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Die afrobrasilianische Poesie der Gegenwart als Widerstand gegen Rassismus und soziale Ungleichheit in der brasilianischen Gesellschaft

Titel: Die afrobrasilianische Poesie der Gegenwart als Widerstand gegen Rassismus und soziale Ungleichheit in der brasilianischen Gesellschaft

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2018 , 28 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: Patrick Ubik (Autor:in)

Literaturwissenschaft - Lateinamerika
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„Der Kampf der schwarzen Bevölkerung in Brasilien ist so alt wie das Land selbst“. Dies gab ein Interview mit dem brasilianischen Schriftsteller, Poeten und Dramaturgen Luiz Silva, der sich nach seinem Pseudonym „Cuti“ betiteln lässt, hervor. Alle Bausteine dieser facettenreichen Aussage hängen mit dem Thema der vorliegenden Seminararbeit zusammen. Im Vordergrund stehen hier die afrobrasilianische Bevölkerung und ihr Kampf gegen sozioökonomische Begebenheiten, die in der Geschichte Brasiliens begründet liegen. In diesem Kontext soll der Zusammenhang der Begriffe „Rassendiskriminierung“ und „soziale Ungleichheit“ in dem Land genauer erforscht werden, denn es erscheint wichtig herauszufinden, ob Brasiliens soziale Ungleichheit auf die Diskriminierung phänotypischer Merkmalsträger zurückzuführen ist.

Nachdem die sozialen Probleme erläutert und zu deren Nachvollzug ein historischer Rückblick skizziert worden ist, wird ein Bogen zur Gegenwart gespannt, denn die Leitfrage richtet sich hier nach der kontemporären poesía negra, bzw. afrobrasilianischen oder „schwarzen“ Lyrik. Es soll geklärt werden, in welchem Zusammenhang diese mit der in den Köpfen der brasilianischen Gesellschaft verankerten Ideologie der Identität steht und inwiefern sie als mögliche Antwort auf die sozialen Missstände fungiert. Wie ist die schwarze Lyrik entstanden? Mit welchen Absichten wird sie produziert? und welche Auswirkungen hat sie auf die Gesellschaft? sind zentrale Fragen, die hier geklärt versucht werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das umstrittene Konzept „Lusotropicalismo“

3. Rassendiskriminierung und soziale Ungleichheit in Brasilien

3.1 Die Historiographie der Sklaverei und des Widerstands

3.2 Der Mythos der Rassendemokratie

4. Afrobrasilianische Poesie der Gegenwart

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der phänotypischen Diskriminierung in Brasilien und den daraus resultierenden sozialen Missständen. Dabei wird analysiert, inwiefern die afrobrasilianische Poesie der Gegenwart als Widerstand gegen Rassismus fungiert und welche Rolle die Identitätsbildung in einer Gesellschaft spielt, die sich trotz struktureller Ungleichheit oft als "Rassendemokratie" definiert.

  • Historische Aufarbeitung der Sklaverei und des Widerstands (Quilombos)
  • Kritische Analyse des Konzepts "Lusotropicalismo" von Gilberto Freyre
  • Dekonstruktion des Mythos der brasilianischen Rassendemokratie
  • Untersuchung der afrobrasilianischen Poesie als Mittel des politischen Widerstands
  • Die Rolle der kulturellen Identitätsfindung und Selbstbehauptung

Auszug aus dem Buch

Die Historiographie der Sklaverei und des Widerstands

Portugal griff während der gesamten Kolonialzeit auf Sklavenarbeit zurück, um seinen Arbeitskräftebedarf zu befriedigen (vgl. Augel 2013, S. 11). 1530 wurden die ersten Afrikaner nach Brasilien verschleppt und bis 1888, dem Jahr, das die letzte Abolition auf dem amerikanischen Kontinent markiert, offiziell versklavt (vgl. Santos 2015, S. 313). Im 16. Jh. wurden im Nordosten Brasiliens die Sklaven vor allem auf Zuckerrohrplantagen eingesetzt, im 17. Jh. arbeiteten sie im Zentrum des Landes im Bergbau, um Gold und Diamanten abzutransportieren und im Südosten florierte im 18. und 19. Jahrhundert die Kaffeewirtschaft (Glaser 2002, S. 27). Der transatlantische Handel mit Sklaven – nicht die Sklaverei selbst – wurde zwar 1850 offiziell verboten, doch es kann davon ausgegangen werden, dass weitere zehn Jahre lang illegal Millionen Menschen aus Afrika verschleppt „und, soweit sie nicht unterwegs starben, in Brasilien wie Sachen verkauft“ (Augel 2013, S. 11) wurden.

Heutzutage erscheint es anmaßend, dass die Sklavenarbeit so sehr in den Sitten und in der Mentalität der Portugiesen und der Eliten anderer europäischen Völker verwurzelt war, „dass diese Menschenschinderei in der gesamten Kolonialzeit und weit darüber hinaus als eine natürliche und notwendige Gegebenheit und Grundlage jeder Wirtschaftstätigkeit erschien“ (ebd.). Schätzungsweise erreichten zwölf Millionen Afrikaner zwischen dem 16. und dem 19. Jh. den amerikanischen Kontinent, was knapp die Hälfte aller, die nach Brasilien einreisten ausmacht (vgl. Santos 2015, S. 313). In Brasilien wuchs Jahr für Jahr der jährliche Sklavenimport von 1.000 Afrikanern pro Jahr im 16. Jh. bis auf eine Rekordhöhe von etwa 60.000 im Jahr 1848, sodass letztendlich insgesamt 3,5 bis 3,65 Mio. Sklaven nach Brasilien importiert wurden (Glaser 2002, S. 27).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik des afrobrasilianischen Kampfes gegen sozioökonomische Ungleichheit und die Rolle der Poesie als Widerstand.

2. Das umstrittene Konzept „Lusotropicalismo“: Kritische Auseinandersetzung mit Gilberto Freyres Theorie über die vermeintlich friedliche Rassenmischung in der portugiesischen Kolonialgeschichte.

3. Rassendiskriminierung und soziale Ungleichheit in Brasilien: Untersuchung der historischen Machtstrukturen und der Diskrepanz zwischen dem Mythos der Rassendemokratie und der sozialen Realität.

3.1 Die Historiographie der Sklaverei und des Widerstands: Analyse der Sklaverei, der Formen des Sklavenwiderstands und der Gründung von Quilombos.

3.2 Der Mythos der Rassendemokratie: Darstellung der Entstehung des Ideals einer harmonischen Gesellschaft und der Legitimierung durch den "wissenschaftlichen Rassismus".

4. Afrobrasilianische Poesie der Gegenwart: Analyse der zeitgenössischen schwarzen Literatur als Mittel zur Identitätsbildung und zur Überwindung der Selbstzensur.

5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Poesie als intellektueller Widerstand und die Notwendigkeit politischer Veränderungen zur Beseitigung struktureller Marginalisierung.

Schlüsselwörter

Afrobrasilianische Poesie, Sklaverei, Rassendiskriminierung, Lusotropicalismo, Rassendemokratie, soziale Ungleichheit, Quilombo, Identitätsbildung, Zumbi von Palmares, Schwarze Bewegung, Poesía negra, Widerstand, Marginalisierung, Gilberto Freyre, Affirmative Action.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert, wie die afrobrasilianische Poesie der Gegenwart als Form des Widerstands gegen fortbestehenden Rassismus und soziale Ungleichheit in Brasilien dient.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind die historische Aufarbeitung der Sklaverei, die Kritik am kolonialen Mythos des "Lusotropicalismo" und die Rolle der Poesie bei der Überwindung von Diskriminierung.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie soziale Ungleichheit in Brasilien auf rassische Diskriminierung zurückzuführen ist und wie kulturelle Erzeugnisse, wie die afrobrasilianische Poesie, zur Dekonstruktion dieses Diskurses beitragen.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Es wird eine historisch-soziologische Analyse angewandt, die durch literaturwissenschaftliche Betrachtungen aktueller afrobrasilianischer Dichtkunst ergänzt wird.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Historiographie der Sklaverei, den Quilombo-Bewegungen, der Kritik an Freyres "Rassendemokratie" und der Analyse spezifischer literarischer Gruppen wie "Quilombhoje".

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Lusotropicalismo", "Rassendemokratie", "Quilombo", "afrobrasilianische Poesie" und "soziale Ungleichheit" geprägt.

Was ist laut der Arbeit der Hauptgrund für das Verschweigen von Rassismus in Brasilien?

Der Autor führt an, dass die Ideologie einer vermeintlich friedlichen "Rassendemokratie" und der gesellschaftliche Druck, sich als "schwarz" in einem vorwiegend weiß definierten System nicht gegen die Norm zu stellen, zur Selbstzensur führen.

Welche Rolle spielen die "Quilombos" für das heutige Verständnis des Widerstands?

Die Quilombos werden als historisches Vorbild für den heutigen Widerstand betrachtet, wobei moderne Gruppen wie "Quilombhoje" den Kampf gegen Diskriminierung in die literarische Gegenwart transportieren.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die afrobrasilianische Poesie der Gegenwart als Widerstand gegen Rassismus und soziale Ungleichheit in der brasilianischen Gesellschaft
Hochschule
Universität zu Köln  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Brasilien und Afrika
Note
2,3
Autor
Patrick Ubik (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
28
Katalognummer
V388198
ISBN (eBook)
9783668623088
ISBN (Buch)
9783668623095
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Widerstand Sklaverei Rassismus afrobrasilianisch Poesie soziale Ungleichheit Benachteiligung Geschichte Brasilien Atlantik Schwarz Ungerechtigkeit Freyre Soziologie Portugal Menschenrechte Versklavung Gedichte Lyrik Bewegungen Universität zu Köln Gleichheit Rechte Aktivismus Kampf Branquiamiento Portugiesisch Herren Florestan Kritik Florestan Fernandes Lusotropicalismo Lusotropikalismus Historiographie Rassendemokratie Democracia racial Luiz Gama Ruy Barbosa Nabuco Joaquim Nabuco Lei Aurea 1888 Abolition Sklavenabschaffung Sklavenbefreiung Sklavenhandel Schmuggel Plantagen Rohrzucker Kaffee Gold Diamanten Rio de Janeiro Sao Paulo Nationalsymbole Fußball Karnevall Moderne Romantik Gesellschaft Cuti Interview
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Arbeit zitieren
Patrick Ubik (Autor:in), 2018, Die afrobrasilianische Poesie der Gegenwart als Widerstand gegen Rassismus und soziale Ungleichheit in der brasilianischen Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388198
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Leseprobe aus  28  Seiten
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