Dieser Text thematisiert die Ortlosigkeit von Ellis Island. Nach dem Buch von dem Franzosen George Perec und Robert Bober 'Geschichten von Ellis Island oder wie man Amerikaner machte', wird Ellis Island historisch, wie auch kulturell auf Perec's These von ihr als den Ort der Ortlosigkeit untersucht. Dabei wird jenes Buch als Textquelle verwendet und in Bezug zu dessen Fotografien von Ellis Island gesetzt. Von Bedeutung ist ebenfalls Perec's persönlicher Hintergrund aus jüdischen Elternhaus. Der Ort der Ortlosigkeit wird in diesem Text um die Nicht-Identität von Juden handeln.
Letztlich soll bewiesen werden, dass Ellis Island trotz seines geschichtsträchtigen Geschehens, nicht als Ort bezeichnet werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Ellis Island, der "Ort, der Ortlosigkeit"
1.1 Die Nicht-Identität von Juden
2. Identitätsverlust und Geist-Dasein
3. Was ist ein Ort?
4. Das Thema Auslöschen bei Perec
5. Punctum und Wahrnehmung der Nicht-Orte
6. Ellis Island und die Freiheit
7. Fazit und Reflexion über das Museum
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Werk "Geschichten von Ellis Island" von George Perec und Robert Bober und analysiert die Konstruktion von Identität sowie den Begriff des "Nicht-Ortes" im Kontext der historischen Einwanderungssituation. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie der Prozess der Entfremdung und das Gefühl der Heimatlosigkeit sowohl in Perecs Texten als auch in den begleitenden Photographien visuell und narrativ verarbeitet wird.
- Die philosophische Auseinandersetzung mit dem Begriff des "Nicht-Ortes"
- Die Analyse des Identitätsverlusts und des "Geist-Daseins" der Einwanderer
- Die Untersuchung des Themas "Auslöschen" innerhalb von Perecs Gesamtwerk
- Die phototechnische und bildsprachliche Darstellung von Ellis Island
- Die Kontrastierung von Ellis Island als historischem Ort der Entfremdung und dem heutigen Gedenkmuseum
Auszug aus dem Buch
Ellis Island, der "Ort, der Ortlosigkeit"
Es war eine Bedingung der neuen Welt, dass die bis zu 6000 Einwanderer am Tag ihr altes Leben vollständig hinter sich lassen mussten. Eine Bedingung, die den Amerikanern erlaubte ihr inhumanes Vorgehen zu begründen und immer mehr zu erweitern. In jenem Schwebezustand, in denen all die vielen Tausenden Menschen nun waren, sollte solange währen, bis sie sich der amerikanischen Flagge ehrwürdig erweisen könnten.
Die Heimatlosen waren immer noch heimatlos in Ellis Island, sie waren sogar noch mehr. Sie waren ihrer eigenen Identität beraubt worden und gefordert all das ihnen bekannte aufzugeben, ohne zu wissen, ob sie bleiben durften im Land der Freiheit.
Perec spricht von einem Einschnitt, an der Grenze des Sagbaren. Betrachtet man die Tatsache, dass George Perec Jude ist, meint man seinen Zugang zu Ellis Island gefunden zu haben. Doch es ist vielmehr dass, was er damit verbindet ein Jude zu sein. Er spricht von einer Abwesenheit, verneint klar und deutlich ein Zeichen von Zugehörigkeit in jedweder Hinsicht. Er schreibt, er sei rgendwo im Verhältnis zu ihm selbst ein Fremder. Eine innerliche Nicht-Substanz, eine verlorene Identität, eine hilflose Nicht-Identität, die das Tor zur Freiheit, wie bei den vielen europäischen Einwanderern der Fall war, mustergültig passieren musste, bis sie endlich sein durften.
Zusammenfassung der Kapitel
Ellis Island, der "Ort, der Ortlosigkeit": Einführung in die Thematik der Einwanderung auf Ellis Island und die existenzielle Entfremdung der Betroffenen.
Identitätsverlust und Geist-Dasein: Analyse der psychologischen Auswirkungen des Identitätsverlusts, der durch das erzwungene Ablegen der alten Identität und die fehlende soziale Verankerung entsteht.
Was ist ein Ort?: Philosophische Definition eines Ortes als Ort der menschlichen Heimat und soziale Gemeinschaft, im Gegensatz zum "Nicht-Ort".
Das Thema Auslöschen bei Perec: Einordnung der Ellis-Island-Thematik in Perecs Werkbiografie, insbesondere unter dem Aspekt des wiederkehrenden Motivs des Auslöschens.
Punctum und Wahrnehmung der Nicht-Orte: Untersuchung der photographischen Rezeption durch den Betrachter, unterstützt durch Barthes' Konzept des Punctums.
Ellis Island und die Freiheit: Darstellung des Kontrasts zwischen dem Ort der Einwanderung und dem versprochenen "Land der Freiheit", sowie die Inkongruenz der Aufnahmen.
Fazit und Reflexion über das Museum: Kritische Auseinandersetzung mit der heutigen Transformation von Ellis Island vom Ort des Exils hin zum touristischen Gedenkmuseum.
Schlüsselwörter
Ellis Island, George Perec, Identitätsverlust, Nicht-Ort, Einwanderung, Geist-Dasein, Auslöschen, Photographie, Träneninsel, Heimatlosigkeit, Amerika, Erinnerung, Melancholie, Freiheit, Geschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen und visuellen Aufarbeitung des historischen Einwanderungszentrums Ellis Island durch den Autor George Perec und den Fotografen Robert Bober.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen Identitätsverlust, das Gefühl der Heimatlosigkeit, der Kontrast zwischen "Ort" und "Nicht-Ort" sowie die psychologischen Folgen des Einwanderungsprozesses.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Untersuchung?
Es wird untersucht, inwiefern Ellis Island als ein "Ort der Ortlosigkeit" verstanden werden kann, an dem Menschen durch Identitätsverlust zu einem "Geist-Dasein" gezwungen wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Analyse, die kulturwissenschaftliche Begriffe mit literaturwissenschaftlicher Interpretation und Bildanalyse verbindet.
Was ist Gegenstand des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert die symbolische Bedeutung von Auslöschung in Perecs Werk, die photographische Ästhetik des Bandes und die philosophische Einordnung von Identität.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Ellis Island, Nicht-Ort, Identitätsverlust, Erinnerung, Auslöschung und Melancholie.
Wie bewertet der Autor die Transformation von Ellis Island zum Museum?
Die Transformation wird als ambivalenter Prozess beschrieben, der die historische Realität des Leids und der Entfremdung hinter einer renovierten Fassade verbirgt.
Welche Rolle spielt die Metapher des "Nicht-Ortes" bei Perec?
Der "Nicht-Ort" dient als Chiffre für die Entwurzelung und den Verlust der menschlichen Identität, die durch das Einwanderungsverfahren gewaltsam unterbrochen wurde.
- Arbeit zitieren
- Sarah Jungnitz (Autor:in), 2017, Fotografie und Literatur. Die Ortlosigkeit von Ellis Island. Zu "Geschichten von Ellis Island oder wie man Amerikaner machte" von George Perec und Robert Bober, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387701