Die vorliegende exegetische Arbeit zu Ex 3,1-14 hat die Literar- und Redaktionskritik als Schwerpunkt.
Die Arbeit ist dreigeteilt: Zunächst wird in Teil I die exegetische Vorarbeit geleistet. Es wird eine Verssegmentierung vorgenommen, worauf aufbauend dann ein narrativer Spannungsbogen entwickelt wird. Abschließend wird in diesem Teil die Perikope in ihren Kontext eingeordnet.
Teil II wird sich mit der Analyse der Perikope und Aspekten der Literar- und Redaktionskritik beschäftigen. Zunächst wird die Perikope unter Anwendung der Neueren Urkundenhypothese analysiert, um anschließend festzustellen, inwiefern verschiedene Redaktionsstufen erkennbar sind. Der letzte Abschnitt wird die Perikope unter der Perspektive des Exoduskompositionsmodells in den Blick nehmen.
Teil III soll die Ergebnisse kritisch verarbeiten, sie zusammenfassend gegenüberstellen und abschließend eine Entscheidung fällen, welcher Ansatz der plausiblere ist
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Verssegmentierung
3. Textgliederung und Nachzeichnung eines Spannungsbogens
4. Kontextualisierung
5. Literarische Quellenschichten anhand der neueren Urkundenhypothese
6. Redaktionelle Bearbeitungsschicht der Quellenschichten
7. Literarische Quellenschichten nach dem Exoduskompositionsmodell
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine exegetische Analyse der Perikope Exodus 3,1–14 durchzuführen, wobei der Schwerpunkt gezielt auf der Literar- und Redaktionskritik liegt. Dabei wird untersucht, wie durch die Verwebung verschiedener Quellenschichten und redaktioneller Eingriffe der Berufungsbericht des Mose strukturiert wurde und welche theologischen Absichten dahinterstehen.
- Exegetische Vorarbeit mittels Verssegmentierung und Spannungsanalyse.
- Analyse der Perikope auf Basis der Neueren Urkundenhypothese.
- Untersuchung der redaktionellen Bearbeitungsschichten.
- Kritische Gegenüberstellung mit dem Exoduskompositionsmodell nach Rainer Albertz.
Auszug aus dem Buch
3. Textgliederung und Nachzeichnung eines Spannungsbogens
Die Berufung Mose zeigt einen klaren Spannungsbogen auf, der nicht zuletzt durch das Aufgreifen von verschiedenen Motiven begründbar ist. Zunächst wird in den Versen 1a – 3b in die Situation eingeführt. Ein Handlungsträger der Perikope, Mose, wird eingeführt und geographisch verortet („und er kam an den Berg Horeb“). Die Einleitung nimmt ihren Höhepunkt in der Erscheinung eines Engels in einer Flamme aus einem Dornenbusch, wobei auffällt, dass es „der“ Dornenbusch heißt, also ein bestimmter Artikel vor ihm steht ohne dass der Busch zuvor eingeführt worden ist.
Ab V 4a lässt sich der Beginn eines Mittel- bzw. Hauptteiles feststellen. Es kommt zur Theophanie und direkten Rede Gottes an Mose. Diese Rede hat einen appellativen Charakter. In den folgenden Versen 4b – 10b werden verschiedene Motive aufgegriffen und der Mittelteil steuert durch die argumentative Struktur der Gottesrede auf einen Höhepunkt zu: Die Berufung Mose in V 10a – 10b. Die angesprochenen Motive führen durch den Hauptteil: In V4a – 4d lässt sich die Theophanie verorten: Gott erscheint dem Mose und redet ihn direkt an. Die darauffolgenden Verse stellen eine Identifizierung Gottes mit dem Gott der Väter dar, um anschließend ab V7a die Verheißung der Befreiung aus Ägypten zu verbalisieren, um darauf Mose in den Versen 10a – 10b zu berufen, diese Verheißung zu erfüllen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Perikope Ex 3,1-14 als Berufungsbericht des Mose und Erläuterung der dreigeteilten methodischen Vorgehensweise.
2. Verssegmentierung: Durchführung einer syntaktischen und inhaltlichen Neueinteilung der Verse zur Vorbereitung der exegtischen Analyse.
3. Textgliederung und Nachzeichnung eines Spannungsbogens: Analyse des narrativen Aufbaus der Perikope von der Exposition bis zum Höhepunkt der Berufung.
4. Kontextualisierung: Einordnung der Perikope in den weiteren Zusammenhang des Pentateuchs und des Buches Exodus.
5. Literarische Quellenschichten anhand der neueren Urkundenhypothese: Identifikation von Kohärenzstörungen und Zuordnung der Textteile zu den Quellenschichten des Jahwisten (J) und Elohisten (E).
6. Redaktionelle Bearbeitungsschicht der Quellenschichten: Untersuchung der redaktionellen Prozesse, die zur Verwebung der Traditionen und zur Schaffung intertextueller Kontinuitäten führten.
7. Literarische Quellenschichten nach dem Exoduskompositionsmodell: Anwendung des Modells von Rainer Albertz auf die Perikope und Diskussion der verschiedenen Entstehungsstufen.
Schlüsselwörter
Exodus, Mose, Berufungsbericht, Literarkritik, Redaktionskritik, Jahwist, Elohist, Urkundenhypothese, Exoduskompositionsmodell, Theophanie, Gottesname, Horeb, Pentateuch, Exegese, Bibelwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der exegetischen Analyse der biblischen Perikope Ex 3,1–14, die den Berufungsbericht des Mose schildert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die literarkritische Untersuchung der Quellenschichten, die redaktionelle Bearbeitung des Textes sowie die Frage nach dessen historischer und theologischer Einbettung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, durch Anwendung der Neueren Urkundenhypothese und des Exoduskompositionsmodells aufzuzeigen, wie der Text entstanden ist und welche Intentionen die Redaktoren verfolgten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es kommen Methoden der Verssegmentierung, der literarkritischen Analyse sowie der Vergleich verschiedener exegetischer Modelle zur Textgenese zum Einsatz.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Verssegmentierung, eine Spannungsbogenanalyse, die Kontextualisierung, die quellenkritische Differenzierung (J/E) sowie die kritische Prüfung der redaktionellen Schichten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Quellenschichten, Redaktionsstufen, Exoduskomposition, Jahwist, Elohist, Theophanie und intertextuelle Kontinuität.
Wie unterscheidet sich das Modell von Albertz von der Urkundenhypothese?
Während die Urkundenhypothese von größeren, zusammenhängenden Quellenwerken ausgeht, betrachtet das Modell von Albertz den Pentateuch eher als Ergebnis einer schrittweisen Ergänzung kleinerer Erzählkompositionen.
Warum wird der Begriff "Horeb" in der Analyse als Indiz für Redaktion gewertet?
Die Bezeichnung "Horeb" wird im Kontext als deuteronomische Ersetzung des Berges Sinai gedeutet, um eine Kontinuität zum Deuteronomium und dem Abschluss des Pentateuchs herzustellen.
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- Lars-Steffen Meier (Autor), 2012, Exegese zu Ex 3,1-14 mit Schwerpunkt auf der Literar- und Redaktionskritik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387949