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Die Darstellung und Bewältigung von Katastrophen in der Stadtchronik des Burkard Zink

Titel: Die Darstellung und Bewältigung von Katastrophen in der Stadtchronik des Burkard Zink

Hausarbeit , 2017 , 17 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Tim Kissels (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage nach der Darstellung, Deutung und Bewältigung von Katastrophen in der Augsburger Stadtchronik des Burkard Zink. Zur Beantwortung der Leitfrage werden die einschlägigen Stellen aus den vier Büchern der Chronik herangezogen und geprüft. Es wird im Laufe der Arbeit gezeigt werden, dass sich die Art der Schilderung der Bewältigungspraxis im ersten Buch von der in den anderen Teilen der Chronik unterscheidet.

Neben den Implikationen, die Zinks Darstellungen und Deutungen von Extremereignissen in allen Büchern für sein eigenes Wissen und seine eigene Weltanschauung haben können, sollen die geschilderten Ereignisse ausgehend vom aktuellen Forschungsstand auch auf ihre exemplarische Geltung für die Chronistik des Spätmittelalters geprüft werden. Zinks Perspektive ist zum Teil besonders, da er die Folgen mancher Katastrophen am direkten Leibe erfuhr und Familienmitglieder an diese verlor. Es wird näher erörtert werden, was diese privatpersönliche Standortgebundenheit an Erkenntnissen für die Ausgangsfrage bietet.

Mit der Frage nach der Darstellung geht die Frage nach den Bewältigungsstrategien der Stadtbürger einher. Im Text beschriebene Rituale und Verhaltensmuster sollen aus kulturgeschichtlicher Perspektive in Hinblick auf die zugrundeliegenden Deutungen sowie ihre Wirkungen und Funktionen untersucht werden. An dieser Stelle sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese drei Dimensionen in der Praxis nicht einfach voneinander geschieden werden können, und die Arbeit, einer der Thesen Gerhard Fouquets folgend, auch den Bericht und die Deutung der Katastrophen durch den Chronisten als eine Form der Bewältigung versteht. Anschließend an die Überlegungen von Gerrit Jasper Schenk sowie die Einlassungen Gerhard Fouquets, geht die vorliegende Arbeit von einem Katastrophenbegriff aus, der sich mit dem der Krise überlagert – im Grunde von diesem nicht scharf zu trennen ist. Des Weiteren fasst sie die Definition weit, da sie der Forschung folgend auch Phänomene wie Kriege oder Teuerungen unter dem Begriff der Katastrophe subsumiert.

Den klaren Schwerpunkt der Betrachtung bilden allerdings solche Extremereignisse die wesentlich als „natürlich“ begriffen werden können, wie z.B. Feuer, Überschwemmungen, Missernten oder Epidemien, da diese für die Beantwortung der Leitfrage von entscheidender Bedeutung sind.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellenkritik

3. Katastrophen in der Chronik des Burkard Zink

3.1 Buch I: Prozessionen gegen den Tod

3.2 Buch II: Von weitgereisten Wassern und Verwirrung stiftenden Toten

3.3 Buch III und IV: Epidemien, Hungersnöte, Teuerungen – Im Glauben fest, im Zweifel bestätigt.

4. Ergebnisse

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

5.1 Quellen

5.2 Literatur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung, Deutung und Bewältigung von Katastrophen in der Augsburger Stadtchronik von Burkard Zink, wobei analysiert wird, wie sich religiöse Deutungsmuster und diesseitige Krisenmanagement-Strategien im Laufe der Chronik verändern.

  • Historische Analyse der Stadtchronistik des 15. Jahrhunderts am Beispiel Burkard Zinks.
  • Untersuchung von Bewältigungsstrategien bei Naturkatastrophen (Pest, Hochwasser, Missernten).
  • Die Rolle der göttlichen Vorsehung im Vergleich zu bürgerlicher Ratspolitik.
  • Die Funktion des Chronisten als Augen- und Ohrenzeuge bei der Bewältigung kollektiver Traumata.
  • Kulturgeschichtliche Perspektive auf die "Krise des Spätmittelalters".

Auszug aus dem Buch

3.1 Buch I: Prozessionen gegen den Tod

Bereits im ersten Buch der Chronik, das sich auf den Zeitraum 1368-1397 bezieht, berichtet Zink von mehreren Katastrophen, die sich ereignet haben. In einem Abschnitt der sich auf das Jahr 1379 bezieht, ist die Rede von einer groß plag, die im land was, wobei diese nicht näher im Typ spezifiziert wird. Zeitlich liegt der Verdacht nahe, das hier von der Pest die Rede ist. Die Bürger reagierten auf die Epidemie mit einer gemeinschaftlichen Prozession, samt allem hailtum umschritten sie die Stadt in einer circumambulatio, um Gottes Zorn zu besänftigen und Buße zu tun. Welches hailtum hierbei zum Einsatz kam lässt Zink offen. Es könnte sich jedoch wie bei verwandten Handlungen um eine Art Ikone gehandelt haben.

Die Kreisbewegung ist wichtig, sie umfasst die Stadt als Ganzes. Die Bürger reagierten auf die Katastrophe mit einer zeichenhaften Handlung, die die Ordnung zwischen Stadtbevölkerung und Gott wiederherstellen sollte. Zink berichtet hier von einer klassischen Bußprozession, die ausgeführt wurde, damit Gott gnedig wäre und seinen Zorn abließ. Daran, dass die Katastrophe aus Sicht der Betroffenen göttlichen Ursprungs ist und durch sündiges Verhalten selbstverschuldet wurde, also der Läuterung bedarf, lässt Zinks Darstellung keinen Zweifel. Der nächste Eintrag fällt zeitlich in den gleichen Zeitraum, in das Jahr 1380. Übertitelt ist er mit Von ainem großen tod. Auch hier ist wahrscheinlich von der Pest die Rede.

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung soll zufolge dem Chronisten gestorben sein, wobei die Überlebenden der Krise von den fallenden Kornpreisen profitierten. Die Betroffenen reagierten auch dieses Mal mit einer kreisförmigen Umgehung ihrer Stadt auf das Extremereignis „Seuche“. Während dieser baten sie Gott um Vergebung und darum, dass er das Sterben beenden möge, dass sich sogar bis auf das umliegende Land erstreckte. Eindringlich schildert Zink die Folgen der Katastrophe, spricht u.a. von der Verzweiflung der Menschen, dem Korn auf den Feldern, das nicht beschnitten wurde, sowie der ausgebliebenen Aussaat. Das gesamte Gemeinwesen brach im Angesicht der Krise zusammen und man versuchte die Ordnung wiederherzustellen, durch Buße in der Prozession.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung nach der Bewältigung von Katastrophen in Zinks Chronik vor und bettet diese in den aktuellen Forschungsstand der historischen Mediävistik ein.

2. Quellenkritik: Dieses Kapitel skizziert das Leben Burkard Zinks und ordnet seine Chronik quellenkritisch als ein nicht-humanistisches, aber hochgradig anschlussfähiges Dokument ein.

3. Katastrophen in der Chronik des Burkard Zink: Hier werden die Katastrophenberichte strukturiert analysiert, von religiös motivierten Prozessionen bis hin zu den pragmatischen Maßnahmen des Rates.

3.1 Buch I: Prozessionen gegen den Tod: Das Kapitel behandelt die frühen Berichte zur Pest und die rituellen, zeichenhaften Versuche der Bürger, durch Bußprozessionen die göttliche Ordnung wiederherzustellen.

3.2 Buch II: Von weitgereisten Wassern und Verwirrung stiftenden Toten: Fokus auf Hochwasserereignisse und die durch Massensterben ausgelöste soziale Verwirrung hinsichtlich der christlichen Begräbnispraxis.

3.3 Buch III und IV: Epidemien, Hungersnöte, Teuerungen – Im Glauben fest, im Zweifel bestätigt.: Analyse der späteren Krisenjahre, in denen neben religiöser Deutung auch die aktive, diesseitige Krisenpolitik als Kornmeister in den Vordergrund tritt.

4. Ergebnisse: Fazit über die doppelte Strategie Zinks: Die Bewältigung durch religiöse Einordnung und die gleichzeitige Dokumentation rationaler städtischer Krisenmaßnahmen.

5. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Chronikausgaben und der weiterführenden wissenschaftlichen Literatur.

5.1 Quellen: Angabe der primären Textbasis für die Untersuchung.

5.2 Literatur: Zusammenstellung der Forschungsliteratur zu Krisen, Katastrophen und spätmittelalterlicher Chronistik.

Schlüsselwörter

Burkard Zink, Stadtchronik, Spätmittelalter, Katastrophen, Krisenbewältigung, Pest, Hungersnot, Bußprozession, Stadt Augsburg, historische Forschung, religiöse Deutung, Ratspolitik, Naturkatastrophen, Historiographie, Memoria.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Burkard Zink in seiner Augsburger Stadtchronik auf Naturkatastrophen und Krisenereignisse reagiert und wie er diese für die Nachwelt dokumentiert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die zentralen Felder sind die spätmittelalterliche Chronistik, die religiöse und pragmatische Krisenbewältigung sowie die Rolle des Bürgertums in Krisenzeiten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Analyse der Darstellung, Deutung und Bewältigung von Katastrophen, um zu verstehen, wie religiöse Sinnstiftung und säkulare Verwaltung in Zinks Werk interagieren.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Es handelt sich um eine historisch-analytische Auswertung der Primärquelle, eingebettet in den diskursiven Kontext aktueller geschichtswissenschaftlicher Literatur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die chronologische und thematische Untersuchung der vier Bücher der Chronik, wobei die Unterschiede in der Krisenwahrnehmung herausgearbeitet werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Katastrophenbegriff, Krisenrituale, städtische Ordnung, göttliche Vorsehung und spätmittelalterliche Lebenswirklichkeit.

Wie unterscheidet sich die Bewältigungspraxis in Buch I von den späteren Teilen?

Während im ersten Buch religiöse Bußprozessionen als Hauptinstrument dienen, zeigt Zink später ein stärkeres Bewusstsein für organisierte, weltliche Krisenmanagement-Politik.

Wie geht Zink mit dem Tod seiner eigenen Angehörigen um?

Zink berichtet medizinisch präzise und nüchtern; er zeigt kaum offene Trauer, integriert die Schicksalsschläge aber in sein Werk als Teil der "memoria".

Welche Rolle spielte Zink bei der Bewältigung von Hungerkrisen?

Als Kornmeister war Zink aktiv in die Ratspolitik eingebunden und dokumentierte die Versorgungsmaßnahmen minutiös als Zeichen effektiven Krisenmanagements.

Warum deutet Zink Naturkatastrophen meist als göttliche Strafe?

Dies entspricht dem typischen spätmittelalterlichen christlichen Weltbild, das Zink nutzt, um Sinn in das Leiden zu bringen und die Gemeinschaft zur Umkehr zu mahnen.

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Details

Titel
Die Darstellung und Bewältigung von Katastrophen in der Stadtchronik des Burkard Zink
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Institut)
Note
1,0
Autor
Tim Kissels (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V387523
ISBN (eBook)
9783668620506
ISBN (Buch)
9783668620513
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mittalter Spätmittelalter Stadt Stadtchronik Chronistik Burkard Zink Augsburg 14.Jahrhundert Bewältigungspraxis Rituale Wirkungen Deutungen Funktionen Katastrophen Kulturgeschichte Mediävistik Extremereignisse Feuer Überschwemmungen Missernten Pest Epidemien Wetter Glaube Christentum Kaufmann Hunger Krieg
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Tim Kissels (Autor:in), 2017, Die Darstellung und Bewältigung von Katastrophen in der Stadtchronik des Burkard Zink, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387523
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Leseprobe aus  17  Seiten
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