Länderanalyse Ecuador. Wachstumschancen und -risiken


Hausarbeit, 2017
72 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis
II
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis ... II
Abbildungsverzeichnis ... III
Tabellenverzeichnis ... V
Abkürzungsverzeichnis ... VI
1
Einführung ... 1
2
Geographie und Demographie ... 2
2.1
Geographie und Infrastruktur ... 2
2.2
Demographie, Kultur und Armut ... 4
2.3
Tabellen/Grafiken ... 7
3
Regierungsführung und wirtschaftspolitischer Rahmen ... 11
3.1
Regierungsführung ... 11
3.2
Wirtschaftspolitischer Rahmen, Fiskalpolitik, Bildung und Innovationen ... 14
3.3
Tabellen/Grafiken ... 17
4
Makroökonomische Rahmenbedingungen: Binnenwirtschaft ... 24
4.1
Wirtschaftsstruktur und -entwicklung ... 24
4.2
Inflation, Geldpolitik und Finanzmärkte ... 26
4.3
Tabellen/Grafiken ... 29
5
Makroökonomische Rahmenbedingungen: Außenwirtschaft und
Wechselkurse ... 42
5.1
Wechselkurse und Wechselkurssystem ... 42
5.2
Außenhandel, Kapitalverkehr und Verschuldung ... 43
5.3
Tabellen/Grafiken ... 46
6
Länderrating ... 54
7
Fazit ... 58
Literaturverzeichnis ... 59

Abbildungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Geographische Lage Ecuadors ... 7
Abbildung 2: Durchschnittstemperatur und durchschnittliche Niederschlagsmenge
Ecuadors 1990 ­ 2012 ... 7
Abbildung 3: Alterspyramide Ecuador 2016 ... 10
Abbildung 4: Gini Koeffizient Ecuador - Uruguay ... 10
Abbildung 5: BTI 2016, Ecuador und Chile im Vergleich ... 17
Abbildung 6: Status-Index der Länder Südamerikas im Vergleich ... 17
Abbildung 7: Entwicklung des BTI Ecuadors 2006 - 2016 ... 18
Abbildung 8: Entwicklung BTI Ecuador 2006 - 2016 ... 18
Abbildung 9: CPI 2015 Ecuadors ... 18
Abbildung 10: Doing Business Index Ecuador ... 19
Abbildung 11: Doing Business Index Chile ... 19
Abbildung 12: Doing Business Index Uruguay ... 20
Abbildung 13: Staatsverschuldung (in % des BIP) ... 21
Abbildung 14: Öffentliche Bildungsausgaben in % des BIP ... 21
Abbildung 15: Einschreibungsquote an weiterführenden Schulen ... 22
Abbildung 16: R&D Ausgaben in % des BIP ... 22
Abbildung 17: Patentanmeldungen je 10.000 Einwohner ... 23
Abbildung 18: Global Innovation Index ... 23
Abbildung 19: Entwicklung BIP Ecuadors 2006 - 2015 ... 29
Abbildung 20: BIP/Kopf Vgl. Chile, Ecuador und Uruguay 2006 - 2015 ... 30
Abbildung 21: Wachstumsraten des realen BIP Vgl. Chile Ecuador und Uruguay
2006 - 2015 ... 31
Abbildung 22: BIP-Deflator Ecuadors 2007 - 2015 ... 31
Abbildung 23: Einkommensentstehung Ecuadors 2015 ... 32
Abbildung 24: Erwerbstätige Ecuadors nach Sektoren 2015 ... 32
Abbildung 25: Einkommensentstehung Ecuadors nach wichtigen Branchen 2015 ... 33
Abbildung 26: Einkommensverwendung Ecuadors 2015 ... 33
Abbildung 27: Investitionsanteil des BIP von Chile, Ecuador und Uruguay ... 34
Abbildung 28: Ausgewählte Großprojekte aus dem Investitionskatalog Ecuadors ... 35
Abbildung 29: Arbeitslosenquote Vgl. Chile, Ecuador und Uruguay 2006 - 2015 ... 36
Abbildung 30: Prognose Ölpreis bis 2025 ... 36
Abbildung 31: Leitzinsentwicklung USA und Chile 2000 ­ 2016 ... 37
Abbildung 32: Geldmengenwachstum 2006 ­ 2015 ... 37
Abbildung 33: Kredite an den privaten Sektor 2006 ­ 2015 ... 38
Abbildung 34: Inflationsrate 1996 ­ 2015 ... 38
Abbildung 35: Interest rate spread 2000 ­ 2006 ... 39
Abbildung 36: Aktienkursentwicklung (November 2012: 100%) Nov. 2012 ­ Nov.
2016 ... 40
Abbildung 37: Marktkapitalisierung in % vom BIP 2000 ­ 2015 ... 40
Abbildung 38: Anleihekurse für Staatsanleihen ... 41

Abbildungsverzeichnis IV
Abbildung 39: Hauptabnehmerländer Ecuadors 2015 ... 46
Abbildung 40: Hauptlieferländer Ecuadors 2015 ... 46
Abbildung 41: Entwicklung des Wechselkurses ECS/USD 1995 - 2005 ... 47
Abbildung 42: Entwicklung des Wechselkurses CNY/USD 2000 - 2016 ... 47
Abbildung 43: Entwicklung des Wechselkurses EUR/USD 2000 - 2016 ... 48
Abbildung 44: Entwicklung des realen Wechselkurses Ecuadors 1995 - 2015 (2010
= 100%) ... 48
Abbildung 45: Leistungsbilanzsaldo in % des BIP ... 49
Abbildung 46: Einfuhrgüter Ecuador 2015, Anteil in % ... 49
Abbildung 47: Ausfuhrgüter Ecuador, Anteil in % ... 50
Abbildung 48: Auslandsverschuldung in % des BIP ... 50
Abbildung 49: Netto Auslandsvermögen in % des BIP ... 51
Abbildung 50: Offenheitsgrad in % des BIP ... 51
Abbildung 51: Ausländische Direktinvestitionen in % des BIP ... 52
Abbildung 52: Chinn-Ito-Index ... 52
Abbildung 53: Ölpreisentwicklung in USD pro Barrel ... 53
Abbildung 54: Wachstumsfokussiertes Länderrating (Teil 1) ... 54
Abbildung 55: Wachstumsfokussiertes Länderrating (Teil 2) ... 55
Abbildung 56: Ratingskala ... 55

Tabellenverzeichnis
V
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Steckbrief Ecuador/Chile: Geographie, Infrastruktur ... 8
Tabelle 2: Steckbrief Ecuador/Chile: Demographie, Kultur, Armut ... 9
Tabelle 3: Doing Business Index Ecuador, Chile und Uruguay ... 20
Tabelle 4: Fiskalpolitische Kennzahlen ... 20
Tabelle 5: Reales BIP Ecuadors 2006 - 2015 ... 29
Tabelle 6: BIP in KKP Ecuadors 2006 - 2015 ... 29
Tabelle 7: Reales BIP/Kopf Vgl. Chile, Ecuador und Uruguay 2006 - 2015 ... 30
Tabelle 8: BIP in KKP/Kopf Vgl. China, Ecuador und Uruguay 2006 - 2015 ... 30
Tabelle 9: Wachstumsraten des realen BIP Vgl. Chile Ecuador und Uruguay 2006 -
2015 ... 31
Tabelle 10: BIP-Deflator Ecuadors 2007 - 2015 ... 32
Tabelle 11: Investitionsanteil des BIP von Chile, Ecuador und Uruguay ... 34
Tabelle 12: Arbeitslosenquote Vgl. Chile, Ecuador und Uruguay 2006 - 2015 ... 36
Tabelle 13: Geldmengenwachstum 2006 ­ 2015 ... 38
Tabelle 14: Kredite an den privaten Sektor 2006 ­ 2015 ... 38
Tabelle 15: Inflationsrate 1996 - 2015 ... 39
Tabelle 16: Interest rate spread 2000 - 2006 ... 39
Tabelle 17: Marktkapitalisierung in % vom BIP 2000 - 2015 ... 40

Abkürzungsverzeichnis VI
Abkürzungsverzeichnis
BIP Brutto
Inlandsprodukt
BTI
Bertelsmann
Transformation
Index
Bzw. Beziehungsweise
CNY Chinesischer
Renminbi
Yuan
CIA Central
Intelligence
Agency
CPI Consumer
Price
Index
DTF Distance
to
Frontier
ECS Ecuadorianischer
Sucre
EUR Euro
Fed Federal
Reserve
F&E Forschung
und
Entwicklung
GDP Gross
Domestic
Product
Gew.
Gewichtung
GTAI
German Trade & Invest
IMF International
Monetary
Fund
KKP Kaufkraftparitäten
Km
Kilometer
LCU Local
Currency
m
Meter
Pol. Politische
R&D Research
and
Development
USD US-Dollar
Vgl. Vergleiche

Einführung
1
1 Einführung
,,Die Tragödie ist groß, aber die Kraft des ecuadorianischen Volkes ist größer."
Dieses Zitat verwendete Präsident Rafael Correa nach dem schwerwiegenden Erdbe-
ben im April 2016. Es ist die Rede von der größten Tragödie Ecuadors in den letzten
70 Jahren, welche neben einer großen Beschädigung der Infrastruktur auch mehrere
Hunderte Todesopfer zur Folge hatte.
1
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit den Wachstumsaussichten des Landes Ecuador.
Es sollen Wachstumschancen und ­risiken identifiziert und bewertet werden. Dabei
beziehen sich die Autoren vor allem auf folgende Indikatoren:
- Geographie
- Infrastruktur
- Demographie
- Armut
- Regierungsführung und Staatsversagen
- Wirtschaftspolitischer Rahmen und Investitionsklima
- Fiskalpolitischer Rahmen und Steuerfalle
- Bildung
und
Innovation
- Wirtschaftsstruktur
und
­entwicklung
- Monetäres
System
- Außenwirtschaft und Wechselkurse
Die Wachstums- und Risikoanalyse Ecuadors orientiert sich hierbei weitgehend an den
durch Jeffrey Sachs erarbeiteten Kriterien, ,,Warum Länder Wirtschaftswachstum erzie-
len"
2
.
1
Vgl. Süddeutsche Zeitung (2016)
2
Vgl. Sachs (2005): Kapitel 3

Geographie und Demographie
2
2
Geographie und Demographie
2.1 Geographie und Infrastruktur
Ecuador hat eine Fläche von 283.561 km² und liegt im Nordwesten von Südamerika,
genau auf der Äquatorebene. Es grenzt lediglich an zwei Länder: Kolumbien mit einer
Landgrenze von 708 km und Peru mit einer Landgrenze von 1.529 km.
Ecuador lässt sich geographisch in vier Zonen, mit unterschiedlichen Oberflächenge-
staltungen und Klimazonen, einteilen (siehe Abbildung 1). Der westliche Küstenbereich
(La Costa, ca. 80.000 km²) besteht aus Schwemmland
3
und einem niedrigen Küsten-
gebirge, wo ein tropisches Klima herrscht. Der Küstenstreifen hat eine Länge von
2.237 km. Die zentrale Andenregion (La Sierra, ca. 80.000 km²) umfasst zwei durch
starken Vulkanismus geprägte Gebirgsketten und das dazwischenliegende Hochtal. Je
weiter man sich in Richtung Inland und in höhere Gebirge begibt, desto gemäßigter
wird das Klima
4
. Das Amazonas-Tiefland (El Oriente, ca. 100.000 km²) grenzt östlich
an die Andenregion und umfasst das Amazonasbecken. In diesem Gebiet herrscht ein
feucht-heißes, tropisches Klima. Die vierte Zone stellen die Galapagos-Inseln (ca.
8.000 km²) dar, welche 1.000 km westlich der Küste liegen.
Wie bereits angedeutet herrscht in Ecuador ein vielfältiges Klima (siehe Abbildung 2).
Die, aufgrund der Äquatornähe, monatlich gleichbleibenden Durchschnittstemperaturen
Ecuadors täuschen ein wenig über die tatsächlichen Verhältnisse, da regionale Tempe-
raturunterschiede vor allem aufgrund der unterschiedlichen Höhenlagen (0 bis 6.262
Höhenmeter) nicht ersichtlich werden. Der Winter ist durch Regen und der Sommer
durch Trockenperioden gekennzeichnet. Die unregelmäßigen Niederschlagsmengen
resultieren vor allem aus den unterschiedlichen topographischen Verhältnissen und
den Auswirkungen des Humboldtstroms, einer kalten Meeresströmung an der West-
küste Südamerikas.
5
Zu den natürlichen Ressourcen Ecuadors zählen vor allem Erdöl, Fisch, Holz und
Wasserkraft. Zu 38,9% ist die Landfläche mit Wald bedeckt. Die landwirtschaftliche
3
durch Anschwemmung, Ablagerung von Meeren und Flüssen entstandenes fruchtbares Land
4
Vgl. Auswärtiges Amt (2016)
5
Vgl. CIA (2016): The World Factbook

Geographie und Demographie
3
Nutzfläche beträgt 29,7%, welche zu knapp 20% aus Dauerweide und jeweils zu ca.
5% aus Ackerland und Dauerkulturen besteht.
6
Die natürlichen Ressourcen Ecuadors werden bedroht durch natürliche Widrigkeiten.
Dazu gehören vor allem häufige Erdbeben, Erdrutsche, Überschwemmungen, Dürre-
perioden und vulkanische Aktivitäten.
7
Vor allem in der zentralen Andenregion werden
immer noch viele aktive Vulkane gezählt. Der Cotopaxi ist mit ca. 5.900 Metern aktuell
der höchste aktive Vulkan der Welt.
8
Weiterhin hat Ecuador mit Umweltbedrohungen zu kämpfen, die das Wachstum des
Landes einschränken können.
9
Aktuelle Themen hier sind beispielweise die fortschrei-
tende Entwaldung, Bodenerosionen, Wüstenbildung, Wasserverschmutzung sowie
Verschmutzung durch Ölförderung in ökologisch sensiblen Gebieten des Amazonas-
Tiefland und der Galapagos-Inseln.
10
Wie in anderen lateinamerikanischen Ländern ist der Zustand der Verkehrswege als
deutlich verbesserungswürdig zu beurteilen. Wichtigste Straße ist die Panamerica, die
das Land von der kolumbianischen Grenze bis Peru durchquert. Eine Eisenbahnver-
bindung nach Peru und Kolumbien existiert nicht. Betrachtet man die Eisenbahnstrecke
pro km² im Vergleich zu anderen Staaten Südamerikas wird ersichtlich, dass dieser
Transportweg in Ecuador am schlechtesten ausgebaut ist. Weiterhin sind Transporte
mit der Eisenbahn in vielen Teilen Ecuadors aufgrund von veralteter Technik und dem
schwierigen Gelände sehr zeitaufwendig. Wasserstraßen sind vor allem im Amazonas-
Tiefland von großer Bedeutung, da sich dort der Bau von Straßen als sehr schwierig
darstellt.
11
Ecuador besitzt drei internationale Flughäfen in Guayaquil, Manta und Quito. Die wich-
tigsten Seehäfen des Landes sind in ebenfalls in Guayaquil und Manta sowie in Esme-
raldas und Bolivar.
12
Betrachtet man die Stromversorgung in Ecuador wird ersichtlich, dass man im Ver-
gleich zu beispielsweise Chile einen geringen Jahresstromverbrauch pro Einwohner
6
Vgl. CIA (2016): The World Factbook
7
Vgl. Sachs (2005), S. 93
8
Vgl. CIA (2016): The World Factbook
9
Vgl. Sachs (2005), S. 77
10
Vgl. CIA (2016): The World Factbook
11
Vgl. CIA (2016): The World Factbook
12
Vgl. CIA (2016): The World Factbook

Geographie und Demographie
4
aufweist. Außerdem ist der Anteil der Haushalte ohne Strom mit ca. 3% deutlich hö-
her.
13
Die digitale Infrastruktur Ecuadors ist ebenfalls nicht so gut ausgebaut wie beispiels-
weise die von Chile. Deutlich weniger Einwohner besitzen einen Mobiltelefonanschluss
oder einen Internetanschluss.
14
2.2 Demographie, Kultur und Armut
Ecuador ist mit 16,1 Millionen Einwohnern eines der eher kleineren Länder Südameri-
kas. Abbildung 3 zeigt die Alterspyramide Ecuadors, die im Verhältnis zu anderen süd-
amerikanischen Staaten stark nach unten verschoben ist. Das Durchschnittsalter von
27,4 Jahren bei einer Lebenserwartung von 76,8 Jahren spiegelt das hohe Bevölke-
rungswachstum der vergangenen Jahrzehnte wider. Die aktuelle Altersstruktur zeigt,
dass ein Großteil der Bevölkerung (27,52%) 14 Jahre oder jünger ist, und somit in den
nächsten Jahren ins arbeitsfähige Alter kommt (Verfügbarkeit Humankapital positiv zu
sehen).
Das Bevölkerungswachstum Ecuadors liegt in 2016 geschätzt bei 1,31% und ist damit
immer noch einer der höchsten Werte Südamerikas (Deutschland zum Vergleich: -
0,16%).
15
Ein hohes Bevölkerungswachstum in ohnehin schon armen Ländern fördert
die Armut weiter, da es sich die Familien oft nicht leisten können alle Kinder zur Schule
zu schicken und diese entsprechend zu ernähren. Die verfügbaren Ressourcen werden
auf eine immer größere Bevölkerung aufgeteilt. Dieses Phänomen ist als Demografi-
sche Falle nach Sachs bekannt.
16
Ein weiteres Problem Ecuadors ist die Zuwanderung
bzw. Abwanderung. Gemäß den Daten der World Bank gab es im Jahr 2012 eine Net-
tomigration von -38.001 Personen (Chile: 201.289).
17
Dies ist für das Wirtschafts-
wachstum Ecuadors äußerst schädlich, da mit einer negativen Nettomigration Human-
kapital im produktiv tätigen Alter verloren geht. Die Abwanderungswelle hat sich zwi-
schen 2012 und 2016 wieder verringert (Nettomigration 2016: ca. 0)
18
. Das Humanka-
pital, das in den vergangenen Jahren abgewandert ist bleibt jedoch verloren.
13
Vgl. CIA (2016): The World Factbook
14
Vgl. CIA (2016): The World Factbook
15
Vgl. CIA (2016): The World Factbook
16
Vgl. Sachs (2005): S. 85f
17
Vgl. Worldbank (2016): Net Migration
18
Vgl. CIA (2016): The World Factbook

Geographie und Demographie
5
Kulturelle Schranken nach Sachs bedeuten, dass einem Teil der Bevölkerung Rechte
verwehrt werden, die dem Rest der Bevölkerung zugänglich sind.
19
In Ecuador gibt es
auf der rechtlichen Seite ein Verbot zur Diskriminierung von Frauen und Minderheiten.
In der Realität werden aber speziell Frauen im mittleren Alter wirtschaftliche Möglich-
keiten, wie der Zugang zu höheren Positionen im Beruf vorenthalten. Weiterhin werden
ethnischen Minderheiten wie Afro-Ecuadorianern und die indigene Bevölkerung in Ge-
bieten wie Bildung, Berufswahl und Wohnunterkünften benachteiligt, welche einen grö-
ßeren Anteil an der Gesamtbevölkerung Ecuadors ausmachen.
20
Dies verringert die
Wachstumsaussichten für Ecuador, da diese benachteiligten Gruppen nicht in dem
Maße zur Produktivitätssteigerung beitragen können, wie sie es ohne Benachteiligung
in der Lage gewesen wären.
In Ecuador existiert ein hohes Risiko sich mit Infektionskrankheiten wie Hepatitis A,
Typhus, Denguefieber oder Malaria anzustecken. Dieses erhöhte Risiko kann eine
Wirtschaft nachhaltig negativ beeinflussen, da mit ihm Kosten für (unproduktive)
Krankheitstage verbunden sind, die die Gesamtproduktivität verringern.
Die Gesundheitsausgaben Ecuadors sind mit 9,2% des BIP in 2014 für Südamerikani-
sche Verhältnisse sehr hoch. Dies ist sehr positiv zu beurteilen, da zu erwarten ist,
dass dem im vorigen Abschnitt erläuterten Effekt entgegengewirkt wird.
Das BIP pro Kaufkraftparität Ecuadors ist mit umgerechnet 11.411 USD pro Kopf auf
verhältnismäßig hohem Niveau aller Entwicklungsländer (siehe Abbildung 20). Hinter
den relevanten Peers bleibt Ecuador mit diesem Wert jedoch zurück. Eine genauere
Betrachtung erfolgt in Kapitel 4.1.
Die von Sachs erläuterte Armutsfalle
21
ist für Ecuador bei einer absoluten Armutsquote
von 1,43% nicht relevant. Interessanter ist die relative Armut Ecuadors, die sich auf
25,6% beläuft und somit einen der schlechtesten Werte Südamerikas darstellt. Dies ist
problematisch für das künftige Wachstum, da sich eine hohe relative Armut negativ auf
die gesamte Stimmung der Bevölkerung auswirken kann, was Unruhen zur Folge hat,
die mit einer Verringerung der Produktivität einhergehen. Außerdem lässt sich schlie-
ßen, dass der ,,arme" Teil der Bevölkerung nicht maßgeblich an der Steigerung der
Produktivität beteiligt wird.
Der Gini Koeffizient, als Maß der Einkommensverteilung, ist in Ecuador mit 45,38 in
2014 auf einem international hohen Niveau. Der Hohe Gini Koeffizient zeigt an, dass
19
Vgl. Sachs (2005): S. 79f
20
Vgl. United States Department of State (2015): S.35ff
21
Vgl. Sachs (2005): S.75f

Geographie und Demographie
6
das Einkommen in Ecuador ungleich verteilt ist, folglich ein geringer, privilegierter Teil
der Bevölkerung für den Großteil des Einkommens verantwortlich ist. Dies hat zur Fol-
ge, dass sich ,,Eliten" bilden können, die die politischen und ökonomischen Faktoren
stärker beeinflussen als der Rest der Bevölkerung und diesen zusätzlich ausgrenzen
können. Das Ausgrenzen der unterprivilegierten Bevölkerung hat wiederum negative
Folgen für die Wachstumsaussichten Ecuadors, da sich, wie bereits im Abschnitt zuvor
erwähnt, das verfügbare Humankapital damit verringert.

Geographie und Demographie
7
2.3 Tabellen/Grafiken
Abbildung 1: Geographische Lage Ecuadors
22
Abbildung 2: Durchschnittstemperatur und durchschnittliche Niederschlagsmenge Ecu-
adors 1990 ­ 2012
23
22
Vgl. CIA (2016): The World Factbook
23
Vgl. Worldbank (2016), erhoben von Climatic Research Unit (CRU) of University of East Anglia (UEA)

Geographie und Demographie
8
Tabelle 1: Steckbrief Ecuador/Chile: Geographie, Infrastruktur
24
24
Vgl. CIA (2016): The World Factbook
Ecuador
Chile
Geographie
Hauptstadt
Quito
Santiago
Fläche
283.561 km² 756.102 km²
Bevölkerungsdichte (Einwohner/km²)
57
23
Infrastruktur
Flughäfen
432
481
Flughäfen mit befestigten Landebahnen
104
90
über 3047 m
4
5
2438 bis 3047 m
5
7
1524 bis 2437 m
18
23
914 bis 1523 m
26
31
unter 914 m
51
24
Hauptseehäfen
3
7
Handelsmarine
44
42
Wasserstraßen (unzugänglich)
1.500 km
k.A.
Eisenbahnstrecke
965 km
7.282 km
km Strecke/km² Landfläche
0,0034
0,0096
Fahrbahnen
43.670 km
77.764 km
gepflastert
6.472 km
18.119 km
km Strecke/km² Landfläche
0,0228
0,02396
Energieversorgung (Stromverbrauch in
1.182,78
3.591,48
Bevölkerung ohne Strom
3,0%
0,4%
Telekommunikation pro 100 Einwohner
Festnetzanschlüsse
16
20
Mobiltelefonanschlüsse
81
133
Internetanschlüsse
49
64

Geographie und Demographie
9
Tabelle 2: Steckbrief Ecuador/Chile: Demographie, Kultur, Armut
25
25
Vgl. CIA (2016): The World Factbook; Worldbank (2016): Poverty gap at $1.90 a day, Ecuador (2014), Chile (2013)
Demografie
Einwohner
Durschnittsalter
Bevölkerungswachstum
Lebenserwartung
Kultur
Amerindian/weiß
71,90% Weiße
88,90%
Montubio
7,40% Mapuchen
9,10%
Amerindian
7,00% Aymara
0,70%
Weiß
6,10% Sonstige Indigene
1,00%
Afroecuadorianer
4,30%
Mulatten
1,90%
Schwarz
1,00%
Sonstige
0,40%
Katholisch
74,00% Katholisch
66,70%
Evangelisch
10,40% Evangelisch
16,40%
Zeugen Jehovas
1,20% Zeugen Jehovas
1,00%
Sonstige
6,40% Sonstige
3,40%
Keine
11,50%
Unspezif.
1,10%
Armut
Armut (< $1,9 pro Tag)
Armut (< nat. Armutsgrenze)
Gini Koeffizient
Sonstige
Gesundheitsausgaben (% des
HIV
0,29% HIV
0,27%
14,40%
3,82%
0,92%
78,8
1,31%
76,8
Chile
17.650.114
34
0,80%
Ecuador
16.080.778
27,4
Malaria
Ethnische Gruppen
Religiöse Gruppen
Infektionskrankheiten
Hepatitis A
Typhus
Dengefieber
48,5
52,1
9,20%
7,80%
25,60%
Ende der Leseprobe aus 72 Seiten

Details

Titel
Länderanalyse Ecuador. Wachstumschancen und -risiken
Hochschule
Fachhochschule Münster
Note
1,7
Jahr
2017
Seiten
72
Katalognummer
V387772
ISBN (eBook)
9783668624023
ISBN (Buch)
9783668624030
Dateigröße
3670 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geographie, Infrarstruktur, Demographie, Kultur, Armut, Regierungsführung, Wirtschaftspolitik, Fiskalpolitik, Bildung, Innovation, Wirtschaftsstruktur, Wirtschaftsentwicklung, Inflation, Geldpolitik, Finanzmärkte, Wechselkurse, Außenhandel, Kapitalverkehr, Verschuldung, Sachs, Länderanalyse, Ecuador, Chile, Makroökonomie, Makro, BIP, Standortanalyse, Wachstumsanalyse
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Länderanalyse Ecuador. Wachstumschancen und -risiken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387772

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