe nach gerade einmal sechs Schritten
ans Ziel. (ebd. S. 61-67) Ein wichtiger Teil des Web 2.0 sind soziale Netzwerke, die
häufig auch als ,,Online Social Networks", ,,Online Communities", oder ,,Virtual
Communities" bezeichnet werden (Heidemann, 2010, S. 262). Unter dem Begriff
,,Online Communities" oder ,,Virtual Communities" versteht man einen Zusammen-
schluss von Personen, die sich online Treffen um miteinander zu kommunizieren
(Seufert, Moisseeva, Steinbeck, 2002, S. 2). Leitner (2003), bezeichnet eine Online-
Community als eine Gemeinschaft von Menschen, die im Internet zwecks gemein-
samer Zielerreichung miteinander kommunizieren (ebd. S.17). Zinke und Fogolin,
sehen Online-Communities als informelle Personengruppen- oder netzwerke, mit
ähnlichem Interesse oder Problemstellung, sich überwiegend auf elektronischem
Wege miteinander austauschen, neues Wissen erschaffen und dabei voneinander
lernen (Zinke, Fogolin, 2003). Obwohl Online Social Networks bereit seit einigen
Jahren existieren, haben sie besonders die letzten Jahre zunehmend an Bedeutung
gewonnen. Online Social Networks richten sich an einer Vielzahl von Bereichen. So
können sie sich an privaten Bereichen orientieren für spezielle Berufs- und Alters-
gruppen z.B. Interessengemeinschaften zu Hobbies, Tieren, Reisen usw. oder sich
an geschäftlichen Bereichen fokussieren, wie z.B. Xing.com und LinkedIn.com.
(Heidemann, 2010, S. 263) Das derzeit größte Online Social Network weltweit ist
Facebook, gefolgt von Google+ (Hermes, 2013, S. 231). Online Social Networks dif-
ferenzieren sich danach ob es sich um offene Netzwerke ohne Zugangsbeschrän-
kungen, wie z.B. Xing.com oder um geschlossene Netzwerke, die nur für Mitarbeiter
eines Unternehmens offen stehen. Dabei funktioniert der Prozess bei allen Online
Social Networks ähnlich. Der Nutzer registriert sich auf Eigeninitiative oder nach ei-
ner Einladung und erstellt ein Mitgliedsprofil. Dort kann er die üblichen soziodemog-
5

raphischen Daten, wie Name, Alter, Beruf, Adresse aber auch zu persönliche Infor-
mationen wie Interessen und Hobbies angeben. Dabei hat er die Möglichkeit seine
Privatsphäre gegenüber anderen Nutzern zu schützen, indem er Informationen per
Klick auswählt und nicht für die Öffentlichkeit sichtbar macht. Nach der Registrie-
rung kann der Nutzer nach anderen Mitgliedern mit ähnlichen Interessen suchen
und ihnen eine ,,Beziehungsanfrage" senden. Wird diese Anfrage von dem anderen
Mitglied akzeptiert, kann diese Beziehung in den persönlichen Kontakten verwaltet
werden. Auf diesem Wege kann ein Mitglied in relativ kurzer Zeit ein Netzwerk mit
zahlreichen Kontakten aufbauen. Zudem besteht die Möglichkeit für Personen mit
gleichen Interessen eine Gruppe zu bilden. (Heidemann, 2010, S. 263-265). Auf Fa-
cebook, gibt es zum Beispiel offene sowie geschlossene Gruppen, deren Mitglieder
gemeinsam in einer Sprache kommunizieren mit der Absicht ihre Sprachkenntnisse
zu verbessern z.B. Deutsch verbindet, Deutsch Online, und viele andere (Facebook,
2013) Für den Fremdsprachenunterricht sind Online Social Networks besonders
interessant, da diese vielfältige Möglichkeiten bieten, lernerzentrierte und kommuni-
kative Unterrichtsszenarien umzusetzen, die sich stark an der Lebenswirklichkeit der
Lerner orientieren und Wege zum selbstbestimmten Lernen eröffnen können. Der
Lernprozess erfolgt hier eher informell. Google+ bietet ähnliche Möglichkeiten wie
Facebook. Kontakte können ,,Personen-Kreisen" zugeordnet werden, somit wird ei-
ne adressatenspezifische Kommunikation ermöglicht. Durch die sogenannten ,,Han-
gouts", mittels Videochat, Whiteboards und gemeinsamer Bearbeitung von Doku-
menten über GoogleDocs wird zudem kollaboratives Arbeiten ermöglicht. (Google+,
2013)
Ein weiteres Online Social Network ist Edmodo, welches besonders für den Unter-
richt entwickelt wurde. Speziell bei datenschutzrechtlichen Bedenken, bietet es eine
gute Alternative gegenüber den anderen Netzwerken. Die Benutzer können sich mit
einem Benutzernamen anmelden ohne eine E-Mail-Adresse anzugeben. Die Benut-
zeroberfläche ist stark an Facebook orientiert und es lassen sich auch hier Klein-
gruppen bilden, Dateien und Videos hochladen. Allerdings kann nur über die Pinn-
wand kommuniziert werden, da kein privates Postfach bzw. Chat vorhanden ist.
(Edmodo, 2013)
Im folgenden Kapitel wird das für diese Arbeit relevante Online Social Network Fa-
cebook detaillierter beschrieben.
6

2.2
Facebook
Facebook wurde im Jahr 2004 von dem Studenten Mark Zuckerberg entwickelt und
diente zunächst ausschließlich der Kommunikation der Studierenden des Campus
der Harvard Universität. Im September 2006 wurde Facebook auch für die nicht-
studentische Bevölkerung geöffnet und eroberte innerhalb kurzer Zeit außer den
USA ebenfalls Europa, Asien und Australien. Mittlerweile gibt es weltweit über eine
Milliarde Nutzer (Hermes, 2013, S. 231).
Wie auch bei anderen sozialen Netzwerken, verfügt auch bei Facebook jeder Nutzer
über eine eigene Profilseite, auf der er Informationen über sich selbst, aber auch Fo-
tos oder Videos und sprachliche Meldungen, mit der er aktuelle Informationen, Akti-
vitäten oder Befindlichkeiten veröffentlichen kann. Bei allen Aktivitäten und Veröf-
fentlichungen besteht die Möglichkeit diese zu kommentieren oder auf den ,,Gefällt
mir"- Button zu klicken um einem anderen Nutzer zu signalisieren, dass man seinen
Beitrag positiv findet. Dadurch wird die Interaktion der Nutzer gefördert. Zusätzlich
besteht die Möglichkeit mittels nicht öffentlicher Chats und aktuell auch Voice- und
Video-Chats mit anderen Nutzern zu kommunizieren. Kommunikation kann zu zweit,
in Kleingruppen oder in der größeren Öffentlichkeit erfolgen. Die zusätzlichen An-
wendungen (Apps) erweitern das Angebot auf Facebook. Unter den App-Angeboten
finden sich vor allem Spiele, dennoch gibt es ebenfalls Apps, die sich für den indivi-
duellen oder kooperativen Fremdsprachenunterricht anbieten, wie zum Beispiel die
Lesecommunity ,,weRead". Außerdem lassen sich verschiedene Anwendungen auf
Facebook einbinden, wie zum Beispiel ,,Slideshare" (siehe slideshare.com).
Facebook bietet viele interessante Funktionen, die den virtuellen Unterricht attraktiv
machen können. Es besteht die Möglichkeit, Kontakte in Listen zu organisieren und
dadurch die Kommunikation zielgerichtet zu filtern. Auf diese Weise kann der Tutor
mit den Lernenden miteinander ,,befreundet" sein und dennoch Informationen be-
nutzerspezifisch verbreiten. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit nach außen geschlos-
sene Gruppen oder Seiten zu betreiben. Die Gruppenfunktion erlaubt es, in ge-
schlossenen Räumen mit Teilnehmern zu kooperieren, die nicht zwangsläufig auf
Facebook miteinander befreundet sein müssen. Innerhalb der Gruppe kann zu be-
stimmten Themen diskutiert werden, ansonsten können alle Funktionen die Face-
book bietet wie zum Beispiel Pinnwand, Foto-und Videogalerie usw., auch hier ge-
nutzt werden. Weitere Vorteile für Teilnehmer und den Tutor ist der kostenlose Zu-
gang, zudem kann die Anwendung auch ohne hohe Medienkompetenz problemlos
durchgeführt werden. Facebook bietet alles was man von einer Lernplattform ver-
langt. Lehrer sowie Teilnehmer können wichtige und interessante Links, Videos und
7

Dateien posten, Hausaufgaben können dort eingestellt werden und kommentiert
werden, Projekte können durchgeführt werden, und vieles mehr.
Bevor Facebook als Lernplattform verwendet wird, sollten allerdings einige Dinge
beachtet werden und mit den Lernenden diskutiert werden. Die AGBs sollten zur
Kenntnis genommen und wenn nötig erläutert werden, mögliche Einstellungen zu
Privatsphäre und Datenschutz müssen thematisiert und falls nötig, gemeinsam vor-
genommen werden. Besonders ist auf den Schutz personenbezogener Daten Dritter
Wert zu legen, denn über Apps, Bildmarkierungen und den ,,Freundefinder" ist es
leicht möglich, Daten Dritter ohne deren Wissen weiterzugeben. Es sollte klar sein,
dass weitgehende Datenschutzeinstellungen gegenüber anderen Nutzern möglich
sind, nicht jedoch gegenüber dem Betreiber der Plattform. Dieser hat Zugriff auf alle
anfallenden Daten und kann diese nach Belieben auswerten. (Facebook, 2013) Soll-
te ein Lernender, der noch nicht bei Facebook registriert ist, Bedenken diesbezüg-
lich haben, empfiehlt es sich eine andere soziale Lernplattform, wie zum Beispiel
Edmodo.com für den Unterricht zu verwenden.
Im nächsten Kapitel werden die Integrationskurse näher beschrieben, sowie die
Rahmenbedingungen und der Spracherwerb dieser erläutert.
3. Integrationskurse
Seit dem 1. Januar 2005 gibt es ein neues Zuwanderungsgesetz, welches erstmalig
staatliche Integrationsangebote für Zugewanderte gesetzlich regelt. In diesem Zu-
sammenhang beauftragte das Bundesministerium des Innern (BMI), im Herbst 2006
das Goethe-Institut, ein Rahmencurriculum für die Integrationskurse zu entwickeln.
Die Integrationskurse bestehen aus einem Sprachkurs und einem Orientierungs-
kurs, in dem ausreichende Sprachkenntnisse und dem Wissen der Rechtsordnung,
Geschichte und Kultur Deutschlands vermittelt werden soll. Das Bundesamt für Mig-
ration und Flüchtlinge (BAMF), lässt die Integrationskurse, in Zusammenarbeit mit
dem Bundesverwaltungsamt, Ausländerbehörden und Migrationsdiensten durch pri-
vate und öffentliche Träger durchführen. Die Ziele der Integrationskurse sind die
sprachliche und kulturelle Förderung der Integration von Migranten im Sinne gesell-
schaftlicher Teilhabe und Chancengleichheit. (BAMF, 2008)
8

3.1
Rahmenbedingungen
Zu den wichtigsten Rahmenbedingungen der Integrationskurse zählt die Integrati-
onskursverordnung, die besonders die Ausgestaltung, die Dauer und die Lehrinhalte
festlegt. Bevor ein Träger Integrationskurse anbietet, muss er eine Zulassung beim
BAMF beantragen und erhält diese für maximal fünf Jahre, wenn bestimmte Krite-
rien erfüllt sind, wie geeignete Kursräume und Ausstattung (CD-Player, Kopiergerä-
te, PC), Lehrkräfte mit entsprechender Qualifizierung, Mindestvergütung der Lehr-
kräfte usw. Die Kosten für die Integrationskurse werden zum größten Teil vom
BAMF finanziert (2,54 pro Stunde je Teilnehmer), so dass ein Restanteil von 1,20
pro Stunde bestehen bleibt, den die Teilnehmenden zahlen müssen. Arbeitslo-
sengeld II- und Sozialhilfebezieher sind von den Kosten befreit. Der Integrationskurs
besteht aus einem Basis- und einem Aufbausprachkurs sowie einen Orientierungs-
kurs. Der Sprachkurs ist in sechs Kursabschnitte eingeteilt um die individuelle
Sprachförderung der Teilnehmer zu ermöglichen. Jeder Kursabschnitt besteht aus
100 Unterrichtsstunden. Demnach, durchlaufen Teilnehmer ohne Vorkenntnisse den
gesamten Kurs von 600 Unterrichtsstunden. Teilnehmer, deren Vorkenntnisse durch
einen Einstufungstest bestätigt wurden, können auf fortgeschrittenem Niveau in den
Sprachkurs einsteigen. Der Umfang des Orientierungskurses beträgt für alle Teil-
nehmer 60 Unterrichtsstunden und findet im Anschluss des Sprachkurses statt. Ziel
des Sprachkurses ist der Erwerb von ausreichenden Deutschkenntnissen, die mit
der Prüfung ,,Deutsch-Test für Zuwanderer"(DTZ) auf dem Niveau B1 gemäß des
Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER) nachgewiesen werden. Teil-
nehmer der Integrationskurse sind Zugewanderte, deren Sprachkenntnisse unter
der Niveaustufe B1 des GER liegen. Die Teilnehmerschaft ist gekennzeichnet durch
ein hohes Maß an Heterogenität bezüglich der Herkunft, des Alters, der Vorkenn-
tnisse, des Bildungsniveaus, des Geschlechts und der Motivation. (BAMF, 2012)
3.2
Spracherwerb
Laut Esser (2006), spielen Faktoren wie Einreisealter, Bildung sowie die ethnische
Konzentration und ethnische Binnenbeziehungen, besonders die Zwischengruppen-
heirat eine signifikante Rolle für den Spracherwerb. Weitere wichtige Faktoren sind
die Aufenthaltsdauer, der Kontakt mit der Zweitsprache, der bereits im Herkunfts-
land bestand, Medienkontakte mit der Herkunftsgesellschaft und die linguistischen,
räumlichen und sozialen Distanzen. Bei höherem Reisealter und stärkerer Bindung
in den ethnischen Kontext, kommt es weniger zum Zweitspracherwerb. (ebd. S. 16)
In der modernen Fremdsprachendidaktik bestehen die Zielsetzungen vor allem in
einer konsequenten Inhalts- und Handlungsorientierung in der Sprach- und Kultur-
9

vermittlung (Roche, 2011, S. 390). Im Curriculum des BAMF wird angegeben, dass
zum Zweitspracherwerb externe und interne Faktoren berücksichtigt werden müs-
sen. Zu den externen Faktoren gehören: Soziale und berufliche Integration, Auf-
enthaltsstatus, kommunikative Bedürfnisse und Notwendigkeiten, Einstellung zur
Zielsprache und zur Umgebung sowie zur Erstsprache, Zugang zur Zweitsprache,
Input der Zweitsprache, wie Qualität und Quantität sowie kommunikative Möglichkei-
ten, wie Mediennutzung, Wohnumfeld und Begegnungsmöglichkeiten. Zu den inter-
nen Faktoren zählen das verfügbare Wissen über die Zielsprache, der erreichte
Sprachstand in der Erstsprache, Sprachlernstrategien sowie Spracherwerbserfah-
rungen. Die Methoden sollen entsprechend der Bedingungen in der Erwachsenen-
bildung berücksichtigt werden. Das bedeutet der Unterricht soll handlungsorientiert
sein und die Kommunikation fördern. Die Lernmaterialien sollen authentisch sein
und den interkulturellen Aspekt betonen. (BAMF, 2008) Die Lernziele richten sich
nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER), wo-
nach die Fertigkeiten Hörverstehen, Leseverstehen, Schreiben und Sprechen glei-
chermaßen berücksichtigt werden. Gemäß des GER, umfasst die Sprachverwen-
dung, Handlungen von Menschen als Individuen und gesellschaftlich Handelnde, die
während der sprachlichen Aktivitäten, eine Vielzahl von Kompetenzen (besonders
kommunikative) entwickeln (Goethe-Institut, 2012). Roche (2011) betont, dass der
Spracherwerb besonders dann gefördert wird, wenn es durch Interaktion, kommuni-
kative Zielsetzung und Handeln zu einer Auseinandersetzung mit den Inhalten
kommt (ebd. S. 390). Ausgehend von diesen Überlegungen, kann der zusätzliche
Einsatz einer Social-Learning- Umgebung auf Facebook sinnvoll für den Spracher-
werb sein.
10
Ende der Leseprobe aus 53 Seiten

Details

Titel
Social Learning in Integrationskursen. Eine Konzeption zur Förderung des Spracherwerbs auf Facebook
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
53
Katalognummer
V387366
ISBN (eBook)
9783668612792
ISBN (Buch)
9783668612808
Dateigröße
584 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pädagogik, social learning, Medienpädagogik, Mediendidaktik, Erziehungswissenschaft
Arbeit zitieren
Konstantina Roussi (Autor), 2013, Social Learning in Integrationskursen. Eine Konzeption zur Förderung des Spracherwerbs auf Facebook, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387366

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