Beutelsbacher Konsens und Rechtspopulismus

Erreicht der Konsens seine Grenzen?


Hausarbeit, 2017

8 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Themeneingrenzung ... 3
2. Theoretische Erkenntnisse ... 3
2.1. Beutelsbacher Konsens ... 3
2.2. Rechtspopulismus ... 4
3. Analyse der Problemstellung ... 4
3.1. Fallbeispiel ... 4
3.2. Überwältigungsverbot ... 5
3.3. Kontroversitätsgebot ... 6
3.4. Schülerorientierung ... 7
4. Fazit ... 7
5. Literaturverzeichnis ... 8

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1. Einleitung und Themeneingrenzung
Als oberstes Ziel der politischen Bildung wird in der Politikdidaktik häufig die Förderung der
politischen Mündigkeit der Bürger benannt. Es ist unumstrittener Konsens, dass zu den wichtigsten
Zielen des politischen Unterrichts die Befähigung des Schülers zur politischen Urteilsfähigkeit steht.
(vgl. Reinhardt 2016, S. 17)
In dieser Arbeit wird es darum gehen, wie Schüler zu ihren politischen Urteilen gelangen und ob die
Beachtung der didaktischen Prinzipien des Beutelsbacher Konsens die Lehrkraft dazu befähigen, nicht
auf Inhalt und Qualität des Urteils ihrer Schüler (bewusst oder unbewusst) Einfluß zu nehmen.
Besondere Aktualität erlangt die Thematik vor allem in Bezug auf Themen wie die Alternative für
Deutschland (AfD) oder die Frage, wie sich eine Lehrkraft gegenüber populistischen Standpunkten
äußert. Daher werden in dieser Arbeit die Schwierigkeiten rund um das Thema Populismus im
Sozialkundeunterricht mit Blick auf den Beutelsbacher Konsens beleuchtet. Dabei werde ich mich auf
den rechten Populismus beschränken. Ich werde kurz Form und Inhalt des Beutelsbacher Konsens
darstellen, sowie eine Erklärung des Begriffs Rechtspopulismus geben.
Weiterhin steht die politische Urteilsbildung und -fähigkeit im Mittelpunkt meines Interesses, wobei
ich anhand einer Fallanalyse aufzeigen möchte, wo die Grenzen des Beutelsbacher Konsens liegen und
wo diese Grenzen verlaufen.
2. Theoretische Erkenntnisse
2.1. Beutelsbacher Konsens
1976 veranstaltete die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg eine Fachtagung in
Beutelsbach. Nach dem vorangegangenen Richtlinienstreit Anfang der siebziger Jahre über die
politischen und didaktischen Inhalte der neuen Lehrpläne für politische Bildung in den Ländern
Hessen und Nordrhein-Westfalen wurden dort gemeinsame Grundsätze für einen didaktischen
Minimalkonsens herausgearbeitet. Dieses Tagungsprotokoll ging als "Beutelsbacher Konsens" in die
Geschichte der politischen Bildung in Deutschland ein und markiert den Wendepunkt hin zu einer
Professionalisierung und bildet seither das Fundament der Politikdidaktik. (vgl. Reinhardt 2016, S. 29)
Kurz gefasst lauteten die drei Elemente dieses Konsenses:
Überwältigungsverbot: keine Indoktrination; Kontroversitätsgebot: Beachtung kontroverser Positionen
in Wissenschaft und Politik im Unterricht; Schülerorientierung: Befähigung der Schüler, in politischen
Situationen ihre eigenen Interessen zu analysieren. (vgl. Reinhardt 2016, S. 30)
Die Prinzipien hängen eng miteinander zusammen. Je nach Thematik und Adressaten stehen andere
Grundlagen im Vordergrund, keine Unterrichtseinheit wird allen gerecht werden. Eine
herausgehobene Stellung haben die beiden ersten Grundsätze des Beutelsbacher Konsens inne, da sie
immer Beachtung finden müssen, unabhängig von der Thematik. Die "Interessenorientierung" als

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drittes Prinzip des Beutelsbacher Konsens hingegen war immer wieder Gegenstand der Diskussion,
insbesondere im Sinne einer Ergänzung. (vgl. Reinhardt 2016, S.30)
2.2. Rechtspopulismus
Der Einzug von extremen Parteien in unsere Parlamente macht uns auf die Brisanz und die Aktualität
der o.g. Grundsätze des politischen Unterrichts aufmerksam. Der Begriff Populismus begegnet uns
fast täglich in allen Medien. Wenn der Begriff des Rechtspopulismus fällt, denken wir an Parteien wie
den Front National in Frankreich, die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) oder die AfD, mit der
erstmals eine rechtspopulistische Partei in den Deutschen Bundestag eingezogen ist. Ihre
Wahlkampfthemen sind dabei häufig vermeintliche Tabu- oder Reizthemen unserer Gesellschaft wie
Asyl- und Einwanderungspolitik, Islamismus, der Bau von Moscheen oder die innere Sicherheit. Doch
der Populismus ist mehr als ein Überbegriff für bestimmte Parteien. Populismus umfasst neben
Politikern und Parteien vor allem Einstellungsmuster und eine auf (ethnisch-kulturellen) Ausschluss
und Feindmarkierung zielende Ideologie, die in einer besonderen politischen Rhetorik zum Ausdruck
kommt. (vgl. Hartleb 2012) Eine Aussage gilt dann als populistisch, wenn sie reißerisch formuliert ist,
komplexe Zusammenhänge vereinfacht, Vorurteile schürt und einfache, meist personen- oder
gruppenbezogene Feindbilder (,,die da oben", ,,die Ausländer" etc.) bedient. (vgl. Hartleb 2012)
Rechtspopulismus ist insgesamt dadurch gekennzeichnet, einfache Antworten auf komplexe Probleme
zu geben und strittige Themen wie Flucht, Einwanderung und Migration emotional aufzuladen. (vgl.
Decker 2006, S. 14) Dabei werden die digitalen Verbreitungswege sozialer Netzwerke bewusst
genutzt, um Meinungen und Thesen unter die Leute zu bringen und somit ,,Stimmung" zu machen.
(vgl. Decker 2006, S. 82) Der Umgang mit diesem Thema im Sozialkundeunterricht stellt Lehrkräfte
vor neue Herausforderungen.
3. Analyse der Problemstellung
3.1. Fallbeispiel
Die Fallanalyse bezieht sich auf den Sozialkunde-Unterricht der Jahrgangsstufe 9 an einer Regionalen
Schule. Hier erleben die Schüler erstmals Berührungspunkte mit der Parteienlandschaft Deutschlands.
Bisher haben sie nur durch Gespräche mit den Eltern und den Medien Erfahrungen sammeln können.
Um die Vielfalt und die zu vertretende Meinung der verschiedenen Parteien darzustellen, wird die
Aufgabe eines Rollenspiels gestellt. Hierbei wird eine Podiumsdiskussion zum Thema der
Flüchtlingsdebatte nachgestellt. Die Lehrkraft hat Karten vorbereitet, auf denen beispielhafte
Argumente dargestellt werden.
Die Vorbereitung in Gruppen und die nachfolgende Diskussion verlaufen konzentriert und ohne
größere Unruhe. Die Diskussion wird erst unsachlich, als es zur Stellungnahme der Gruppe die sich

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zur Partei AfD vorbereitet hat. Die Gruppe stellt ihre Meinung zum Thema überspitzt dar, andere
Schüler widersprechen und unterbrechen. Auf Nachfrage der Schüler ordnet die Lehrkraft die AfD als
rechtspopulistisch ein. Da dieser Begriff noch unbekannt ist, wird die Partei intuitiv als ,,schlecht"
eingeordnet.
3.2. Überwältigungsverbot
,,Es sei nicht erlaubt, die Schülerinnen und Schüler (...) im Sinne unerwünschter Meinungen
zu überrumpeln (...). Dieser Satz bringt eine Selbstverständlichkeit zum Ausdruck. Welche
politischen Bildnerinnen und Bildner würden das Gegenteil behaupten wollen, ohne ihre
Profession dabei hinter sich zu lassen?" (Widmaier/Zorn 2016, S. 142)
Jede Lehrkraft ist auch ein menschliches Wesen, mit eigenen politischen Meinungen und Ansichten,
was von vornherein oftmals in der der ausgeübten Profession einen Konflikt darstellt, der nach dem
Beutelsbacher Konsens eingedämmt werden muss. Doch wiederum belebt eine Lehrkraft mit
überzeugenden, in Frage stellenden Argumenten immer wieder das Unterrichtsgeschehen. Hierbei gilt
es eine Balance zu finden, die den Schülern trotzdem einen Unterricht ermöglicht, in welchem sie
nicht durch die Ansichten der Lehrraft eingeschränkt und beeinflusst werden.
Eine Methode, die gern benutzt wird, um verschiedene Perspektiven zu zeigen und dem Konzentrieren
auf eine Ansichtsweise entgegenzuwirken, ist das Rollenspiel. Ein Rollenspiel beinhaltet immer eine
durch die Lehrkraft vorbereitete Ausarbeitung mit Ansichten, Programmen und Meinungen der
gespielten Rolle. Dies widerspricht im weiteren Sinne bereits dem Überwältigungsverbot des
Beutelsbacher Konsens. Trotz der individuellen Bandbreite an Rollen, werden je nach Schüleranzahl
Ansichten außen vor gelassen. Wie im Fallbeispiel zum Thema ,,Flüchtlingskrise" gibt es hierbei
unzählige Ausführungen, die den Rahmen einer Unterrichtseinheit sprengen. Doch wie entscheidet
eine Lehrkraft, welche Perspektiven im Rollenspiel behandelt werden? Hier geschieht ein erster
Ausdruck der Meinungsübertragung.
Allerdings kann kaum gelehrt, werden ohne Schülern eine Grundlage zu geben. ,,Das Paradox der
unvermeidlichen Überwältigung in jedem Akt des Erklärens ist sogar eine Grundvoraussetzung für die
Existenz pädagogischer Konstellationen überhaupt." (Widmaier/Zorn 2016, S. 143)
Daraus lässt sich schließen, dass das Überwältigungsverbot des Beutelsbacher Konsens zwar durchaus
einen Grundsatz darstellen kann. Allerdings kann dieser nur schwerlich eingehalten werden, da
Lehrkräfte bei Auswahl des Unterrichtsinhaltes immer Entscheidungen nach eigenem Ermessen
treffen müssen.
Ein weiteres Problem besteht in Situationen, in denen rechtsextreme und/oder populistische Aussagen
durch Beeinflussung des Elternhauses oder andere Medien in der Klasse verherrlicht werden. Die
Frage nach der Grenze des Überwältigungsverbots tritt auf. Wo beginnt eine Meinungsübertragung?
,,Rechtsextreme oder rechtspopulistische Positionen kritiklos als Elemente einer
gesellschaftlichen Kontroversen zu betrachten (...) ist mit dem Beutelbacher Konsens nicht
vereinbar." (Widmaier/Zorn 2016, S. 184)
Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Beutelsbacher Konsens und Rechtspopulismus
Untertitel
Erreicht der Konsens seine Grenzen?
Hochschule
Universität Rostock
Veranstaltung
Einführung in die Fachdidaktik Sozialkunde
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
8
Katalognummer
V387932
ISBN (eBook)
9783668625044
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fachdidaktik, Sozialkunde, Sozialwissenschaft, Lehramt
Arbeit zitieren
Nane Möller (Autor), 2017, Beutelsbacher Konsens und Rechtspopulismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387932

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