Der Forschungsbereich der interkulturellen Pragmatik als Bestandteil der Pragmalinguistik nimmt seit der pragmatischen Wende eine immer größere Bedeutung in der modernen Sprachwissenschaft ein. Im Zentrum der Analyse steht in diesem Bereich die konkrete Ausgestaltung von insbesondere mündlichen Interaktionen mit spezfischen Sprechakten, die unter anderem aus kulturspezifischer Perspektive betrachtet werden.
Die vorliegende Arbeit behandelt in diesem Kontext konkret die kontrastive Analyse des Sprechakt Aufforderung der beiden Sprachen Deutsch und mexikanisches Spanisch und bezieht bei der Analyse des eigens erhobenen Datenmaterials außerdem genderlinguistische Aspekte mit ein, welches eine neue Art der Betrachtungweise darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 PRAGMALINGUISTIK
2.1 Zur kommunikativ-pragmatischen Wende in der Sprachwissenschaft
2.2 Zur Definitionsproblematik von Pragmatik
3 EIN EINBLICK IN DIE SPRECHAKTTHEORIE NACH SEARLE
3.1 Das Konzept der Sprechakte
3.2 Taxonomie der illokutionären Akte
3.2.1 Aufforderung - ein direktiver Sprechakt
3.2.2 Indirekte Direktiva und ihr Bezug zu sprachlicher Höflichkeit
4 VERBALE HÖFLICHKEIT
4.1 Höflichkeit als Aufrechterhaltung des face – Brown und Levinson
4.1.1 Kalkül des Konfliktpotenzials einer face-Bedrohung
4.1.2 Höflichkeitsstrategien zur Reduzierung eines FTA
4.2 Höflichkeit im hispanophonen Sprachraum
4.2.1 El Programa EDICE
4.2.2 Autonomía y afiliación – Diana Bravo
5 INTERKULTURELLE PRAGMATIK
5.1 Das CCSARP Projekt – Blum-Kulka/House/Kasper
5.2 Kodierungsschema zur Analyse von Aufforderungen
5.2.1 Head Act
5.2.1.1 Strategietypen
5.2.1.2 Perspektive
5.2.2 Interne Modifizierungen
5.2.2.1 Downgrader
5.2.2.2 Upgrader
5.2.2 Aufmerksamkeitserreger
5.2.3 Externe Modifizierungen
6 FORSCHUNGSÜBERBLICK ZUM SPRECHAKT ‚AUFFORDERUNG‘
7 EMPIRISCHER TEIL: KONTRASTIVE ANALYSE DES SPRECHAKTS ‚AUFFORDERUNG’
7.1 Das Korpus
7.1.1 Die Probanden
7.1.2 Der DCT als Datenerhebungsmethode
7.1.3 Die verschiedenen Aufforderungssituationen
7.2 Untersuchungsziel und die zugrundeliegenden Hypothesen
7.3 Auswertung der Daten
7.3.1 Strategiewahl im Head Act
7.3.1.1 Situation 1 – Im Kino
7.3.1.2 Situation 2 – Studium
7.3.1.3 Situation 3 – Schlaflose Nacht
7.3.1.4 Situation 4 – Chefsache
7.3.1.5 Situation 5 – Sein Lieblingsessen
7.3.1.6 Situation 6 – Das geliehene Geld
7.3.1.7 Genderabhängige Ergebnisse
7.3.2 Interne Modifizierungen
7.3.3 Aufmerksamkeitserreger
7.3.4 Externe Modifizierungen
7.3.5 Genderabhängig Ergebnisse – Aufmerksamkeitserreger und interne/externe Modifizierungen
7.4 Interpretation der Daten
7.5 Fazit und Ausblick
8 BIBLIOGRAPHIE
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die kulturspezifischen Merkmale bei der sprachlichen Realisierung des Sprechakts „Aufforderung“ im mexikanischen Spanisch und im Deutschen. Das primäre Ziel besteht darin, Missdeutungen in der interkulturellen Kommunikation zu identifizieren und durch eine kontrastive Analyse von Bittverhalten unter Berücksichtigung soziopragmatischer Variablen wie Macht und Distanz zu erklären.
- Kontrastive Analyse der Sprechaktstrategien (Head Act)
- Einfluss soziopragmatischer Faktoren auf die Höflichkeit
- Untersuchung von internen und externen Modifizierungen
- Analyse genderabhängiger Unterschiede im Bittverhalten
- Methodische Anwendung des Discourse-Completion-Tests (DCT)
- Vergleich der Höflichkeitskonzepte (Brown/Levinson vs. EDICE)
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Aufforderung – ein direktiver Sprechakt
Aufforderungen „kennzeichnen […] den prototypischen Kern des pragmatischen Felds“ (Frank 2011: 27). Sie sind der Oberbegriff für eine Vielzahl verschiedener Handlungsmuster. Darunter seien Ratschläge, Gebote oder auch Bitten zu nennen, weshalb sie in der Literatur auch als „bunter Haufen“ (Hare 1983: 22) bezeichnet werden. Searles Klassifikation zufolge können Aufforderungen der Gruppe der Direktiva zugeordnet werden, da sie den Sprecher zu einer Handlung bewegen.
A request is an illocutionary act whereby a speaker (requester) conveys to a hearer (requestee) that he/she wants the requestee to perform an act which is for the benefit of the speaker (Trosborg 1995: 187).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Problematik interkultureller Kommunikation und Zielsetzung der kontrastiven Analyse deutscher und mexikanischer Aufforderungshandlungen.
2 PRAGMALINGUISTIK: Erläuterung der kommunikativ-pragmatischen Wende in der Sprachwissenschaft und der Definitionsschwierigkeiten des Begriffs Pragmatik.
3 EIN EINBLICK IN DIE SPRECHAKTTHEORIE NACH SEARLE: Grundlagen des Konzepts der Sprechakte und detaillierte Kategorisierung von Aufforderungen als direktive Sprechakte.
4 VERBALE HÖFLICHKEIT: Darstellung der Höflichkeitstheorie nach Brown und Levinson sowie alternative Ansätze zur Höflichkeit im hispanophonen Sprachraum durch das EDICE-Programm.
5 INTERKULTURELLE PRAGMATIK: Vorstellung des CCSARP-Projekts und des methodischen Kodierungsschemas zur detaillierten Analyse von Aufforderungen.
6 FORSCHUNGSÜBERBLICK ZUM SPRECHAKT ‚AUFFORDERUNG‘: Überblick über existierende Studien zu Aufforderungshandlungen und Begründung der Forschungslücke bei der Kombination Mexikanisch/Deutsch.
7 EMPIRISCHER TEIL: KONTRASTIVE ANALYSE DES SPRECHAKTS ‚AUFFORDERUNG’: Empirische Untersuchung anhand eines Discourse-Completion-Tests mit Auswertung von Strategiewahl, Modifizierungen und genderabhängigen Ergebnissen.
8 BIBLIOGRAPHIE: Vollständiges Verzeichnis der für die Arbeit verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Pragmatik, Sprechakt, Aufforderung, Höflichkeit, Mexiko, Deutschland, Bittverhalten, Kontrastive Analyse, Discourse-Completion-Test, Face-Konzept, Soziopragmatik, Strategiewahl, Interne Modifizierung, Externe Modifizierung, CCSARP.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert kontrastiv, wie Studierende aus Deutschland und Mexiko Aufforderungen (Bitten) in verschiedenen Alltagssituationen sprachlich realisieren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit fokussiert auf interkulturelle Pragmatik, Sprechakttheorie, Höflichkeitskonzepte sowie die linguistische Modifizierung von Sprechakten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Bittverhalten der beiden Kulturen aufzuzeigen, um Missverständnisse in der interkulturellen Kommunikation zu verringern.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde ein Discourse-Completion-Test (DCT) als offenes Diskursergänzungsverfahren verwendet, um authentische, schriftlich fixierte Äußerungen zu erheben.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen zu Sprechakten und Höflichkeit erläutert sowie die erhobenen Daten in Bezug auf Strategiewahl, Modifizierungen und Geschlechtsunterschiede detailliert ausgewertet.
Welche Schlüsselwörter beschreiben die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Interkulturelle Pragmatik, Aufforderung, Höflichkeit, Bittverhalten und kontrastive Analyse.
Warum spielt das „Face“-Konzept eine so wichtige Rolle für diese Analyse?
Da Aufforderungen prinzipiell das „Gesicht“ (Face) des Hörers bedrohen können (Face Threatening Act), dienen Höflichkeitsstrategien dazu, diese Bedrohung zu mildern und die soziale Interaktion zu sichern.
Was besagen die Ergebnisse zur Geschlechterspezifik?
Die Analyse zeigt, dass weibliche Probanden beider Kulturen häufiger „positive Politeness“-Strategien nutzen, etwa durch häufigeres Nachfragen nach dem Befinden des Gesprächspartners.
- Arbeit zitieren
- Elaine Bien (Autor:in), 2017, Interkulturelle Pragmatik. Eine kontrastive Analyse des Sprechakts "Aufforderung" in Deutschland und Mexiko, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388169