In dieser Hausarbeit werde ich mich mit dem Gedicht „Seefahrt“ von Johann Wolfgang von Goethe beschäftigen. Beginnen werde ich mit seiner Entstehung und Textgestalt, anschließend werde ich die Form, die Erzählperspektive und die Sprechsituation des Gedichts beschreiben. Nach einer inhaltlichen und sprachlichen Analyse und einer Deutung der Raumstruktur werde ich mich mit verschiedenen Deutungsansätzen befassen. Zum Abschluss werde ich eine literaturhistorische Einordnung vornehmen. Das Gedicht „Seefahrt“ ist am 11. September 1776 entstanden. Etwa ein Jahr zuvor war Goethe gegen den Willen seiner Eltern nach Weimar gegangen, um dort am Hofe seines Freundes Herzog Carl August zu arbeiten. Im Jahr 1776 wurde er zum Geheimen Legionsrat des Herzogs ernannt, das heißt, er wurde oberster Beamter im Staate Sachsen-Weimar. Zu seinen Aufgaben gehörte neben der Tätigkeit als Kriegsund Finanzminister auch die Verwaltung des Staates. Trotz seiner vielen Aufgaben war Goethe immer noch weiter als Schriftsteller tätig, obwohl seine literarische Arbeit „quantitativ drastisch“ zurückging. Überzeugt von den Ideen des Sturm und Drang glaubte Goethe, „alles wagen zu müssen, um etwas zu erreichen“. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Der Text: „Seefahrt“
2. Einleitung
3. Historisches
3. 1. Entstehung
3. 2. Textgestalt
4. Analyse des Gedichts
4. 1. Analyse der Form, Erzählperspektive und Sprechsituation
4. 2. Sprachliche und inhaltliche Analyse
4. 3. Analyse der Raumstruktur
5. Deutungsansätze
6. Literaturhistorische Einordnung
7. Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Gedicht „Seefahrt“ von Johann Wolfgang von Goethe unter besonderer Berücksichtigung seiner Entstehungsgeschichte, formalen Struktur sowie zentralen Motive. Ziel der Analyse ist es, den Wechsel zwischen den Erzählperspektiven und den damit verbundenen Wandel der Raumwahrnehmung herauszuarbeiten und das Werk in den literaturhistorischen Kontext des Sturm und Drang einzuordnen.
- Biographische und historische Entstehungsumstände des Gedichts
- Formale Analyse von Versmaß, Strophenbau und Sprechsituation
- Untersuchung der Raumkonzeptionen von Hafen und Meer
- Deutung des Vertrauensmotivs im Kontext der Identitätsfindung
- Einordnung in die Epoche des Sturm und Drang
Auszug aus dem Buch
4. 1. Analyse der Form, Erzählperspektive und Sprechsituation
Das Gedicht besteht aus acht Strophen, die aus unterschiedlich vielen Versen bestehen: Die erste Strophe besteht aus vier Versen, die zweite aus sechs, die dritte wieder aus vier, die vierte aus sieben, die fünfte aus fünf, die sechste aus acht und die siebte und achte Strophe jeweils aus sechs Versen. Auffällig ist, dass jeweils der letzte Vers der Strophen 1, 2, 6 und 8 kürzer ist als die restlichen Verse der Strophen. Als Beispiel möchte ich hier einmal die erste Strophe zitieren:
Taglang nachtlang stand mein Schiff befrachtet, Günst’ger Winde harrend saß mit teuren Frenden - Mir Geduld und guten Mut erzechend - Ich im Hafen.
Die unterschiedliche Versanzahl pro Strophe könnte man als die Bewegungen der Wellen interpretieren, die zuerst sanft und regelmäßig sind (vier, sechs, vier), im Laufe des Gedichts jedoch stärker und unregelmäßiger werden (sieben, fünf, acht, sechs). Dass die letzte Strophe genauso viele Verse hat wie die vorletzte (jeweils sechs), könnte man dann so deuten, dass das Vertrauen des Seefahrers in „seine[ ] Götter[ ]“ (V. 46) schließlich doch in irgendeiner Weise den Sturm besiegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Text: „Seefahrt“: Präsentation des Primärtextes von Johann Wolfgang von Goethe.
2. Einleitung: Vorstellung der Zielsetzung sowie der geplanten methodischen Vorgehensweise in der Hausarbeit.
3. Historisches: Beleuchtung der Entstehungsumstände im Jahr 1776 sowie der bibliographischen Entwicklung des Textes.
4. Analyse des Gedichts: Detaillierte Untersuchung von Form, Erzählperspektive, sprachlichen Besonderheiten und der Raumstruktur.
5. Deutungsansätze: Diskussion möglicher Parallelen zwischen dem Gedicht und biographischen Ereignissen im Leben Goethes.
6. Literaturhistorische Einordnung: Verortung des Werks innerhalb der Epoche des Sturm und Drang unter Abgrenzung zu anderen Hymnen.
7. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Goethe, Seefahrt, Sturm und Drang, Lyrik, Kaufmann, Seefahrer, Raumstruktur, Erzählperspektive, Natur, Sturm, Vertrauen, Götter, Identitätsfindung, Epoche, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer detaillierten literaturwissenschaftlichen Analyse von Goethes Gedicht „Seefahrt“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der formalen Struktur, der Erzählperspektive, der Raumgestaltung (Hafen vs. Meer) und der biographischen sowie literarhistorischen Einordnung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Gedicht strukturell und inhaltlich zu erschließen und zu verdeutlichen, wie sich das Motiv des Seefahrers und dessen Weltbild im Gedicht manifestieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine werkimmanente Textanalyse angewendet, ergänzt durch komparatistische Bezüge zu biographischen Briefen und anderen literarischen Werken Goethes.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung, die formale Gestaltung, die sich wandelnde Sprechsituation und die semantischen Räume im Gedicht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Sturm und Drang, Identitätsfindung, Seefahrermotiv, Raumstruktur und Erzählperspektive.
Welche Rolle spielen die „Wechselwinde“ im Gedicht?
Sie fungieren als Metapher für den unvorhersehbaren Sturm und markieren einen entscheidenden Wendepunkt in der Erzählperspektive und der Raumwahrnehmung.
Wie unterscheidet sich der Seefahrer von anderen Figuren in Goethes Hymnen?
Im Gegensatz zu anderen Figuren besitzt der Seefahrer ein weltliches Ziel (seine Aufgabe als Kaufmann) und zeigt ein explizites Vertrauen in seine Götter anstelle einer bloßen Selbstvergöttlichung.
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- Claudia Roeder (Author), 2004, Johann Wolfgang von Goethe: "Seefahrt", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38781