Inwiefern behindert die Korruption in Indien die Infrastruktur des Landes?


Seminararbeit, 2017

20 Seiten, Note: 1,25


Leseprobe

I
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 1
2. Begriffsdefinition ... 2
2.1. Korruption ... 2
2.2. Örtliche Lage der Korruption ... 3
2.3. Infrastruktur ... 3
3. Probleme der Infrastruktur in Indien ... 4
3.1. Wasserversorgung ... 4
3.2. Transport- und Verkehrswesen ... 5
3.3. Privater Hausbau ... 6
4. Auswirkungen der Korruption auf die Infrastruktur ... 7
4.1. Wasserversorgung ... 7
4.2. Transport- und Verkehrswesen ... 8
4.3. Privater Bau ... 9
5. Ursachen der Korruption ... 9
6. Prävention und Besserung ... 12
7. Schlussfolgerung ... 14
7.1. Erkenntnisse ... 14
7.2. Empfehlung ... 15
7.3. Ausblick ... 15

1
1. Einleitung
Bei meiner ersten Reise nach Indien war ich sprachlos über den extremen Unterschied
zwischen dem wohlhabenden, geordneten und bis ins Detail geplanten Deutschland
und dem Indien, in dem ich gerade erst angekommen bin. Es wirkte auf mich wie eine
andere Welt. Ich war erstaunt darüber, wie unterschiedlich zwei Länder sein können,
die sich doch auf demselben Planeten befinden. Von den Kühen, die an jeder
Straßenecke aufzufinden sind und nach etwas Essbarem suchen, über die Ärmsten
der Armen, die einem hunderte Meter hinterherlaufen würden für etwas Geld oder
Essen, über das Verkehrschaos und die scheinbar ohne jeglichen Hintergedanken
gebauten Häuser und Straßen, bis zu dem Schulcampus, auf dem ich untergebracht
war, der vom Wachpersonal bewacht, durch einen hohen Zaun geschützt und täglich
bewässert wurde. Mich beschäftigte die Frage, wie dieser enorme Unterschied zu
Stande kommen kann, was hinter diesem Chaos und der Armut steckt.
Da ich mich schon vor meiner Reise mit Indien beschäftigt habe, und auch von
Erzählungen Anderer viel über Indien erfahren habe, war ich sehr an der
außergewöhnlichen Infrastruktur interessiert. Bisher habe ich nur die europäische,
durchdachte und gut ausgebaute Infrastruktur wahrgenommen, daher interessierte
mich die wohl eher spontane Verkehrslage und die improvisiert wirkende Struktur der
Behörden umso mehr. Weiter ist mir die Korruption aufgefallen, die schon seit der
Unabhängigkeit des Staates 1947 in großem Ausmaß vorkommt. Vor einigen Jahren
gab es Schlagzeilen über millionenschwere Korruptionsfälle in der Regierung und auch
nach einiger Recherche war das Thema Korruption kaum zu übersehen. Die Korruption
wird als ein starkes Wachstumshemmnis gesehen
1
und deshalb ist es sehr
wahrscheinlich, dass diese auch verantwortlich für die schlechte Infrastruktur in Indien
ist.
Mich interessiert die Frage, inwiefern diese Korruption den Ausbau der Infrastruktur
verlangsamen beziehungsweise die bestehenden Strukturen beeinflussen kann und
was ein möglicher Lösungsansatz für die Korruption in Indien sein kann. Des Weiteren
will ich über bestehende Prävention und Lösungsansätze der Regierung berichten und
ihre Wirksamkeit überprüfen.
Dafür werde ich zuerst die Lage der Infrastruktur Indiens erfassen und darauf
untersuchen, in welchen Bereichen die Korruption Auswirkungen auf die Infrastruktur
zeigt. Um mögliche Lösungsvorschläge für dieses Problem zu finden, werde ich
1
http://www.bpb.de/apuz/32249/korruption-als-wachstumsbremse?p=all
(Zugriff 26.05.17)

2
bestehende oder zukünftige Lösungsansätze untersuchen und auf ihre Wirksamkeit
überprüfen.
2. Begriffsdefinition
2.1. Korruption
In der offiziellen Definition von Transparency International heißt es, dass Korruption der
Missbrauch anvertrauter Macht zum privaten Nutzen oder Vorteil ist.
In den meisten Fällen, in denen Korruption auftritt, nutzt eine einflussreiche Person die
Abhängigkeit einer untergeordneten Person aus, um von ihr finanzielle Mittel zu
erpressen und sich damit selbst zu bereichern. Korruption tritt häufig in Ländern auf, in
denen wenig Transparenz herrscht und solche Geschäfte verschleiert ablaufen
können.
2
Weiter kann man zwischen der sogenannten kleinen und der großen Korruption
unterscheiden. Die kleine Korruption beschränkt sich auf Korruption im Alltag, wie das
Bestechen eines Polizisten oder eines Beamten, während die große Korruption
strukturübergreifend ist, das heißt weiträumige Bereiche wie z.B. Politik und Wirtschaft
betrifft, und deutlich mehr Aufmerksamkeit und Bedeutung erlangt, da auch viel mehr
Geld involviert ist.
Die Vorteile des ,,Nehmers", also des Korrupten, sind Geld- oder Sachwerte, er verletzt
Moral- und Gesetzespflichten, nimmt aber außer einer juristischen Verfolgung keine
direkten Nachteile in Kauf, sondern nutzt lediglich seine Machtposition aus, indem er
z.B. Lizenzen vergibt, Informationen weitergibt oder Dinge verschweigt.
Die Vorteile des Bestechenden sind dementsprechend persönliche Vorteile, z.B. durch
Informationsvorsprung, Aufstieg im Beruf, Erteilung von Aufträgen, Genehmigungen
und Lizenzen. Nachteile eines Bestechenden sind, wie beim Korrupten, ein Bruch von
Moral- und Gesetzespflichten, und damit verbundene juristische Verfolgung. In der
kleinen Korruption ist das Opfer meist der Bestechende, da er durch die Verweigerung
des Korrupten häufig zur Bestechung gedrängt wird.
Korruption stellt aber vor allem für die Unbeteiligten den größten Nachteil dar: Sie zieht
einen großen, längerfristigen Nachteil für Wirtschaft und Gesellschaft eines Landes
nach sich, da dem Staat z.B. hohe Steuergelder verloren gehen, Preise
überdurchschnittlich steigen, Fortschritt gebremst wird und starkes Misstrauen
gegenüber Institutionen und Behörden entsteht.
2
https://www.transparency.de/index.php?id=2176&type=98
(Zugriff: 08. April, 17)

3
2.2. Örtliche Lage der Korruption
Laut einer Studie von CMS India im Jahr 2017 sahen sich mindestens 30% der
teilnehmenden Inder dazu gezwungen, Bestechungsgelder zu zahlen, um
Dienstleistungen, die ihnen gesetzlich zustanden, entgegennehmen zu können.
3
Das
Ausmaß der kleinen Korruption hat seit der Unabhängigkeit Indiens kontinuierlich
zugenommen und ist in allen Dienstleistungsbereichen wie in Schulen, bei der Polizei,
Wasser- und Stromversorgung sowie in Krankenhäusern und im Immobilienhandel
vertreten.
4
Die große Korruption, die in Indien vor allem bei Wahlbetrug, illegalem Geldtransfer
und Geldwäsche auftritt, schadet dem Land wirtschaftlich weniger als die täglich
millionenfach vorkommende kleine Korruption, wirkt aber als negatives Vorbild für die
Bevölkerung, erreicht höhere politische Ausmaße und schadet dem internationalen
Image des Landes. So sind von 1948 bis 2008 ca. 462 Mrd. USD durch illegale
Geldtransfers u.a. in die Schweiz verloren gegangen.
5
Als einen von drei wesentlichen Gründen für das stetige Wachstum der Korruption in
Indien nennt der Wirtschaftswissenschaftler Pranab Bardhan die fehlenden öffentlichen
Gelder bei Wahlveranstaltungen.
6
Die Parteien müssen Wahlauftritte und Werbung mit
eigenem Gehalt und über Spenden organisieren, was oft auf illegale Weise geschieht.
Bei den Parlamentswahlen 2014, wurden Bestechungsgelder in Höhe von 2,8 Mrd.
Euro, 13 Millionen Liter an alkoholischen Getränken sowie 105 Kilogramm Heroin
beschlagnahmt, die zur Beeinflussung von Wählern dienen sollten.
7
2.3. Infrastruktur
Die Bundeszentrale für politische Bildung definiert Infrastruktur durch ,,staatliche(n) und
private(n) Einrichtungen, die für eine ausreichende Daseinsvorsorge und
wirtschaftliche Entwicklung als erforderlich gelten."
8
Infrastruktur wird in den meisten Fällen zum Beispiel in technische Infrastruktur
(Kommunikation, Straßenbau, Energie- und Wasserversorgung) und soziale
Infrastruktur (Krankenhäuser, Schulen, kulturelle Einrichtungen) unterteilt. Die Indische
Regierung strukturiert Infrastruktur ,,[in] die Bereiche Energie (einschließlich die Kohle-,
3
http://cmsindia.org/sites/default/files/Monograph_ICS_2017.pdf
(Zugriff: 26.05.17)
4
https://www.files.ethz.ch/isn/129411/gf_asien_1104.pdf
(Zugriff: 09. April, 17)
5
http://www.gfintegrity.org/storage/gfip/documents/reports/india/gfi_india.pdf
(Zugriff: 09.04.17)
6
http://www.outlookindia.com/website/story/corruption-inc/269884
(Zugriff: 26.05.17)
7
http://www.taz.de/!360832/
(Zugriff 10.04.17)
8
http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/19727/infrastruktur
(Zugriff: 11.04.17)

4
Erdöl- und Erdgasförderung), Verkehr und Nachrichtenwesen sowie die daraus
resultierenden Umweltprobleme." (Rothermund, 1995, S. 550).
Die Organisation von Infrastruktur und dessen Elementen ist Aufgabe des Staates,
während der Bau und die Erhaltung zunehmend Angelegenheit von privaten
Unternehmen ist. Seit der Begriffsentstehung in den 1960er Jahren ist Infrastruktur
immer bedeutender geworden. Eine gute technische Infrastruktur bietet hohe
Zeitersparnisse im Transport von Waren und damit Kostenersparnisse in der
Wirtschaft. Nicht nur für die Wirtschaft aber vor allem für die Gesellschaft ist
Infrastruktur von hoher Bedeutung. Ein gutes Straßennetz garantiert zum Beispiel die
schnelle Versorgung von Patienten und das rechtzeitige Nachliefern von Lebensmitteln
in eine Region, eine funktionierende Energie- und Wasserversorgung beugt Armut vor
und erhöht den Lebensstandard in einem Land. Durch die Verteilung von zum Beispiel
Schulen und Universitäten oder Theatern hängt auch die Bildung und Kultur von der
Infrastruktur in einem Land ab.
In dieser Arbeit werde ich nicht alle Arten der Infrastruktur erläutern, sondern mich auf
einige Bereiche wie die Wasserversorgung, das Verkehrswesen und den privaten
Hausbau
beschränken.
3. Probleme der Infrastruktur in Indien
Die Infrastruktur ist von großer Bedeutung für ein Land, da sie eine gut funktionierende,
schnelle Wirtschaft sicherstellt und den Lebensstandard in einem Land erhöhen kann.
Wenn die Infrastruktur nur teilweise funktioniert und viele Lücken und Probleme
auftreten, sinken dementsprechend auch die Wirtschaftsleistung und der
Lebensstandard in einem Land. Im folgendem Abschnitt möchte ich über die Probleme
in Indien berichten.
3.1. Wasserversorgung
Die Wasserversorgung in Indien ist schon immer mit dem Monsun konfrontiert, der
unregelmäßig und unzuverlässig Wasser abgibt. Schon in vorgeschichtlicher Zeit
wurden Dämme erbaut, um das Land vor Überflutung zu retten, aber auch Brunnen
und Rückhaltebecken, um in regenarmen Zeiten die Ernte sicherzustellen. Aufgrund
der großen Dürren und heißen Temperaturen, wird ungefähr die Hälfte der
landwirtschaftlichen Fläche Indiens bewässert, wobei das Wasser mithilfe von großen
Kanalnetzen auf Felder gelenkt wird.
Ein wesentliches Problem der Wasserwirtschaft in Indien ist die Grundsteuer, die seit
den 1930er Jahren nicht mehr abgeändert wurde und nicht die entnommene

5
Wassermenge berücksichtigt, sondern pauschal erhoben wird. Die Wassergebühren,
die selten tatsächlich erhoben werden, sind so gering, dass sie bei weitem die
Wasseraufbereitung und -verteilung nicht tilgen kann. Im Jahr 2017 besitzen 94.1% der
Indischen Bevölkerung Zugang zu aufbereitetem Wasser
9
, wobei lediglich 37% der
Bevölkerung einen Hausanschluss mit Wasser haben. Des Weiteren wird im
Durchschnitt 37% mehr Wasser entnommen, als auf natürlicher Weise bereitgestellt
werden kann.
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Das Wasser wird durch Indien von den drei östlichen Flüssen Sutlej,
Beas und Ravi und von Pakistan von den drei westlichen Flüssen Chenab, Jhelum und
Indus entnommen, die alle zuerst durch indisches Territorium fließen. Nachdem ein
Konflikt zwischen Indien und Pakistan, der von einigen westlichen Ländern unterstützt
waren, gelöst wurde, wurde diese Ordnung festgelegt und besteht bis heute so
(Rothermund, 1995, S. 552-3).
Doch nicht nur die Wasser- sondern auch die Abwasserwirtschaft Indiens wird mit
mehreren Problemen konfrontiert. In Indien besteht ein großes Problem an
Sanitäranlagen. Über 60% der Bevölkerung hat keinen Zugang zu verbesserten
Sanitäranlagen, natürliche Wasserläufe werden kontinuierlich stärker verschmutzt,
da
in der Stadtplanung häufig der Platz für Kanalisationen fehlt und viele Unternehmen
verschmutztes Abwasser in Flüsse und Seen ableiten, ohne sie zu filtern. Die
Bundesagentur für Außenwirtschaft ermittelte 2003 in einem Bericht, dass lediglich 200
von 3245 Städten eine Kanalisation besitzen, und in 2006 nur 28% der Bevölkerung
einen Zugang zu öffentlichen oder privaten Sanitäranlagen haben.
11
3.2. Transport- und Verkehrswesen
Der wichtigste Bestandteil des indischen Verkehrs- und Transportwesens ist die
Eisenbahn, gefolgt von Lastwagen und Bussen und auf städtischer Ebene
Fahrradrikschas und Ochsenkarren (Rothermund, 1995, S. 554). Die Eisenbahn,
welche mit der Kolonialmacht Großbritannien 1853 nach Indien kam, besitzt immer
noch eines der größten Verkehrsnetzte in Indien und ist ebenfalls eines der größten
Schienennetzte der Welt. Die Schienennetze wurden mehrheitlich seit der
Unabhängigkeit nicht mehr saniert und sind deshalb in marodem Zustand. Auf vielen
Streckenteilen verkehren noch Dampfloks, nur auf einigen Abschnitten werden Diesel-
und Elektrozüge eingesetzt. Des Weiteren ist der Großteil der Schienentrassen
9
https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/in.html
(Zugriff: 12.04.17)
10
http://www.germanwaterpartnership.de/fileadmin/pdfs/gwp_reisen/indien_2016/ga_indien_2016_factshee
t.pdf
(Zugriff: 12.04.17)
11
http://www.susana.org/_resources/documents/default/2-1015-wasserwirtschaft-indien.pdf
(Zugriff:
12.04.17)
Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Inwiefern behindert die Korruption in Indien die Infrastruktur des Landes?
Note
1,25
Autor
Jahr
2017
Seiten
20
Katalognummer
V387533
ISBN (eBook)
9783668620520
ISBN (Buch)
9783668620537
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Infrastruktur, Indien, Korruption, Indologie, Wirtschaft, Probleme, Problemlösung
Arbeit zitieren
Florian Rebmann (Autor), 2017, Inwiefern behindert die Korruption in Indien die Infrastruktur des Landes?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387533

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