Antisemitismus linker Parteien der Weimarer Republik


Hausarbeit, 2017
10 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

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Einleitung
Meine Hausarbeit behandelt das Thema, inwiefern in linken Parteien der Antisemitismus
benutzt wurde und ob damit auch Wahlkampf im Jahr 1924 gemacht wurde. Hierbei werde
ich zuerst das bekannte nationalsozialistische Wahlplakat ,,Der Drahtzieher, ein Jude"
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des
Völkischen Blocks aus dem Jahr 1924 mit Hilfe des Interpretationsmodells nach Panofsky
bearbeiten. Außerdem beschreibe ich dabei, wodurch sich diese Fragestellung ergeben hat. Im
Folgenden untersuche ich dann die Kommunistische Partei Deutschlands und deren Zeitung
,Die Rote Fahne` auf antisemitische Aussagen. Danach gehe ich auf Aussagen von Politikern
der KPD ein. Als nächstes werde ich kurz die Sozialdemokratische Zeitung ,Vorwärts` und
einen Sozialdemokratischen Politiker auf antisemitische Aussagen untersuchen und ein Fazit
ziehen, in dem ich die Frage beantworte.
Interpretation eines Nationalsozialistischen
Wahlplakates mit antisemitischer Darstellung nach
Panofsky
Das von mir behandelte Plakat ,,Der Drahtzieher, ein Jude" stammt aus dem Jahr 1924. Auf
dem Bild sieht man einen überdimensional groß dargestellten Mann. Er hat einen dicken
Bauch. Außerdem trägt der Mann einen weißen Anzug mit grauem Jackett und eine schwarze
Krawatte. An seinem Anzug ist, mit Hilfe einer Kette, ein Judenstern auf Bauchhöhe
befestigt. Des Weiteren trägt er einen schwarzen Hut. Sein alt aussehendes Gesicht hat eine
große, krumme Nase. Um den Mann herum sind viele Menschen. Die Köpfe der Menschen
sind in etwa auf Kniehöhe des groß dargestellten Mannes. Der Mann hält unzählige
Marionettenfäden in der Hosentasche fest. Diese Marionettenfäden sind mit den Menschen
verbunden. Im Hintergrund sieht man Industriegebäude, welche schwarz dargestellt sind, mit
neun schwarzen Schornsteinen. Aus diesen Schornsteinen kommt grauschwarz dargestellter
Rauch, der in den rot gefärbten Himmel aufsteigt.
Historisch betrachtet war die Weimarer Republik 1924 in einer wirtschaftlichen
Stabilisierungsphase. Allerdings deutet die Tatsache, dass im Jahr 1924 zwei Wahlen in der
1
Völkisch Sozialer Block, Der Drahtzieher ein Jude, 1924, Stiftung Schloß Friedenstein Gotha: Museum für
Regionalgeschichte
und
Volkskunde
Schloß
Friedenstein,
http://www.museum
digital.de/thue/singleimage.php?objektnum=1588&imagenr=2302, 14.03.2017, 23:10

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Weimarer Republik stattfanden darauf hin, dass die politische Lage angespannt war. Hierbei
kann man aber sagen, dass ,,sich die innenpolitische Lage [beruhigte], während Kunst und
Kultur eine Blütezeit erlebten."
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Der große Mann wird auf dem Plakat als Drahtzieher bezeichnet. Unter dem Bild werden
Kopf- und Handarbeiter dazu aufgefordert, den Völkischen Block zu wählen. Im Völkischen
Block ist unter anderem die zu dem Zeitpunkt verbotene Nationalsozialistische Deutsche
Arbeiterpartei aktiv. Der Schriftzug des ,Völkischen Block` ist schwarz in einem roten
Kasten. Rechts und links davon ist jeweils ein Hakenkreuz in schwarz.
Es ist offensichtlich, dass der überdimensional dargestellte Mann einen Juden darstellen sein
soll. Nicht nur der Judenstern belegt diese These. Auch der dicke Bauch deutet auf eine
antisemitische Darstellung hin. Hinzuzufügen ist, dass das Tragen eines Anzugs auf einen
Geschäftsmann hinweisen soll. Jüdische Geschäftsmänner sollen sehr wohlhabend sein. Dies
soll neben dem Anzug auch der dicke Bauch verdeutlichen. Aufgrund dessen werden sie von
Nationalsozialisten zu den Feinden der Arbeiter verklärt. Bei den aufgeforderten Kopf- und
Handarbeitern handelt es sich um Intellektuelle und Arbeiter. Für beide Gruppen soll der Jude
als Feindbild inszeniert werden. Sein Blick ist gegenüber den Menschen erhaben. Er hat die
Masse an Arbeitern und auch die Industrie im Blick. Des Weiteren kann er die Arbeiter mit
Hilfe der Marionettenfäden kontrollieren und steuern. Ein weiterer Beleg dafür, dass es sich
um ein antisemitisches Bild eines Juden handelt, ist die so genannte ,Judennase`. Diese ist
besonders groß und krumm oder buckelig. Die Darstellung einer jüdischen Nase in dieser
Form ist schon ein sehr altes Phänomen und wurde von den Nationalsozialisten als Symbol
weiterverwendet.
Der rot dargestellte Himmel kann darauf hinweisen, dass es sich bei dem bis in den Himmel
ragenden Juden um eine Gefahr handelt. Die Farbe Rot steht unter anderem für Gefahr und
wird hier nicht zufällig als Farbe für den Himmel gewählt sein. Sein Blick, welcher der Masse
gegenüber erhaben ist, ist in diesem Zusammenhang als Beweis dafür anzusehen, dass der
Jude die Masse an Menschen im Blick hat, sie mit Hilfe der Marionettenfäden kontrollieren
kann aber niemals den Menschen dienen würde. Auch damit wird versucht, ihn als Feind des
Volkes darzustellen. Er soll als wohlhabender, aber gieriger Mann dargestellt werden. Sein
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Reinhard Sturm, Zwischen Festigung und Gefährdung 19241929, 2011,
http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/dossiernationalsozialismus/39534/zwischenfestigung
undgefaehrdung19241929, 14.03.2017, 23:02

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gut sitzender Anzug mit Jackett zeigt, dass er nicht verarmt war. Sein dicker Bauch bestätigt
dies und ebenso auch seine Gier. Auch damit wurde versucht zu zeigen, dass es sich bei Juden
um Feinde der Republik und des Volkes handelt. Hierzu gilt es zu sagen, dass der Jude aber
scheinbar die Kontrolle über die Menschen innehat.
Bei diesem Plakat handelt es sich um ein bekanntes Beispiel von einem antisemitischen
Plakat. Es ist ein Plakat von Nationalsozialisten. Diese sind bekannt für ihr antisemitisches
Gedankengut. Dies wirft bei mir die Frage auf, ob es auch antisemitisches Gedankengut in
den linksorientierten oder gar antifaschistisch-kommunistischen Parteien bis zum Wahljahr
1924 gab.
Kommunistische Partei Deutschlands
Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) ist eine, ,,als Abspaltung von
der SPD gegründete radikale Partei, die eine proletarische Revolution anstrebte."
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Sie wurde
am 31.12.1918/01.01.1919 von der Jüdin Rosa Luxemburg, Paul Levi und Karl Liebknecht
gegründet. Im Jahr 1956 ,,stellte [...] das Bundesverfassungsgericht fest, dass die Ziele der
KPD unvereinbar mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung sind, die Partei also
verfassungswidrig und damit verboten ist."
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Die KPD war eine antikapitalistische Partei.
Die Rote Fahne zur Judenfrage
Die zur Zeit der Weimarer Republik erschienene parteinahe Zeitung nannte sich ,Die Rote
Fahne`. In der täglich erschienenen Zeitung finden sich viele Berichte, die die Attitüde der
Partei zur so genannten ,Judenfrage` verdeutlicht. Grundlegend verstand die KPD
,,kapitalistische Machtverhältnisse [...] nicht als eine strukturelle Macht, sondern als offene
Herrschaftsform des ,Kapitals` über Arbeiterinnen und Arbeiter."
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Damit wird deutlich, dass
die KPD ,,den ,Arbeitern` generell eine kommunistische Haltung unterstellt."
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Falls Arbeiter
und Arbeiterinnen nicht nach kommunistischen Vorstellungen handelten, so wurden sie als
,,käuflich, ehrlich, bestechbar - wie ,Judas`"
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diffamiert. Hierbei handelt es sich bereits um
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Eckart Turich, KPD, 2011, http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/pocketpolitik/16470/kpd, 14.03.2017,
22:56.
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Ebd. 14.03.2017, 22:56.
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Olaf Kistenmacher, Vom ,Judas` zum ,Judenkapital`, in: Matthias Brosch (Hg.), Michael Elm (Hg.), Brigitta E
Simbürger (Hg.), Norman Geißler (Hg.), Oliver von Wrochem (Hg.), Exklusive Solidarität: Linker
Antisemitismus in Deutschland. Vom Idealismus zur Antiglobalisierungsbewegung, Berlin, 2007, S.76.
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Ebd. S. 76.
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Olaf Kistenmacher, Vom ,Judas` zum ,Judenkapital`, in: Matthias Brosch (Hg.), Michael Elm (Hg.), Norman
Geißler (Hg.), Brigitta E Simbürger (Hg.), Oliver von Wrochem (Hg.), Exklusive Solidarität: Linker
Antisemitismus in Deutschland. Vom Idealismus zur Antiglobalisierungsbewegung, Berlin, 2007, S.76.

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eine antisemitische Aussage. Allerdings ,,muss berücksichtigt werden, in welcher historischen
Situation Ausdrücke aus dem Judenfeindlichen Diskurs [...] benutzt werden."
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Als das
Berliner Scheunenviertel durchsucht wurde und dabei ,,ungefähr 300 Jüdinnen und Juden aus
diesem Viertel mit anderen ,Ausländer[n]` in ,Konzentrationslagern` kaserniert"
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wurden,
solidarisierte sich die Rote Fahne mit eben diesen. Insgesamt machte die Rote Fahne ,,die
Kapitalisten zum Feindbild, indem sie Großkapitalisten [...] zu ,Ausländern` machte und
explizit als zur Nation nicht zugehörig erklärte."
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Hierbei wird deutlich, dass auch die
Kommunisten ,,nicht für eine internationale Solidarität standen, sondern für das Nationale, die
Nation."
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Besonders hervorzuheben ist auch die Behauptung der Roten Fahne, Nationalsozialisten und
Juden gehören zusammen. Hiermit meinten sie, dass ,,hinter den Nazis das ,Jüdische Kapital`
stecken würde und dass der Antisemitismus der NSDAP dementsprechend nicht ernst
gemeint"
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sei. Hierbei ist die Karikatur ,,Deutschlands Weg" aus der Roten Fahne relevant.
Die KPD gab vor, ,,den Antisemitismus der Nationalsozialisten zu kritisieren, reproduzierte
[aber] in ihrer vermeintlichen Kritik nicht nur die vorhandenen rassistischen Stereotype vom
,jüdischen` Aussehen, sondern gab ,den Juden` auch noch Schuld an dem Erstarken der
nationalsozialistischen Bewegung."
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Hierbei kam es zur ,,Personifikation des Kapitalismus
mit ,den Juden`".
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Dies wurde in einen Zusammenhang mit dem aufkommendem
Nationalsozialismus gebracht, weil man den Kapitalismus ,,vor allem als offene Herrschaft
darstellte, [daher] musste der Natio-nalsozialismus nicht nur Folge des Kapitalismus, sondern
Folge der direkten Einwirkung von ,Kapitalisten` sein".
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Damit meinte man die ,,jüdischen
Großindustriellen."
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In der Konsequenz solidarisierte sich die Rote Fahne nach ihrer
Karikatur auch nicht mit den Juden sondern behauptete, sie seien ,,an dieser Entwicklung [...]
selbst schuld."
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Hierbei kommt man zu dem Ergebnis, dass die ,,Kommunisten und
Kommunistinnen der Weimarer Republik [...] erkennen [sollten], dass es für sie zwei Feinde
gab: die Nationalsozialisten und ,jüdische Großindustrieelle".
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Des Weiteren veröffentlichte
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Ebd. S. 76.
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Ebd. S. 76.
10
Ebd. S. 77.
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Ebd. S. 77.
12
Ebd. S. 83.
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Ebd. S. 83.
14
Ebd. S. 84.
15
Ebd. S. 84.
16
Ebd. S. 84
17
Ebd. S. 84
18
Olaf Kistenmacher, Vom ,Judas` zum ,Judenkapital`, in: Matthias Brosch (Hg.), Michael Elm (Hg.), Norman
Geißler (Hg.), Brigitta E Simbürger (Hg.), Oliver von Wrochem (Hg.), Exklusive Solidarität: Linker
Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Antisemitismus linker Parteien der Weimarer Republik
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)
Note
2,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
10
Katalognummer
V387978
ISBN (eBook)
9783668618985
ISBN (Buch)
9783668618992
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
antisemitismus, parteien, weimarer, republik
Arbeit zitieren
Marvin Block (Autor), 2017, Antisemitismus linker Parteien der Weimarer Republik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387978

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