Die Arbeit beleuchtet den Bibelauszug Ex 2,1-10 (Mose Geburt und Rettung) hinsichtlich inhaltlicher und struktureller Merkmale.
In den folgenden Kapiteln wird die Bibelstelle Exodus 2,1-10 bezüglich verschiedener Aspekte, synchron als auch diachron, beleuchtet. In dieser Perikope wird die Geburt und Rettung von Mose thematisiert. Da Moses eine Schlüsselfigur des Buches Exodus und auch des gesamten Pentateuch ist, hat dieser Text einen besonderen Stellenwert für die Exodustradition und die Fünf Bücher Mose in ihrer Gesamtheit.
Mit Hilfe der unterschiedlichen Herangehensweisen soll sich eine Gliederung des Bibelauszugs und vertieftes Verständnis des Inhalts und dessen Hintergründen ergeben. Die Gliederung kann sich von Methode zu Methode verändern aber auch bestätigt werden. Zuerst werden drei verschiedene Übersetzungen der Perikope verglichen um die passendste Grundlage für die Weiterarbeit zu finden. Dann werden Ergebnisse zu Form und Inhalt des Auszugs in der Strukturanalyse festgehalten. Im darauffolgenden Kapitel wird die Textgestalt bezüglich ihres literarischen Wertes als Erzähltext untersucht. In der Literarkritik, der nächsten Methode, geht es darum, die bisherigen Ergebnisse anders auszuwerten. Die bereits gefundenen Brüche aus dem Übersetzungsvergleich, der Struktur- und Erzähltextanalyse können sich hier auf verschiedene Urheberschaft unterschiedlicher Textfragmente zurückführen lassen. Die Geschehnisse vor und nach der Bibelstelle können auch entscheidende Auswirkungen auf den betreffenden Auszug haben. Warum hat der Auszug die Berechtigung eine eigenständige Texteinheit zu sein? Die Redaktionsgeschichte versucht die Entstehung der vorliegenden, endgültigen Texteinheit nachzuvollziehen und diesbezüglich die theologiegeschichtlichen Hintergründe mit einzubeziehen. Darauf folgt der Methodenschritt der Gattungskritik, welcher versucht die Gattung des biblischen Textes zu bestimmen und andere Beispiele dieser Art zu finden. In der Traditionskritik wird näher auf die übergreifende Motivik und Symbolik eingegangen. Diesbezüglich wird auch versucht Parallelen zu anderen Werken oder Bibelstellen zu finden.
Nachdem diese Schritte durchgeführt wurden, sollte die Gliederung und Essenz der Perikope herausgestellt sein.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung in die Thematik
2 Übersetzungsvergleich
3 Strukturanalyse
4 Erzähltextanalyse
5 Literar- und Redaktionskritik
6 Gattungs- und Traditionskritik
7 Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, die biblische Perikope Exodus 2,1-10 einer detaillierten historisch-kritischen Exegese zu unterziehen, um die Entstehung, Struktur und theologische Bedeutung der Geburts- und Rettungsgeschichte des Mose zu ergründen.
- Vergleichende Analyse verschiedener Bibelübersetzungen hinsichtlich Semantik und Syntax
- Durchführung einer textimmanenten Strukturanalyse zur Untersuchung von Kohäsion und Erzählweise
- Erzähltextanalyse unter Berücksichtigung von Zeitgestaltung, Ortswechseln und Akteurskonstellationen
- Untersuchung literarischer und redaktioneller Schichten zur Klärung der Entstehungsgeschichte
- Gattungsbestimmung und Traditionskritik zur Einordnung in den Kontext der Tora und altorientalischer Parallelen
Auszug aus dem Buch
Strukturanalyse
Grundlegend ist zur Oberfläche der Perikope zu sagen, dass es bei der ersten Sichtung des Textes offenbar einen Bruch innerhalb seiner Struktur gibt. Diese Zäsur ist in Vers 6 vorzufinden, da in diesem Vers das erste mal im Text ein Sprachanteil eines Akteurs („[…] und sagte: Das ist eines von den Kindern der Hebräer.“) vorzufinden ist. Ab Vers sechs wird bis zum Ende der Perikope immer wieder die wörtliche Rede verwendet (V.7,8,9,10). Auch wenn dem Leser der Inhalt noch nicht bekannt ist, kann er an der Struktur des Textes festmachen, dass im vorliegenden Bibelauszug, ab Vers sechs, eine gewisse Kraft die Geschehnisse vorantreibt.
Auffällig ist, dass in der vorliegenden Bibelstelle besonders viele Verben vorkommen, welche, bestätigend zur wörtlichen Rede, Dynamik im Verlauf der Erzählung nahelegen. Das Verb „gehen“ ist mehrmals im Text vorzufinden (V.5,7,8), was, die Beweglichkeit der Textgestalt zusätzlich fördert. In der Peikope kommen außerdem noch andere Verben der Bewegung (z.B.: „nehmen“ und „legen“) vor, welche dies bestärken. Auf Satzebene ist es auch zu erkennen, da der Text insgesamt sehr parataktisch ist, und die Hauptsätze vorrangig durch ein „und“ oder „da“ eingeleitet werden und dann direkt durch ein Verb die Aktion der jeweiligen Person beschrieben wird (V.1,2,3,5,6,8,9,10). Die syndetische Struktur der Sätze trägt außerdem zur Kohäsion des Textes bei.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung in die Thematik: Einführung in die Bedeutung der Perikope Exodus 2,1-10 und Vorstellung der methodischen Vorgehensweise.
Übersetzungsvergleich: Gegenüberstellung der Elberfelder, Zürcher und Gute-Nachricht-Bibel zur Identifikation semantischer und syntaktischer Unterschiede.
Strukturanalyse: Untersuchung der Textoberfläche, grammatikalischer Merkmale, Wortfelder und der Gliederung der Perikope in Sinnabschnitte.
Erzähltextanalyse: Analyse der Erzählperspektive, Zeit- und Raumstruktur sowie der Charakterisierung und Konstellation der handelnden Figuren.
Literar- und Redaktionskritik: Untersuchung der verschiedenen literarischen Schichten und der redaktionellen Bearbeitung zur Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte.
Gattungs- und Traditionskritik: Bestimmung der spezifischen Gattung als Sage und Analyse der Traditionen im Kontext der Tora und altorientalischer Parallelen.
Ausblick: Zusammenfassung der Ergebnisse und Einordnung der Perikope als identitätsstiftender Grundstein für die Tora.
Schlüsselwörter
Exodus, Mose, Bibelexegese, Historisch-Kritische Methode, Perikope, Adoption, Tora, Identität, Hebräer, Erzähltextanalyse, Literarkritik, Gattungskritik, Traditionskritik, Rettungsgeschichte, Tochter des Pharao
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit widmet sich einer exegetischen Untersuchung der Bibelstelle Exodus 2,1-10, die von der Geburt, Aussetzung und späteren Adoption des Mose handelt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die sprachliche und inhaltliche Struktur des Textes, die Erzählweise, die literarhistorische Einordnung sowie die Bedeutung der Figur Mose für die israelitische Identität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, durch Anwendung historisch-kritischer Methoden eine plausible Gliederung der Perikope zu erarbeiten und deren theologische Funktion im Gesamtbuch Exodus zu verstehen.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Autorin verwendet einen methodischen Kanon bestehend aus Übersetzungsvergleich, Strukturanalyse, Erzähltextanalyse, Literar- und Redaktionskritik sowie Gattungs- und Traditionskritik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodischen Schritte der Analyse: vom Vergleich der Bibelversionen über die Untersuchung von Textstruktur und Erzählweise bis hin zur historisch-kritischen Quellenanalyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Exodus, Mose, Bibelexegese, Identität, Adoption und die verschiedenen methodischen Disziplinen der historisch-kritischen Forschung.
Warum spielt die Schwester des Mose eine so prominente Rolle in der Analyse?
Die Analyse identifiziert sie als eine mutige Figur, die eine zentrale Rolle bei der Rettung ihres Bruders spielt und als verbindendes Element zwischen der hebräischen Familie und der Tochter des Pharao fungiert.
Welche Bedeutung hat der Name „Mose“ laut der Untersuchung?
Der Name wird sowohl aus hebräischer Perspektive als „Herausziehender“ gedeutet als auch ägyptologisch in Bezug auf königliche Namenssuffixe betrachtet, was Moses „dual identity“ unterstreicht.
- Arbeit zitieren
- Greta Deinert (Autor:in), 2017, Historisch-kritische Bibelexegese. Exodus 2,1-10 (Mose Geburt und Rettung), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387510