Literatur als gedruckte Version ist heutzutage vermutlich nicht mehr primäres Leitmedium, sondern wird durch das Fernsehen und das Internet nach und nach abgelöst. Dieser mediale Wechsel gehört ebenfalls zur kulturellen Bedeutsamkeit von Literatur wie die Literatur selbst. Medien wie der Film gehören immer mehr zur Lebenswelt von Kindern. Meist kennen Schülerinnen und Schüler die Verfilmung eines literarischen Werkes noch vor dem Buch. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Medien wie Filme auch im Deutschunterricht behandelt und die Interessen der Schülerinnen und Schüler aufgegriffen und in den Unterricht integriert werden.
Dieser Ansatz war Grundlage bei der Recherche für diese Hausarbeit. Die Fragestellung lautet, wie literarische Bildung anhand eines szenischen Vergleiches von Kinderbüchern und deren Verfilmung im Deutschunterricht der Primarstufe umgesetzt werden kann. Literaturverfilmungen können in direkten Bezug zu dem Buch gesetzt und durch Vergleiche analysiert werden. Zur Auswahl der Literatur "Gregs Tagebuch" ist zu sagen, dass ein Werk beschrieben werden sollte, das von Jungen und Mädchen gleichermaßen gelesen wird. Dies ist bedeutsam, um Jungen und Mädchen gleichermaßen bei ihren literarischen Vorlieben abzuholen und die Motivation zu steigern.
Laut der KIM-Studie aus dem Jahr 2014, eine Untersuchung zum Medienumgang von sechs- bis dreizehnjährigen Kindern, haben zu dem Zeitpunkt der Erhebung 6% der befragten Schülerinnen und Schüler "Gregs Tagebücher" gelesen und davon gleichermaßen verteilt 3% Jungen und 3% Mädchen. Bevor Einsatzmöglichkeiten im Unterricht der Primarstufe aufgeführt werden können, führt diese Arbeit zunächst in die Grundsätze der literarischen Bildung in der Grundschule ein. Außerdem wird Bezug genommen auf die Literatur- und Filmdidaktik, sowie den Kernlehrplan für die Grundschule in Nordrhein-Westfalen. Anschließend erfolgt eine kurze Ausführung des sachanalytischen Vergleiches von Buch und Film, um eine Grundlage für den Unterrichtseinsatz zu schaffen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Literarische Bildung anhand von Literatur und Film
2.1 Aufgaben des Literaturunterrichts
2.2 Literarische Bildung in der Grundschule
2.3 Literatur- und Filmdidaktik
3. Sachanalytischer Vergleich von Buch und Film
3.1 Typologien der Literaturverfilmung
3.2 Vergleich filmischer und literarischer Ausdrucksmittel
4. „Gregs Tagebücher“
4.1 Entstehungsgeschichte und Intention
4.2 Möglichkeiten des Einsatzes im Unterricht der Primarstufe
4.3 Beispiel eines szenischen Vergleichs der Anfangsszene
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie literarische Bildung im Deutschunterricht der Primarstufe durch den gezielten szenischen Vergleich von Kinderbüchern und deren Verfilmung gefördert werden kann, wobei die Buchreihe „Gregs Tagebuch“ als praxisnahes Beispiel dient.
- Integration neuer Medien in den Literaturunterricht
- Didaktische Grundlagen der Literatur- und Filmanalyse
- Szenischer Vergleich von literarischen Vorlagen und filmischen Umsetzungen
- Förderung der Lesemotivation und Medienkompetenz bei Grundschulkindern
- Analyse narrativer Strukturen in Buch und Film
Auszug aus dem Buch
4.3 Beispiel eines szenischen Vergleichs der Anfangsszene
Der Einstieg in ein Werk hat immer eine bestimmte Wirkung. Dies gilt für den Text ebenso wie für den Film. In den ersten Sequenzen werden Beziehungsstrukturen der handelnden Charaktere und der Konflikt in der Geschichte deutlich. Meist ist der Zugang unmittelbar, sodass der Leser oder Zuschauer den Eindruck hat ohne Erklärungen mitten in der Geschichte zu sein. Die ersten Seiten und Szenen sind ausschlaggebend, ob der Geschmack des Lesers oder Zuschauers getroffen wird. Dieser entscheidet dann, ob es interessant genug ist weiterzulesen beziehungsweise zu schauen. Es gibt verschiedene Arten und Weisen den Einstieg in ein Werk zu gestalten. Darin verbergen sich schon viele Informationen, wie beispielsweise die Textsorte oder die Erzählform. Neben der eben genannten Auflistung einiger Einsatzmöglichkeiten im Unterricht gibt es hier ein beispielhaftes, konkretes Beispiel eines szenischen Vergleiches von Gregs Tagebuch – von Idioten umzingelt.
Für den Vergleich der Anfangsszenen wird aus dem Buch der Abschnitt des ersten Tagebucheintrages von Greg ausgewählt und die Szene aus dem Film beginnt nach dem Vorspann. Die Hauptfigur Greg führt sowohl im literarischen Werk als auch in der Verfilmung in die Geschichte ein, indem er erzählt, dass er kein Tagebuch schreibt, sondern seine Memoiren verfasst. Im Film steht dabei der Schauspieler vor einem gezeichneten Hintergrund und spricht mit direktem Blick in die Kamera, als würde er die Zuschauer direkt ansprechen. Im Buch ist der Tagebuchstil zu erkennen und Greg schreibt in der Ich-Perspektive. Beide Sequenzen lassen auf eine interne Fokalisierung und einen homodiegetischen Erzähler schließen, bei der die Geschehnisse aus der Perspektive einer einzelnen Figur erzählt werden und diese Person auch Teil der erzählten Welt ist. Bei der filmischen Umsetzung wurde auf eine subjektive Kamera verzichtet, die nur den Blick der Figur zeigen würde. Stattdessen wurde eine objektive Kameraeinstellung verwendet, bei der der Zuschauer auch den Hauptdarsteller als handelnde Person sieht und nicht nur das, was dieser als Charakter im Film sieht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert den Wandel des Leseverhaltens durch neue Medien und stellt die Forschungsfrage zur Umsetzung literarischer Bildung mittels szenischer Vergleiche in der Primarstufe.
2. Literarische Bildung anhand von Literatur und Film: Das Kapitel erläutert die Aufgaben des Literaturunterrichts sowie die theoretischen Grundlagen der Literaturdidaktik und die Notwendigkeit der Integration medialer Kompetenzen in der Grundschule.
3. Sachanalytischer Vergleich von Buch und Film: Hier werden die methodischen Ansätze zur Typologisierung von Literaturverfilmungen sowie die Unterschiede zwischen literarischen und filmischen Ausdrucksmitteln dargelegt.
4. „Gregs Tagebücher“: Dieses Kapitel behandelt die Entstehungsgeschichte der Buchreihe, ihr Potenzial als Crossover-Literatur für den Unterricht und zeigt konkrete methodische Möglichkeiten sowie ein praktisches Beispiel für einen szenischen Vergleich auf.
5. Zusammenfassung: Der abschließende Teil fasst die Bedeutung der Literatur- und Filmanalyse für den Kompetenzerwerb zusammen und gibt einen Ausblick auf weiterführende schulische Projekte.
Schlüsselwörter
Literarische Bildung, Literaturunterricht, Grundschule, Literaturverfilmung, Filmdidaktik, Gregs Tagebuch, Crossover-Literatur, Medienkompetenz, szenischer Vergleich, Lesemotivation, Medienwechsel, Erzählperspektive, Filmanalyse, Deutschunterricht, narrative Kategorien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Integration von Literaturverfilmungen in den Deutschunterricht der Grundschule, um literarische Bildung durch den szenischen Vergleich von Buch und Film zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Literaturdidaktik, der Filmanalyse, der Medienpädagogik sowie der Vermittlung von Kompetenzen zur Analyse narrativer Texte und visueller Medien.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu ergründen, wie ein szenischer Vergleich von Kinderbüchern und deren Verfilmung methodisch sinnvoll in den Primarstufenunterricht eingebettet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine fachdidaktische Analyse und einen sachanalytischen Vergleich unter Einbezug von Literatur- und Filmdidaktik sowie einschlägiger Studien zum Medienumgang.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Es werden theoretische Grundlagen der Medienvermittlung, Typologien von Literaturverfilmungen sowie praktische Anwendungsmöglichkeiten und ein konkreter Vergleich der Anfangsszenen von „Gregs Tagebuch“ präsentiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind literarische Bildung, Medienkompetenz, szenischer Vergleich, Literaturverfilmung, Lesemotivation und didaktische Funktionalität.
Warum wird „Gregs Tagebuch“ als Beispiel gewählt?
Das Werk eignet sich besonders gut, da es Jungen wie Mädchen gleichermaßen anspricht, als „Crossover-Literatur“ gilt und durch den Comic-Stil auch leseschwache Schüler motiviert.
Wie unterscheidet sich die Erzählweise im Buch vom Film im konkreten Beispiel?
Während das Buch primär durch einen Ich-Erzähler im Tagebuchstil geprägt ist, nutzt der Film visuelle Mittel wie den direkten Blick in die Kamera, um eine ähnliche Wirkung zu erzielen, wobei die filmische Kameraeinstellung objektiver bleibt.
Welche Rolle spielt die „KIM-Studie“ für diese Arbeit?
Die Studie dient als empirischer Beleg für den Medienkonsum von Kindern und rechtfertigt die Notwendigkeit, moderne Medien wie Filme im Unterricht zu berücksichtigen.
Was schlägt die Autorin für zukünftige Unterrichtsprojekte vor?
Als Ausblick wird vorgeschlagen, dass Schüler die verglichenen Szenen in Eigenregie szenisch nachspielen, um ein tieferes Verständnis für die Gestaltung von Charakteren und Räumen zu entwickeln.
- Arbeit zitieren
- Marion Maiwald (Autor:in), 2017, Literarische Bildung. Ein szenischer Vergleich von Kinderbüchern und deren Verfilmungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387596