Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Einsatz körper- und bewegungsorientierter Psychotherapie im Rahmen der Behandlung einer Anorexia nervosa. Als vertiefendes Beispiel wurde die Konzentrative Bewegungstherapie gewählt, welche ein intensives Wahrnehmen und Spüren des eigenen Körpers als Grundlage für Erfahrungen und Handeln sieht. Gerade bei der Therapie Magersüchtiger spielt das gestörte Körperbild der Betroffenen eine sehr wichtige Rolle, da darin oft versteckte frühkindliche Konflikte und Traumata begründet liegen. Die Konzentrative Bewegungstherapie setzt hier auf einer verbalen als auch nonverbalen Ebene an und versucht mittels Bewegung diese Hemmnisse erlebbar und somit bearbeitbar zu machen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Anorexia nervosa – eine Einordnung
2.1. Störungsbild und Symptomatologie
2.2. Klassifikation nach ICD-10 und DSM-IV
2.3. Epidemiologie
2.4. Ätiologie
2.5. Therapie
3. Körper-und Bewegungstherapie zur Behandlung von Anorexia nervosa
3.1. Die Bedeutung des Körperbildes
3.2. Die Konzentrative Bewegungstherapie am Beispiel der Anorexia nervosa
3.2.1. Historische Entwicklung
3.2.2. Ziele der KBT bei der Behandlung von Anorexia nervosa
3.2.3. Patientenmerkmale
3.2.4. Therapeutisches Vorgehen in der Praxis
4. Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einsatz körper- und bewegungsorientierter Psychotherapie, insbesondere der Konzentrativen Bewegungstherapie (KBT), als komplementären Ansatz in der Behandlung der Anorexia nervosa. Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch die Arbeit an der gestörten Körperwahrnehmung und die Integration nonverbaler Erfahrungen ein Zugang zu den tieferliegenden psychischen Konflikten und dem Selbstwertgefühl von Betroffenen geschaffen werden kann.
- Grundlagen und Symptomatologie der Anorexia nervosa
- Multifaktorielle Ätiologie psychosomatischer Essstörungen
- Rolle des Körperbildes und der Körperwahrnehmung
- Methodik und Phasen der Konzentrativen Bewegungstherapie
- Chancen und Herausforderungen der körperzentrierten Psychotherapie
Auszug aus dem Buch
3.2.3 Patientenmerkmale
Patienten/innen mit der Diagnose Anorexia nervosa weisen im Bezug auf die Spannung in Haltung und Bewegung eine sehr passive Körperhaltung, meist gänzlich ohne Spannung, auf. Oft ist der Kopf eingezogen bei hochgezogenen Schultern. Sie wirken angespannt, überspannt oder gegenteilig müde, erschöpft und schlaff. Ihre Haltung ist abwartend, kontrollierend, ähnlich einem Soldaten mit den Armen eng am Körper. Ihre Bewegungen sind vorsichtig, man hat das Gefühl sie verfügen über kein Eigengewicht, sie wirken schwebend und zaghaft. Oft können Betroffene sich keinen Raum in der Bewegung nehmen, ihre Bewegungen wirken marionettenartig und fremdgesteuert, es erweckt den Anschein, sie wissen nicht, wo sie hingehören. Ihr Atem ist wenig vital, flach und dünn, ohne Raum. Die Stimme wirkt wie in sich hineinsprechend, leise oder gegenteilig sehr laut und forsch. Im Umgang mit Zeit und Raum ist alles eingeteilt und funktional, jedoch ohne Tiefendimensionen. Patienten/innen wirken unlebendig im Hier und Jetzt, sie haben keine Zukunft, keine Vergangenheit, es entsteht der Eindruck einer Zeitlosigkeit. Die Beziehungsgestaltung von Betroffenen ist komplett inaktiv, da oft eine Abwehrposition gezeigt wird. Spontanbewegungen und eigene Bewegungsimpulse fehlen, es wird im Reagieren oder der Verweigerung verharrt. Entscheidungsunfähigkeit und Ambivalenzen erschweren zudem das Handeln in Beziehungen, in welchen meist eine Kontrolle des anderen bestimmend ist. Im Bezug auf das Körperbild und die Selbstwahrnehmung liegt eine Wahrnehmungsstörung der Körpermaße vor, Patienten/innen erleben sich als normal und sehen im Spiegel nicht, wie ausgehungert sie in Wirklichkeit aussehen. Ebenso existiert eine Fehlwahrnehmung hinsichtlich der Deutung von Körpersignalen, es wird nicht erkannt ob man Hunger hat, satt oder müde ist bzw. werden die Signale missachtet. Außerdem wird die eigene Kraft fehlinterpretiert. Oft liegen eine unsichere Geschlechtsidentität sowie eine große Unzufriedenheit und Unsicherheit in der Beziehung zum eigenen Körper vor. Kontrolle und Macht werden illusorisch durch übertriebene Leistungsfähigkeit in der Schule, beim Sport oder im Bezug auf das Hungern erreicht (Schmidt, 2006).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Anorexia nervosa ein und begründet die Relevanz körperorientierter Psychotherapie für die Stärkung von Autonomie und Körperwahrnehmung.
2. Anorexia nervosa – eine Einordnung: Das Kapitel bietet einen Überblick über Symptomatik, diagnostische Kriterien, epidemiologische Daten und die multifaktoriellen Ursachen der Erkrankung.
3. Körper-und Bewegungstherapie zur Behandlung von Anorexia nervosa: Hier werden die Bedeutung des Körperbildes und die spezifischen Ansätze der Konzentrativen Bewegungstherapie (KBT) hinsichtlich Geschichte, Zielen, Patientenmerkmalen und praktischem Vorgehen detailliert erläutert.
4. Diskussion: Das Kapitel reflektiert den Stellenwert der KBT im klinischen Alltag und erörtert die Herausforderungen in der wissenschaftlichen Fundierung und Dokumentation dieser Therapieform.
Schlüsselwörter
Anorexia nervosa, Magersucht, Körpertherapie, Konzentrative Bewegungstherapie, KBT, Körperbild, Körperwahrnehmung, Psychotherapie, Essstörungen, Symptomatologie, Ätiologie, Autonomie, Selbstwertgefühl, Körpererfahrung, nonverbale Therapie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung von körperorientierten Psychotherapieverfahren, schwerpunktmäßig der Konzentrativen Bewegungstherapie, als begleitende Behandlung bei Patientinnen und Patienten mit Anorexia nervosa.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die psychischen und somatischen Hintergründe der Magersucht, die Rolle der Körperwahrnehmung bei Essstörungen sowie die theoretische und praktische Einordnung der Konzentrativen Bewegungstherapie.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Nutzen körperzentrierter Ansätze aufzuzeigen, um Betroffenen zu helfen, eine stabilere Beziehung zum eigenen Körper aufzubauen und tief sitzende psychische Konflikte durch nonverbale Arbeit bearbeitbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der aktuelle theoretische Modelle, klinische Studien und fachspezifische Lehrbücher zur Konzentrativen Bewegungstherapie ausgewertet und zusammengeführt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fachliche Einordnung der Anorexia nervosa sowie eine intensive Auseinandersetzung mit der Konzentrativen Bewegungstherapie, inklusive deren historischer Entwicklung, Therapiezielen und den verschiedenen Phasen des therapeutischen Prozesses.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Anorexia nervosa, Konzentrative Bewegungstherapie (KBT), Körperbildstörung, körperzentrierte Psychotherapie und Autonomieentwicklung.
Welche Rolle spielt die gestörte Körperwahrnehmung laut der Autorin?
Die gestörte Körperwahrnehmung wird als Kernproblem identifiziert, das oft mit tiefsitzenden frühkindlichen Konflikten und Traumata verknüpft ist, wodurch der Körper von den Betroffenen als fremd oder feindlich erlebt wird.
Wie lässt sich der Prozess einer KBT-Gruppe charakterisieren?
Der Prozess ist in vier Phasen unterteilt: Aufbau von Vertrauen, Regression (Arbeit am Spüren und an Problemen), Progression (Hinwendung zu neuen Verhaltensmustern) sowie der abschließende Prozess von Trennung, Loslassen und Verantwortung.
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- Julia Frisch (Author), 2016, Einsatz von Körper- und Bewegungstherapie im Rahmen der Behandlung von Anorexia nervosa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387612