Analyse des Romans "Die Zeit der Wunder" von Anne-Laure Bondoux. Inwieweit beeinflusst die Mobilität des Protagonisten seine Entwicklung?


Hausarbeit, 2015

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Erzähltextanalyse... S.
1
2. Figurenanalyse...S.
3
2.1. Figurenanalyse der Figur
Koumaïl... S.
3
2.1.1.
Figurenkonzeption der Figur Koumaïl... S.
3
2.1.2.
Charakterisierungstechniken der Figur Koumaïl... S.
4
2.1.3.
Stellung der Figur im textspezifischen sozialen Raum... S.
6
2.2.
Handlungsmodell nach Greimas ... S.
6
3.
Raumsemantikanalyse... S.
7
3.1.
Semantisierung des Raums... S.
7
3.1.1.
Der komplementäre Gegensatz der Teilräume... S.
7
3.2.
Wegstrukturen im Raum... S.
9
4.
Die Gattung des Adoleszenzromans...S.
9
4.1.
Zum Begriff Adoleszenz ...S.
9
4.2.
Aspekte des Adoleszenzromans im Vergleich zu ,,Die Zeit der Wunder"... S. 1
0
5.
Fazit... S. 1
1
Literaturverzeichnis... S. 1
3

Einleitung
Die Hausarbeit untersucht den Roman ,,Die Zeit der Wunder" von Anne-Laure
Bondoux im Hinblick auf die Frage, inwieweit die Mobilität des Protagonisten
seine Entwicklung beeinflusst.
Der Roman erzählt die Geschichte des Jungen
Koumaïl, der mit seiner Mutter
Gloria aus dem Kaukasus nach Frankreich flüchten muss, um die Verbindung zu
seinem terroristischen Vater ZemZem Dabaïev zu kappen. Dies erfährt der
Protagonist, Ich-Erzähler und somit auch der Rezipient aber erst am Romanende.
Zuvor ist man in dem Glauben, Koumaïl hieße Blaise Fortune und sei eigentlich
Franzose, der bei einem Zugunglück seine Mutter verlor. Gloria erzählt ihm, sie
habe während des Unglücks ihn und die Pässe gerettet. Damit möchte sie ihnen ein
besseres Leben in Frankreich ermöglichen. Im Gegensatz zu seiner Mutter gelingt
Koumaïl die Grenzüberschreitung in die Französische Republik, sodass die Figuren
von dort an getrennt sind.
Die Hausarbeit beginnt mit einer Erzähltextanalyse, gefolgt von einer
Figurenanalyse, in der die Figurenkonzeption, Charakterisierungstechniken, der
textspezifische soziale Raum und das Handlungsmodell nach Greimas betrachtet
werden. Anschließend kommt es zur Analyse des Raumes, wobei der Fokus auf den
komplementären Gegensätzen der Teilräume und den Wegstrukturen im Raum
liegt. Darauf aufbauend beschäftigt sich die Arbeit zuletzt mit der Gattung des
Adoleszenzromans, um Unterschiede oder Gemeinsamkeiten mit dem Roman ,,Die
Zeit der Wunder" herauszustellen.
Diese Untersuchungen zeigen den Kontrast zwischen Frankreich und dem
Kaukasus in Bezug auf Krieg, Frieden, Bildung, Armut und Freundschaft, sowie
die Schwierigkeit der Aufrechterhaltung von Sozialbeziehungen und die damit
verbundene enge Bindung zu Gloria. Weiter wird die nötige Hoffnung, um die
widrigen Umstände zu ertragen, gezeigt. Außerdem geht es um
Autonomieentfaltung, welche aufgrund der fremdbestimmten Mobilität und der
Aktanten, die Entscheidungen für Koumaïl treffen, problematisch ist.

1
1. Erzähltextanalyse
Die folgende Erzähltextanalyse untersucht die Zeit, den Modus und die Stimme des
Romans.
Die Erzählzeit umfasst 189 Seiten. Die erzählte Zeit impliziert die Lebensjahre
sieben bis zwanzig des Jungen
Koumaïl.
1
Die Wiedergabe des Romans ist insgesamt chronologisch und die Ordnung der
Ereignisfolge wird lediglich in Form von Analepsen umgestellt. Diesbezüglich fällt
auf, dass der Ich-Erzähler in Kapitel eins aus der Sicht des zwanzigjährigen
Koumaïls auf seine Ankunft in Frankreich zurückblickt: ,,An dem Tag, als die
Zollbeamten mich hinten im Lastwagen fanden, war ich zwölf Jahre alt. [...]"
2
Daraufhin beginnt das zweite Kapitel mit: ,,Meine ältesten Erinnerungen reichen
ins Jahr 1992 zurück, [...]."
3
Die gesamten folgenden Kapitel erzählen die
Geschichte des Jungen bis zu seinem zwanzigsten Lebensjahr und können somit als
nachträglich dargestelltes Ereignis betrachtet werden. Die Autorin arbeitet hier mit
einer aufbauenden Rückwendung, da sie zum Verständnis der noch uneinsichtigen
Situation in Kapitel eins beiträgt. Eine weitere Analepse kommt am Romanende
vor, als Gloria vergangene Ereignisse, aus denen die Flucht resultiert, schildert
(Vgl. S. 168-172). Auch diese Anachronie ist auflösend, da sie enthüllt, was zuvor
falsch ausgelegt wurde.
4
Die Erzählgeschwindigkeit des Romans ist überwiegend gerafft. Innerhalb des
zeitraffenden Erzählens befinden sich einige explizite Ellipsen, die zum Großteil
den Sprung zum nächsten Kapitel markieren (Vgl. z.B. S.120f.).
5
Angesichts der Wiederholungsbeziehungen dominiert singulatives Erzählen. Eine
repetitive Erzählung tritt durch die Wiedergabe der Geschichte des Zugunglücks
auf. Diese wird zunächst ausführlich dargestellt (Vgl. S. 14-26), dann wiederholt
angerissen (Vgl. S. 110) und schließlich in einer korrigierten Fassung erzählt (Vgl.
S.168-175).
6
1
Vgl. Martinez und Scheffel: Erzähltheorie, S. 33.
2
Bondoux: Die Zeit der Wunder, S. 5.
3
Ebd., S. 8.
4
Vgl. Martinez und Scheffel: Erzähltheorie, S. 34-38.
5
Vgl. ebd., S. 42-45.
6
Vgl. ebd., S. 47f.

2
Hinsichtlich der Perspektivierung des Erzählens handelt es sich um einen Ich-
Erzähler. Dieser kommentiert und bewertet das Dargestellte regelmäßig, weswegen
die Geschichte im narrativen Modus erzählt wird.
7
Bezüglich der Erzählung von Worten dominiert die direkte Figurenrede, wie zum
Beispiel:,,,Er musste!`, erklärt mir Emil."
8
Des Weiteren wird die gesprochene
Sprache in Form von autonomer direkter Figurenrede präsentiert: ,,,Ist das ein
handfester Beweis?` / ,In gewisser Weise.` / ,Heißt das, ihr glaubt mir jetzt?`"
9
.
Etwas seltener ist die Verwendung der erzählten Figurenrede (Vgl. z.B. S.114),
genauso wie die transponierte Figurenrede, welche ausschließlich in Form der
indirekten Figurenrede erscheint (Vgl. z.B. S.44). Innere Monologe sind kurz und
geben Gedanken des Ich-Erzählers als Fragen an sich selbst wieder: ,,Ich frage mich
auch, was sie hinter dem Vorhang ihrer Lieder wahrnimmt. [...] Bilder aus ihrem
alten Leben? Das Blut ihres Vaters?"
1011
In Betrachtung der Sichtweise des Erzählten, ist eine dominant interne
Fokalisierung herauszustellen. Die Darstellung der Rahmenhandlung ist
durchgängig auf die Wahrnehmung der Figur Koumaïl beschränkt, sodass von einer
fixierten internen Fokalisierung gesprochen werden kann.
12
In Anbetracht der zeitlichen Distanz zwischen dem Erzählen und dem Erzählten
handelt es sich um späteres Erzählen.
13
Die Erzählung der Rahmenhandlung erfolgt
auf extradiegetischer Ebene; die Binnenerzählung des Zugunglücks stellt dagegen
ein intradiegetisches Ereignis dar. Vor allem, weil dieses in Kapitel 45 in einer
korrigierten Fassung dargelegt wird, kommt der Binnenerzählung eine explikative
Funktion zu, indem sie aufzeigt, welche Geschehnisse die Lage herbeigeführt
haben. Dementsprechend handelt es sich um eine kausale Verknüpfung der
Rahmen- und Binnengeschichte.
14
7
Vgl. Martinez und Scheffel: Erzähltheorie, S. 51.
8
Bondoux: Die Zeit der Wunder, S. 27.
9
Bondoux: Die Zeit der Wunder, S. 138.
10
Ebd., S. 84.
11
Vgl. Martinez und Scheffel: Erzähltheorie, S. 53-63.
12
Vgl. ebd., S. 67f.
13
Vgl. ebd., S. 72-74.
14
Vgl. ebd., S. 78-82.

3
Im Hinblick auf die Beziehung von Erzähler und Figur ist der Erzähler als Figur in
der von ihm erzählten Geschichte, welche ebenfalls seine eigene Geschichte ist,
involviert und deshalb ein extradiegetisch-homodiegetischer Erzähler.
15
2. Figurenanalyse
2.1. Figurenanalyse der Figur Koumaïl
Koumaïl Debaïev ist am 28. Dezember 1985 in Abchasien geboren und Sohn der
Russin Gloria Vassilievna Debaïeva und des Tschetschenen ZemZem Debaïev
(Vgl. S. 177f.). Die ersten zwölf Jahre seines Lebens verbringt er im Kaukasus (Vgl.
S. 6). Danach lebt er in der Französischen Republik, wo er im Alter von achtzehn
Jahren die Französische Staatsbürgerschaft erhält (Vgl. S. 149).
2.1.1 Figurenkonzeption der Figur Koumaïl
Koumaïl wird von seiner Kindheit bis zum erwachsenen Alter von zwanzig Jahren
dargestellt, in denen es stetig zur Entwicklung des Alter, Aussehens und der
Eigenständigkeit, sowie einem häufigen Wechsel der Wohnorte und schließlich zur
Grenzüberschreitung kommt. Letztendlich führt der Fortgang von einem
bedürftigen und notleidenden Kind zu einem erwachsenen Mann, der in soliden
Verhältnissen lebt. Aufgrund der Veränderungen und der Zuordnung verschiedener
Teilräume kann Koumaïl als dynamisch angelegte Figur definiert werden.
Zum bedeutsamen Raumwechsel und damit verbunden auch zu einer sprunghaften
Veränderung im Leben des Protagonisten kommt es durch die Ankunft in
Frankreich: ,,So endete meine Kindheit: plötzlich und unerwartet, an der Autobahn
A4, [...]."
16
Diese Veränderung markiert den Kontrast zwischen einem Leben im
Krieg und dem Leben in Frieden. Im Kaukasus ist Koumaïl ein ärmlicher
Flüchtling: ,,Mir ist kalt und ich habe Hunger, wie immer."
17
Im Gegensatz dazu
hat das Leben in Frankreich ein Recht auf existenzielle Grundlagen und Bildung
zur Folge (vgl. S. 6).
18
Koumaïl besitzt zusammenpassende Eigenschaften, durch die ein gewisser
Charakter identifiziert werden kann. Zwar verändert sich der biographische
15
Vgl. Martinez und Scheffel: Erzähltheorie, S. 84.
16
Bondoux: Die Zeit der Wunder, S. 5.
17
Ebd., S. 44.
18
Vgl. Schneider: Moderne Literaturwissenschaft, S. 37 und Pfister: Das Drama, S. 242.
Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Analyse des Romans "Die Zeit der Wunder" von Anne-Laure Bondoux. Inwieweit beeinflusst die Mobilität des Protagonisten seine Entwicklung?
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Deutsche Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Proseminar: Neuere Deutsche Literaturwissenschaften: Krieg und Konflikte in aktueller Kinder- und Jugendliteratur
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V388433
ISBN (eBook)
9783668626652
ISBN (Buch)
9783668626669
Dateigröße
931 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Raumsemantikanalyse, Adoleszenzroman, Kriegsroman, Erzähltextanalyse, Handlungsmodell, Handlungsmodell nach Greimas, Figurenanylse, Figurenkonzeption, Charakterisierungstechniken, Adoleszenz, textspezifischer sozialer Raum
Arbeit zitieren
Meike Vösgen (Autor:in), 2015, Analyse des Romans "Die Zeit der Wunder" von Anne-Laure Bondoux. Inwieweit beeinflusst die Mobilität des Protagonisten seine Entwicklung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388433

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