Schnitzlers Werke entstanden in den Wiener Verhältnissen des 19. Jahrhunderts, in welchen Frauen den Männern untergeordnet waren. Er konstruierte mehr als zweihundert Frauenfiguren, die wie "Puppen in einem männlichen Welttheater funktionieren mussten". Obwohl denkbar ist, dass Schnitzler als Mann selbst Teil dieses Systems war, scheint es, als würde Schnitzler die Welt durch die Augen seiner weiblichen Figuren sehen und verstehen. Er schreibt über Frauen, die leidvoll ihre Bedürfnisse, Wünsche und Empfindungen unterdrücken müssen.
In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, wie Schnitzler die Innenwelt - also die Gedanken und Gefühle - von Frauen in seinen Werken "Fräulein Else", "Traumnovelle" und "Therese - Chronik eines Frauenlebens" darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kulturhistorischer Hintergrund
3. Inhaltliche Vorstellung der Werke
3. 1 Fräulein Else
3.2 Traumnovelle
3.3 Therese - Chronik eines Frauenlebens
4. Analysekategorie: Erzähltechnik
4.1 Fräulein Elses Innerer Monolog
4.1.1 Zwischenfazit
4.2 Die direkte Rede der Albertine
4.2.1 Zwischenfazit
4.3 Die erlebte Rede bei Therese
4.3.1 Zwischenfazit
4.4 Vergleichende Bezüge zwischen den drei Frauenfiguren
5. Analysekategorie: Traum
5.1 Freud, Schnitzler und der Traum
5.2 Albertines erotischer Traum
5.2.1 Zwischenfazit
5.3 Elses Tag- und Schlafträume
5.3.1 Zwischenfazit
5.4 Thereses Tagträume als Fluchtversuch
5.4.1 Zwischenfazit
5.5 Vergleichende Bezüge zwischen den drei Frauenfiguren
6. Analysekategorie: Moral, Erotik und Sexualität
6.1 Sexualforschung und Frauenbild um 1900
6.2 Else - eine Jungfrau mit erotischen, exhibitionistischen Phantasien
6.2.1 Elses Hysterie als vom Patriarchat konstruiertes Konzept zur Unterdrückung der Frau
6.2.2 Zwischenfazit
6.3 Albertine - Flucht in eine erotische Traumwelt
6.3.1 Zwischenfazit
6.4 Therese - selbstbestimmte Sexualität und Bindungslosigkeit
6.4.1 Zwischenfazit
6.5 Vergleichende Bezüge zwischen den drei Frauenfiguren
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Arthur Schnitzler die Innenwelt weiblicher Charaktere in den Werken "Fräulein Else", "Traumnovelle" und "Therese – Chronik eines Frauenlebens" darstellt und welche Rolle patriarchale gesellschaftliche Strukturen dabei spielen.
- Analyse der angewandten Erzähltechniken (Innerer Monolog, erlebte Rede)
- Untersuchung der Traumdarstellung als psychologisches Instrument
- Betrachtung von Moral, Erotik und Sexualität im Kontext um 1900
- Vergleichende Analyse der Frauenfiguren hinsichtlich ihrer Handlungsspielräume
Auszug aus dem Buch
4.1 Fräulein Elses Innerer Monolog
Um dem Leser einen umfassenden Einblick in Elses Inneres zu gewähren, wählte Schnitzler in der Novelle Fräulein Else die Erzähltechnik des Inneren Monologs. Schnitzler war der erste Autor, der diese Technik in der deutschsprachigen Literatur anwendete. Bisher hatte nur der französische Autor Édouard Dujardin diese Technik in seinem kurzen Roman von 1887 Les Lauriers sint coupés erprobt. Schnitzler nimmt einen Perspektivenwechsel vor: Obwohl er selbst ein Mann ist, beschreibt er die bürgerliche Welt durch die Augen der 19-jährigen Else. Er verwendete diese Erzähltechnik schon in seiner 1900 erschienenen Monolognovelle Leutnant Gustl, doch modifizierte er diese Technik in seinem Werk Fräulein Else. Der Innere Monolog verwendet als Normaltempus das Präsens, als Normalmodus den Indikativ in der ersten Person Singular. Ein verbum credendi (also ein Verb des Denkens) und die Anführungszeichen fehlen. ‚Prinzip ist es, das Figurenbewußtsein selbst 'sprechen' zu lassen: Wahrnehmungen, Empfindungen, Assoziationen aller Art, Erinnerungen, Überlegungen […] ohne ausdrückliche Ankündigung oder Eingriff einer Erzählinstanz 'aufzuzeichnen'.‘ Durch diese extreme Form des personalen Erzählens teilt der Leser die Gedanken und Gefühle von Else, ohne eine vermittelnde Instanz. Diese Erzähltechnik ist besonders geeignet die Innenwelt der Protagonistin darzustellen. Die große Unmittelbarkeit dieser Erzähltechnik wird im folgenden Textausschnitt deutlich, in dem Else Herrn von Dorsday um Geld bittet, nachdem sie das Telegramm ihrer Mutter erhalten hat:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie Schnitzler die Innenwelt von Frauen in seinen drei ausgewählten Werken durch verschiedene Erzähltechniken und Analysekategorien darstellt.
2. Kulturhistorischer Hintergrund: Dieses Kapitel skizziert die Lebensrealitäten und die gesellschaftliche Unterdrückung bürgerlicher Frauen um 1900 sowie deren ökonomische Abhängigkeit von Männern.
3. Inhaltliche Vorstellung der Werke: Hier werden die drei untersuchten Werke – "Fräulein Else", "Traumnovelle" und "Therese – Chronik eines Frauenlebens" – inhaltlich kurz vorgestellt.
4. Analysekategorie: Erzähltechnik: Das Kapitel untersucht, wie durch Techniken wie Inneren Monolog, direkte Rede und erlebte Rede die Innenwelt der Protagonistinnen zugänglich gemacht wird.
5. Analysekategorie: Traum: Dieses Kapitel analysiert die Funktion von Tag- und Schlafträumen bei den Figuren und ihre Verbindung zu Freuds Psychoanalyse, um unterdrückte Bedürfnisse aufzudecken.
6. Analysekategorie: Moral, Erotik und Sexualität: Hier wird der Einfluss der Sexualforschung und des Frauenbildes um 1900 auf die Protagonistinnen sowie deren individueller Umgang mit Erotik und Konventionen betrachtet.
7. Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Schnitzler durch seine Erzähltechniken und die Themenwahl die Probleme und Unterdrückung von Frauen in der bürgerlichen Gesellschaft kritisch beleuchtet.
Schlüsselwörter
Arthur Schnitzler, Fräulein Else, Traumnovelle, Therese, Innenwelt, Erzähltechnik, Innerer Monolog, Traum, Psychoanalyse, Patriarchat, Frauenbild um 1900, Sexualität, Moral, gesellschaftliche Unterdrückung, weibliche Emanzipation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Bachelorarbeit?
Die Arbeit untersucht die Darstellung der weiblichen Innenwelt in drei ausgewählten Werken von Arthur Schnitzler vor dem Hintergrund patriarchaler gesellschaftlicher Strukturen um 1900.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Erzähltechniken (wie der Innere Monolog), die psychologische Bedeutung von Träumen sowie Fragen zu Moral, Erotik und Sexualität.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Schnitzler durch spezifische literarische Mittel die Gedanken, Gefühle und Lebensrealitäten von Frauen in einem repressiven gesellschaftlichen System darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die die Werke entlang der Kategorien Erzähltechnik, Traum sowie Moral und Sexualität untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Analyseschritte, in denen die drei Frauenfiguren (Else, Albertine, Therese) unter den oben genannten Kategorien untersucht und vergleichend gegenübergestellt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Arthur Schnitzler, Innenwelt, Erzähltechnik, Psychoanalyse, Patriarchat und Frauenbild um 1900.
Inwiefern beeinflussen patriarchale Strukturen die Frauenfiguren bei Schnitzler?
Die Arbeit zeigt auf, dass alle drei Frauen in unterschiedlicher Weise unter den Konventionen einer männlich dominierten Gesellschaft leiden, was sich in ihrer Isolation, ihren erotischen Konflikten und ihrer ökonomischen Abhängigkeit widerspiegelt.
Welche Rolle spielt der Traum in der Darstellung von Elses Innenwelt?
Bei Else fungieren Träume als Ventil für angestaute Aggressionen und Ängste sowie als Möglichkeit, der ausweglosen sozialen Situation kurzzeitig zu entfliehen.
Wie unterscheidet sich Albertines Umgang mit ihren Bedürfnissen von dem der anderen Protagonistinnen?
Albertine versucht, ihre Bedürfnisse und erotischen Phantasien durch Kommunikation mit ihrem Ehemann zu thematisieren, was sie als mutiger und emanzipierter als Else oder Therese erscheinen lässt.
Warum wird Therese im Kontext von Bindungslosigkeit und Sexualität betrachtet?
Therese hinterfragt die Ehe kritisch und führt ein sexuell selbstbestimmtes, aber von Isolation und sozialen Abstiegen geprägtes Leben, was sie deutlich von den anderen Figuren unterscheidet.
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- Anonym (Author), 2016, Die Darstellung der Innenwelt von Frauen in Arthur Schnitzlers Werken "Fräulein Else", "Traumnovelle" und "Therese - Chronik eines Frauenlebens", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388123