Robert Kempner, Ankläger einer Epoche


Hausarbeit, 2005

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung:

2. Das Leben von Robert Kempner.:
2.1. Elternhaus und Kindheit:
2.2. Kempners erste Tätigkeiten:
2.3. Kempners Leben im nationalsozialistischen Berlin und die:
2.4. Ankläger in Nürnberg:
2.5. Berufstätigkeit nach Ende der Nürnberger Prozesse:
2.6. Kempner als Publizist:

3. Kempners Autobiographie „Ankläger einer Epoche“. :

4. Fazit.:

5. Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit beschäftige ich mich im Rahmen des Seminars „Menschen im Krieg“ mit dem Leben und Wirken von Robert Max Wassily Kempner. Die Person Robert Kempner ist den meisten Deutschen, gerade auch den Schülern, völlig unbekannt, da er im Geschichtsunterricht keine Erwähnung findet.

Kempner, ein jüdischer Jurist, war nach dem Zweiten Weltkrieg stellvertretender US Ankläger in zwei der insgesamt dreizehn Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse. Er trug somit maßgeblich zu der Aufarbeitung der Verbrechen des Hitlerregimes bei.

Ich werde die Hausarbeit in zwei Teile aufteilen. Im ersten Teil möchte ich zentrale Passagen aus Kempners Leben darstellen, wobei sein Wirken bei den Nürnberger Prozessen selbstverständlich einen Schwerpunkt bilden wird, jedoch auch seine Zeit beim preußischen Innenministerium und die Zeit der 50er und 60er Jahre wird eine wichtige Rolle spielen.

In einem zweiten Teil möchte ich dann die Autobiographie von Kempner „Ankläger einer Epoche“ (in Zusammenarbeit mit dem Journalisten Jörg Friedrich entstanden) in den Blick nehmen und diese anhand von Fragen zur Bearbeitung von lebensgeschichtlichen Biographien bearbeiten. Diese Fragen sollen aber nicht extra aufgeschrieben werden, sondern in einen fortlaufenden Text integriert werden. Kempner selbst war auch als Publizist tätig.

Insgesamt hoffe ich durch diese Arbeit Robert Kempner dem Leser ein wenig näher zu bringen.

2. Das Leben von Robert Kempner

2.1.Elternhaus und Kindheit

Robert Kempner wurde am 17. Oktober 1899 in Freiburg im Breisgau geboren. Der Geburtsort ist eher zufällig, da seine Eltern Walter Kempner und Lydia Rabinowitsch-Kempner auf dem Rückweg eines Forschungsaufenthalts zur Malaria-Bekämpfung am Skutari-See (an der Grenze zwischen Montenegro und dem späteren Albanien) waren. Kempner schreibt dazu in seiner Autobiographie: „Auf dem Rückweg wurde ich in der Universitätsklinik Freiburg abgesetzt.“[1]

Kempners Vater war der Sanitätsrat Dr. Walter Kempner (geb. 1869 in Glogau, gestorben 1920 in Berlin an Kehlkopftuberkulose) war Mediziner und beschäftigte sich auch wissenschaftlich. So veröffentlichte er eine Arbeit über den Botulismus (eine bakterielle Lebensmittelvergiftung), die ihm in der Forschungswelt beachtlichen Ruhm einbrachte. Auch ehrenamtlich engagierte sich Walter Kempner, z.B. in der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung des Kurpfuschertums.[2] Robert Kempner bezeichnet seinen Vater als „strengen Liberalen“, der auch Sympathien für die Sozialdemokratie hatte.[3] 1898 heiratete Walter Kempner die Wissenschaftlerin Lydia Rabinowitsch, die er fortan bei ihren Forschungen unterstützte und selbst etwas in den Hintergrund trat.

Kempners Mutter Lydia Rabinowitsch-Kempner (geboren 1871 in Kaunas/Litauen, damals Russland, gestorben 1935 in Berlin) war wie bereits gesagt Wissenschaftlerin und zwar Bakteriologin. Rabinowitsch-Kempner entstammte einer jüdischen Brauereibesitzerfamilie und konnte dank der Unterstützung ihrer Großmutter genauso wie ihre Geschwister studieren. Der Zugang für Frauen an deutsche Universitäten war zur damaligen Zeitung nicht möglich, so dass sie in der Schweiz (Universitäten Zürich und Bern) studieren musste. Dort studierte sie Naturwissenschaften, was für eine Frau sehr ungewöhnlich war. 1896 wurde Rabinowitsch-Kempner in Zürich promoviert und nahm 1897 einen Ruf der Universität Philadelphia an, um Leiterin des „Womens Medical College“ zu werden. Im gleichen Jahr habilitierte sie sich ebenfalls in Philadelphia. Nach Deutschland zurückgekehrt, arbeitete sie am Robert Koch-Institut und später am Pathologischen Institut der Charite in Berlin. Im Jahr 1912 erhielt sie als erste Frau überhaupt einen Professorentitel in Preußen zuerkannt, was gleichzeitig der erste Professorentitel einer Frau im ganzen Deutschen Reich war. Der Schwerpunkt ihrer wissenschaftlichen Arbeit lag auf dem Gebiet der Tuberkulose, wie bei ihrem Chef Robert Koch mit dem die Familie Kempner auch privat eine Freundschaft verband. Koch wurde schließlich auch Pate von Kleinrobert. Robert Kempner schreibt in seinen Erinnerungen mit Hochachtung von seinen Eltern und betont, dass sich die Mutter trotz ihrer wissenschaftlichen Aktivitäten auch um das Wohl und die Erziehung der Kinder kümmerte. Die Kinder wurden „neben den geimpften Kaninchen unter der Veranda allmählich größer“,[4] schreibt Kempner dazu. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde Rabinowitsch-Kempner auf Grund ihrer jüdischen Abstammung zwangspensioniert.

Robert Kempner hatte zwei jüngere Geschwister und zwar die Schwester Nadeschda, die Philologie studierte und einen Schwindel des Engländers Sir Walter Raleigh aufdeckte, der eines seiner Werke in englischer Sprache als neues Werk anbot, obwohl er in Wirklichkeit bei Machiavelli abgeschrieben hatte.[5] Sie starb bereits früh an Tuberkulose. Kempners Bruder Walter war der jüngste Spross der Familie. Er studierte Medizin, kam über den Internisten Professor von Bergmann an das Kaiser-Wilhelm-Institut zu Otto Warburg. Er wanderte bereits 1934 in die USA aus, wo er Universitätsprofessor für Medizin wurde. Walter Kempner wurde der internationalen Fachwelt durch die salzlose Kempnersche Reisdiät bekannt.[6]

Robert Kempner selbst besuchte das Schillergymnasium in Berlin-Lichterfelde, wo er 1917 während des Ersten Weltkrieges sein Abitur ablegte. Auf dieser Schule kam er zum ersten Mal mit „antisemitischen Anpöbeleien“ in Berührung. Er bezeichnet das Schillergymnasium als „sehr nationale Schule, die in punkto Nationalsozialismus beinahe wetteiferte mit der Hauptkadettenanstalt.“[7] Aber keinem seiner ehemaligen Klassenkameraden unterstellte er Bewunderung für die Nationalsozialisten, im Gegensatz zu späteren Studienkollegen an der Universität. 1917 meldete sich Kempner freiwillig zum Militärdienst, da er der Zwangseinziehung entgehen wollte.[8] Er erlebte im Ersten Weltkrieg die Kämpfe um die Marne an der Westfront und brachte es zum Gefreiten und Träger des Eisernen Kreuzes II. Klasse, das er zwar bei keinem Anlass trug, jedoch war er stolz es bekommen zu haben. Ende 1918 schrieb sich Kempner als Student der Rechtswissenschaften an der Friedrich Willhelm-Universität in Berlin ein. Seltsamerweise jedoch berichtet er in seinen Erinnerungen sehr wenig über sein Studium, was darauf schließen lässt, dass es ihn nicht sonderlich beeinflusste. Er geht nur sehr kurz auf Auseinandersetzungen mit Kommilitonen ein, die sich stark nach rechts entwickelten und auf die Republik spuckten.[9] Seine akademischen Lehrer finden in seiner Autobiographie kaum Erwähnung. Während seines Studiums studierte Kempner ein Jahr an der Universität Freiburg, kehrte aber nach Berlin zurück und legte 1923 sein erstes juristisches Staatsexamen ab.

2.2. Kempners erste Tätigkeiten

Mit dem Ablegen des ersten juristischen Staatsexamens 1923 war Kempners universitäres Studium beendet und er begann sein Referendariat beim Berliner Kammergericht. Die Tätigkeiten dort langweilten ihn, wie er selbst zugibt, etwas. Deshalb entschloss sich Kempner neben seinem Referendariat für einen Rechtsanwalt in Berlin zu arbeiten, um sowohl die Arbeit eines Gerichts als auch eines Verteidigers kennen zu lernen. Auf Vermittlung eines Beamten beim Kriminalgericht Berlin-Moabit bekam Kempner eine Stelle bei dem zur jener Zeit bekannten und angesehenen Anwalt Dr. Erich Frey, der „alles verteidigte was gut und teuer war“[10], wie Kempner anmerkt. Kempner fiel während seiner Arbeit bei Frey durch seine glänzende Redegewandtheit und schnelle Auffassungsgabe auf, weshalb er schnell zum amtlich bestellten Vertreter von Frey wurde, und somit auch selbst Prozess führen konnte, was ihm einen sehr tiefen Einblick in die Arbeit eines Anwalts vermittelte. Kempner vertrat Frey bald nicht nur bei kleineren Prozessen, sondern auch bei größeren Fällen. Er kam hier auch mit anderen führenden Berliner Verteidigern in Kontakt, was ihm Bekanntheit einbrachte. Kempner lernte jedoch auch die Schattenseiten des Anwaltsdaseins kennen. Insbesondere störte ihn die, wie er schreibt „schmale Grenze zwischen Anstand und Unanstand bei der Finanzierung der Tätigkeit als Anwalt“,[11] da ein Teil des Honorars möglicherweise aus Beutegeldern oder aus anderen nicht legalen Quellen stammen konnte. Dies war der Hauptgrund für ihn nach Ablegung des zweiten juristischen Staatsexamens im Jahr 1926 nicht als Anwalt zu arbeiten. Zunächst wurde Kempner Gerichtsassessor bei der Berliner Staatsanwaltschaft und verschiedenen Berliner Amtsgerichten (u.a. Berlin-Lichterfelde, Berlin-Mitte und Berlin-Moabit.) Diese Arbeiten jedoch füllten Kempner nicht aus und er war auf der Suche nach einem neuen Wirkungskreis, den er im Frühjahr 1938 erhalten sollte.

Kempner erhielt nämlich 1928 das Angebot als Beamter ins Preußische Innenministerium einzutreten, um den Staat in Rechtsfragen zu beraten und als Sachbearbeiter Angelegenheiten, welche die Polizei betrafen, zu bearbeiten. Kempner war klar, dass diese Arbeit sich von der Arbeit bei der Justiz grundlegend unterscheiden würde, da diese Arbeit hauptsächlich aus Bürotätigkeiten bestand. Seine ersten Einsätze erfolgten in der Verkehrsabteilung bei Oberregierungsrat Patsch, der Kempner den Führerschein machen ließ, damit er sich besser in die Positionen von Autofahrern hineinversetzen konnte. Nach kurzer Zeit wurde Kempner auf die freigewordene Stelle des Justitiars bei der Preußischen Polizei versetzt. Hier war er unter anderem zuständig für die Regelung von Schadensersatzansprüchen gegen die Polizei. Er kam in dieser Position in den ersten Kontakt mit NSDAP-Anwälten vor allem Hans Frank, dem späteren Reichsprotektor von Polen, der Demonstrationsschäden geltend machen wollte. Er wird von Kempner als sachlich, aber im Hintergrund einflussreich beschrieben.[12]

[...]


[1] Vgl. Kempner, Ankläger einer Epoche, S. 1.

[2] Vgl. Weber, Robert M.W. Kempner, S. 795.

[3] Vgl. Kempner, Ankläger einer Epoche, S. 16.

[4] Vgl. Ebd. S. 20.

[5] Vgl. Ebd. S. 20.

[6] Vgl. Ebd. S. 20.

[7] Vgl. Ebd. S. 27.

[8] Vgl. Ebd. S. 21.

[9] Vgl. Ebd. S. 28.

[10] Vgl. Ebd. S. 32.

[11] Vgl. Ebd. S. 38.

[12] Vgl. Ebd. S. 53.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Robert Kempner, Ankläger einer Epoche
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Veranstaltung
Menschen im Krieg
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V38841
ISBN (eBook)
9783638377935
ISBN (Buch)
9783656068679
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Robert, Kempner, Ankläger, Epoche, Menschen, Krieg
Arbeit zitieren
Mario zur Löwen (Autor), 2005, Robert Kempner, Ankläger einer Epoche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38841

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