Städtische Armut und das städtische Armenwesen vom 16. bis zum 18. Jahrhundert


Hausarbeit, 2003

15 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Erscheinungsformen und Ursachen der Armut
2.1 Merkmale der städtischen Armut
2.2 Soziale Schichtung der Armen
2.3 Ursachen der Armut

3 Das städtische Armenwesen
3.1 Das städtische Armenwesen bis zum Beginn der Neuzeit
3.2 Die Neuordnung des Armenwesens im beginnenden 16. Jahrhundert
3.3 Neue Wege der Armenfürsorge im 17. und 18. Jahrhundert

4 Schlussbetrachtung

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 Problemstellung

Das städtische Armenwesen hat sich im Laufe der Neuzeit grundlegend gewandelt. Während im Spätmittelalter und zu Beginn der Neuzeit Armut als geduldeter, gar erstrebenswerter Zustand gesellschaftlich anerkannt und unterstützt wurde, galt sie in späteren Jahren, als eine freiwillige und unplanmäßige Unterstützung nicht mehr genügte, als ernst zu nehmende Gefahr.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Umstrukturierung der Armenfürsorge im städtischen Bereich. Es soll die Entwicklung des städtischen Armenwesens beleuchtet werden, das sich sowohl in seiner Erscheinung, als auch in den Bereichen der Trägerschaft, der Finanzierung und der Verteilung fundamental veränderte. Einzelne Aspekte dieser Umgestaltungen sollen anhand von Fallbeispielen verdeutlicht werden, wobei der Verfasser bemüht ist, möglichst häufig auf die Entwicklung der Stadt Magdeburg einzugehen.

Einleitend sollen die Erscheinungsformen und die Ursachen der städtischen Armut dargelegt werden, um zu verdeutlichen, welche Personen von der Armenfürsorge tangiert wurden.

Der Bearbeitungszeitraum erstreckt sich vom 16. bis zum Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert, wobei im Zuge der Genese der Fürsorge auch spätmittelalterliche Erscheinungsformen einbezogen werden. Untersuchungsgegenstand sind deutsche Städte.

Die neuere Forschung hat sich mehrfach mit dem Thema der städtischen Armenfürsorge befaßt, wobei i.d.R. punktuelle Untersuchungen veröffentlicht wurden. Für die Frühe Neuzeit sind vor allem die Werke von Thomas Fischer[1] und Robert Jütte[2] obligat.

Quellen sind, besonders für das 17. und 18. Jahrhundert, in Form von Verordnungen, Gesetzen, Berichten etc. zahlreich vorhanden.

2 Erscheinungsformen und Ursachen der Armut

2.1 Merkmale der städtischen Armut

Nach dem Verständnis der Menschen in den Städten der Neuzeit bedeutete Armut primär ein Mangel an Besitz. Dieser Mangel konnte an Standesnotwendigem oder an Lebensnotwendigem bestehen. Daraus läßt sich eine Klassifizierung der städtischen Armut herleiten[3]:

- Sekundäre Armut bezeichnet den Zustand des Mangels an standesgemäßem Leben. Als Bewertungsgrenze gelten für die frühe Neuzeit 100 rheinische Gulden Vermögen.
- Bei primärer Armut sind nicht einmal die menschlichen Grundbedürfnisse wie Nahrung, Kleidung oder Unterkunft gesichert. Als Bemessungsgrenze gelten ca. 25 Gulden.
- Derjenige, dessen Besitz unter dem Existenzminimum lag, mußte um Unterstützung bei anderen nachsuchen, er war bedürftig.

Für die frühe Neuzeit läßt sich der Anteil der Armen in den Städten auf etwa ⅓ der Gesamtbevölkerung beziffern. Das geht für die Stadt Münster aus den Protokollen des Rates der Stadt hervor und ist nach Hanschmidt eine in vielen Städten zu findende Relation[4]. Diese Angaben sind aber mit Vorsicht zu verwenden, da zum einen genaue, statistisch auswertbare Quellen fehlen und zum anderen die in den vorhandenen Quellen verwendete Definition von arm nicht bekannt ist[5].

Offensichtliches Anzeichen für Armut war die Kleidung, die in der Regel aus grober Wolle oder Leinen bestand. Kleidung mußte in der Familie weitergegeben werden und konnte auch gebraucht gekauft werden. Gelegentlich erhielten Lohnarbeiter ihren Verdienst in Form von Kleidung. In Armenhäusern und Spitälern wurde eine Anstaltskleidung zur Verfügung gestellt[6].

Ein weiteres auffälliges Zeichen des Elends waren die Wohnungen der Armen. Da Wohnraum knapp und teuer war, waren die Wohnungen klein und überbelegt. Sie befanden sich am Stadtrand in engen verwahrlosten Gassen und waren oftmals dunkel, feucht und unhygienisch[7]. In den Elendsvierteln im Nordwesten der Stadt Magdeburg dienten Ruinengemächer, Erdhöhlen und Bretterbuden als Behausungen[8].

2.2 Soziale Schichtung der Armen

Grundsätzlich war Armut eine Erfahrung zahlreicher sozialer Gruppen, jedoch war sie für die Unterschicht am ehesten existenzgefährdend. Der Anteil der Unterschicht an der Gesamtbevölkerung lag bei nicht weniger als 50% und stieg in großen Städten auch über diese Marke.

Verschiedene Gruppen von Armen ließen sich in den Städten ausmachen, die im folgenden hierarchisch aufgezählt werden[9]:

1. Handwerker, die zwar ein Haus und eine Werkstatt besaßen, aber nur bescheidene Mengen produzierten; Vor allem die Meister wenig angesehener Handwerkszweige zählten zu dieser Gruppe.
2. Gesellen und Mägde; Die Gesellen konnten sich durch ihre Qualifikation von anderen Gruppen abheben und waren auf dem Weg in die Selbständigkeit. Als der Zugang zur Meisterwürde durch die Zünfte erschwert wurde, erreichte nur noch die Hälfte der Gesellen des Meisterstatus, so daß Armut oft zum Dauerzustand wurde.
3. Tagelöhner waren nicht beruflich ausgebildet und hatten nur befristet Arbeit. Ihren Lohn benötigten sie fast restlos für den Lebensunterhalt, so daß sie ständig in Armut und Existenzangst lebten.
4. Almosenempfänger waren entweder erwerbsunfähig oder der Lohn reichte nicht zur Sicherung des Lebens aus. Das städtischen Bürgertum sah sie als eigentliche Unterschicht an, aber sie waren ein anerkannter Bestandteil der Gesellschaft.
5. Angehörige „unehrlicher Berufe“ waren Totengräber, Schinder, Zuhälter Dirnen oder Spielleute. Sie waren zwar unentbehrlich, standen aber außerhalb der Gesellschaft. Sie waren durchaus nicht alle arm, konnten aber in wirtschaftlicher Not nicht mit städtischer Hilfe rechnen.
6. Arbeitsunwillige Asoziale waren Kriminelle oder Berufsbettler, die bestenfalls gelegentlich arbeiteten. Sie galten als Opfer ihrer eigenen Laster und waren von jeglicher Unterstützung ausgeschlossen.

[...]


[1] Fischer, Thomas: Städtische Armut und Armenfürsorge im 15. und 16. Jahrhundert. Sozialgeschichtliche Untersuchungen am Beispiel der Städte Basel, Freiburg i. Br. und Staßburg; Göttingen 1979.

[2] Jütte, Robert: Obrigkeitliche Armenfürsorge in deutschen Reichsstädten der frühen Neuzeit. Städtisches Armenwesen in Frankfurt am Main und Köln; Köln 1984.

[3] Richter greift die Einteilung Fischers in primär und sekundär auf und erweitert sie um die Gruppe der Bedürftigen. Vgl. Fischer (wie Anm. 1), S. 24-25 sowie Richter, Johannes: Frühneuzeitliche Armenfürsorge als Disziplinierung. Zur sozialpädagogischen Bedeutung eines Perspektivenwechsels; Frankfurt a. M. 2001, S. 32-33.

[4] Vgl. Hanschmidt, Alwin: Zur Armenpolizei und Armenversorgung in der Stadt Münster im 17. Jahrhundert, in: Johanek, Peter (Hrsg.): Städtisches Gesundheits- und Fürsorgewesen vor 1800, Köln, Weimar, Wien 2000, S. 226.

[5] Vgl. Hanschmidt (wie Anm. 4), S. 226.

[6] Vgl. Jütte, Robert: Arme, Bettler, Beutelschneider. Eine Sozialgeschichte der Armut in der Frühen Neuzeit; Weimar 2000, S. 99-105.

[7] Vgl. Schubert, Ernst: Arme Leute, Bettler und Gauner im Franken des 18. Jahrhunderts; Neustadt21990, S. 111.

[8] Vgl. Asmus, Helmut: 1200 Jahre Magdeburg. Von der Kaiserpfalz zur Landeshauptstadt, Bd. 2, Die Jahre 1631 bis 1848; Halberstadt 1999, S. 209.

[9] Vgl. Fischer (wie Anm. 1), S. 82-91.

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Details

Titel
Städtische Armut und das städtische Armenwesen vom 16. bis zum 18. Jahrhundert
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
15
Katalognummer
V38833
ISBN (eBook)
9783638377867
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Städtische, Armut, Armenwesen, Jahrhundert
Arbeit zitieren
Tobias Jantz (Autor), 2003, Städtische Armut und das städtische Armenwesen vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38833

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