Work-Life Balance durch Lean Thinking. Lean Prinzipien zur Prophylaxe von Burnout


Studienarbeit, 2017
23 Seiten, Note: 5.2

Leseprobe

Management Summary
Burnout gilt heute als `Volkskrankheit'. Rund 6% der Beschäftigten in der Schweiz stehen
laut einer Studie am Rande einer Erschöpfungsdepression. Es wird geschätzt, dass die
Kosten sich jährlich auf rund CHF 5.7 Mrd. belaufen.
Dem Lean Thinking Konzept wird immer mehr Beachtung geschenkt. Im Suchdienst Google
lassen sich über eine halbe Million Einträge zu diesem Thema finden.
Die Ursachen eines Burnouts liegen oft in der Verschwendung von Energie über einen
längeren Zeitraum. Lean Thinking befasst sich mit der Vermeidung von Verschwendung und
stellt Konzepte vor, wie eine ganze Reihe von Verschwendungs-Arten aus
Wertschöpfungsketten entdeckt und eliminiert werden können. Insofern ist die Frage
berechtigt, ob Lean Prinzipien im übertragenen Sinne einen positiven Einfluss auf Burnout-
Ursachen haben können. Sozusagen Lean zur Prophylaxe von Burnout, um eine bessere
Work-Life Balance zu erreichen.
In dieser Zertifikatsarbeit wird ein Zusammenhang zwischen Burnout-Ursachen und Lean
Prinzipien über den Weg des gemeinsamen Nenners muda (Verschwendung) erstellt.
Daraus lässt sich ableiten, dass die Lean Prinzipien ­ angewendet auf das Individuum ­
durchaus dazu dienen können, Leitsätze und Leitfragen zu definieren, die bei der Linderung
oder Vermeidung eines Burnout-Syndroms behilflich sind.

Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
... 1
2. Inhaltlicher
Teil
... 2
2.1. Recherche
... 2
2.1.1. Burnout
...
2
2.1.1.1.
Definition und Bedeutung ... 2
2.1.1.2. Ursachen
...
2
2.1.2.
Lean Thinking / Lean Manufacturing ... 4
2.1.2.1. Definition
... 4
2.1.2.2. Prinzipien
...
6
2.1.2.3. Methoden
... 8
2.2. Systematische
Betrachtung
...
9
2.2.1.
Korrelation zwischen Burnout-Ursachen und muda-Typen ... 10
2.2.2.
Zusammenhang zwischen Lean Thinking Prinzipien und muda-Formen ... 13
2.2.3.
Lean Prinzipien als philosophische Haltung zur Vermeidung von Burnout-
Ursachen ... 14
2.2.4.
Mögliche Leitsätze / Leitfragen ... 15
3. Schlussfolgerung / Empfehlungen ... 17
4. Quellenverzeichnis
... 18
5. Tabellen- und Abbildungsverzeichnis ... 19
6. Anhang
... 20

1
1. Einleitung
«I've done too much for too many for too long with too little regard for myself» (Strickland,
2000 in Bergner, 2004, S. A-2232) beschreibt eindrücklich, welche Ursachen ein Burnout
haben kann. «Zu viel», «zu lange», «zu wenig» sind Begriffe, die sehr stark auf
Verschwendung hindeuten. Im übertragenen Sinne: Verschwendung von Produktionsgütern
(«done too much»), Verschwendung von Zeit («for too long») und Verschwendung von
Energie («too little regard to myself»).
Verschwendung (muda), beziehungsweise die Eliminierung derselben, steht im Zentrum vom
Lean Thinking. Bei muda geht es «vor allem [um] jede menschliche Aktivität, die Ressourcen
verbraucht, aber keinen Wert erzeugt» (Womack & Jones, 2013, S. 23).
Wenn also Lean Thinking sich mit der Vermeidung von muda befasst und Verschwendung
eine Ursache von Burnout-Zuständen ist, sollte es irgendwie möglich sein, mit Erkenntnissen
aus dem Lean Management das Ausbrechen eines Burnout Syndroms zu vermeiden oder
zumindest den Verlauf der Erkrankung positiv zu beeinflussen.
Diese Zertifikatsarbeit geht der Frage nach, ob sich die Prinzipien des Lean Thinkings zur
Vermeidung von Burnout Ursachen für ein Individuum anwenden lassen.
Nicht weiter erforscht wird im Rahmen dieser Arbeit die Frage, ob eine lean organisierte
Unternehmung einen positiven Einfluss auf ihre Mitarbeitenden als Gruppe in Bezug auf die
Anzahl der am Burnout Syndrom erkrankten Personen oder auf die Dauer und den Verlauf
der Erkrankung hat.
«Burnout wird häufig mit einer Kerze verglichen,
die an beiden Enden brennt.
Doppelt so hell, aber auch doppelt so schnell verbraucht.
In der Mitte fehlt dann die Substanz, um weiter brennen zu können.»
(Rössner-Fischer, 2007, S. 8)

2
2. Inhaltlicher Teil
2.1. Recherche
2.1.1. Burnout
2.1.1.1.
Definition und Bedeutung
Es gibt für den Begriff «Burnout» in der Literatur eine Vielzahl von Definitionen. Anfangs der
70er Jahre wurde dieser Begriff im medizinischen Zusammenhang zum ersten Mal in einem
wissenschaftlichen Artikel verwendet (Freudenberger, 1974).
Es fällt aber heute noch schwer, mehr als 40 Jahre später, eine einheitliche Worterklärung
von «Burnout» auszumachen. «Alle einschlägigen Versuche sind entweder zu umfassend
oder zu spezifisch» (Stahlhut, 2011, S. 7). Die Informationsseite burnout-info.ch liefert eine
allgemeingültige Definition, die für den Zweck dieser Zertifikatsarbeit genügt:
«'Burnout' (engl. `to burn out' = `ausbrennen') ist ein Sammelbegriff und steht für einen
emotionalen, geistigen und körperlichen Erschöpfungszustand, der durch eine Antriebs- und
Leistungsschwäche gekennzeichnet ist und typischerweise am Ende eines monate- oder
sogar jahrelang andauernden `Teufelskreises' aus Überarbeitung und Überforderung steht»
(Proxena GmbH, Zedler, & J., 2016, o.S.). Oder noch kürzer: «[Burnout] ist eine langdauernd
zu hohe Energieabgabe für zu geringe Wirkung bei ungenügendem Energienachschub»
(Burisch, 2003, S. 6).
Burnout gilt heute als `Volkskrankheit'. Dass bekannte Persönlichkeiten wie Popstar Mariah
Carey, der Schweizer Politiker Rolf Schweiger (FDP) und Nathalie Rickli (SVP) oder die
Schauspielerin Angelina Jolie betroffen waren, ist ein offenes Geheimnis. In einer Studie des
Hernstein Institutes für Management und Leadership in Wien, durchgeführt von der OGM
Österreichische Gesellschaft für Marketing (Wien), schätzten 2013 zwischen 51% (CH) und
58% (D) von insgesamt 300 Führungskräften von Grossbetrieben (>100 Beschäftigte) aus
Österreich, Deutschland und der Schweiz, dass sie schon konkrete Fälle von Burnout unter
ihren Mitarbeitern hatten (OGM, 2013). Die Gesundheitsförderung Schweiz stellt ihrerseits in
der aktuellen Studie «Job-Stress-Index 2016» fest, dass jeder vierte Erwerbstätige zwischen
16 und 65 Jahre (2973 wurden befragt) gestresst und gar erschöpft ist
(Gesundheitsförderung Schweiz, 2016). Im Arbeitspapier zum Job-Stress-Index 2014 wird
sogar erwähnt, dass rund 6% der Beschäftigten am Rande einer Erschöpfungsdepression
stehen (Igic u. a., 2014). Die Kosten für die Arbeitgeber sind enorm: «Das ökonomische
Potenzial wird für die Betriebe in der Schweiz im Jahr 2016 auf rund CHF 5.7 Mrd.
geschätzt» (Gesundheitsförderung Schweiz, 2016, S. 1).
2.1.1.2. Ursachen
Aus der zitierten Definition von Burnout (2.1.1.1 Definition und Bedeutung) lässt sich
ableiten, dass Burnout nicht plötzlich ausbricht, wie eine Infektionskrankheit, sondern dass
es das Resultat eines langen Prozesses ist, der Monate oder gar Jahre anhalten kann. Die

3
Ursachen eines Burnout-Syndroms sind oft vielfältig. Meistens entsteht eine
Erschöpfungsdepression aus einer Kombination von Ursachen, die sich über eine längere
Zeit mehr oder minder bemerkbar machen.
«Die Gefahr eins Burnouts ist besonders gross, wo Menschen bei ständigem hohem Einsatz
nur wenig Erfolge der eigenen Arbeit sehen oder wo es keine Anerkennung für den
geleisteten Einsatz gibt. Ein solcher Dauerzustand des Zuviel-Gebens und Zuwenig-
Bekommens kann in der betreffenden Person liegende Ursachen haben. Es können aber
auch in den Arbeitsbedingungen Gründe vorliegen. Meist ist es eine Mischung aus beidem.
Burnout erleiden Personen, die bei der Arbeit besonders hohe Ansprüche an sich stellen, die
zum Perfektionismus neigen und sich übermässig engagieren. Oft haben solche Menschen
die Fähigkeit verloren, nach Arbeitsschluss innerlich Abstand zu gewinnen. [...] Aber auch
auf Seiten des Arbeitgebers gibt es Burnout-Ursachen: Hoher Leistungsdruck, Eintönigkeit
der Arbeit bzw. fehlende Anforderungsvielfalt, ein Übermass an Vorschriften, die den
Gestaltungsspielraum des Arbeitnehmers einengen, sowie fehlende Unterstützung und
Anerkennung vom Vorgesetzten oder von Kollegen.» (Bauer, o. J., o.S.)
Die Ursachen vom Burnout-Syndrom ausschliesslich im beruflichen Umfeld suchen zu
wollen, ist ein Trugschluss. «Persönlichkeit und Charakter spielen bei Burnout eine grosse
Rolle. Personen, die für das Ausbrennen anfällig sind, [...] sind oftmals willensstark und
entschlossen, hassen es aufzugeben und sich eine Niederlage eingestehen zu müssen; [...]
des Weiteren neigen sie zur Autarkie. Sie handeln lieber selbst, bevor sie es anderen
überlassen» (Rush, 2000 in Stahlhut, 2011, S. 15-16).
Die folgende Tabelle, abgeleitet aus der Informationsseite burnout-info.ch, zeigt eine
systematische Einteilung von möglichen Ursachen.
Tabelle 1: Systematische Einteilung von möglichen Burnout-Ursachen
Externe Belastungsfaktoren
Organisationale Ebene bei
der Arbeit
Hohe Arbeitsmenge
Hoher Termindruck
Hohe Verantwortung
Mangelnde Ressourcen
(Personal, Finanzen,
Knowhow)
Mangelnde Kontrolle /
Selbstbestimmung bei
Arbeitsdurchführung
Fehlender
Handlungsspielraum
Mangelnde Partizipation
(Entscheidungsprozess)
Langer, häufiger, intensiver
und anspruchsvoller
Kundenkontakt
Fehlendes / mangelndes
positives Feedback
Unzureichende Be- /
Entlohnung
Drohender
Arbeitsplatzverlust

4
Soziales Umfeld
Interaktion mit Kollegen und
Vorgesetzten (Teamarbeit,
Kommunikation, soziale
Unterstützung, Rollen und
Werte)
Interaktion mit Familie /
Partner
Situative Einflüsse
Krankheit / Tod / Sorge um
geliebten Menschen
Geldsorgen
Schicksalsschläge
Interne
Persönlichkeitsfaktoren
Leistung Hoher
Leistungsanspruch
an sich selbst
Idealismus
Perfektionswillen
Versagensängste
Hohe bzw. unrealistische
Erwartungen
Leistungsbezogene
Anerkennung
Grosser Ehrgeiz
Bedürfnis, sich zu beweisen
Interaktion mit Mitmenschen Schwierigkeit, nein zu sagen
Wunsch, es jedem recht zu
machen
Misstrauen gegenüber
anderen Menschen
Selbsteinschätzung Selbstüberschätzung
Tendenz, die eigenen
Bedürfnisse langfristig zu
ignorieren
Überdruss und Verleugnen
von Unzufriedenheit
Missachtung von
Warnsignalen des Körpers
Quelle: in Anlehnung an (Proxena GmbH u. a., 2016)
2.1.2. Lean Thinking / Lean Manufacturing
2.1.2.1. Definition
Eine Suche nach den Begriffen «Lean Thinking», «Lean Manufacturing» oder «Lean
Management» im Internet-Suchdienst Google listet über eine halbe Million Einträge auf.
Lean ist freilich keine `Volkskrankheit' (Google-Sucheinträge zu «Burnout»: 53 Mio.), aber
sicherlich ein Konzept, das mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Was ist aber mit diesem
Begriff gemeint?
«In its most basic form, lean manufacturing is the systematic elimination of waste from all
aspects of an organization's operations, where waste is viewed as any use or loss of
resources that does not lead directly to creating the product or service a customer wants
Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Work-Life Balance durch Lean Thinking. Lean Prinzipien zur Prophylaxe von Burnout
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft Zürich
Note
5.2
Autor
Jahr
2017
Seiten
23
Katalognummer
V387522
ISBN (eBook)
9783668621367
ISBN (Buch)
9783668621374
Dateigröße
859 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bitte beachten: Note 5.2 für CH (Skala 1.0 bis 6.0, wobei 6.0 die beste Note darstellt).
Schlagworte
Lean Management, Burnout, Depression, Erschöpfung, Prophylaxe, Work-Life-Balance, Lean Thinking
Arbeit zitieren
Erik Poly (Autor), 2017, Work-Life Balance durch Lean Thinking. Lean Prinzipien zur Prophylaxe von Burnout, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387522

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