Armut bei Kindern im Grundschulalter - Eine Darstellung von Auswirkungen und Bewältigungsstrategien


Hausarbeit, 2005
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methodische Konzeption

3. Forschungsergebnisse
3.1. Auswirkungen von Armut in den verschiedene Spielräumen
3.1.1. Versorgungs- und Einkommensspielraum
3.1.2. Lern- und Erfahrungsspielraum
3.1.3. Kontakt- und Kooperationsspielraum
3.1.4. Regenerations- und Mußespielraum
3.1.5. Dispositions- und Entscheidungsspielraum
3.2. Bewältigungsstrategien
3.2.1. Elterliche Strategien
3.2.2. Kindliche Strategien

4. Bedeutung für die Soziale Arbeit

5. Literatur

1. Einleitung

Lange Zeit wurde das Problem der Kinderarmut in Deutschland nicht öffentlich registriert. Da jüngere Kinder meist nur im Zusammenhang mit ihren Familien gesehen wurden, nahm die Öffentlichkeit nicht wahr, dass schon Mitte der achtziger Jahre die Jüngsten unserer Gesellschaft die höchste Sozialhilfequote aufwiesen. Bis heute hat sich die Situation nicht merklich gebessert, allerdings wurden Fachkräfte und soziale Einrichtungen in den neunziger Jahren mit einem massiven Anstieg von Armutserscheinungen konfrontiert, so dass man gezwungen war, sich mit der Situation auseinander zu setzen. Dies geschah unter anderem in Form von Armutsberichten.

Hierbei konzentrierte man sich jedoch in erster Linie auf Armut bei Erwachsenen, erst Ende der neunziger Jahre unternahm man Forschungen zum Thema Kinderarmut. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang zum Beispiel eine Studie des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS), welche vom Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) beauftragt wurde. (vgl. Abschlußbericht Vertiefungsstudie AWO 2003, 1f.)

Eine weitere Studie beschäftigt sich mit der Lebenslage von Grundschulkindern, die in armen Verhältnissen aufwachsen. Diese wurde im Jahr 2000 im Rahmen eines Forschungsprojektes an der FH Jena unter der Leitung von Karl August Chassé, Margherita Zander sowie Konstanze Rasch durchgeführt.

In der vorliegenden Ausarbeitung setze ich mich mit dieser Studie näher auseinander, indem ich zunächst die methodische Konzeption betrachte und anschließend die Ergebnisse der Studie zusammenfasse. Hierbei erläutere ich zum einen die Auswirkungen von Armut auf verschiedene Lebensbereiche der Kinder und gehe zum anderen auf Bewältigungsstrategien ein. Abschließend werde ich die Ergebnisse der Studie hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Soziale Arbeit untersuchen, bzw. Lösungsansätze aufzeigen.

2. Methodische Konzeption

Bei ihren Forschungen beschränkten sich Chassé, Zander und Rasch auf Kinder in den neuen Bundesländern. Im Einzelnen wurden vierzehn Fallstudien mit Kindern im Alter von sieben bis zehn Jahren durchgeführt, welche in städtischen wie auch in ländlichen Regionen leben. (vgl. Chassé 2003, 65)

Durch Kinderinterviews sollten Beeinträchtigungen aufgrund von Armut aus der individuellen Sicht der Befragten kenntlich gemacht werden.

Mit einbezogen wurden auch die Eltern der Kinder (in den meisten Fällen waren allerdings die Mütter die Ansprechpartner). Das Ziel war hierbei „...,Bewältigungsprozesse innerhalb einer Familie aus der Perspektive zweier Generationen zu untersuchen und somit auch Konvergenzen und Differenzen zu beschreiben und zu analysieren.“ (Chassé 2003, 65)

Chassé u.a. waren die Betrachtung der Auswirkungen von Armut aus einer ganzheitlichen Perspektive wichtig. Es sollten also alle Lebensbereiche der befragten Kinder auf Beeinträchtigungen durch Armut untersucht werden.

Im Besonderen wollte man herausfinden, inwiefern strukturelle Vorgaben und individuelle Bewältigungsstrategien sich wechselseitig beeinflussen.

(vgl. Chassé 2003, 51f.)

Konzeptionell orientieren sich Chassé, Zander und Rasch am Spielräumekonzept von Ingeborg Nahnsen, „das sich ... vor allem für die qualitative sozialwissenschaftliche Forschung eignet, um konkretere Aussagen über die Beschaffenheit von restringierten Lebenslagen zu machen.“ (Chassé 2003, 55)

Da dieses jedoch ursprünglich zur Erforschung von Lebenslagen Erwachsener entwickelt wurde, nehmen Chassé u.a. zunächst eine Übertragung des Konzepts auf die Lebenssituation von Kindern vor.

Hierbei unterscheiden sie schließlich fünf Spielräume.

Im Folgenden sind dies:

- Versorgungs- und Einkommensspielraum
- Lern- und Erfahrungsspielraum
- Kontakt- und Kooperationsspielraum
- Regenerations- und Mußespielraum
- Dispositions- und Entscheidungsspielraum

(vgl. Chassé 2003, 61)

Zu berücksichtigen sind bei der Erfassung der Lebenslage zum einen die strukturellen Bedingungen, welche das Kind kaum beeinflussen kann, zum anderen die individuelle Wahrnehmung und Verarbeitung der Lebenslage durch das Kind. (vgl. Chassé 2003, 113)

3. Forschungsergebnisse

Chassé, Zander und Rasch stellen der Auswertung der Kinderinterviews einige Leitfragen voran, unter deren Blickwinkel die Aussagen der Kinder interpretiert werden sollen:

- „Welche Einschränkungen nehmen Kinder in den unterschiedlichen Dimensionen ihrer Lebenslage bzw. in den unterschiedlichen Spielräumen wahr?“
- „In welcher Weise nehmen sie diese Einschränkungen als Defizite wahr und wie reagieren sie darauf?“
- „Was ist ihnen nicht zugänglich an Gegenständen, Beziehungen, Strukturen? Welche Einschränkungen erfahren sie dabei?“
- „Welche Zugänge zur ,Kinderwelt´, zur sozialen und physischen Welt sind möglich, welche werden ihnen - aufgrund der benachteiligten Lebenslage – erschwert oder verwehrt?“

- „Was beeinträchtigt erheblich das gegenwärtige Leben und Wohlbefinden der Kinder bzw. ihre Lebenschancen?“
- „Welche Bewältigungsstrategien entwickeln sie im Umgang mit der Situation?“

(Chassé 2003, 113)

Hierbei legen die Verantwortlichen jedoch auch Wert auf einen Vergleich der Kinderaussagen mit den Aussagen der Eltern, um beide Seiten in Relation zu sehen. (vgl. Chassé 2003, 114)

3.1. Auswirkungen von Armut in den verschiedenen Spielräumen

3.1.1. Versorgungs- und Einkommensspielraum

Bezogen auf Ernährung, Kleidung und Wohnraum sind durchaus Defizite aufgrund der materiellen Situation erkennbar.

So fällt auf, dass etliche der Kinder eine unregelmäßige Nahrungsaufnahme angeben, welche zum Teil durch die Alltagsstrukturen der jeweiligen Familien zum Teil jedoch auch durch wirkliche Engpässe in der Versorgung aufgrund von fehlenden finanziellen Mitteln bedingt ist.

Den betroffenen Kindern fällt es jedoch häufig schwer, dies einzugestehen, da fehlende Ressourcen auch in diesem Bereich ausgrenzenden Charakter zu haben scheinen (z. B. fehlendes Essensgeld in der Schule).

Auffallend ist, dass viele Mütter materielle Defizite phantasievoll kompensieren, indem sie soziale Netzwerke nutzen. Hierbei werden nicht nur Defizite im Bereich der Ernährung sondern auch in Bezug auf Kleidung ausgeglichen.

Im Bereich der Bekleidung ist außerdem festzustellen, dass für die Eltern, bzw. die Mütter der funktionale Nutzen ausschlaggebend ist, während die Kinder sich Kleidung wünschen, die der jeweiligen Mode entspricht, um nicht von anderen ausgegrenzt zu werden.

Auch was das Wohnen betrifft, sind Defizite erkennbar. So ist nicht nur genügend Wohnraum notwendig, um ein Mindestmaß an Handlungsspielraum zu gewährleisten, sondern auch die individuelle Nutzung des Wohnraums spielt eine große Rolle.

Es fällt auf, dass einigen Kinder kein eigenes Zimmer zur Verfügung steht. Dieses wirkt sich negativ auf Wohlbefinden, Lernfähigkeit und die Entwicklung sozialer Kontakte aus.

(vgl. Chassé 2003, 125f.)

Was den Einkommensspielraum betrifft, so ist festzustellen, dass die meisten der befragten Kinder (aufgrund ihres Alters) zwar noch keine genaue Vorstellung über benötigte Finanzen innerhalb ihrer Familie haben, sie jedoch größtenteils wissen, was „arm sein“ bedeutet und fast die Hälfte von ihnen, die eigene Familie als „arm“ bezeichnet.

Auch nimmt der Großteil der Kinder die finanziellen Probleme der Eltern wahr und entwickelt eigene Methoden, mit der Situation umzugehen.

Kommunikation innerhalb der betroffenen Familien, was den Mangel an finanziellen Ressourcen betrifft, kann helfen, die Situation zu bewältigen. Eine Tabuisierung hingegen scheint sich negativ auszuwirken, da das Kind hier mit der Armutslage allein gelassen wird.

Schließlich fällt auf, dass die wenigsten der befragten Kinder ein regelmäßiges Taschengeld bekommen, sie dieses jedoch nicht als Mangel bezeichnen. Dies scheint allerdings im Alter der Kinder begründet zu sein. (vgl. Chassé 2003, 134)

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Armut bei Kindern im Grundschulalter - Eine Darstellung von Auswirkungen und Bewältigungsstrategien
Hochschule
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst - Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V38782
ISBN (eBook)
9783638377508
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Armut, Kindern, Grundschulalter, Eine, Darstellung, Auswirkungen, Bewältigungsstrategien
Arbeit zitieren
Miriam Trabel (Autor), 2005, Armut bei Kindern im Grundschulalter - Eine Darstellung von Auswirkungen und Bewältigungsstrategien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38782

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Armut bei Kindern im Grundschulalter - Eine Darstellung von Auswirkungen und Bewältigungsstrategien


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden