Die Choen der Anthesterien als Tag der Kinder. Initiation und Kannenbilder


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016
26 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 3
2. Der Tag der Kannen und die Kinder... 4
2.1 Initiationsriten ... 5
2.2 Teilnahme an den Feierlichkeiten ... 8
2.3 Kinder als Thema der Kannenbilder ... 11
3. Fazit ... 19
4. Quellen-, Literatur- und Abbildungsverzeichnis ... 21
Antike Quellen ... 21
Moderne Literatur ... 22
Abbildungen ... 24
5. Anhang ... 25

3
1. Einleitung
Feste fremder Kulturen begeistern und faszinieren uns, auch und vielleicht eben besonders
dann, wenn es sich um solche vergangener Zivilisationen handelt. So ist der attische
Festkalender besonders interessant, der die vielen unterschiedlichen Feiertage der Athener
beinhaltet. Eines dieser Feste bilden die Anthesterien, die sich aus den drei Tagen der
Pithoigia, Choen und Chytren zusammensetzen. Mit dem zweiten dieser Festtage soll sich
nun im Folgenden beschäftigt werden. Der Tag der Kannen, wie er auch genannt wird, wurde
in der Forschung im Zusammenhang mit seinen gleichnamigen Kannen genauso umstritten,
wie detailliert betrachtet. Dabei scheint er offensichtlich als ein Tag für die Kinder zu
fungieren.
Nun stellt sich jedoch die Frage, inwiefern die Choen während der attischen Anthesterien
tatsächlich als Fest der Kinder bezeichnet werden können. Welche Rolle spielten die Kinder
während dieser Feierlichkeiten? Dies soll im Rahmen dieser Arbeit geklärt werden, indem
zunächst die in der Forschung umstrittene Initiation der Kinder und die damit verbundenen
Rituale am Choenfest beleuchtet werden. Anschließend soll generell deren Teilnahme an den
Feierlichkeiten während des Festes thematisiert und der Bezug der Kinder zu den
erwachsenen Teilnehmern hergestellt werden. Schließlich folgt eine Interpretation der
Kannenbilder und der Versuch, durch diese Rückschlüsse auf die Schriftquellen und
Forschungsmeinungen zu ziehen.
Wie bereits erwähnt, ist dieser Feiertag bereits vielfach und sehr genau erforscht, insofern es
die Quellenlage zulässt. Bereits im 19. Jahrhundert finden sich ausgiebige
Auseinandersetzungen mit dem Fest der Kannen. Hierzu sind besonders die Werke von
Boeckh (1817), Gerhard (1858) und Mommsen (1898) zu nennen. Im vergangenen
Jahrhundert wurde sich mit dem Thema sehr vielfältig und oft auch auf der Grundlage der
eben genannten Publikationen auseinandergesetzt. Die wohl einflussreichsten und im
Folgenden herangezogenen Arbeiten stammen von Van Hoorn (1951), Deubner (1966), Parke
(1977 und 1987) und Hamilton (1992). Die Quellenlage bezüglich des
Forschungsgegenstandes ist allerdings sehr schwierig. Abgesehen von den zahlreichen
Kannenbildern, die uns erhalten sind, gibt es nur sehr wenige und problematische
Schriftquellen über die Choen. Zudem ist die Abgrenzung der drei oben genannten Festtage
untereinander nicht immer eindeutig. Die Zuordnung der Ereignisse auf die einzelnen Tage
kann nicht immer mit Sicherheit bestimmt werden, besonders auch, da der Beginn und das

4
Ende eines Tages nach unserer heutigen Auffassung von der im alten Griechenland abweicht.
Damals endete der Tag nämlich bereits mit dem Sonnenuntergang
1
.
Diese Probleme werden im Folgenden bestmöglich berücksichtigt, können allerdings
aufgrund der Gegebenheiten nicht in ihrer Gänze behandelt und diskutiert werden.
2. Der Tag der Kannen und die Kinder
Die Choen bildeten den zweiten Tag der dreitägigen Feierlichkeiten der Anthesterien, am 12.
Tag des Monats Anthesterion
2
, eines der wohl ältesten athenischen Feste
3
, und waren in erster
Linie durch einen ausgelassenen, fröhlichen Charakter geprägt
4
. Diesem Tag geben jene
Trinkgefäße seinen Namen, die wohl während dieser Feierlichkeiten im Zentrum standen. Es
handelt sich bei der Chous um eine einfache, bauchige und etwas über 20 cm hohe Kanne,
deren Abbildungen wahrscheinlich meist im Zusammenhang mit den Fest standen
5
. Im
Zentrum des Blütenfestes
6
standen dabei weniger die religiösen Aspekte, als eher das Ziel
eines fröhlichen Frühlingsfestes zur Erfreuung der Teilnehmer mit Betonung auf der
Heiterkeit und der Ausgelassenheit im Zusammenhang mit der Öffnung des neuen Weins
7
. In
diesem Verhältnis wurde allerdings das Geschenk des Gottes Dionysos sowohl in seinem
positiven Wirken, als auch in seinen negativen Folgen betrachtet. Der Genuss, das
Wohlbefinden und die Freude auf der einen Seite, sowie Streit, Wut und Wahn auf der
anderen
8
. Da Dionysos als Gott des beginnenden Lenzes auch stets im Bezug zur Vegetation
steht und ­ bei den Anthesterien ­ als Gott der Blüten gilt, wurde er oft auch mit dem
Neubeginn in Verbindung gebracht, und so wird der neue Wein häufig als Symbol für das
Neue, die aufsteigende, heranwachsende Generation, also mit den Kindern verglichen. In
dieser Hinsicht wird er am Fest der Choen schließlich auch als Gott der Kinder verehrt
9
.
1
HAMILTON 1992, S. 45; PARKE 1977, S. 109; PARKER 2008, S. 291.
2
Thuk. II 15, 4: ,,das [Heiligtum] des Dionysos in der Niederung, dem die älteren Dionysien am zwölften Tag des
Monats Anthesterion gefeiert werden, wie es noch heutigen Tages bei den von Athen stammenden Ioniern
üblich ist", Übersetzung von Georg Peter Landmann. Zum Teil findet sich aufgrund dieses
Quellenausschnittes auch die Annahme, dass die Anthesterien nur ein eintägiges Fest waren, vgl.
HAMILTON, S. 42-45.
3
BREMMER 1996, S. 60; SEIFERT 2008, S. 85-100, hier S. 87.
4
GERHARD 1858, S. 153-154; MOMMSEN 1898, S. 388; PARKE 1987, S. 67; VAN HOORN 1951, S. 15, 18.
5
SCHEIBLER 1995, S. 20/ 51. Allerdings finden sich durchaus auch einige Choen mit Abbildungen, die keinen
Bezug zum Kannenfest erkennen lassen.
6
Der Name Anthesteria leitet sich vom griechischen Wort anthios, Blüten beziehungsweise Frühlingsgott, ab, vgl.
GERHARD 1858, S. 155; PARKE 1987, S. 159.
7
MOMMSEN 1898, S. 388/ 396; PARKE 1977, S. 109; PARKE 1987, S. 167.
8
SCHÄFER-SCHUCHARDT 2001, S. 94.
9
GERHARD 1858, 155, S. SCHÄFER-SCHUCHARDT 2001, S. 94; PARKER 2008, S. 316.

5
Im Folgenden soll nun also geprüft werden, inwiefern der Haupttag
10
dieses ,,fröhlichste[n]
aller athenischen Feste"
11
tatsächlich als ein ,,children's feast"
12
, ein Fest der Kinder,
bezeichnet werden kann.
2.1 Initiationsriten
An den Choen wurden die attischen
13
Kinder vermutlich im dritten Lebensjahr in die
Bürgerlisten eingetragen
14
und damit auch in die religiöse Gesellschaft aufgenommen
15
.
,,With new wine came new Athenians, the children (boys?) now ceremonially crowned"
16
.
Dieser Tag war im Leben der Athener sicherlich der Meilenstein, der sich in die Reihe des
Lebenslaufes einfügte: Hochzeit, Geburt, Choen, Ephebeia
17
. Die Kinder wurden dem
Familienverband im Oktober des selben Jahres bei den Apaturia vorgestellt und bekamen am
Fest der Kannen aller Wahrscheinlichkeit nach als Zeichen ihrer Aufnahme kleine
Weinkannen, Miniatur-Choen, geschenkt, aus denen sie vermutlich an diesem Tag auch den
Wein beim Symposium tranken
18
. Allerdings gibt es, trotz der generellen Annahme in der
Forschung, keine genauen Beweise dafür, dass den Kindern zu ihrer Aufnahme in die
Gesellschaft im dritten Lebensjahr an den Choen die gleichnamigen Kannen geschenkt
wurden. Betrachtet man die unterschiedlichen Größen und Abbildungen
19
, könnte man auch
argumentieren, dass alle Kinder ein solches Kännchen geschenkt bekamen, unabhängig davon,
ob sie ihre Initiation feierten oder nicht.
Beim Wetttrinken am Tag der Choen war es nämlich Brauch, dass jeder seinen eigenen
Weinkrug mitbrachte und nicht wie üblich aus einem gemeinsamen Gefäß, dem kratér
20
,
geschöpft wurde. Vor allem bei privaten Choen-Feiern war es üblich, sowohl den Wein als
10
PARKE 1977, 108.
11
GERHARD 1858, S. 153.
12
VAN HOORN 1951, S. 27.
13
CAPPS 1907, 32; NILSSON 1930, S. 15; Thuk. II 15, 4. Bei Thukydides II 15, 4 findet sich der Hinweis, dass
das Fest der Anthesterien wohl in ganz Ionien gefeiert wurde. Hamilton unterstreicht jedoch, dass das Fest
der Choen wohl als ein rein regionales Fest gefeiert wurde, vgl. HAMILTON 1992, S. 32-33. Vielleicht ist
dies jedoch nur im Bezug auf den Umfang und die Vielfältigkeit, sowie auf den offiziellen Teil des Festes zu
sehen. Allerdings bestätigen die Begrifflichkeiten Choes und Chytroi, die allem Anschein nach nur in Athen
verwendet wurden und die Fundorte der Kannen dieses Bild, denn nur wenige wurden außerhalb Attikas
gefunden und werden deshalb als Import aus Athen vermutet, vgl. HAMILTON 1992, S. 32/ 69-70;
DEUBNER 1966, S. 97.
14
SCHÄFER-SCHUCHARDT 2001, S. 95.
15
DEUBNER 1966, S. 115; VAN HOORN 1951, S. 17.
16
PARKER 2008, S. 315
17
HAMILTON 1992, S. 30-31/ 73; PARKER 2008, S. 298. Die Ephebeia bezeichnet hierbei das Ende der
Pubertät. Dafür wird in den meisten Schriften ein Alter zwischen 12 und 18 beziehungsweise 20 angegeben,
vgl. GEHRKE 1997, S. 1072-1075.
18
BREMMER 1996, S. 58; BURKERT 1977, S. 359; DEUBNER 1966, S. 116; PARKE 1977, S. 107.
19
Siehe dazu 2.3.
20
PARKE 1977, S. 113; SCHEIBLER 1995, S. 18; SIMON 1985, S. 95.

6
auch das Essen selbst mitzubringen
21
. Dieser Chous fasste in der Ausführung für die
erwachsenen Teilnehmer etwa 3,3 Liter und sollte im Zuge dessen wohl innerhalb von
wenigen Minuten geleert werden
22
. Allerdings ist nicht eindeutig beschrieben, ob der Wein in
den Kännchen der Kindern ­ wie bei den Erwachsenen ­ am Tag den Choen ebenfalls
unverdünnt zu sich genommen wurde oder ob den Kindern eher eine mildere Variante des
Getränks gereicht wurde
23
, beziehungsweise diese gar nicht als Gebrauchsgegenstand,
sondern vielmehr zu symbolischen Zwecken genutzt wurden. Da die Kindersterblichkeit
damals sehr hoch war, ging man davon aus, dass diejenigen, die das zweite Lebensjahr
vollendet hatten, das größte Risiko hinter sich hatten. Jenen Kindern, die vor diesem
eventuellen Aufnahmeritual starben, also bevor sie das Choenalter erreicht hatten oder ihre
Initiation feiern konnten, legte man häufig solche kleinen bemalten Choen mit ins Grab
24
,
damit sie jenes im Jenseits erleben konnten, was ihnen im Diesseits entgangen war
25
.
Allerdings ist nicht eindeutig bestimmbar, ob das Choenalter sich tatsächlich auf das
Aufnahmeritual bezog, sollte es ein solches gegeben haben, oder ob es vielmehr im
Zusammenhang mit dem Alter stand, das man für die Teilnehme am Wetttrinken haben musste.
Dennoch ist festzuhalten, dass in den Gräbern im Allgemeinen kleinere Kannen gefunden
wurden
26
. Rechnet man nun generell mit diesem Verhältnis, so kann daraus geschlossen
werden, dass die Kinder, die damit begraben wurden, vermutlich also entweder noch sehr
klein waren oder es üblich war, die Choenkannen, die als Grabbeilage hergestellt wurden,
klein zu halten, da sie ja nicht für den direkten Gebrauch bestimmt waren. Diese zweite
21
DEUBNER 1966, S. 96; HAMILTON 1992, S. 84/ 113; PARKE 1977, S. 113.
22
HAMILTON 1992, S. 14; SCHEIBLER 1995, S. 50.
23
Arist. Arch. 1231-1232 ,,DICAEOPOLIS: What's more, pouring it in unmixed I drank it up without a breath",
Übersetzung von Alan H. Sommerstein; HAMILTON 1992, S. 14/ 114. Dazu wird als These formuliert, dass
die Kinder aus diesem Grund nur Miniaturversionen der Kannen geschenkt bekamen, in der nur die jeweilige
Menge Wein passte, die sie trinken konnten. Allerdings ist dieser Zusammenhang in den 438 untersuchten
Choen von Hamilton nur sehr vage zu erkennen, vgl. HAMILTON 66/ 74-81. PARKER 2008, S. 300-301
geht davon aus, dass zumindest den kleinen Kindern nur sehr stark verdünnter Wein eingegossen wurde. Bei
den alten Griechen wurde der Wein üblicherweise immer mit Wasser vermischt, dazu auch Cornut. Nat. Deor.
30, 28. Bei Deubner und Parke findet sich die Annahme, dass der Wein beim auch von den Teilnehmern beim
Wetttrinken verdünnt zu sich genommen wurde, vgl. DEUBNER 1966, S. 98; PARKE 1977, S. 116. Auch bei
Schäfer-Schuchardt findet sich diese Meinung. Demnach sollte sollte der Wein von der Basilinna gemischt
und anschließend in die einzelnen Choen eingegossen werden, vgl. SCHÄFER-SCHUCHARDT 2001, S.95-
100. Bei Simon findet sich die Vermutung, dass der Wein in den Choenkannen bereits gemischt zum Fest
mitgebracht wurde, vgl. SIMON 1983, S. 95. Die Forschung scheint in diesem Punkt also keinen Konsens zu
bilden und zum Teil stark von der Quelle abzuweichen.
24
SEIFERT 2008, S. 85-100, hier S. 96. Bei Ausgrabungen entdeckte Exemplare aus Gräbern bilden einen sehr
großen Teil der heute noch erhaltenen Kannen, vgl. HAMILTON 1992, S. 70-71; MANNAK 2002, S. 37;
VAN HOORN 1951, S. 23-24/ 48-49.
25
BURKERT 1977, S. 359; SIMON 1983, S. 95; SCHEIBLER 1995, S. 51. Diese Vermutung bestätigt sich in
der Inschrift eines Grabsteins aus dem 2. Jahrhundert nach Christus: ,,Of the age of the Choes rites, but fate
anticipated the Choes", Übersetzung bei PARKER 2008, S. 298.
26
Diese stehen im Vergleich zu jenen Kännchen, die durchschnittlich in Olynthus und der Agora gefunden
wurden. Allerdings müssen diese Zahle nicht repräsentativ sein, vgl. HAMILTON 1992, S. 73.

7
Möglichkeit wird auch durch die Tatsache gestützt, dass auch Erwachsene zum Teil mit
solchen kleinen Kannen begraben wurden
27
.
Zu diesen ,,Übergangsriten"
28
trugen die neu aufgenommenen Kinder sogar spezielle
Kleider
29
, eventuell vergleichbar mit den weißen Kleidern, die in der heutigen Zeit von den
Kindern zur Kommunion getragen werden und durften ab diesem Tag auch an anderen
religiösen Festen teilnehmen
30
.
Jeder der Teilnehmer hatte so seinen eigenen Tisch und die Kinder, die an jenem Tag ihre
Initiation feiern sollten, bildeten einen wichtigen Teil der bürgerlichen Gemeinschaft. Ihre
Festtagestische standen laut Van Hoorn am Platz des Heiligtums des Dionysos
31
. Sollte dies
tatsächlich der Realität entsprochen haben, so stellte dies wirklich eine enorme Präsentation
und Fokussierung der Kinder dar. Dies wird besonders deutlich, wenn man sich vor Augen
hält, dass dieser Tempel nur an einem einzigen Tag im Jahr, nämlich den Choen, überhaupt
geöffnet war und selbst dann nur für 15 Personen, die Frau des Archon Basileus und deren 14
Helferinnen, zugänglich war
32
. Sie bekamen zudem wohl sogar Geschenke in Form von
Leckereien oder Spielsachen, wie bekränzte Choen, Kuchen, Obst, Bälle, Spielzeugräder oder
-wägen geschenkt
33
.
Außerdem waren sie am zweiten Tag des Blütenfestes, das den Beginn des Frühlings feierte
34
,
mit weißen
35
Blumenkränzen auf ihren Köpfen geschmückt
36
, welche wohl ihre Kraft und
positive Wirkung auf die Kinder übertragen sollten
37
. Auch die weiße Farbe der Blumen zeigt
eine weitere Parallele zu der weißen Farbe des Kommunionskleides in der römisch-
katholischen Religion. Diese legten sie im Anschluss an die Hochzeitsfeierlichkeiten mit dem
Wetttrinken, wie die erwachsenen Teilnehmer, um ihre Choenkannen und trugen sie gegen
Abend in den Vorhof des Dionysostempels, des Limnaions, zur Basilinna
38
.
27
HAMILTON 1992, S. 77.
28
BRUIT ZAIDMAN/ SCHMITT PANTEL 1994, S. 66.
29
VAN HOORN 1951, S. 17. Die Annahme, dass die Kinder bestimmte Gewänder trugen, passt auch in das Bild
der übrigen attischen Feste, bei denen es durchaus üblich war, dass die Mitwirkenden besondere Kleidung
trugen, vgl. GÜNTHER 2008, S. 192.
30
HEIDEBROEK-SOLDNER 2002, S. 66-67, hier S. 67.
31
VAN HOORN 1951, S. 30.
32
DEUBNER 1966, S. 100-101; GERHARD 1858, S. 157-158.
33
SIMON 1983, S. 95; VAN HOORN 1951, S. 29-30.
34
PARKE 1977, S. 107; SIMON 1983, S. 93; VAN HOORN 1951, S. 15.
35
DEUBNER 1966, 115.
36
Phil. Her. 35.9 ,,an dem Tag im Monat Anthesterion, an dem in Athen die Kinder ­ im dritten Jahr nach ihrer
Geburt ­ mit Blumen bekränzt werden", Übersetzung von Peter Gossardt. Zu diesem Ausschnitt ist
hinzuzufügen, dass es sich dabei insofern um eine problematische Quellen handelt, da das Fest der Choen
nicht explizit genannt wird und auch der direkte Bezug zu den Anthesterien fehlt, da nur der Name des
Monats fällt, vgl. HAMILTON 1992, S. 72.
37
DEUBNER 1966, 115-116; GERHARD 1858, S. 154.
38
GERHARD 1858, S. 153-154; NILSSON 1930, S. 4;

8
Es besteht eine Verbindung zwischen den Blüten und den Kleinkindern durch den Gott
Dionysos und den Beginn des neuen Jahres, da das erneute Aufblühen des Lebens im Frühling
auch als Symbol für die neu in die Gemeinschaft aufgenommenen Kinder als das Resultat der
Fruchtbarkeit gesehen werden kann.
39
Doch auch die älteren Kinder erlebten wohl an diesem
Tag ein Fest zu ihrer Aufnahme in die Welt der Erwachsenen. So war es für die 14 bis 17-
jährigen an der Zeit, ihre Kindertoga abzulegen und durch die Männertoga zu ersetzen
40
.
Allerdings ist auffällig, dass das Anthesterienfest, das auch unter dem Namen der älteren
Dionysien bekannt ist, selbst in Philostrats Heroikos nicht erwähnt wird
41
. Auch bei
Thukydides wird nur der 12. Tag des Monats Anthesterion als Fest der älteren Dionysien
genannt
42
. Während Deubner sich dabei sicher ist, dass sich Thukydides hier klar auf den
Haupttag der Anthesterien, die Choen, bezieht
43
, könnte man daraus auch schließen, dass hier
auf ein gesondertes oder separates Choenfest Bezug genommen wird, eines, das unabhängig
von den Anthesterien gefeiert wurde
44
.
Darüber hinaus lässt es die Quellenlage nicht zu, Rückschlüsse darauf zu ziehen, wann die
Krönung der Kinder mit den Blumenkränzen stattfand, welche Rituale damit einher gingen,
beziehungsweise darüber hinaus durchgeführt wurden, und ferner ob die Kinder, die nun ja
rituell in die Gemeinschaft der übrigen erwachsenen Athener aufgenommen waren, ihre
Schutzamulette ab diesem Tag ablegten
45
. Ob es tatsächlich eine solche Bekränzung der
Kinder gab, ist zudem ebenfalls anfechtbar. Schließlich gibt es nur eine einzige Quelle, die
von einem solchen Ritual berichtet, und auf den von Hamilton untersuchten Choen sind
Darstellungen von bekränzten Kindern ebenfalls nicht die Regel, auch wenn diese immerhin
auf über einem Viertel aller betrachteten Kannen zu finden sind
46
.
2.2 Teilnahme an den Feierlichkeiten
Die Kinder nahmen möglicherweise an einem Großteil der Feierlichkeiten während der Choen
teil. Wie bereits erwähnt, nahmen sie zum einen mit ihrem eigenen Krug am geselligen
Trinken und der anschließenden Spende der Blumenkränze und der Reste des Weins an die
39
SIMON 1983, S. 94; PARKE 1977, S. 107.
40
SCHÄFER-SCHUCHARDT 2001, S. 95.
41
SEIFERT 2008, S. 85-100, hier S. 88.
42
Thuk. II 15, 4.
43
DEUBNER 1966, S. 93.
44
SEIFERT 2008, S. 85-100, hier S. 95. Die Unterscheidung der verschiedenen Dionysosfeste scheint aus der
heutigen Perspektive allgemein schwierig. So ist auch das Fest der Lenäen und die großen, sowie die
ländlichen Dionysien in verschiedenen Werken versucht worden, von den Anthesterien abzugrenzen, vgl.
ferner CAPPS 1907 und BOECKH 1817.
45
PARKER 2008, S. 298. Die Bedeutung dieser Amulette wird unter 2.3 erneut aufgegriffen.
46
HAMILTON 1992, S. 81/ 71. Dies ist bei 124 von 438 untersuchten Kännchen der Fall.
Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Choen der Anthesterien als Tag der Kinder. Initiation und Kannenbilder
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Alte Geschichte)
Veranstaltung
Attische Feste: Die athenische Gesellschaft im Spiegel ihrer Rituale
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
26
Katalognummer
V388403
ISBN (eBook)
9783668626638
ISBN (Buch)
9783668626645
Dateigröße
1197 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
choen, anthesterien, kinder, initiation, kannenbilder
Arbeit zitieren
Luisa Hammerich (Autor), 2016, Die Choen der Anthesterien als Tag der Kinder. Initiation und Kannenbilder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388403

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