Das Vertragssystem des Warschauer Paktes. Ein Überblick


Hausarbeit, 2016

17 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Warschauer Pakt
2.1 Die Geschichte des Warschauer Vertrages
2.2 Der Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand
2.3 Das Verlängerungsprotokoll
2.4 Die Organe des Warschauer Paktes

3. Zusatzverträge
3.1 Truppenstationierungsverträge
3.2 Freundschaftsverträge

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Zwischen den zwei Weltkriegen lag die machtpolitische Führungsposition noch, trotz des amerikanischen Aufstiegs, zweifellos bei Europa. Dadurch konnte Europa seine innenpolitischen und nationalen, wie auch außenpolitischen Interessen gegenüber dem Rest der Welt verbreiten und oftmals auch verwirklichen. Dies änderte sich jedoch mit dem Ende des zweiten Weltkrieges, denn es setzte eine neue Ära weltpolitischer Konstellationen ein und ein völlig neues Politikbewusstsein entstand. Die Bühne der machtpolitischen Auseinandersetzungen auf der Welt war Europa, doch der enorme Verlust materieller Substanzen führte zum Verlust der Vormachtstellung und veränderte das weltpolitische Gefüge.

Die Sowjetunion und Amerika waren nun in der neuen Führungsposition, denn sie waren als die erfolgreichen Sieger des zweiten Weltkriegs hervorgegangen. Da mehr Staaten als bisher in das weltpolitische Geschehen miteinbezogen wurden, zeigte sich immer mehr, wie die Staatenwelt nach 1945 ineinander verstrickt war. Diese Einsicht und die Erinnerung an die Schrecken des zweiten Weltkrieges führten zu einem Streben nach politischem Gleichgewicht, das das alte europäische Machtgewicht ablöste. Aus diesem Grund entstanden die NATO, der Warschauer Pakt und viele andere zwischenstaatliche Bündnisse.[1]

Am 14. Mai 1955 wurde in der polnischen Hauptstadt Warschau der „Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand“ zwischen der Volksrepublik Albanien, der Volksrepublik Bulgarien, der Ungarischen Volksrepublik, der Deutschen Demokratischen Republik, der Volksrepublik Polen, der Rumänischen Volksrepublik, der Tschechoslowakischen Republik und der Union der Sozialistischen Republiken geschlossen. Die deutsche Kurzbezeichnung für dieses Militärbündnis ist der „Warschauer Pakt“. Freundschaftsverträge, sowie Truppenstationierungsverträge zwischen den Warschauer-Pakt-Staaten, ergänzten den, in Warschau geschlossenen, Vertrag.

Doch, warum wurde der Warschauer Pakt geschlossen? Welche Ziele verfolgte dieser Vertrag? Wie funktionierte die Organisation? Warum wurden zusätzlich noch Freundschaftsverträge und Truppenstationierungsverträge festgemacht? Welchen Sinn hatte dieses Vertragssystem?

Um meine offenen Fragen zu beantworten, werde ich zunächst auf die Geschichte des Warschauer Vertrages eingehen. Anschließend werde ich den „Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand“ sowie die Freundschaftsverträge als auch die Truppenstationierungsverträge näher beleuchten.

Zum Thema dieser Hausarbeit gibt es reichlich Literatur und Aufsätze. Herauszuheben sind an dieser Stelle „Der Warschauer Pakt. Von der Gründung bis zum Zusammenbruch 1955-1991“ von Torsten Diedrich und „Die Integration Osteuropas 1961-1965“ sowie „Der Warschauer Pakt und seine bilateralen Bündnisverträge“ von Alexander Uschakow. Diese drei Werke liefern einen umfassenden Überblick über die Geschichte der Verträge und über die Verträge an sich.

2. Der Warschauer Pakt

2.1 Die Geschichte des Warschauer Vertrages

Der Warschauer Pakt wurde am 14.05.1955 unter sowjetischer Führung gegründet und am 01.07.1991 aufgelöst. Während einer viertägigen Konferenz in Warschau wurde dieser Vertrag, unter der Beobachtung der Volksrepublik China, geschlossen. Mitglieder des Vertrages waren die Volksrepublik Albanien, die Volksrepublik Bulgarien, die Ungarische Volksrepublik, die Volksrepublik Polen, die Rumänische Volksrepublik, die Tschechoslowakische Republik und die Union der Sozialistischen Republiken. Ein halbes Jahr später, am 28.01.1956, wurde auch die Deutsche Demokratische Republik in den Warschauer Pakt aufgenommen. Das Ziel dieser Militärkoalition der sozialistischen Staaten hatte die Sicherung des Sozialismus sowie die Gewährleistung der Sicherung des Friedens zur Aufgabe.[2]

Laut Frank Umbach und weiteren anderen Autoren handelt es sich bei dem Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand fast um eine Kopie des NATO-Grundlagenvertrages vom 04.04.1949.[3] Auch wird der Pakt als eine Demonstration gegen den Ausbau der Nato gesehen, da diese kurz zuvor die Bundesrepublik Deutschland aufgenommen hatte.[4] Daher wird der Warschauer Vertragsorganisation eine symbolisch politische Rolle zugewiesen.[5] Trotzdem war die Gründung des Warschauer Paktes nicht übereilig getroffen worden. Der Vertrag beruhte teilweise auf bereits bestehenden bilateralen Verträgen zwischen den einzelnen Staaten mit der Sowjetunion.

Bereits sechs Jahre vor der Gründung des Warschauer Paktes wurde ein Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (kurz RGW genannt) gegründet. Seine Gründung war die Reaktion auf die amerikanischen Wirtschaftshilfen des Marshallplans. Seine Mitglieder waren die Sowjetunion, Bulgarien, Ungarn, Polen, Rumänien sowie die Tschechoslowakei. Später folgten ihnen Albanien, DDR, Mongolei, Kuba, Vietnam und Jugoslawien als Mitglieder des Rates. Er diente den sozialistischen Staaten zu einer wirtschaftlichen Integration und sollte für die Teilnehmer ein Ersatz für den zunehmend eingeschränkten Handel mit dem Westen darstellen.[6] Ziel des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe war eine Wirtschaftsplanung, die alle Teilnehmerstaaten einbezieht. Es sollte eine Arbeitsteilung notwendiger Konsumgüter werden, die die Teilnehmer ausreichend versorgt. Mit dem Inkrafttreten des Warschauer Paktes wurde nun nicht nur die Wirtschaft der umliegenden Länder von der Sowjetunion gesteuert, sondern auch die Politik.

Ein Jahr vor der Gründung des Warschauer Paktes ersuchte die Sowjetunion die Aufnahme in die NATO. Dieses wurde jedoch mit der Begründung, die Sowjetunion würde den Charakter des Paktes ändern, abgelehnt.[7] Auch andere Staaten waren bestrebt, einer friedlichen Beziehung unterschiedlicher Staaten zum Durchbruch zu verhelfen und eine stabile Friedensordnung in Europa zu schaffen. Daraufhin entschied sich die sowjetische Regierung dazu, ein Gegenstück zur NATO zu schaffen.

In der westlichen Forschung gibt es mehrere Erklärungsansätze für die Gründung des Warschauer Vertrages. Ein Teil der Forscher sieht in ihm den Versuch, eine vorteilhafte, militärische Allianz zu schaffen. Dem widerspricht jedoch, dass die Truppenstationierungsverträge und damit verbunden der militärische Unterbau des Vertrages erst in den 1960-er Jahren hinzugekommen sind. Ein anderer Teil der Forscher sieht in der Gründung des Warschauer Pakts ein Tauschobjekt zur NATO.[8] Frank Umbach sieht den Warschauer Pakt als Gegenstück zur NATO, als Versuch den Westen zu einer wechselseitigen Auflösung der NATO zu bewegen. Diese westlichen Staaten sollten dann dem Warschauer Pakt beitreten, um für eine neue Sicherheitsarchitektur in Mitteleuropa zu sorgen.[9] Der elfte Artikel des Vertrages über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand bot ein dauerhaftes Angebot der Auflösung des Warschauer Paktes bei gleichzeitiger Auflösung der NATO.[10]

Als der sowjetische Präsident Chrustschow die Stalin-Ära verurteilte, löste er damit im gesamten Osten Hoffnung aus. Aus Solidarität zu den aufständischen Arbeitern in Polen gingen Studentinnen und Studenten am 23.10.1956 in Budapest auf die Straßen. Mit dieser Demonstration wollten sie nationale Unabhängigkeit, Parlamentarismus und bürgerliche Freiheitsrechte erlangen. In den darauffolgenden Tagen weitete sich die Demonstration in Ungarn aus und wurde zu einem Volksaufstand. Dadurch wurde ein Mehrparteiensystem eingeführt und man bereitete sich auf freie Wahlen vor. Am 01.11.1956 erklärte Ungarn daraufhin seine Neutralität, als auch den Austritt aus dem Warschauer Pakt. Jedoch erkannten die anderen Warschauer-Pakt-Staaten den Austritt Ungarns nicht an und dem zweiwöchigen Aufstand folgte das militärische Eingreifen. Die sowjetische Armee schlug die Aufstände blutig nieder.[11]

Die Volksrepublik Albanien stellt bereits im Jahr 1962 die Teilnahme an dem Warschauer Vertrag ein und beschließt im Jahr 1968 den Austritt, da sie befürchtete, durch den sich verschärfenden Konflikt zwischen der Volksrepublik China und der Union der Sozialistischen Republiken, in eine militärische Auseinandersetzung hineingezogen zu werden. Der Austritt wurde zwar von den übrigen Vertragsteilnehmern offiziell nicht akzeptiert, doch es folgten keine Konsequenzen für Albanien. Albanien wurde weder sanktioniert noch bestraft, da die Bestrafung über jugoslawisches Territorium hätte erfolgen müssen, dass selbst kein Warschauer-Pakt-Mitglied war. Die darauf folgenden Reaktionen der NATO waren schwer einzuschätzen. Zudem war Albaniens militärpolitischer Beitrag für die Vereinten Streitkräfte der Warschauer Vertrags Organisation ohnehin sehr gering.[12] /[13]

Ende März 1968 schlug die tschechoslowakische Regierung eine Wende zum Reformkommunismus ein.

[...]


[1] Vgl. o.V. (Hrsg.), (NATO und) Warschauer Pakt, unter: http://home.arcor.de/warschauer-pakt/warschau/(Nato%20und)%20Warschauer%20Pakt.pdf (abgerufen am 25.09.2016)

[2] Vgl. Diedrich: Der Warschauer Pakt, S.1

[3] Vgl. Umbach: Das rote Bündnis, S. 121

[4] Vgl. Tiedke: Die Warschauer Vertragsorganisation; S. 17, Z. 25f.

[5] Vgl. Tiedke: Die Warschauer Vertragsorganisation; S.19, Z. 18-20

[6] Vgl. Grünbaum: Deutsche Einheit, S.12, Z. 20-32

[7] Vgl. Gribkow: Der Warschauer Pakt, S. 27

[8] Vgl. Tiedke: Die Warschauer Vertragsorganisation, S. 15

[9] Vgl. Diedrich: Der Warschauer Pakt, S. 9

[10] Vgl. Diedrich: Der Warschauer Pakt, S. 14

[11] Vgl. Kipke: Ungarn 1956, S. 11-28, S. 29-41

[12] Vgl. Gribkow: Der Warschauer Pakt, S. 35

[13] Vgl. Diedrich: Der Warschauer Pakt, S. 2

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Vertragssystem des Warschauer Paktes. Ein Überblick
Hochschule
Universität zu Köln
Veranstaltung
Bleiernde Zeit? Ostmittel- & Osteuropa 1956-1985
Note
2,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V388242
ISBN (eBook)
9783668627574
ISBN (Buch)
9783668627581
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wahrschauer Pakt, Truppenstationierungsverträge, Freundschaftsverträge, UdSSR, Sowetunion, Bündnissystem
Arbeit zitieren
Saskia Böhm (Autor), 2016, Das Vertragssystem des Warschauer Paktes. Ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388242

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Vertragssystem des Warschauer Paktes. Ein Überblick



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden