Die Ohnmacht des Zaren. Die Russische Revolution als Ergebnis einer verfehlten Herrschaftsstrategie


Hausarbeit, 2015

12 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
2. Herrschaftsübernahme und Anfangsschwierigkeiten eines Autokraten . . . . . . . . 2
3. Eine Bedrohung für die Zarenherrschaft und Nickys letzter Aufschub . . . . . . . . 4
4. Die Katastrophe als notwendige Konsequenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
5. Schlussbetrachtung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
6. Quellen- und Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10

Einleitung
Beinahe 100 Jahre ist es nun her, dass eines der größten Ereignisse europäischer Geschichte
stattfand. Die Russische Revolution 1917 sollte nicht nur die Strukturen Russlands auf Dauer
verändern, sondern den Lauf der Geschichte für ganz Europa und darüber hinaus in hohem Maße
prägen.
Diese Ausarbeitung soll jedoch nicht auf die bedeutenden Konsequenzen der Revolution eingehen.
Um das Geschehen der bewegenden Monate des Jahres 1917 begreifen zu können, muss umfassend
auf die Ursachen eingegangen werden, die teils viele Jahre vor der Revolution zu suchen sind. Da
eine Gesamtanalyse der für das Revolutionsgeschehen ursächlichen Faktoren den Umfang dieser
Ausarbeitung sprengen würde, soll vorrangig die Rolle des letzten russischen Zaren und ihre
Bedeutung für den Ausbruch der Revolution erforscht werden. Dabei sind Kenntnisse über die
Persönlichkeit des Zaren unabdingbar, weshalb diese eng an die politischen Entscheidungen und
Geschehnisse gekoppelt sein werden.
Zuerst wird die Ausgangssituation Nikolaus' am Zarenhof beschrieben und dabei auf erste Probleme
in der Ausübung der Herrschaft verwiesen. Um sich der konkreten Fragestellung anzunähern, wird
im Folgenden die Revolution von 1905 thematisiert, wobei vor allem die langfristige Bedeutung der
Geschehnisse im Zentrum der Betrachtung liegt, um so den Zusammenhang zur Russischen
Revolution von 1917 deutlich machen zu können. Im letzten Abschnitt schließlich wird die
Fragestellung auf Basis dieser Erkenntnisse so gut wie möglich beantwortet.
Um eine möglichst präzise und kritische Sicht auf die Ereignisse erlangen zu können, werden
verschiedene zeitgenössische Quellen, unter ihnen ,,Die Geschichte der Russischen Revolution" von
Leo Trotzki oder auch die ,,Die Kerenski-Memoiren", in die Arbeit einbezogen. Um den aktuellen
Stand der Forschung zu garantieren, werden darüber hinaus auch die Ergebnisse moderner
Forschungsliteratur Berücksichtigung finden. Da die Ursachen der Revolution nicht monokausal
erklärbar sind, wird es in der Argumentation an einigen Stellen zu Überschneidungen kommen, was
das Ergebnis der Ausarbeitung jedoch nicht verschleiert.
1

Herrschaftsübernahme und Anfangsschwierigkeiten eines Autokraten
Beginnen soll die Ausarbeitung mit jenem tragischen Ereignis, welches für den jungen Nikolaus
Romanow ein Ende und einen Anfang zugleich markieren sollte, dem Tod seines Vaters. Zar
Alexander III. der die Geschicke Russlands 13 Jahre bestimmte, galt als ,,starke Persönlichkeit"
1
,
mit einer ,,kompomißlose(n), keinen Widerspruch duldende(n) Art"
2
. Mit dem Treueeid, welchen
Nikolaus bei seiner Krönung am 14. Mai 1896 leisten musste und dem Schwur ,,auf die Herrschaft
des Reiches und die Bewahrung der Autokratie"
3
, trat der junge Zar in die Fußstapfen seines
verstorbenen Vaters. Dass Nikolaus ,,nicht nur der Erbe seines Vaters, sondern auch (der) der
Autokratie war"
4
, sollte er Zeit seines Lebens nicht vergessen. Entschieden sollte er das väterliche
Vermächtnis gegenüber allen Versuchen der Modernisierung schützen und der Möglichkeit der
Veränderung stets feindselig gegenüberstehen. Die Zar Nikolaus II. von Leo Trotzki unterstellte
,,Schwäche der Willensimpulse"
5
kann insofern widerlegt werden, als dass Nikolaus zumindest
einen Willen nie aufgab: den seines Vaters. Dass eine hervorragende Bildung, wie sie Nikolaus als
Zarewitsch genoss, nicht befähigte, ein Land von der Größe Russlands zu beherrschen, merkte er
schnell. Großfürst Alexander Michailowitsch Romanow berichtet in seiner Biographie von einem
Gespräch mit Nikolaus, in welchem dieser seine Verzweiflung nicht beherrschen konnte und
zugegeben habe, dass er nicht darauf vorbereitet sei ,,Zar zu sein"
6
und das Reich nicht führen
könne.
Das in diesem Zusammenhang geäußerte Zugeständnis, dass er ,,nie einer werden woll(te)"
7
lädt zu
einer genaueren Betrachtung der Persönlichkeit Nikolaus' ein. Nicht nur er selbst erkannte zu
Beginn seiner Herrschaft, wie wenig geeignet er für die Rolle des Autokraten war. Der Bolschewik
und Revolutionsführer Leo Trotzki beschreibt den Zaren in seiner ,,Geschichte der Russischen
Revolution" als eine Person ,,mit keiner einzigen Eigenschaft, die ihn befähigt hätte, ein Reich zu
verwalten, oder auch nur ein Gouvernement oder einen Kreis"
8
. Trotzdem diese Einschätzung schon
in Hinblick auf die politische Rolle Trotzkis und den damit verbundenen Vorbehalten gegenüber
dem Zaren kritisch betrachtet werden muss, ist der Gehalt dieser Äußerung nicht ganz von der Hand
zu weisen. In der modernen Geschichtsforschung sieht das Bild Nikolaus' etwas differenzierter aus.
Der Zar war tatsächlich ein eher introvertierter Mensch, der ,,die Sprache dieses gewaltigen
obersten Gutsherrn Rußlands"
9
, seines Vaters, nicht zu sprechen vermochte. ,,Unlike his father, he
did not seek to assert his own political program"
10
. Es fehlte ihm durchaus an Führungsqualitäten
1
Vogelsberger, Hartwig: Zaren, 1998, Seite 35.
2
Ebd.
3
Heresch, Elisabeth: Nikolaus, 1992, Seite 71.
4
Vogelsberger: Zaren, Seite 78.
5
Trotzki, Leo: Geschichte, 1960, Seite 61.
6
Romanow, Alexander Michailowisch: Grossfürst, 1932, Seite 172.
7
Ebd.
8
Trotzki: Geschichte, Seite 60.
9
Romanow: Grossfürst, Seite 177.
10
Verner, Andrew: crisis, 1990, Seite 59.
2

und auch am Charisma seines von allen respektierten Vaters.
,Europa wird wohl warten können, während der Zar aller Reußen fischt`
11
soll dieser einem Höfling
entgegnet haben, als sich hoher politischer Besuch ankündigte. Diese Art von Reaktion wäre für den
überaus höflichen Nikolaus undenkbar gewesen. Er galt als gebildet und arbeitsam und hätte ein
milder und verantwortungsbewusster Zar werden können, doch dazu konnte es unter den
Rahmenbedingungen Russlands um die Jahrhundertwende nicht kommen. Russland verlangte eine
Führernatur starker Couleur, diese war Nikolaus gewiss nicht.
Mit der Führung dieses riesigen Reiches stand der unerfahrene Zar jedoch nicht allein da. Seine
Mutter, die Zarenwitwe Maria Fjodorowna, griff ihm genauso unter die Arme, wie auch der
erfolgreiche und loyale Finanzminister Sergej Witte. Anfangs mussten diese Ansprechpartner für
Nikolaus ein wahrer Segen gewesen sein. Mit der Zeit jedoch ließ sich erkennen, dass sie eine, über
die Rolle der Ansprechpartner hinausgehende Position, innehatten. Sie vermochten es, den
überforderten Nikolaus nicht nur stark zu beeinflussen, sondern ,,übten die wahre Macht im Staat
aus"
12
. In einem Konkurrenzverhältnis zur Zarenwitwe stand hierbei die Zarin Alexandra
Fjodorowna. Der Tradition gemäß genoss die ,,Zarinwitwe (eine) Vorrangstellung"
13
gegenüber der
Zarin. Was Nikolaus betraf, so stand dieser nun nicht nur einem Dilemma privater Natur gegenüber,
sondern musste die Konsequenzen in der Öffentlichkeit ertragen. Es ging in diesem inoffiziellen
Machtkampf zwischen den beiden Frauen schließlich nicht nur um private Motive, wie zum
Beispiel der Zuneigung der Sohnes bzw. Ehemannes, sondern vor allem um die Stellung in der
Öffentlichkeit. Maria Fjodorowna genoss, als Witwe des starken Alexander III., ein hohes Maß an
öffentlichem Ansehen. Die gebürtige Deutsche Alexandra Fjodorowna galt hingegen als ,,steif,
gehemmt und unnahbar"
14
. Darüber hinaus war Alexandra nicht in der Lage, die russische Sprache
auf einem akzeptablen Niveau zu sprechen, was ihrem Ansehen im Volk zusätzlich schadete und
insgesamt betrachtet, dem des Zaren langfristig ebenso mehr schadete als es nutzte. Alles in allem
betrachtet wurden die ersten Herrschaftsjahre Nikolaus' II. durch verschiedene Faktoren erschwert.
Dass die hohen Anforderungen und Erwartungen an ihn in keinem Verhältnis zu seinen Fähigkeiten
standen, kristallisierte sich schon am Anfang seiner Herrschaft heraus.
11
Romanow: Grossfürst, Seite 177.
12
Vogelsberger: Zaren, Seite 76.
13
Ebd., Seite 77.
14
Ebd., Seite 78.
3
Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Ohnmacht des Zaren. Die Russische Revolution als Ergebnis einer verfehlten Herrschaftsstrategie
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
12
Katalognummer
V387747
ISBN (eBook)
9783668621329
ISBN (Buch)
9783668621336
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zar, Nikolaus II., Russische Revolution
Arbeit zitieren
BA Marvin Damer (Autor), 2015, Die Ohnmacht des Zaren. Die Russische Revolution als Ergebnis einer verfehlten Herrschaftsstrategie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387747

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