Die Begründung der modernen Olympischen Spiele und des Olympismus durch Pierre de Coubertin


Hausarbeit, 2003

19 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Grundlegung
1.1 Problemstellung
1.2 Begriffskennzeichnung: Olympismus

2 Die Genese der modernen Olympischen Spiele
2.1 Wegbereiter des modernen Olympismus
2.1.1 Zappas und die griechischen Olympien
2.1.2 Brookes und die Wenlock-Spiele in England
2.2 Der Begründer des modernen Olympismus - Pierre de Coubertin
2.3 Der Weg bis zum Gründungskongreß
2.4 Der Gründungskongreß von 1894
2.4.1 Der Verlauf des Kongresses
2.4.2 Die Arbeiten und Ergebnisse des Kongresses
2.5 Die Vorbereitungen auf die ersten internationalen Olympischen Spiele der Neuzeit in Athen

3 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1 Grundlegung

1.1 Problemstellung

Die Olympischen Spiele sind das Sport- und Medienereignis schlechthin. Allein bei den letzten Sommerspielen in Sydney kämpften 10500 Athleten aus 199 Ländern in 300 Wettbewerben um die größte Ehre, die einem Sportler zuteil werden kann. Aber diese Popularität mußte sich die Olympische Bewegung hart erarbeiten.

In der vorliegenden Arbeit soll der Weg aufgezeigt werden, den die Verfechter der Olympischen Idee, allen voran Baron Pierre de Coubertin, gegangen sind, um das wichtigste Sportfest der griechischen Antike neu zu beleben. Neben Coubertin soll aber auch auf die in Vergessenheit geratenen Personen und Aktivitäten eingegangen werden, die für den olympischen Neuanfang ein begünstigendes Klima geschaffen haben. Es soll dargestellt werden, daß Coubertin bei weitem nicht der alleinige Urheber der modernen Olympischen Spiele ist. Im Gegenteil! Im Laufe der Neuzeit gab es insgesamt 13 verschiedene Olympische Spiele und Coubertin war streng genommen sogar der letzte, der sich um eine Neugründung bemühte. Nun kann und soll es aber nicht die Aufgabe der vorliegenden Arbeit sein, auf alle diese Vorläufer einzugehen. Gegenstand sind lediglich die Olympischen Spiele, die direkten Einfluß auf Coubertin und seine Idee hatten. Somit erstreckt sich der zeitliche Rahmen der Arbeit von 1850, dem Jahr der ersten Olympischen Spiele unter William P. Brookes, bis hin zum Jahr 1896, dem Jahr der ersten Coubertinschen Olympischen Spiele.

Literatur zum Thema steht dem Forschenden in großer Fülle zur Verfügung. Die Neubegründung der Olympischen Spiele wurde in der neueren Forschung sowohl unter historischen als auch unter soziologischen Aspekten ausführlich untersucht. Im Jahre 1996, dem Jahr der 100jährigen Wiederkehr der modernen Olympischen Spiele, sind eine Reihe von Beiträgen erschienen. Vor allem Karl Lennartz et al.(1996) haben sich als Herausgeber einschlägiger Literatur hervorgetan. Für den Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist ebenfalls das Werk von Konstantinos Georgiadis (2000) obligat, da es sehr tiefgreifend ist und der Autor viele griechische Quellen nutzt, die in anderer Literatur nicht zu finden sind. Richard Mandell (1976) berichtet ebenfalls ausführlich zum Thema, jedoch verfällt er gelegentlich in Erzählungen, die seine zweifellos wissenschaftliche Arbeit z.T. episch wirken läßt.

Geradezu verpflichtend sind auch die Schriften Pierre de Coubertins, dem Initiator der Wiederbelebung. In dieser Arbeit wurden die Olympischen Erinnerungen verwendet. Es ist aber zwingend daran zu denken, daß Coubertin sie erst 1931 niederschrieb, als er mit Abstand und der Gewißheit des Erfolges auf die Gründungszeit zurückblickte. Außerdem ist zu bedenken, daß Coubertin die Entwicklung subjektiv betrachtet und nur von Ereignissen berichtet, die ihn in einem positiven Licht erscheinen lassen.

1.2 Begriffskennzeichnung: Olympismus

Es gibt keine allgemein gültige Definition für Olympismus im engeren Sinne. Der moderne oder Neo-Olympismus ist eine Erscheinung, die durch Pierre de Coubertin Einzug in die Gesellschaft erhielt. Er wollte die Erneuerung der Menschheit durch den Sport und die damit verbundene körperliche und sittliche Vervollkommnung der Jugend in Training und Wettkampf vorantreiben.

Olympismus kann als eine philosophische Doktrin verstanden werden, die das Wesen des Olympischen Gedankens definiert (vgl. Schönknecht, 1996, S. 35). Folgende Elemente sind nach Lenk (1972) für den Olympischen Gedanken charakteristisch:

1. Die kultisch-religiöse Feier
2. Die künstlerische und geistige Gestaltung
3. Die Idee der Elite und der Chancengleichheit
4. Die Höchstleistung und der Wettkampf
5. Das Fair play und die Ritterlichkeit
6. Der regelmäßige mehrjährige Rhythmus verbunden mit der Idee des Burgfriedens
7. Die Internationalität der Spiele auf der Grundlage nationaler Eigenständigkeit
8. Die Gemeinschaft aller Sportarten
9. Der Amateurgedanke
10. Die olympische Unabhängigkeit durch ein autonomes IOC
11. Das antike Vorbild des modernen olympischen Sports

Dieser Katalog an „Werten“, dessen inhaltliche Zielsetzungen eher vage bleiben, kann seine gleichsam religiöse Bedeutung kaum über einen Fokus an inhaltlicher Übereinstimmung der Teilnehmer erreichen. Dieser kritischen Einschätzung war sich auch Coubertin früh bewußt, so daß er sich schon in den ersten Jahren der olympischen Bewegung für die Etablierung „kultischer Rituale“ und „Symbole“ einsetzte, die er als wichtiger einschätzte als die Präzisierung der Olympischen Idee.

2 Die Genese der modernen Olympischen Spiele

2.1 Wegbereiter des modernen Olympismus

2.1.1 Zappas und die griechischen Olympien

Nach der Unabhängigkeit Griechenlands im Jahre 1822 wurde bei der Gestaltung einer neuen griechischen Kultur auf wichtige antike Vorbilder zurückgegriffen. Die Wiederbelebung der Olympischen Spiele spielte hierbei eine bedeutende Rolle.

Der Mann, der die Verwirklichung dieser Idee ermöglichte, war Evangelis Zappas[1]. Zappas (1800-1865) stammte aus dem Norden Griechenlands. Er nahm am griechischen Freiheitskampf von 1821 teil und ließ sich später in Rumänien nieder, wo er als Arzt und Großgrundbesitzer ein beträchtliches Vermögen anhäufte (vgl. Georgiadis, 2000, S. 45). 1858 bot Zappas Kg. Otto von Griechenland eine große Stiftung zur Erneuerung der Olympischen Spiele an, woraufhin dieser per Dekret ein Olympisches Komitee ernannte[2]. Das Komitee war für die Organisation der Olympien verantwortlich, die „alle vier Jahre stattfinden und neben Ausstellungen landwirtschaftlicher und industrieller Produkte auch Sportwettbewerbe umfassen sollten“ (Georgiadis, 2000, S. 47). Damit mußte Zappas seinen ursprünglichen Plan eines reinen Sportfestes enorm einschränken. Die sportlichen Wettkämpfe sollten lediglich am Nachmittag des dritten Sonntags der Veranstaltung ausgetragen werden, die den gesamten Oktober über stattfinden sollte.

Am 15. November fanden die Wettbewerbe am Rande Athens in Anwesenheit des Königs statt. Die Sieger der Wettkämpfe erhielten Olivenkränze und zusätzlich gab es Geldprämien: für die Sieger je 100 Drachmen, für die Zweitplazierten je 50 Drachmen, der Sieger im Ringen bekam weiterhin eine Milchkuh (vgl. Mandell, 1976, S. 46).

Die Olympien wurden als Ganzes zwar positiv bewertet, aber die sportlichen Wettkämpfe waren an einem „ungeeignetem Ort, inmitten beispielloser Improvisation und Unordnung, ohne Sicht für die Zuschauer (...) ein lärmender Mißerfolg (Dolianitis, 1996, S. 11). Die altgriechischen Bezeichnungen der Wettbewerbe, die vom einfachen Volk nicht verstanden wurden, sowie die geringe Teilnahme und eine fehlende Vorauswahl der Athleten taten ihr übriges (Georgiadis, 2000, S. 51). Weniger die Vernachlässigung der Sportwettbewerbe an sich als vielmehr die „Art und Weise ihrer Durchführung (wurde) als eine Entwürdigung der antiken Institution angesehen“ (ebd, S. 52). Dieser Mißerfolg veranlaßte dann auch die Verantwortlichen, sich eingehender mit einer angemessenen Ausrichtung der sportlichen Wettkämpfe der Olympien zu befassen.

Die geplante regelmäßige Wiederkehr wurde nicht eingehalten und so fanden nach 1859 erst 1870, 1875 und 1888/89 wieder Olympien in Griechenland statt.

1870 waren als Organisatoren der aus Deutschland stammende Lehrer Julius Henning und drei Athener Professoren vorgesehen und ein Sportlehrer sollte das tägliche Training der Athleten während der letzten 45 Tage übernehmen. Außerdem sorgten der Austragungsort - das alte Panathenäische Stadion - ,die Auswahl der Kampfrichter, die einheitliche Kleidung der Sportler und die allgemeine Feierlichkeit der Spiele dafür, daß die Olympien von 1870, wie Georgiadis (2000, S. 55) feststellt, die „erste wirklich erwähnenswerte Veranstaltung der neu-griechischen Agonistik“ waren. Etwa 30.000 Zuschauer verfolgten das Geschehen im Stadion und die Presse äußerte sich ausführlich und lobend über die Spiele (Dolianitis, 1996, S. 12). Die athletishen Wettbewerbe genossen ein gleichwertiges Ansehen gegenüber den literarischen, musischen und künstlerischen Wettbewerben und der Sport begann, auch in höheren gesellschaftlichen Schichten Förderer zu finden (vgl. Georgiadis, 2000, S. 58).

Die Olympien von 1875 waren noch größer und es kamen Griechen aus allen Gebieten. Es wurden einige neue Wettkämpfe in das Programm aufgenommen und erstmals war die Verleihung einer Urkunde an den Sieger vorgesehen (vgl. Dolianitis, 1996, S. 12).

Die strengen Auswahlkriterien führten jedoch dazu, daß an den athletischen Wettkämpfen lediglich 24 Sportler teilnahmen. Obwohl zur Preisverleihung immerhin 15000 Zuschauer anwesend waren, sorgte eine mangelnde Organisation und eine große Unordnung im Stadion dafür, daß der Erfolg bescheidener ausfiel als fünf Jahre zuvor. Dennoch wirkte die Veranstaltung unterstützend für den Aufbau einer breiteren Sportbewegung und war für die Einführung des Turnunterrichts an griechischen Schulen mitverantwortlich (vgl. Georgiadis, 2000, S. 66ff).

Der sportliche Teil der 4. Olympien fand im Mai 1889 satt. Es nahmen etwa 30 Athleten teil und obwohl die enormen Zuschauermengen ein gewaltiges Chaos zur Folge hatten, waren die Kritiken in der Presse sehr positiv (vgl. Georgiadis, 2000, S. 76).

Daß es zu keinen weiteren Olympien mehr kam, hatte finanzielle Gründe. E. Zappas vererbte sein Vermögen nach seinem Tod 1865 an seinen Cousin K. Zappas, der sich um die Ausrichtung der nachfolgenden Spiele kümmerte. Als dieser jedoch 1892 verstarb, klagten die Erben das Vermögen erfolgreich ein, so daß es nicht, wie es E. Zappas vorsah, in den Besitz des Ausschusses der Olympien- und Zappas-Stiftung überging.

[...]


[1] Kunst- und Kulturwettbewerbe nach antikem Vorbild wurden zwar schon vorher ausgetragen, aber durch die Initiative Zappas kam es zu den ersten sportlichen Wettkämpfen.

[2] Das vollständige Dekret und eine deutsche Übersetzung bei Decker (1996, 45ff).

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Begründung der modernen Olympischen Spiele und des Olympismus durch Pierre de Coubertin
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Note
gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
19
Katalognummer
V38837
ISBN (eBook)
9783638377904
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Begründung, Olympischen, Spiele, Olympismus, Pierre, Coubertin
Arbeit zitieren
Tobias Jantz (Autor), 2003, Die Begründung der modernen Olympischen Spiele und des Olympismus durch Pierre de Coubertin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38837

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