Es gibt ein großes Angebot an empirischen Studien, sowohl über das europäische Portugiesisch, als auch über das brasilianische Portugiesisch, die auf den sog. Corpora und Lexika basieren. Über die anderen verbleibenden Varianten der portugiesischen Sprache herrscht vergleichsweise ein extremer Mangel an Publikationen. Die Varianten, die in den verschiedenen geografischen Gebieten gesprochen werden, sind jedoch in ihrer Gesamtheit von Bedeutung, um von der portugiesischen Sprache eine umfangreiche und objektive Datensammlung zu erfassen. In dieser Hausarbeit werde ich, im Rahmen des Seminars „Portugiesisch in Afrika“, Bezug auf mein Referatsthema nehmen und die afrikanischen Varianten erläutern, um ferner darauf einzugehen, welche Verbindungen es zwischen dem Portugiesisch Angolas und Brasiliens gibt. Es sollen somit Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser Sprache innerhalb Afrikas herausgearbeitet werden, die sich von der europäischen Ursprungsform absetzen. Fünf afrikanische Staaten werden zur Analyse herangezogen. Angola, als einer von ihnen, hat in Bezug auf das brasilianische Portugiesisch eine herausragende Bedeutung, auf die ich in der zweiten Hälfte meines Hauptteils eingehen werde. Da es eine Unmöglichkeit darstellt alle konkreten Beispiele für die Unterschiede und Gemeinsamkeiten des Portugiesischen darzubieten, sollen in jeder Kategorie lediglich einige ausgewählte Beispiele zum Nachvollzug dienen. Im Anschluss der Arbeit folgt eine Zusammenfassung der Ergebnisse.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Corpus África
3. Der Wortschatz
4. Abweichungen vom europäischen Portugiesisch
5. Linguistische Verbindungen zwischen Angola und Brasilien
5.1. Die Pluralbildung von Nominalsyntagmen
5.2. Die Verwendung der dritten Person Singular als unveränderliches Verb
5.3. Die doppelte Verneinung
5.4. Die nachgestellten Fragewörter
5.5. Fehlen des bestimmten Artikels
5.6. „As vogais paragógicas“
6. Zusammenfassung
7. Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Portugiesischen in verschiedenen afrikanischen Ländern sowie die linguistischen Verbindungen zwischen dem Portugiesisch Angolas und der brasilianischen Landessprache, wobei der Fokus auf soziolinguistischen Dynamiken und grammatikalischen Phänomenen liegt.
- Analyse des "Corpus África" als Datenbasis für die linguistische Untersuchung.
- Untersuchung lexikalischer und struktureller Abweichungen vom europäischen Portugiesisch.
- Darstellung der Rolle afrikanischer Sprachen (insb. Kikongo und Kimbundu) bei der Entwicklung der brasilianischen Variante.
- Vergleich spezifischer grammatikalischer Phänomene wie Pluralbildung, Verbalflexion und Satzbau.
- Erforschung der historischen Kontakte und der linguistischen Dynamik zwischen Angola und Brasilien.
Auszug aus dem Buch
3. Der Wortschatz
Aus dem Corpus werden fünf Lexika für jede afrikanische Variante des Portugiesischen extrahiert. Nomen, Adjektive und Verben sind alphabetisch und thematisch so eingeteilt, dass im Falle der Verben immer die Infinitivform und im Falle der Nomen und Adjektive das Singular mit maskuliner Endung angegeben wird. Zu Jedem Lemma (Grundform eines Schlagwortes) gibt es eine grammatikalische Klassifikation und die Angabe, wie oft es sowohl schriftlich, auch mündlich im Corpus einer jeden Variante vertreten ist (vgl. ebd., 2008, S.42). Ein Beispiel sei hier das Verb „elogiar“ und die darauffolgenden grammatikalischen Varianten wie „elogiado“, „elogiando“, „elogiando-lhe“, „elogiou“, „elogiou-o“ etc. (vgl. ebd., 2008, S.43). Von 25.523 analysierten Schlagwörtern machen Nomen (57%) und Adjektive (25%) den Großteil aus, gefolgt von den Verben (17%) und Fremdwörtern (1%) (vgl. ebd., 2008, S.42). Doch eines der interessantesten Aspekte der vergleichbaren Studien über die afrikanischen Varianten des Portugiesischen ist die Tatsache, dass es zwischen ihnen einen grammatikalischen und lexikalischen Nukleus gibt, der sie zusammenhält und gewährleistet, dass eine Verständigung aller Sprecher der portugiesischen Sprache stattfinden kann (vgl. ebd., 2008, S.42). Dieses Phänomen tritt bei allen Sprachen auf, die in mehreren Regionen der Welt gesprochen werden und somit mehrere Varianten entstehen, wie zum Beispiel beim spanischen oder englischen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Mangels an Studien zu afrikanischen Varianten des Portugiesischen ein und definiert das Ziel, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen diesen Varianten und dem europäischen Portugiesisch aufzuzeigen.
2. Der Corpus África: Dieses Kapitel erläutert die Zusammensetzung des "Corpus África", das aus fünf afrikanischen Staaten besteht, und beschreibt die soziolinguistischen Rahmenbedingungen der Datenerhebung.
3. Der Wortschatz: Hier wird die Analyse der lexikalischen Bestände vorgestellt, wobei der Fokus auf der Identifizierung eines gemeinsamen grammatikalischen und lexikalischen Kerns ("Nukleus") liegt.
4. Abweichungen vom europäischen Portugiesisch: Dieses Kapitel untersucht systematische Phänomene und Neologismen in den afrikanischen Varianten, die oft von der europäischen Norm abweichen.
5. Linguistische Verbindungen zwischen Angola und Brasilien: Der Hauptteil analysiert den Einfluss der Bantu-Sprachen auf das angolanische Portugiesisch und dessen Auswirkungen auf die brasilianische Landessprache.
6. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse hinsichtlich der lexikalischen, phonetischen und morphosyntaktischen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zusammen.
7. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Portugiesisch, Angola, Brasilien, Corpus África, Sprachvariation, Bantu-Sprachen, Morphosyntax, Neologismen, Soziolinguistik, Kikongo, Kimbundu, Sprachkontakt, Grammatik, Lexik, Sprachwandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den sprachlichen Gemeinsamkeiten und Unterschieden innerhalb der afrikanischen Varianten des Portugiesischen sowie mit den linguistischen Einflüssen zwischen Angola und Brasilien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Untersuchung von Wortschatz, grammatikalischen Abweichungen, dem Einfluss von Bantu-Sprachen und der soziolinguistischen Analyse des "Corpus África".
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Dynamik und die strukturellen Besonderheiten des Portugiesischen in Afrika zu erfassen und die Verbindungen zwischen Angola und Brasilien wissenschaftlich aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine korpusbasierte, vergleichende linguistische Analyse angewandt, die sowohl schriftliche als auch mündliche Daten aus verschiedenen Regionen auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die lexikalische Analyse, die Identifizierung systematischer Abweichungen vom europäischen Portugiesisch und eine detaillierte Untersuchung morphosyntaktischer Phänomene.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Portugiesisch, Angola, Brasilien, Sprachvariation, Sprachkontakt und morphosyntaktische Analyse.
Warum spielt das Kikongo und Kimbundu eine Rolle?
Diese Bantu-Sprachen hatten laut der Arbeit maßgeblichen Einfluss auf das angolanische Portugiesisch und sind somit entscheidend für das Verständnis der Entstehung brasilianischer Varianten.
Was sind "vogais paragógicas"?
Es handelt sich um ein phonetisches Phänomen, bei dem Konsonanten am Wortende durch Vokale ergänzt oder modifiziert werden, was typisch für bestimmte afrikanisch-portugiesische Dialekte ist.
Wie wird die "doppelte Verneinung" in Angola verwendet?
Sie tritt dort häufiger auf als im europäischen Portugiesisch und weist laut Autor starke Parallelen zu Bantu-Sprachen auf, was als ein Merkmal der afrikanischen Prägung gilt.
- Arbeit zitieren
- Patrick Ubik (Autor:in), 2015, Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Portugiesischen. Afrikanische Varianten und linguistische Verbindungen zwischen Angola und Brasilien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388216