Die Frau im Mittelalter. Was es bedeutete, eine Frau im Mittelalter zu sein


Seminararbeit, 2014

25 Seiten, Note: 1

Anonym


Leseprobe

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Inhaltsverzeichnis
Vorwort ... 3
1.
Die Stellung der Frau und ihre verschiedenen Lebensformen im Mittelalter: ... 4
2. Die rechtliche Stellung der Frau im Mittelalter: ... 10
2a) Im Frühmittelalter: ... 10
2b) Im hohen und späten Mittelalter: ... 12
3. Mädchenerziehung und Frauenbildung ... 14
4. Die Beginen und ihre Lebensweisen ... 16
4a. Das männliche Pendant zu den Beginen ­ die Begarden: ... 19
4b. Die Haltung der Kirche: ... 20
5. Margarete Porete: ... 21
Resümee: ... 23
Quellen und Abbildungsverzeichnis ... 24

3
Vorwort
Frauen im Mittelalter. Sie wurden unterdrückt, waren demütig, wurden christlich erzogen,
handelten unselbstständig und waren ihrem Mann unterworfen. Diese Klischees finden wir
immer noch in vielen Schulbüchern unserer Zeit und genau dieses Bild, von der Frau im
Mittelalter, wurde mir in meine Schulzeit auch noch vermittelt. Immer wieder betonte meine
Professorin, dass das Mittelalter eine Epoche war, die die Menschen ganz schnell hinter sich
lassen wollten. Eine Zeit die gekennzeichnet war von Hungersnöten und Krankheiten, in der
die Barbaren fürchterlicher Bauwerke im ,,gotischen" Stil errichteten und in der der
Aberglaube und politisches Chaos an der Tagesordnung standen. Es wurde mir der Eindruck
einer eher dumpfen Gesellschaft vermittelt, die über einige Jahrhunderte hinweg von der
Kirche bestimmt wurde. Diese Ablehnung des Mittelalters besaß anscheinend nicht nur meine
Geschichtsprofessorin, sondern sie hielt sich sogar bis weit in das 18. Jahrhundert.
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Erst im
ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhundert, begann man sich mit dieser finsteren Zeit wieder
vermehrt auseinanderzusetzen. In England entstanden die ersten Ritterromane und Bauten im
neugotischen Stil. Plötzlich war es wieder ,,en vogue", sich mit der Zeit, in der treue Ritter
mutige Abenteuer bestanden, um die Liebe ihrer Herzdame noch kämpfen mussten und so
furchtlos durch das Leben gingen wie heutzutage es nur noch James Bond tun würde, zu
beschäftigen. In meiner Seminararbeit soll es nun um die Stellung der Frau im Mittelalter
gehen. Was bedeutete es in der damaligen Zeit eine Frau zu sein? Welche Pflichten, aber auch
welche Rechte räumte man ihr ein? Wie wurde sie behandelt und unter welchen Zwängen litt
und lebte sie? Auf den nächsten Seiten möchte ich nun versuchen, diese und andere Fragen zu
beantworten und ihnen auf den Grund gehen. Auch der Titel meiner Seminararbeit: verliebt ­
verlobt ­ verheiratet? soll uns nicht nur einen bekannten Song Peter Alexanders wieder ins
Gedächtnis rufen, sondern ich werde auch näher auf die verschiedenen Heiratsmodelle und
Möglichkeiten der Frauen im Mittelalter eingehen.
1
Vgl.: OSTER, Uwe. A. : Atlas des Mittelalters. Von der Völkerwanderung bis zur Entdeckung Amerikas.
München: Bucher Verlag 2008,S.7

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1. Die Stellung der Frau und ihre verschiedenen Lebensformen im Mittelalter:
Festzuhalten ist eingangs, dass die Lebensform der Frau im Mittelalter sehr stark von ihrer
Stellung im Gesellschaftssystem abhängig war. Entstammte die Dame aus einer adeligen
Schicht, so verfügte diese über andere Möglichkeiten und Chancen im Leben, als eine
einfache unfreie Bauernmagd. Eine Gleichstellung aller Frauen gab es nicht. Der
Handlungsspielraum der weiblichen Gesellschaft war im Mittelalter von den Männern
bestimmt und geprägt.
2
Weiblich
Geistlich
3
Wie man anhand der Grafik unschwer erkennen kann, waren die beiden wichtigsten,
wenngleich nicht die einzigen Lebensformen zweifellos das Kloster und die Ehe. Ehelosigkeit
war darüber hinaus kein ausschließlich geistliches Phänomen. Es gab auch für unverheiratete
Frauen die Möglichkeit, in ein Kloster einzutreten. Die Klöster waren, das kann man
zweifellos sagen, überwiegend ein integrierter Bestandteil der Adelsgesellschaft. Sie stellten
für die adeligen Frauen nicht nur eine alternative Lebensform gegenüber der Ehe dar, sondern
konnten zugleich auch als Flucht vor dem Ehemann gedeutet werden.
2
Vgl.: AFFELDT, Werner: Frauen in Spätantike und Frühmittelalter. Lebensbedingungen ­ Lebensnormen ­
Lebensformen. Berlin: Jan Thorbecke Verlag GmbH & Co 1990,S.1012
3
Grafik entstammt aus: GOETZ, Hans Werner: Frauen im frühen Mittelalter. Frauenbild und Frauenleben in
Frankreich. Köln: Böhlau Verlag 1995,S.44
Ehefrau
Witwe
Unverheiratete Frau
Klostereintritt
Wiederheirat
Äbtissin
Nonne
Nonne
Diakonisse

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Der Konvent bot unverheirateten Frauen auch oftmals Schutz und ersetzte in vielen Fällen den
behüteten Lebenskreis der Familie. Die Witwen wurden im Mittelalter gerne als ein eigener
Stand bzw. eine eigene Lebensform gesehen. Sie waren zwar Ehefrauen gewesen, näherten
sich nach der theologischen Heilstheorie aber wieder den Jungfrauen an. So bildeten sie eine
Art Verbindungsglied zwischen weltlicher und geistlicher Lebensform. Viele Frauen
entschieden sich erst als Witwe für das Leben im Kloster. Die Freiheit und Rechtsfähigkeit
der Witwen war sehr beschränkt. Der Witwenstand sollte laut Kirche zu einem besonders
moralischen Leben verpflichten und man versuchte eine Wiederheirat stets zu verhindern.
4
Zu den Aufgaben der adeligen Frauen zählte nicht die Verrichtung schwerer körperlicher
Arbeit sondern eher das Sticken, Weben, Reiten, Schachspielen, Singen und Tanzen. Ihre
Hauptaufgabe bestand jedoch darin, für Nachkommen zu sorgen. Sahen sich Frauen in ihren
Rechten bedroht, so flüchteten sie, wie schon erwähnt, auch oftmals ins Kloster. Damen aus
höheren Ständen war es freigestellt, ob sie den Weg ins Kloster wählten oder nicht. Wie alle
Frauen unterstanden auch die Frauen des Adels der Vormundschaft des Mannes oder der
Familie. Ihnen war es jedoch erlaubt, frei über ihren Eigenbesitz wie Erbe, Mitgift oder
Güterübertragungen des Ehemannes zu verfügen. Seit dem 8. Jahrhundert verwalteten die
Frauen ihre Güter auch selbst. Ab dem 10. Jahrhundert gehörte das Anhäufen, Übertragen und
Veräußern von Grundbesitz ebenfalls zum rollenkonformen Verhalten. Bei den Frauen
niederen Standes, sah der Alltag natürlich gänzlich anders aus.
4
Vgl.:Ebenda.S.4358

6
Abb. 1 Frauen- und Männerarbeiten, Holzschnitt von 1502
Waren sie verheiratet, so arbeiteten sie nicht nur im Haus mit, sondern unterstützten ihre
Männer auch in der Landwirtschaft.
5
Das Leben der Bäuerinnen veränderte sich in den Jahrhunderten des Mittelalters kaum. 70-
95% der mittelalterlichen Bevölkerung lebten auf dem Land.
Die Bauern mussten Abgaben und Dienste an den Feudalherren leisten. Insbesondere im
Frühmittelalter wurden diese geschlechtsspezifisch differenziert, so dass sich aus diesen
Angaben auf die Verhältnisse innerhalb der Hausgemeinschaft schließen lässt.
Im Gegensatz zu den Frauen adeliger Herkunft oder besser gesagt, höheren Standes, lag das
Hauptaugenmerk der Frauen am Land nicht in der Zeugung der Nachkommen. Ihr
Zuständigkeitsbereich war die Binnenwirtschaft, während ihren Männern eher Tätigkeiten
zugeordnet wurden, die weiter vom Hof entfernt anfielen und größere Körperkraft
erforderten.
6
5
Vgl.: AFFELDT. 1990 S.931
6
Vgl.: ENNEN, Edith: Frauen im Mittelalter. München: C.H. Beck Verlag 1994, S.88
Vgl.: KETSCH, Peter: Frauen im Mittelalter. Band 1: Frauenarbeit im Mittelalter ­ Quellen und Materialien.
Düsseldorf: Schwann Bagel GmbH Verlag 1983, S.79

7
Darunter fielen der Feldbau, die Wald und Holzwirtschaft und die Herstellung und
Ausbesserung von Arbeitsgeräten. Kinderaufzucht und Erziehung, Kochen, Putzen und
Waschen, spielten damals eine völlig untergeordnete Rolle der Frauen am Land. Auch sie
waren überwiegend produktiv tätig und so verwundert es nicht, dass zum Beispiel das
Getreidemahlen als Hausgewerbe der Frau, sich noch bis ins 19. Jahrhundert belegen lässt.
Der Garten mit dem Anbau von Hülsenfrüchten, Wurzel und Knollengewächsen, Kohl, Hirse,
Kräutern, Gespinst und Färbepflanzen sowie Obstbäumen galt in erster Linie als weibliches
Arbeitsfeld. Einen großen Anteil hatten die Frauen an der Viehhaltung. Ihnen oblag
insbesondere die Versorgung des Federviehs, sowie des in den Stalllungen befindlichen Viehs
mit Ausnahme der Zugtiere. Auch die Milchwirtschaft, mit der Erzeugung von Butter, Käse
und Quark, fiel in den Zuständigkeitsbereich der Frauen. Außerdem war ein weiterer
Schwerpunkt der Frauenarbeit am Land der, der Textil und Bekleidungsherstellung. Dieser
blieb über das ganze Mittelalter hinweg ein Zweig des weiblichen Hausgewerbes. Auch war
die Textil und Bekleidungsherstellung im Frühmittelalter eine der wichtigsten Aufgaben
unfreier Mägde. Weitere produktive Tätigkeiten des weiblichen Geschlechts bestanden in der
Herstellung von Getränken, in der Bettenherstellung sowie der Kerzen und Seifenherstellung
aber auch in der Produktion von Tongefäßen.
7
Wie sah die Arbeit der Frauen nun in den Städten aus? War dort die Arbeitsaufteilung anders
als am Land?
Was man auf jeden Fall sagen kann ist, dass in der Stadt eine stärkere Trennung von Betrieb
und Haushalt zu erkennen war. Die Frauen in den Städten erzeugten in erster Linie
Gebrauchsgüter, die den Bedarf im eigenen Haushalt decken sollten. Die Produktion in den
Werkstätten als Warenproduktion, erfolgte für den Güteraustausch auf dem Markt.
7
Vgl.: ENNEN.1994,S.90
Vgl.: KETSCH.1983,S.83
Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Frau im Mittelalter. Was es bedeutete, eine Frau im Mittelalter zu sein
Hochschule
Universität Salzburg
Note
1
Jahr
2014
Seiten
25
Katalognummer
V388193
ISBN (eBook)
9783668626935
ISBN (Buch)
9783668626942
Dateigröße
1409 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frau, mittelalter
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Die Frau im Mittelalter. Was es bedeutete, eine Frau im Mittelalter zu sein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388193

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