Diese Arbeit soll dem Leser einen Überblick über die Sitzverlegung eines Unternehmens (hier: GmbH) nach England und die einhergehende Prüfung aller wesentlichen Einflussfaktoren geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemlage und Fragestellung
1.2 Zielsetzung und Zweck
1.3 Methodik
2. Die deutsche Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) und die Darstellung des deutschen Gesellschaftsrechts
2.1 Allgemeines zur GmbH und deren Kapitalaufbringung
2.2 Gründung der GmbH
2.3 Organe der GmbH
2.4 Haftung der GmbH und deren Organe
2.5 Publikationspflichten der GmbH
2.6 Auflösung der GmbH
3. Die englische Limited Company (Ltd.) als Private Company und die Darstellung des englischen Gesellschaftsrechts
3.1 Allgemeines zur Limited sowie deren Arten und Kapitalaufbringung
3.2 Gründung der Limited
3.3 Organe der Limited
3.4 Haftung der Limited und deren Organe
3.5 Publikationspflichten der Limited
3.6 Löschung der Limited
4. Wahl des Standorts bzw. Sitzes eines Unternehmens
4.1 Standort
4.2 Standortfaktoren
4.3 Standortentscheidung
5. Unternehmen in der Krise
5.1 Unternehmenskrise
5.2 Krisenphasen
6. Deutsches Insolvenzrecht
6.1 Grundlagen
6.2 Insolvenzeröffnungsgründe
6.2.1 Liquiditätsbetrachtung
6.2.1.1 Zahlungsunfähigkeit (§ 17 InsO)
6.2.1.2 Drohende Zahlungsunfähigkeit (§ 18 InsO)
6.2.2 Erfolgsbetrachtung – Überschuldung(§ 19 InsO)
6.3 Abgrenzung der Insolvenznähe von der Insolvenzreife
6.4 Folgen der Insolvenz für die Gesellschaft bzw. deren Organe
6.5 Pflichten der Vertretungsorgane der GmbH in der Insolvenz
6.6 Insolvenzverfahren nach deutschem Recht
6.6.1 Allgemeine Darstellung
6.6.2 Eigenverwaltung
6.6.3 Übertragende Sanierung
6.6.4 Planverfahren
6.7 Problemstellungen des deutschen Insolvenzrechts
7. Englisches Insolvenzrecht
7.1 Insolvenzverfahren nach englischem Recht
7.1.1 Allgemeine Darstellung
7.1.2 Sanierungsverfahren
7.1.2.1 Allgemeine Darstellung
7.1.2.2 „Company voluntary arrangement“ (CVA)
7.1.2.3 „Administration procedure“
7.1.3 Liquidationsverfahren
7.1.3.1 Allgemeine Darstellung
7.1.3.2 „Receivership“
7.1.3.3 „Winding-up“
7.2 Haftungsprobleme der Organe der Limited in der Insolvenz
7.2.1 Haftung der Geschäftsführer („directors“)
7.2.2 Haftung der Gesellschafter („members“)
7.3 Gründe für eine Sitzverlegung nach England aufgrund des englischen Insolvenzrechts
7.3.1 Vorteile für die Gesellschafter und die Geschäftsführung
7.3.2 Nachteile für die Gesellschafter und die Geschäftsführung
7.3.3 Vorteile für die Gläubiger
8. Voraussetzungen und Bedingungen für die erfolgreiche Sitzverlegung
8.1 Bestimmung des Gesellschaftsstatuts
8.1.1 Definition des Gesellschaftsstatuts
8.1.2 Sitztheorie
8.1.3 Gründungstheorie
8.1.4 Einschränkung der Sitztheorie durch die EuGH-Rechtsprechung
8.1.5 Sitz der Gesellschaft - Satzungssitz bzw. Verwaltungssitz
8.1.6 COMI – „Centre of main interests“
8.2 Sitzverlegung einer Gesellschaft nach England (Zuzug bzw. Wegzug)
8.2.1 Grundlagen der Sitzverlegung
8.2.2 Verlegung des Verwaltungssitzes nach England
8.2.3 Verlegung des Satzungssitzes nach England
8.2.4 Verlegung des COMI nach England und Auswirkungen auf ein mögliches Insolvenzverfahren
9. Grenzüberschreitende Umstrukturierungen
9.1 Grundlagen der grenzüberschreitenden Umstrukturierungen
9.2 Umstrukturierungen im Wege der Gesamtrechtsnachfolge
9.2.1 Grenzüberschreitende Verschmelzung
9.2.2 Grenzüberschreitende Anwachsung
9.2.3 Grenzüberschreitender Formwechsel
9.2.4 Behelfskonstruktionen
10. Exkurs: Steuerliche Auswirkungen einer Sitzverlegung
11. Exkurs: Auswirkungen des „Brexit“
12. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, unter welchen Voraussetzungen eine Sitzverlegung einer deutschen GmbH nach England insolvenzrechtlich sinnvoll und praktisch durchführbar ist, um von den rechtlichen Rahmenbedingungen des englischen Rechts zu profitieren.
- Vergleich der deutschen GmbH mit der englischen Limited Company
- Analyse der Standortfaktoren und der Krisenphasen von Unternehmen
- Gegenüberstellung des deutschen und englischen Insolvenzrechts
- Untersuchung der grenzüberschreitenden Sitzverlegung und Umstrukturierung
- Beurteilung der steuerlichen Konsequenzen und Brexit-Auswirkungen
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemlage und Fragestellung
„Angriff ist die beste Verteidigung.“
Getreu diesem deutschen Sprichwort suchen viele Unternehmer im Rahmen der Wahl der Handlungsalternativen bei einer drohenden oder auch bestehenden Insolvenz ihr Heil in einer „Flucht vor dem Insolvenzverwalter“ in das europäische Ausland.
Für eine Sitzverlegung werden sowohl von den Unternehmern, als auch in der Literatur Gründe unterschiedlicher Art angeführt. Der meist genannte Grund ist der, der negativen Öffentlichkeitswirkung, die ein Insolvenzverfahren mit sich bringt. Dies gilt es aus Sicht der Unternehmer unter allen Umständen zu vermeiden. Ein weiterer vielfach genannter Grund ist der, durch die Sitzverlegung in den Zuständigkeitsbereich eines anderen Insolvenzgerichts zu gelangen, um so einen bestimmten Insolvenzverwalter bestellen zu lassen oder in den Genuss der Vorzüge eines für das Unternehmen und den Unternehmer liberaleren Insolvenzrechts eines anderen Staates zu kommen. Bei der Entscheidung für einen bestimmten Zielstaat für eine Sitzverlegung sind daher alle wesentlichen Standortfaktoren zu betrachten.
Durch diesen sog. „Insolvenztourismus“ ergeben sich sowohl für das Unternehmen, als auch für den Unternehmer diverse Problemstellungen. Eine Sitzverlegung zeitnah zur Insolvenzantragstellung kann als Indiz für eine gesteuerte Insolvenz, d.h. eine Insolvenz unter Begehung von strafbaren Handlungen, gewertet werden. Auch die Beurteilung der Zuständigkeit des jeweiligen Insolvenzgerichts ist für den weiteren Fortgang des Verfahrens bedeutend. Hierbei spielt die Bestimmung des Mittelpunktes der hauptsächlichen Interessen eine zentrale Rolle.
Der vor der Entscheidung einer Sitzverlegung ins Ausland stehende Unternehmer bzw. Geschäftsführer hat eine Vielzahl von Faktoren in seine Überlegungen einzubeziehen. Des Weiteren hat er sich Klarheit darüber zu verschaffen, in welcher wirtschaftlichen Phase sich das Unternehmen befindet. Es muss die Frage beantwortet werden, ob bereits eine Insolvenz mit allen sich daraus ergebenden Handlungserfordernissen besteht oder noch eine insolvenznahe Situation vorliegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Problematik des sogenannten „Insolvenztourismus“ dar und definiert das Ziel der Arbeit, die Sinnhaftigkeit einer Sitzverlegung nach England zu untersuchen.
2. Die deutsche Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) und die Darstellung des deutschen Gesellschaftsrechts: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen, Gründungsvorgänge und Haftungsstrukturen einer deutschen GmbH.
3. Die englische Limited Company (Ltd.) als Private Company und die Darstellung des englischen Gesellschaftsrechts: Hier werden die Merkmale, Gründungsanforderungen und rechtlichen Besonderheiten der englischen Limited Company analysiert.
4. Wahl des Standorts bzw. Sitzes eines Unternehmens: Das Kapitel befasst sich mit den ökonomischen Standortfaktoren und Entscheidungskriterien, die eine Verlagerung des Unternehmenssitzes beeinflussen.
5. Unternehmen in der Krise: Es werden die verschiedenen Krisenphasen eines Unternehmens definiert und klassifiziert, um den Handlungsdruck auf die Unternehmensführung zu verdeutlichen.
6. Deutsches Insolvenzrecht: Dieses Kapitel bietet einen tiefen Einblick in die materiellen und formellen Voraussetzungen des deutschen Insolvenzrechts sowie die Ablaufvarianten des Verfahrens.
7. Englisches Insolvenzrecht: Hier werden die englischen Verfahrensarten zur Sanierung und Liquidation dargestellt und die Haftung der Organe der Limited untersucht.
8. Voraussetzungen und Bedingungen für die erfolgreiche Sitzverlegung: Dieser Abschnitt erörtert die theoretischen Grundlagen des Gesellschaftsstatuts und die praktischen Hürden bei einer Sitzverlegung nach England.
9. Grenzüberschreitende Umstrukturierungen: Das Kapitel untersucht Methoden wie Verschmelzung und Anwachsung, um Unternehmen über Ländergrenzen hinweg umzustrukturieren.
10. Exkurs: Steuerliche Auswirkungen einer Sitzverlegung: Hier werden die Konsequenzen einer Sitzverlegung für die Aufdeckung stiller Reserven und das Steuersubstrat erläutert.
11. Exkurs: Auswirkungen des „Brexit“: Dieser Exkurs betrachtet die Unsicherheiten, die das Referendum zum Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU für grenzüberschreitende Strukturen mit sich bringt.
12. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Attraktivität des englischen Rechts im Vergleich zum deutschen Recht für Unternehmen in der Krise.
Schlüsselwörter
Insolvenzrecht, GmbH, Limited, Sitzverlegung, Insolvenztourismus, Unternehmenskrise, grenzüberschreitende Umstrukturierung, Gesellschaftsstatut, COMI, Liquidation, Sanierung, Gläubigerschutz, Haftung, Geschäftsführer, Brexit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die rechtliche Möglichkeit und wirtschaftliche Sinnhaftigkeit einer Sitzverlegung einer deutschen GmbH nach England im Kontext einer drohenden oder bestehenden Unternehmenskrise.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen das deutsche und englische Gesellschaftsrecht, das Insolvenzrecht beider Länder sowie die rechtlichen Voraussetzungen für Sitzverlegungen und grenzüberschreitende Unternehmensumstrukturierungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, dem Leser einen fundierten Überblick über die Möglichkeiten der Sitzverlegung nach England zu geben und zu prüfen, ob dieser Schritt unter Berücksichtigung der gesellschafts- und insolvenzrechtlichen Rahmenbedingungen eine sinnvolle Handlungsoption darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine Literaturanalyse zur Darstellung der theoretischen Grundlagen, ergänzt durch einen Rechtsvergleich zwischen dem deutschen und englischen System sowie eine Erörterung konkreter Umstrukturierungsoptionen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Strukturen der GmbH und Limited, die Analyse von Unternehmenskrisen, die Details des Insolvenzrechts in beiden Ländern, die Theorie zur Bestimmung des Gesellschaftsstatuts sowie praktische Modelle zur grenzüberschreitenden Umstrukturierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Insolvenz, Sitzverlegung, GmbH, Limited, Gläubigerschutz, Sanierung, COMI und grenzüberschreitende Umstrukturierung.
Was bedeutet die „Sitztheorie“ im Kontext der Arbeit?
Die Sitztheorie ist ein in Deutschland historisch bedeutender Anknüpfungspunkt für das Gesellschaftsrecht, wonach sich das Recht einer Gesellschaft nach dem Ort ihrer tatsächlichen Verwaltung richtet, was Zuzüge erschweren konnte.
Warum ist der Begriff „Insolvenztourismus“ in diesem Zusammenhang wichtig?
Der Begriff beschreibt das Phänomen, dass Unternehmen ihren Sitz gezielt verlagern, um von einem ausländischen Insolvenzrecht zu profitieren, das als „unternehmerfreundlicher“ oder liberaler wahrgenommen wird.
Welchen Einfluss hat der „Brexit“ laut der Arbeit?
Der Brexit schafft erhebliche Rechtsunsicherheit für grenzüberschreitende Strukturen, da die zukünftigen Abkommen über die Anerkennung von Gesellschaften und Insolvenzverfahren zum Zeitpunkt der Erstellung der Arbeit noch nicht feststanden.
Was unterscheidet das englische Insolvenzrecht in der „Administration procedure“ vom deutschen Recht?
Ein wesentlicher Unterschied liegt in der größeren Flexibilität und der möglichen Einflussnahme auf die Auswahl des Insolvenzverwalters sowie einem tendenziell stärkeren Fokus auf die Gläubigerautonomie.
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- Rainer Gruber (Author), 2018, Insolvenznahe Sitzverlegung einer GmbH nach England, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387632