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Traumapädagogik in der stationären Kinder- und Jugendhilfe

Ein neues Konzept für deutsche Kinder- und Jugendheime?

Titel: Traumapädagogik in der stationären Kinder- und Jugendhilfe

Masterarbeit , 2016 , 151 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Christoph Bärwald (Autor:in)

Soziale Arbeit / Sozialarbeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Traumatisierte Mädchen und Jungen sind in der stationären Kinder- und Jugendhilfe eher die Regel als die Ausnahme. Häufig wurden sie Opfer von Vernachlässigung, häuslicher Gewalt oder sexuellem Missbrauch. Die Anforderungen an Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und Betreuer in deutschen Heimeinrichtungen sind dadurch enorm. Für eine gute und zukunftsorientierte Unterstützung benötigen psychosoziale Fachkräfte ein zusätzliches (trauma-)therapeutisches Know-how. Doch Soziale Arbeit und Psychotraumata wurden bisher kaum zusammengedacht.

Der Autor Christoph Bärwald fragt daher, wie die Traumapädagogik im Alltag von Kinder- und Jugendheimen eingesetzt werden kann. Er vermittelt Grundlagenwissen über kindliche Entwicklungstraumata durch sexuelle Gewalt, häusliche Gewalt und Kindesvernachlässigung im sozialen Nahraum. Anhand eines klinischen Verlaufs beschreibt er anerkannte posttraumatische Störungsbilder und stellt die zentralen Aspekte der Traumapädagogik vor. Durch traumaspezifische Konzepte und erprobte traumasensible Interventionen zeigt der Autor Möglichkeiten auf, wie die Traumahilfe in stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe gelingen kann.

Aus dem Inhalt:
- Das psychische Kindheitstrauma,
- Posttraumatische Störungen und Persönlichkeitsänderungen,
- Traumapädagogik in psychosozialen Handlungsfeldern
- Ottawa-Charta versus Traumapädagogik
- Methoden, Möglichkeiten und Grenzen traumapädagogischer Arbeit

Christoph Bärwald studierte „Therapeutische Soziale Arbeit“ und hat den Alltag in deutschen Heimen selbst miterlebt. In seiner Bachelorarbeit befasste er sich primär mit den psychosozialen Langzeitfolgen von sexualisierter Gewalt in der Kindheit sowie der Ego-State-Therapie. In seiner Masterarbeit legte er den Fokus auf die noch junge Fachdisziplin der Traumapädagogik.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Das psychische Kindheitstrauma – Ein Überblick

1.1 Begriffsbestimmung „Psychotrauma“

1.2 Epidemiologische Aspekte

1.3 Traumatische Situations- und Risikofaktoren

1.4 Schutzfaktoren (Salutogenese – Resilienz – Posttraumatic Growth)

1.5 Trauma und Entwicklung

1.6 Trauma und Bindung

1.7 Die strukturelle Dissoziationstheorie

1.8 Pathogene Dynamiken schwerer Kindheitstraumatisierungen im sozialen Nahraum

2 Klassifikation posttraumatischer Störungen – Möglichkeit eines klinischen Verlaufs in chronologischer Sequenz

2.1 Akute Belastungsreaktion (ICD-10 F43.0)

2.2 Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2)

2.3 Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)

2.4 Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0)

3 Traumapädagogik – Eine junge Fachdisziplin im stationären Setting psychosozialer Handlungsfelder

3.1 Begriffsbestimmung „Gesundheitsförderung“

3.2 Begriffsbestimmung „Traumapädagogik“

3.3 Aufgaben und Zielsetzung der Traumapädagogik

3.4 Abgrenzung zur Traumatherapie

3.5 Die traumapädagogische Grundhaltung

3.6 Kernelemente traumapädagogischer Arbeit

3.7 Ausgewählte Methoden der Traumapädagogik

4 Traumapädagogik – Ein gesundheitsförderndes Gesamtkonzept innerhalb der stationären Kinder- und Jugendhilfe?

4.1 Ottawa-Charta versus Traumapädagogik

4.2 Evaluationsbezogene Erkenntnisse

5 Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das salutogene Potenzial einer traumazentrierten Alltagspädagogik in der stationären Kinder- und Jugendhilfe. Im Fokus steht die Forschungsfrage, welchen gesundheitsfördernden Beitrag die Traumapädagogik zur Versorgung traumatisierter Kinder und Jugendlicher leisten kann, indem sie theoretische Erkenntnisse der Psychotraumatologie in pädagogische Handlungsfelder überträgt.

  • Analyse der Dynamiken von Kindheitstraumata und deren Auswirkungen auf die Entwicklung.
  • Untersuchung der strukturellen Dissoziation und Bindungsstörungen bei traumatisierten Kindern.
  • Erörterung der traumapädagogischen Grundhaltung als stabilisierendes Element im Heimalltag.
  • Reflexion traumapädagogischer Methoden wie Biografiearbeit und Ego-State-Arbeit.
  • Bewertung der Traumapädagogik als gesundheitsförderndes Gesamtkonzept anhand aktueller Evaluationsergebnisse.

Auszug aus dem Buch

3.3 Aufgaben und Zielsetzung der Traumapädagogik

Der Schwerpunkt traumapädagogischer Interventionen liegt auf einer psychischen und sozialen Stabilisierung und der Bewältigung dysfunktionaler Folgeerscheinungen der zugrunde liegenden Traumatisierung. Scherwath & Friedrich (2014, S. 70) sehen folgende Handlungs- und Zielrichtungen als maßgeblich für die traumapädagogische Arbeit an:

(1) Herstellung von Sicherheit

(2) Reduzierung und Vermeidung von Stress

(3) Unterstützung von sicheren Bindungsentwicklungen

(4) Unterstützung von positiven Selbstbildern

(5) Ressourcenorientierung

Traumatisierte Kinder und Jugendliche waren lange Objekt anderer Menschen. Sie sollen darin unterstützt werden wieder Subjekt ihres Lebens zu sein, welches ihnen durch das Trauma bzw. durch das Erleben tiefer Ohnmacht und Hilflosigkeit genommen wurde. Die Förderung von Selbstverstehen und die Erhöhung von Selbstwirksamkeit sind daher zentrale Aufgaben und Ziele, damit Kinder und Jugendliche dazu befähigt werden, die Kontrolle über ihr Leben und ihr Verhalten zurückzugewinnen sowie auf sozialer, seelischer und körperlicher Ebene gefestigt und selbstbestimmt in die Zukunft zu blicken. Dazu benötigen sie im Alltag vor allem lebendige Erfahrungen, Vorbilder und heilsame Bilder im zwischenmenschlichen Kontakt.

Demgemäß konzentriert sich Traumapädagogik primär darauf, die kindliche Entwicklung von der Objektrolle zum Subjektstatus zu entfalten und begleitend zu unterstützen. Eine reine Fokussierung auf das Trauma ist dabei nicht von Nöten und keinesfalls förderlich. Es geht nicht darum, das traumatische Ereignis um jeden Preis aufzuspüren, damit es anschließend mit aller Macht bearbeitet werden kann, denn Tempo und Takt bestimmen die Mädchen und Jungen im Rahmen ihrer individuellen Verarbeitungsmöglichkeiten selbst. Traumapädagogik ist die Unterstützung zur Selbstbemächtigung. Sie bietet einen Erlebens- und Handlungsraum, der es ermöglicht, die beschädigte Selbstidentität schwer belasteter Mädchen und Jungen neu zu konstruieren (vgl. Weiß 2014, S. 164).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Das psychische Kindheitstrauma – Ein Überblick: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über psychotraumatologische Grundlagen, Traumatisierungen in der frühen Entwicklung und pathogene Dynamiken.

2 Klassifikation posttraumatischer Störungen – Möglichkeit eines klinischen Verlaufs in chronologischer Sequenz: Hier werden Diagnoseklassifikationssysteme genutzt, um posttraumatische Störungsbilder und deren Pathogenese chronologisch einzuordnen.

3 Traumapädagogik – Eine junge Fachdisziplin im stationären Setting psychosozialer Handlungsfelder: Das Kapitel analysiert das traumapädagogische Grundverständnis, Haltungen und Methoden zur Arbeit mit traumatisierten Kindern im Heimalltag.

4 Traumapädagogik – Ein gesundheitsförderndes Gesamtkonzept innerhalb der stationären Kinder- und Jugendhilfe?: Hier werden die Ergebnisse der Arbeit in Relation zur Ottawa-Charta gesetzt und durch aktuelle Evaluationsstudien untermauert.

5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse bündig zusammen, stellt einen gesellschaftlichen Bezug her und beantwortet die Ausgangsfrage nach dem salutogenen Beitrag der Traumaarbeit.

Schlüsselwörter

Traumapädagogik, Kindheitstrauma, stationäre Jugendhilfe, Salutogenese, Resilienz, Posttraumatische Belastungsstörung, Bindung, Dissoziation, Traumatherapie, Selbstbemächtigung, Biografiearbeit, Ego-State-Therapie, Gesundheitsförderung, Komplextrauma, Pädagogik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie traumapädagogische Ansätze als gesundheitsfördernde Gesamtkonzepte in der stationären Kinder- und Jugendhilfe implementiert werden können, um traumatisierten Kindern und Jugendlichen zu stabilisieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören Psychotraumatologie, Bindungstheorie, strukturelle Dissoziation, pädagogische Grundhaltungen sowie konkrete traumapädagogische Methoden wie die Ego-State-Arbeit.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet: „Welchen gesundheitsfördernden Beitrag kann die Traumapädagogik in der psychosozialen Versorgung traumatisierter Kinder und Jugendlicher im Setting der stationären Kinder- und Jugendhilfe leisten?“

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Analyse aktueller Fachliteratur zu den Themen „Entwicklungstrauma“ und „Traumapädagogik“ sowie der Auswertung relevanter Evaluationsstudien.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden neben einer theoretischen Einordnung des Traumas die pädagogische Grundhaltung, spezifische Handlungsfelder wie der „sichere Ort“, Partizipation und die interdisziplinäre Vernetzung thematisiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Traumapädagogik, Resilienz, Salutogenese, Bindung, Dissoziation und Selbstbemächtigung charakterisiert.

Was bedeutet das „Konzept des guten Grundes“ in der Praxis?

Es besagt, dass jedes Verhalten eines traumatisierten Kindes als konstruktiver Regulierungsversuch zu verstehen ist, um eine positive Absicht (z. B. Schutz oder Überleben) zu verfolgen, was den Blick auf die Funktion des Verhaltens lenkt.

Wie unterscheidet sich die pädagogische von der therapeutischen Arbeit?

Die Traumatherapie findet im geschützten Einzelsetting statt und beinhaltet eine explizite Traumakonfrontation, während die Traumapädagogik im Alltag stabilisierend wirkt und den notwendigen Rahmen für einen Therapieprozess bildet.

Welche Rolle spielen „Ego-States“ in der pädagogischen Arbeit?

Sie dienen als konzeptionelles Modell, um dissoziative Anteile der Persönlichkeit zu benennen und verständlich zu machen, damit Kinder ihre verschiedenen Zustände besser regulieren und integrieren können.

Ende der Leseprobe aus 151 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Traumapädagogik in der stationären Kinder- und Jugendhilfe
Untertitel
Ein neues Konzept für deutsche Kinder- und Jugendheime?
Hochschule
Fachhochschule Nordhausen
Note
1,0
Autor
Christoph Bärwald (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
151
Katalognummer
V387767
ISBN (eBook)
9783668620780
ISBN (Buch)
9783956872563
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Trauma Traumapädagogik Jugendhilfe Dissoziation Missbrauch Vernachlässigung Gewalt Kindheitstrauma Borderline Persönlichkeitsstörung Salutogenese Resilienz Bindung posttraumatische Belastungsstörung posttraumatisch Belastungsstörung Traumatisierung Entwicklung Sexuelle Gewalt Sexueller Missbrauch Häusliche Gewalt Kindesvernachlässigung psychosozial Gesundheitsförderung Ottawa-Charta Biografiearbeit Ego-State Selbstbemächtigung Selbstvertrauen Selbstwirksamkeit traumapädagogisch Dissoziationstheorie Identitätsstörung Hyperarousal Intrusion Risikofaktoren Schutzfaktoren Physische Gewalt Konstriktion dissoziativ Schizophrenie schizophren multipel multiple Partizipation Pädagogik Jugendamt Sozialarbeit Soziale Arbeit struktuelle Dissoziation Traumadiagnostik Diagnostik psychopathisch Suizid Selbstverletzung klinisch Lebensbuch Ausdrucksmalen Selbstfürsorge traumasensibel Bindungsprobleme Bindungspädagogik Gruppenarbeit Kinder- und Jugendhilfe
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Arbeit zitieren
Christoph Bärwald (Autor:in), 2016, Traumapädagogik in der stationären Kinder- und Jugendhilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387767
Blick ins Buch
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