Kommunikation im Wandel. Auswirkungen des Mobilfunks auf die Gesellschaft


Hausarbeit, 2017
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

1.Faszination Smartphone

2.Die technische Entwicklung bis zum heutigen Smartphone

2.1.Die Ausbreitung des Smartphones in Deutschland

2.2.Das Smartphone als akzeptiertes und alltägliches Kommunikationsmittel

3.Technik, Kommunikation und Handeln

4.Der Einfluss der Smartphone Nutzung in sozialen Kontexten

4.1.Auswirkungen des Smartphones auf soziale Beziehungen

4.2.Auswirkungen des Smartphones im öffentlichen Raum

5.Zukünftige Trends im Verhalten und der Nutzung von Smartphones

6.Resümee

Literaturverzeichnis


1.Faszination Smartphone

 

„Wir schalten den Bildschirm unseres Smartphones durchschnittlich 88 Mal am Tage ein. 35 Mal davon schauen wir auf die Uhr oder sehen nach, ob eine Nachricht eingegangen ist – eine geringfügige Unterbrechung. Doch die restlichen 53 Mal entsperren wir tatsächlich das Handy, um mit ihm zu interagieren, also Emails zu schreiben, Apps zu nutzen oder zu surfen“ (Markowetz 2015, S. 12f.). Wir unterbrechen also nach Markowetz, wenn man abzüglich acht Stunden Schlaf 16 Stunden Wachheit am Tage annimmt, alle 18 Minuten unsere Tätigkeit, um uns mit dem Smartphone zu befassen (vgl. Markowetz 2015: 13).

 

Das Handy[1] ist schon lange nicht mehr nur ein Gerät zur telefonischen Kontaktaufnahme, sondern besonders in Gestalt des Smartphone ein vielseitig einsetzbarer Allrounder, welcher Markowetz` Beschreibung nach, selbstverständlich in den Alltag einbezogen wird. Das Wirtschaftslexikon Gabler (2011: o.S.) definiert das Smartphone als „Mobiltelefon mit erweitertem Funktionsumfang“, wobei die Telefonie, der Short Message Service, E-Mails, das Internet, Navigation, ein Terminkalender, sowie die Installation individueller Applikationen wie beispielsweise WhatsApp, zu diesem erweiterten Funktionsumfang zählen. Es entstehen somit unzählige Möglichkeiten, miteinander zu kommunizieren. Das Smartphone ermöglicht technologievermittelte Kommunikation in Echtzeit und von ständig wechselnden Standorten aus, sprich mobil.

 

Die Nutzung von mobiler Kommunikation ist ein wesentlicher Teil unseres Lebens geworden. Sie ermöglicht uns, einfacher und schneller mit anderen Personen in Kontakt zu treten, was wiederum Veränderungen in alltäglichen Abläufen mit sich brachte. Vieles, was direkt oder auch indirekt mit der Kommunikation über das Handy zu tun hat, passiert durch die Möglichkeit der Echtzeitübertragung und die ständige Erreichbarkeit beschleunigt oder intensiviert. Welche Auswirkungen dies genau auf den kommunikativen Alltag der Menschen hat, soll in dieser Arbeit herausgearbeitet werden.

 

Die folgenden zwei Kapitel erläutern zunächst die Geschichte des Smartphones anhand wichtiger technischer Entwicklungen und fassen die Durchdringung in Deutschland zusammen, um das Thema besser einordnen zu können. Im Kapitel 2.2. wird die gesellschaftliche Akzeptanz des Mobiltelefons als Hinführung zum Schwerpunkt der Arbeit diskutiert. Anschließend wird in Kapitel 3 durch grundlegende Überlegungen zum Verhältnis von Technik, Kommunikation und Handeln geklärt, in welchem Theoriekontext sich die Smartphone Nutzung und ihre Auswirkungen auf den kommunikativen Alltag bewegen. Diese Auswirkungen gelten gleichermaßen in Bezug auf soziale Beziehungen, als auch auf die Kommunikation im öffentlichen Raum, welche in den Kapiteln 4.1. und 4.2. dargestellt werden und das Hauptaugenmerk der Arbeit bilden. Im 5. Kapitel werden noch die durch die spezifischen Auswirkungen angestoßenen zukünftigen Trends im Umgang mit der Kommunikation über Smartphones aufgezeigt, bevor im abschließenden Kapitel ein Resümee gezogen wird.

 

2.Die technische Entwicklung bis zum heutigen Smartphone

 

Das Überwinden räumlicher und zeitlicher Grenzen von Kommunikation beschäftigt die Menschen schon seit längerem. Angefangen bei Rauchzeichen, über die Telegrafie, bis hin zur Weiterentwicklung der Überbringung von Inhalten durch die Nutzung elektrischer Impulse in Form der Telefonie. Diese ermöglichte zwar schon eine zeitlich unmittelbare, interaktive Kommunikation, war aber weiterhin ortsgebunden (vgl. Wolf 2014: 26). Erste Ideen einer ubiquitären computervermittelten Telekommunikation in Verbindung mit einer Nutzung portabler Endgeräte für die Rezeption massenmedialer Inhalte stammen bereits aus dem frühen 20. Jahrhundert (vgl. Burkart 2007: 52), sollten allerdings erst Ende des 20. Jahrhunderts Realität werden. Zunächst soll in diesem Kapitel kurz auf die Entwicklung des Mobilfunks eingegangen werden, da ohne diese vorherigen Entwicklungen die Nutzung des Smartphone in heutiger Form nicht möglich gewesen wäre. Anschließend werden noch spezifische technische Charakteristika des Smartphone angesprochen.

 

Frühe internationale Entwicklungen im Bereich des Mobilfunks reichen bereits bis in das 19. Jahrhundert zurück. Da im Zuge der Evolution des Mobilfunks im 20. Jahrhundert unterschiedliche technische Stadien durchlaufen wurden, ist man dazu übergegangen von Generationen, nämlich 1G bis 4G, zu sprechen. Während die erste Generation analoger Netze noch durch die Ausrichtung an der Übertragung von Sprache gekennzeichnet ist, zeichnen sich die Netze der zweiten Generation bereits durch die Orientierung an der Datenübertragung aus. 3G steht anschließend für „den Übergang von der schmalbandigen zur breitbandigen Übertragung in mobilen Netzen“ (Geer/Gross 2001: S. 18) und wurde bereits abgelöst von der vierten Generation, welche eine nochmalige Steigerung der Datenraten beinhaltete (vgl. Wolf 2014: 29, 44). LTE (Long Term Evolution) wurde als Technologie der Zukunft gesehen. Im Jahr 2012 sind immer mehr Smartphones auf den Markt gekommen, die LTE unterstützen LTE setzt nicht auf vorherigen Standards auf, so dass erst ein neues Netz aufgebaut werden musste (vgl. ebd.: 45). Es wird auch bereits an der weiteren Aufrüstung in Form von LTE-Advanced gearbeitet, sowie an der 5. Mobilfunkgeneration (vgl. ebd.: 46).

 

Die Entwicklung der Branche und die Zusammenführung von Mobiltelefonie und Internet wurden im Wesentlichen durch drei Bereiche bestimmt. Zum einen durch die Infrastruktur in Form moderner Netze, zum anderen durch die Hardware im Sinne von der Entwicklung von Endgeräten und drittens durch Anwendungen anhand mobiler Dienste, wie derzeit insbesondere Apps. Nach den Phasen der Mobiltelefonie und Mobilkommunikation, wird die momentane Phase Ubiquitous Computing genannt. In dieser bieten mobile Endgeräte ortsungebundene, computerbasierte Dienste, die von der Mobiltelefonie und -kommunikation mit dem Fokus auf interpersonaler Kommunikation zu ubiquitärer Konnektivität führen, welche neben interpersonalen Diensten vielfältige (Online-)Anwendungen ermöglicht (vgl. Wolf 2014: 46).

 

 

Abbildung 1 Von der Mobiltelefonie zum Ubiquitous Computing (entnommen aus Wolf 2014: 47).

 

Der Begriff des Ubiquitous Computing sollte nicht technikzentriert verstanden werden, da die Ubiquität neben der technischen Verfügbarkeit von digitalen Systemen und Diensten auch die soziale Aneignung durch den Nutzer und die Veränderung von Kommunikation umfasst. Möglich wurde Ubiquitous Computing, da zeitgleich zur Entwicklung des Mobilfunks das Internet das menschliche Kommunikations- und Informationsverhalten revolutioniert hat. Es hat Mediennutzung und -produktion ebenfalls fundamental verändert (vgl. ebd.: 48). Das Internet soll also nicht einfach nur unterwegs verfügbar sein, sondern von den Menschen in vielfältigen Situationen für unterschiedlichste Anwendungen genutzt und damit allumfassend in den Alltag integriert (vgl. Wolf 2014: 49). Somit dienen Smartphones heutzutage als individualisierte Hybride zwischen Computer und Mobiltelefon (vgl. Wolf: 28, Bächle/Thimm 2014: 9).

 

2.1.Die Ausbreitung des Smartphones in Deutschland

 

Die Entwicklung in Deutschland lässt sich anhand der Netze etwas anders zusammenfassen, als die oben schon beschriebene internationale Aufteilung in Generationen.

 

Anfang der 50er Jahre entstanden in verschiedenen Regionen Deutschlands die ersten lokalen Netze. 1958 begann dann der systematische Aufbau eines öffentlichen Mobilfunknetzes. Zunächst war es nur für Großstädte und wichtige Verkehrswege gedacht, stoß aber auf große Akzeptanz, wodurch dann die bundesweite Versorgung angegangen wurde. Zu dieser Zeit musste die Gesprächsverbindung noch von einer Angestellten handvermittelt werden. Auch blieb das Telefonieren von unterwegs durch hohe Kosten des Mobilfunks ein Privileg (vgl. Sonnemann 2004: 14). 1972 ging das technisch wesentlich fortschrittlichere B-Netz in Betrieb. Hiermit war erstmals Selbstwählverkehr in beiden Richtungen möglich und die Teilnehmer wurden nun automatisch durchgestellt. Ein Nachteil war allerdings, dass der Anrufer wissen musste, in welchem Vorwahlbereich sich der Mobilteilnehmer aufhielt. Auch zu der Zeit blieb das mobile Telefonieren für die meisten Deutschen noch ein teures Vergnügen. Die noch immer mehrere Kilogramm schweren Autotelefone kosteten zwischen 12.000 bis 15.000 Mark. Der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland löste in den 70er Jahren dennoch den ersten, an heutigen Maßstäben gemessen bescheidenen Mobilfunkboom aus (vgl. ebd.: 15). Ab 1978 war das B-Netz flächendeckend verfügbar (vgl. ebd.: 15).

 

Das C-Netz wurde 1985 erstmals auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin vorgestellt und 1986 in Betrieb genommen. Es bestand aus kleineren Funkzellen im höheren Frequenzbereich, wodurch mehr Gespräche gleichzeitig geführt werden konnten. Die elektronische Vermittlungstechnik sorgte zudem für komfortableres und einfacheres Telefonieren unterwegs. Innerhalb dieses Netzes wurden nicht nur die Gespräche ohne Abbruch computergesteuert von einer Funkzelle zur nächsten gegeben, sondern auch der Standort des Nutzers wurde automatisch über das Mobilgerät registriert. Das heißt der Nutzer war nun im ganzen Bundesgebiet unter einer einheitlichen Netzkennzahl und zusätzlich seiner persönlichen Rufnummer erreichbar, was wiederum bedeutet, dass dem Anrufer nicht mehr der Aufenthaltsort des Mobilfunkteilnehmers bekannt sein musste (vgl. ebd.: 16). Bei dem C-Netz handelte es sich um ein zellulares System, wodurch geringere Sendeleistungen der Mobiltelefone nötig waren, was wiederum geringeren Stromverbrauch, weniger erforderliche Akkukapazität und somit kleinere und leichtere Geräte bedeutete. Während die ersten C-Netz-Telefone noch fest im Auto installiert waren, brachte Siemens 1987 das erste tragbare Gerät mit einem Gewicht von fünf Kilogramm und der Größe eines Kofferradios auf den Markt. Kurz darauf, 1989, bot die Post ihren Kunden das erste Gerät an, welches in eine Jackentasche passte (vgl. ebd.: 16).

 

Bereits 1982 trafen sich dazu Vertreter von Telekommunikationsunternehmen aus 26 europäischen Ländern mit dem Ziel, Spezifikationen für ein europaweites Mobilkommunikationsnetz festzulegen. Als Technik wurde ein digitales Netz vorgesehen. Dies wurde mit der Entwicklung des Mobilfunkstandards GSM (Global System for Mobile Communication) erreicht (vgl. ebd.: 17). In Deutschland startete GSM mit dem D-Netz, welches Informationen durch Digitaltechnik übertrug und so eine erheblich verbesserte Sprachqualität bot. Zu dem Zeitpunjt kam es auch zum ersten Mal zu Konkurrenz zwischen zwei Anbietern, nämlich Mannesmann-Mobil und Telekom (vgl. ebd.:18). 1994 wurde die Lizenz für ein weiteres Netz, das sogenannte E-Netz, in Deutschland erteilt, dessen Technik auf dem GSM-Standard basierte, allerdings in einem anderen Frequenzbereich arbeitet (vgl. ebd.: 19).

 

Mit Hilfe des Wireless Application Protocol (WAP) war es ab 1999 möglich, Informationsseiten, welche dem World Wide Web ähnelten, auf Mobiltelefonen darzustellen. Diesbezüglich blieb die Entwicklung lange deutlich hinter den Erwartungen und Prognosen zurück (vgl. Wolf 2014: 36). Bei den mobilen Endgeräten zeichnet sich zur Jahrtausendwende anhand von beispielsweise integrierten MP3-Playern und ergänzenden Softwareanwendungen, erstmals der Trend zur Multifunktionalität ab. 2002 kommt auch die Digitalkamera hinzu (vgl. ebd. 38).

 

Innerhalb von rund 60 Jahren hat sich das Mobiltelefon in Deutschland von einem teuren, unhandlichen Medium, welches hauptsächlich in beruflichen Bereichen eingesetzt wurde, zu einem durch viele verschiedene Preissegmente erschwinglichen, handlichen Massenmedium gewandelt.

 

2.2.Das Smartphone als akzeptiertes und alltägliches Kommunikationsmittel

 

Für neue Medien muss erst einmal ein Platz im Alltag der Menschen geschaffen werden. In der Anfangszeit ist oft noch nicht klar, wozu sie überhaupt gut sein sollen, da bislang ja auch alles ohne diese medialen Möglichkeiten funktioniert hat. Dies relativiert sich bei der Nutzung von Mobiltelefonen etwas, da Menschen, wie zuvor schon beschrieben, schon lange vorher Medien zur ortsungebundenen Kommunikation erfahren und genutzt haben und die Umgehensweise damit an sich also schon kannten. Nichtsdestotrotz, nachdem heutzutage fast jeder ein Handy besitzt, haben sich offenkundig gewisse Nutzungsgründe ergeben, die das Mitführen eines solchen Gerätes rechtfertigen.

 

Die gesellschaftliche Akzeptanz des Mobiltelefons als alltägliches Kommunikationsmedium muss einerseits als aktiver, von den Nutzern im Alltag vollzogener Prozess begriffen werden, welcher die Geschichte des Mobiltelefons und die Entwicklung der Mobilfunktechnik beeinflusst und geprägt hat. Auf der anderen Seite ist diese enorme Verbreitung auch durch telekommunikationspolitisches und wirtschaftliches Lenken zu Stande gekommen (vgl. Sonnemann 2004: 34), dies soll hier aber nicht weiter besprochen werden. Das Handy hat sich innerhalb von kürzester Zeit vom Geschäftsmedium zu einem massenhaft verbreiteten Privatmedium entwickelt (vgl. ebd.: 58). Laut dem Statistik-Portal Statista wachsen die Nutzerzahlen seit Jahren beständig. Waren es im Januar 2009 noch 6,31 Millionen Smartphone-Nutzer in Deutschland, beläuft sich die Zahl mittlerweile für April 2016 auf 49 Millionen. Laut ihrer Prognose soll die Anzahl der Nutzer bis zum Jahr 2018 auf 54 Millionen steigen (vgl. Statista 2016).

 

Das Handy vereinigt drei Grundelemente modernen Gesellschaften, nämlich Individualität, Mobilität und Kommunikation und ermöglicht ihre gegenseitige Steigerung (vgl. Burkhart 2000: 2). Es überwindet die räumliche und zeitliche Begrenzung und jeder ist zumindest theoretisch immer und überall erreichbar, wenn er dies möchte. Dies wiederum trägt zu einer noch dichteren und schnelleren Vernetzung von Individuen bei. Aufgrund dieser neuen Möglichkeiten verbanden viele Menschen das Mobiltelefon zunächst mit einem Zugewinn an Flexibilität und Unabhängigkeit (vgl. Burkhart 2007: 52). Außerdem stellt das Smartphone ein Multifunktionsgerät dar. Außer als Telefon, kann es ebenso als Notizblock, Musikplayer, Kamera, Terminkalender, Wecker und vieles mehr benutzt werden, sowie durch die individuelle App-Wahl des Besitzers gestaltet werden.

 

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Kommunikation im Wandel. Auswirkungen des Mobilfunks auf die Gesellschaft
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V387527
ISBN (eBook)
9783668615151
ISBN (Buch)
9783668615168
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunikation, Wandel, Mobilfunk, Gesellschaft, Auswirkungen, Handy, Smartphone
Arbeit zitieren
Jessika Müller (Autor), 2017, Kommunikation im Wandel. Auswirkungen des Mobilfunks auf die Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387527

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