[...] Ziel dieser Arbeit ist es, mit Hilfe der Organisationsökologie die Gründungswelle in der Spezialisten-Hotellerie evolutionsökonomisch zu erklären. Hierzu bietet die Organisationsökologie verschiedene Ansätze. [...] Zunächst wird in die Organisationsökologie kurz eingeführt. In Anlehnung an biologische Konzepte werden Populationen als Analyseeinheiten gewählt, im Rahmen dieser Arbeit die Hotellerie; die Organisationen sind die Hotels. Darauf folgend werden Formen der Hotellerie vorgestellt. Im Anschluss daran wird die Hotellerie aus evolutionsökonomischer Sicht betrachtet. Die oben genannten Ansätze der Organisationsökologie werden auf die Hotellerie übertragen. Entsprechend dem Dichteabhängigkeitsmodell wird die Entwicklung der Hotellerie in eine Phase zunehmender Legitimation und in eine Phase zunehmenden Wettbewerbs unterteilt. Anschließend soll anhand des Konzeptes der ökologischen Nische gezeigt werden, wie die Veränderung der Umwelt durch gewandelte Ansprüche der potentiellen Hotelgäste zur Öffnung von Nischen auf dem Hotelmarkt führt. Diese Marktnischen führen zu einer erhöhten Vielfalt der Organisationsformen innerhalb der Hotellerie. Mit Hilfe der Theorie der Ressourcenteilung soll das Nebeneinander der Generalisten- und der Spezialisten-Hotellerie erklärt werden. Die gewonnenen Erkenntnisse dienen der Zielerreichung dieser Arbeit und sollen die Gründungswelle in der Spezialisten-Hotellerie evolutionsökonomisch erklären. Betrachtet wird der Hotelmarkt Deutschland. Als Beispiel dient der Berliner Hotelmarkt. Den Abschluss bildet eine Zusammenfassung mit Ausblick.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DIE ORGANISATIONSÖKOLOGIE
2.1 Einordnung der Organisationsökologie in die Gründungsforschung
2.2 Die Evolution von Organisationen und Populationen
3 FORMEN DER HOTELLERIE
3.1 Das Hotel
3.2 Die Generalisten-Hotellerie
3.2.1 Die Hotelkette
3.2.2 Die Hotelkooperation
3.2.3 Die Markenhotellerie
3.3 Die Spezialisten-Hotellerie
4 DIE HOTELLERIE AUS EVOLUTIONSÖKONOMISCHER SICHT
4.1 Das Dichteabhängigkeitsmodell
4.1.1 Theoretischer Rahmen
4.1.2 Die Phase der Legitimation
4.1.3 Die Phase zunehmenden Wettbewerbs
4.2 Das Konzept der ökologischen Nische
4.2.1 Theoretischer Rahmen
4.2.2 Die Öffnung von Nischen
4.2.3 Marktsegmente in der Hotellerie
4.3 Die Theorie der Ressourcenteilung
4.3.1 Theoretischer Rahmen
4.3.2 Spezialisten- und Generalistenmärkte
4.3.3 Kundenorientierung
4.3.4 Kulturelle Ablehnung von Massenprodukten
4.3.5 Demonstrativer Statuskonsum
4.4 Beispiel: Der Berliner Hotelmarkt
4.4.1 Charakteristika
4.4.2 Entwicklung
4.4.3 Die Öffnung von Nischen
4.4.4 Spezialisten-Hotellerie
5 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Diese Diplomarbeit untersucht die Gründungswelle in der Spezialisten-Hotellerie und erklärt diese mit Hilfe der Organisationsökologie. Ziel ist es, durch die Analyse von Marktveränderungen und Wettbewerbseffekten evolutionsökonomische Gründe für das Entstehen kleiner, spezialisierter Hotelformen neben den dominierenden großen Generalisten-Ketten zu identifizieren.
- Anwendung der Organisationsökologie auf die Hotellerie
- Differenzierung zwischen Generalisten- und Spezialisten-Hotellerie
- Analyse von Dichteabhängigkeit und Ressourcenteilung im Hotelmarkt
- Bedeutung der Nischenöffnung durch veränderte Gästeansprüche
- Fallstudie: Analyse des Berliner Hotelmarktes
Auszug aus dem Buch
4.3.4 Kulturelle Ablehnung von Massenprodukten
Die kulturelle Ablehnung von Massenprodukten innerhalb der Ressourcenteilung wurde zuerst in der Studie der amerikanischen Bierbrauindustrie aufgegriffen. In dieser Studie erwies sich für die großen Brauereien deren Identität als Massenfabrikanten als problematisch. Diese Identitätsprobleme beinhalten Fragen der Tradition und der Authentizität und können auch nicht durch eine Verbesserung der Qualität ausgeschaltet werden. Zur Erklärung dafür, dass Konsumenten auf Grund der Identität der Organisationsform kaufen, anstatt den Schwerpunkt auf die Produkteigenschaften zu legen, werden unter anderem folgende, theoretische Spekulationen angeboten:
Die Konsumenten haben ein größeres Vertrauen in kleine Organisationen. Eventuell ist dieses Vertrauen durch negative Erfahrungen mit großen Organisationen verbunden.
Konsumenten protestieren durch ihre Kaufentscheidung möglicherweise gegen die Massengesellschaft, ihre Herstellungsverfahren und ihre Großunternehmen.
Konsumenten erhoffen sich durch den Konsum des Nischenprodukts Statusgewinn aufgrund ihres Expertenwissens. Expertenwissen hier aber heißt, einfach mehr zu wissen als andere. Die öffentliche Zurschaustellung dieses Wissens bringt normalerweise Anerkennung und Status mit sich. Auch werden die möglicherweise ungewöhnlichen, jedoch durchaus attraktiven Produkteigenschaften auf die konsumierende Person übertragen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung skizziert den Wandel im Hotelmarkt vom Verkäufer- zum Käufermarkt und führt in die Fragestellung ein, warum sich trotz Konzentrationstendenzen vermehrt spezialisierte Kleinbetriebe etablieren.
2 DIE ORGANISATIONSÖKOLOGIE: Dieses Kapitel verankert die Arbeit in der theoretischen Forschung, indem es die Organisationsökologie als makrostrukturelle Perspektive zur Erklärung von Gründungsraten und Populationsentwicklungen einführt.
3 FORMEN DER HOTELLERIE: Es erfolgt eine Abgrenzung zwischen traditioneller Hotellerie, Generalisten-Hotellerie (Ketten/Kooperationen) und Spezialisten-Hotellerie, wobei das Leistungsangebot als primäres Differenzierungskriterium dient.
4 DIE HOTELLERIE AUS EVOLUTIONSÖKONOMISCHER SICHT: Dieser Hauptteil analysiert mittels Dichteabhängigkeitsmodell, Nischenkonzept und Theorie der Ressourcenteilung die Dynamik des Hotelmarktes und verifiziert diese anhand des Berliner Fallbeispiels.
5 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach sich der Hotelmarkt in Spezialisten- und Generalistenmärkte teilt, und gibt einen Ausblick auf die fortwährenden Konzentrationsprozesse.
Schlüsselwörter
Organisationsökologie, Hotellerie, Spezialisten-Hotellerie, Generalisten-Hotellerie, Gründungswelle, Dichteabhängigkeitsmodell, ökologische Nische, Ressourcenteilung, Marktsegmente, Markenhotellerie, Kundenorientierung, Statuskonsum, Berlin, Hotelmarkt, Wettbewerb
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Phänomen, warum in einem Markt, der von großen Hotelketten dominiert wird, gleichzeitig eine Gründungswelle kleiner, hochspezialisierter Hotels stattfindet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Anwendung evolutionsökonomischer Theorien (Organisationsökologie) auf die Hotellerie, die Abgrenzung von Marktformen sowie die Analyse von Konsumtrends.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, die Gründungswelle in der Spezialisten-Hotellerie evolutionsökonomisch zu erklären und die Koexistenz von kleinen Nischenanbietern und großen Ketten zu begründen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird der theoretische Rahmen der Organisationsökologie genutzt, insbesondere das Dichteabhängigkeitsmodell und die Theorie der Ressourcenteilung, ergänzt durch eine Fallstudie zum Berliner Hotelmarkt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Modelle erläutert und auf die Hotellerie angewendet, um zu zeigen, wie Umweltveränderungen und Gästeansprüche zur Öffnung von Nischen führen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Organisationsökologie, Nischenstrategie, Spezialisten-Hotellerie, Ressourcenteilung und Konzentrationsprozess beschreiben.
Warum wird der Berliner Hotelmarkt als Beispiel herangezogen?
Berlin wird gewählt, weil der Markt als besonders dynamisch gilt und die Theorie der Ressourcenteilung durch eine hohe Vielfalt an Spezialisten-Hotels wie Kunst- oder Frauenhotels exemplarisch bestätigt.
Welche Rolle spielt die Standardisierung für Generalisten?
Die Standardisierung ermöglicht Generalisten Skalenvorteile und reduziert die Unsicherheit des Gastes, führt jedoch zu einer Homogenisierung des Angebots, was wiederum Nischen für Spezialisten öffnet.
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- Corinne Röhrig (Author), 2004, Zur Gründungswelle in der Spezialisten-Hotellerie - eine evolutionsökonomische Erklärung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38794