Historische Entwicklung der Textlinguistik und der textlinguistischen Textualitätskriterien


Hausarbeit, 2017
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ...1
2. Textlinguistik ­ Was ist das? ...2
2.1. Die Vorläufer der Textlinguistik ...3
2.2. Die Hauptphasen der textlinguistischen Anfänge...5
2.2.1. Der transphrastische Ansatz ...5
2.2.2. Der kommunikativ-pragmatische Ansatz ...7
2.2.3. Der kognitivistische Ansatz...8
3. Entwicklung des Textbegriffes...9
3.1. Medialität als Kriterium des linguistischen Textbegriffes ...10
3.2. Kriterium des minimalen und maximalen Umfangs von Texten ...11
3.3. Klassischen Textualitätskriterien...12
4. Zusammenfassung und Schlussfolgerung...15
5. Literaturverzeichnis ...16

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1. Einleitung
Die folgende Hausarbeit befasst sich mit der historischen Entwicklung der
textlinguistischen Textualitätskriterien. In der Textlinguistik wurden in der
Vergangenheit unterschiedliche Kriterien und Definitionen erarbeitet, um zu
beschreiben, wann ein Text als solcher wirklich gilt. Um jedoch die Ansätze zu
verstehen, muss dargestellt werden was Textlinguistik überhaupt ist und mit welchen
Fragestellungen sie sich beschäftigt. Auf diese Thematik wird im zweitem Kapitel
näher eingegangen. Außerdem werden die Vorläufer der Textlinguistik dargestellt und
die drei historischen Hauptphasen erläutert.
Das dritte Kapitel befasst sich mit der Entwicklung des Textbegriffes. Hier werden die
wichtigsten Definitionen benannt und erläutert. Unteranderem werden
Definitionsversuche von Roland Harweg, Eugenio Coseriu, Wolfgang Dressler und
Robert-Alain de Beaugrande, Markus Nussbaumer, Klaus Brinker, sowie Heiko
Hausendorf, in Hinblick auf die wichtigsten Streitpunkte, dargestellt. Die Wahl der
Autoren richtet sich hier nach der Auswahl aus dem Seminar zu den Grundlagen der
Kommunikationsanalyse und orientiert sich größtenteils an Kirsten Adamziks
einführenden Darstellung der Textlinguistik. Danach wird detaillierter auf die
klassischen Kriterien der Textualität nach Beaugrande und Dressler (1981)
eingegangen, da sich diese als wichtigster Bezugspunkt für die Auseinandersetzung
mit Texten bzw. dem Textbegriff etabliert haben. Das vierte und letzte Kapitel dient
der kurzen Zusammenfassung.
Motivation für die Wahl des Themas dieser Hausarbeit war die Sitzung zur
Textlinguistik, sowie die Pflichtlektüre ,,Kleine Texte. Über Randerscheinungen von
Textualität"
von
Heiko
Hausendorf
des
Seminars
,Grundlagen
der
Kommunikationsanalyse 1`. Im Alltag begegnen einem überall und ständig Texte. Es
wird aktiv, beispielsweise beim Lesen von Büchern oder Zeitungen, sowie beim
Verfassen von kurzen Nachrichten oder wie hier einer Hausarbeit für sein Studium,
auf Texte gestoßen. Aber auch passiv, zum Beispiel beim Vorbeilaufen einer Tür, an
der ein Schild mit der Aufschrift ,,Gleich wieder da!" hängt. Texte sind beständige
Mittel, um vergangenes oder zukünftiges festzuhalten und anderen mitzuteilen. Die
Textlinguistik verdient daher große Aufmerksamkeit und hat mein Interesse geweckt.

2
2. Textlinguistik ­ Was ist das?
Die Textlinguistik gilt als eine der jüngsten Teildisziplinen. Im Mittelpunkt der
textlinguistischen Forschung steht der deutsche Sprachraum. Die junge linguistische
Disziplin entwickelte sich erst Mitte der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts. Es wird auch
von linguistischer Textanalyse gesprochen, die als Ziel die Beschreibung des
grammatischen und thematischen Aufbaus hat. Außerdem sollen die kommunikativen
Funktionen konkreter Texte transparent gemacht und nachprüfbar dargestellt werden.
(vgl. Brinker, 2010:9). Teun van Dijk bezeichnet die Textlinguistik als ,,jedwede
sprachwissenschaftliche Arbeit, die dem Text als primärem Forschungsobjekt
gewidmet ist." (van Dijk zit. n. Beaugrande & Dressler, 1981:15). Textlinguistik ist
,,keine Bezeichnung für eine einzelne Theorie oder Methode" (ebd.), sondern ist ,,in
gewisser Hinsicht nicht viel mehr als ein Name für sehr unterschiedliche
Betrachtungsweisen." (Coseriu, 1985:5). Nach Adamzik ,,gehört die Arbeit mit und an
Texten [...] zu den ältesten Anliegen der Auseinandersetzung mit menschlichen
Geistesprodukten." (Adamzik, 2004:1).
Den Begriff ,Textlinguistik` hat zuerst Harald Weinrich im Jahr 1967 eingeführt. Er
vertrat die These, dass sämtlich linguistischen Forschungen vom Text ausgehen. (vgl.
Sowinski, 1983:21). Die Textlinguistik, als neue linguistische Teildisziplin, führte
Peter Hartmann im Jahr 1968 ein. Dieser war der Ansicht, dass
,,(1) die Allgemeine Sprachwissenschaft oder Linguistik in einer heute
charakteristischen Situation und Position zeigen [...], (2) die Konzeption und
Ausbildung einer Textorientierten Sprachwissenschaft als eine damit nötige und
sinnvolle Konsequenz darstellen [...], und (3) darüber hinaus in Form eines originär
sprachwissenschaftlichen Beitrags eine Perspektive der weiteren Aussichten und einer
Wertsteigerung [!] der Linguistik andeuten" (Hartmann, 1968 in Dressler, 1978:93f.)
Neben der Frage, was ein Text ist, beschäftigt sich die Textlinguistik auch mit
Fragestellungen, wie ab wann ein Text als abgeschlossen gilt. Für jeden ist klar, dass
eine wissenschaftliche Ausarbeitung ein Text ist. Gilt jedoch auch schon ein Stopp-
Schild als Text oder ist womöglich das ganze Internet ein Text? Weitere
Fragestellungen mit der sich die Textlinguistik beschäftigt wäre die Frage, was der
Sinn eines Textes ist, wozu man einen Text schriftlich oder mündlich äußert, welche
Funktion einzelne Elemente haben oder welche Rolle Texte beim Spracherwerb
spielen, und noch weitere mehr. Man stellt schnell fest, dass sich die Textlinguistik
mit weitaus mehr als der schlichten Analyse von Texten beschäftigt.

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2.1. Die Vorläufer der Textlinguistik
Befasst man sich mit der textlinguistischen Forschungsgeschichte, sind drei wichtige
Vorläufer zu nennen: Die Rhetorik, die Stilistik, sowie die strukturelle Analyse der
Aufbauschemata. (vgl. Dressler, 1973:6).
Die Rhetorik gilt als wohl älteste und bekannteste geistige Strömung. Sie wurde von
den antiken Griechen bis hin zur Neuzeit überliefert und befasst sich mit der Kunst des
Redens, und findet ihre Anwendung auch auf schriftliche Texte. Die antike Rhetorik
unterscheidet sich zwischen der politischen und der juristischen Rede. Die praktische
Redelehre systematisiert die Aufgaben eines Redners, beschreibt diese differenziert
und versucht rhetorische Fähigkeiten methodisch zu vermitteln. In der Rhetorik wurde
seit der Antike gelehrt, wie eine Rede korrekt verfasst wird. Dies wurde in fünf
Schritten geübt: der Inventio, Disposito, Elocutio, Memoria und Actio. Der erste
Schritt befasst sich mit der Entdeckung einer Idee bzw. einem Thema über das worüber
geredet werden soll. Im zweiten Schritt erfolgt die Anordnung der Ideen, indem die
Ideen geordnet werden. Der dritte Schritt befasst sich mit der Entwicklung von
passenden Ausdrücken und Möglichkeiten der Darstellung seiner Ideen. Im vierten
Schritt versucht der Rhetoriker sich seine Rede im Gedächtnis einzuprägen. Die Rede
wird auswendig gelernt, um sie dann, im fünften Schritt, frei und ausdrucksvoll beim
Redeanlass vorzutragen. (vgl. Dressler, 1973:15f.). In der Rhetorik werden demnach
die wichtigsten Faktoren für ,,kommunikativ erfolgreiches Handeln angesprochen."
(Adamzik, 2004:8). Allerdings stellt sich die Frage, ob die Rhetorik wirklich als
Vorläufer gilt. K. Adamzik geht aus zwei Gründen vom Gegenteil aus. Zum einen ist
sie der Ansicht, dass sich moderne Textlinguisten selbst nicht als Weiterentwickler der
Rhetorik sehen und sie auch nicht direkt an die Konzepte der Rhetoriker anschließen.
(vgl. ebd.:5) Zum anderen betont sie, dass die Rhetorik aus dem Grund kein Vorläufer
sein kann, da ,,sie als eigenständige Disziplin neben der Textlinguistik fortbesteht."
(ebd.). Auch K. Brinker sieht in der Rhetorik keinen Vorläufer. Vielmehr sieht er ein
,,[...] kooperatives Verhältnis [...], bei dem (i) beide Disziplinen noch aktuell Bestand
haben, (ii) sie ihre Relationen zueinander immer wieder neu beachten und (iii) sie sich
im Verhältnis zu benachbarten Disziplinen dynamisch in divergente Richtungen
weiterentwickeln." (Brinker, 2000:1).
Er versteht die Rhetorik demnach als eine ,,historisch ältere Disziplin" (ebd.), statt als
strikten Vorläufer. W. Dressler hingegen sieht in der Textlinguistik eine Erweiterung
der Rhetorik, nur dass ,,sich die Textlinguistik nicht auf die Untersuchung

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schriftstellerisch, juristisch oder politisch konzipierter Texte [beschränkt]." (Dressler,
1973:5). Aus der mittelalterlichen Rhetorik entwickelte sich zusammen mit der
Grammatik und Philologie die literarische Stilistik, die ebenfalls als Vorläufer der
Textlinguistik gilt.
Die Stilistik lässt sich im Hinblick auf die Elocutio, d.h. dem rhetorischen Schritt zur
Findung von passenden Ausdrücken, um seiner Rede ihren eigenen Stil zu geben, aus
der Rhetorik herleiten. Sie befasst sich demnach mit dem Ausformulieren von Texten.
Die Stilistik analysiert Texte und ist durch traditionelle Denkweisen, wie die
Typisierung von Stilelementen, geprägt. Sie beschäftigt sich mit den verschiedenen
Stilen, mit denen ein Text oder ein gesprächsstilistischer Forschungsgegenstand
beschrieben wird. (vgl. Sandig, 2006).
Der Stilbegriff selbst ist zu komplex, um eine einheitliche Definition festzulegen. Weit
definiert besitzt jede Äußerung ihren eigenen Stil. ,,Stil ist das WIE, die bedeutsame
funktions- und situationsbezogene Variation der Verwendung von Sprache und
anderen kommunikativ relevanten Zeichentypen." (ebd.:1). Es geht bei Stil immer um
kategorisierbare Stile. Sie ,,sind variierende Sprachverwendungen und
Textgestaltungen" (ebd.:2). Es wird sich bei der Erstellung an den Zweck und der
Situation der Verwendung orientiert. Außerdem können Stile frei gewählt werden.
Allerdings ist zu beachten, dass Stil und ihre Beschreibung voneinander zu
unterscheiden sind. Denn die Stilbeschreibung will mit Hilfe der Wissenschaft und
ihren Mitteln klären, ,,was sich als Stilverstehen intuitiv einstellt" (ebd.:3). Bei der
Textlinguistik geht es um die stilistische Interpretation eines Textes und, wie er im
Hinblick auf die Verwendung gestaltet ist.
Zumindest während der frühen Textlinguistik war der Text der Stilistik vorbehalten
(vgl. Dressler, 1973:6). Heute ist die Stilistik zwar weiterhin eng mit der ,modernen`
Textlinguistik verbunden, besteht aber als eigene Teildisziplin fort und ist daher, wie
die Rhetorik, nur bedingt als Vorläufer zu betrachten.
Als dritter Vorläufer gilt nach Dressler die strukturelle Analyse der Aufbauschemata
von Erzählungen, die erst im 20. Jahrhundert entstand (vgl. ebd.). Die Anfänge der
Textlinguistik sind stark strukturalistisch geprägt, da die Textlinguistik versucht hat
über die Satzebene hinauszugehen und den Text als eigene Ebene ,,in der Hierarchie
sprachlicher Einheiten" zu etablieren (Brinker, 2000:29). Harald Weinrich gilt als
einer der frühen deutschen Strukturalisten. Er untersuchte Texte und unterschied
Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Historische Entwicklung der Textlinguistik und der textlinguistischen Textualitätskriterien
Hochschule
Universität Bielefeld
Veranstaltung
Grundlagen der Kommunikationsanalyse
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V388148
ISBN (eBook)
9783668622982
ISBN (Buch)
9783668622999
Dateigröße
602 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunikationsanalyse, Textlinguistik, Linguistik, Textualitätskriterien, Germanistik
Arbeit zitieren
Anika Marie Bittner (Autor), 2017, Historische Entwicklung der Textlinguistik und der textlinguistischen Textualitätskriterien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388148

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