Organisation und Strukturen der Sozialen Arbeit. Trägerstrukturen und Prozesse der Ökonomisierung und Vermarktlichung


Ausarbeitung, 2017

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

II
Inhaltsverzeichnis
Trägerstrukturen in der Sozialen Arbeit ... 1
Prozesse der Ökonomisierung und Vermarktlichung ... 1
Fallverstehen in der Sozialen Arbeit ... 1
Strukturelle Verantwortungslosigkeit und geplanter Vandalismus ... 1
1
Trägerstrukturen in der Sozialen Arbeit ... 1
1.1
Die Öffentlichen Träger ... 1
1.2
Die Freien Träger ... 2
1.3
Das Verhältnis zwischen Öffentlichen und Freien Trägern ... 2
1.4
Nützliche Aspekte für Adressaten ... 3
1.5
Die Gefahren für Adressaten ... 3
2
Prozesse der Ökonomisierung und Vermarktlichung ... 4
2.1
Die Ökonomisierung sozialer Dienste ... 4
2.2
Die Auswirkungen der Ökonomisierung auf die Freien Träger... 5
3
Fallverstehen in der Sozialen Arbeit ... 6
3.1
Fallverstehen im Fall Ralf Dierks ... 7
3.2
Fallverstehen im Fall Falko ... 8
4
Strukturelle Verantwortungslosigkeit und geplanter Vandalismus ... 9
4.1
Ein Vergleich der Fälle Barat und Ralf Dierks ... 10
4.2
Alternative Vorgehensweisen zum Durchbrechen von Problemkarrieren ... 11
Literaturverzeichnis ... III

1
1
Trägerstrukturen in der Sozialen Arbeit
In der Sozialen Arbeit wird zwischen Öffentlichen, Freien und Gewerblichen Trägern unter-
schieden. Fachverbände haben eine Sonderstellung, da sie keine direkten Leistungen be-
reitstellen, jedoch bedeutsamen Einfluss auf die sozialpolitische Steuerung und fachpoliti-
sche Prägung eines Arbeitsfeldes nehmen. Auf die Öffentlichen und Freien Träger, insbe-
sondere deren Verhältnis zueinander wird im Folgenden eingegangen (vgl. Griesehop, 2011:
45).
Griesehop bezieht sich auf Merchel und beschreibt ,,Soziale Arbeit [...] als institutionalisierte
Form gesellschaftlichen Handelns und [sie] spiegelt sich in einer Vielzahl unterschiedlicher
Organisationsformen wider" (Merchel 2008, zit. nach Griesehop, 2011:50). Nach Bieker bil-
den
Träger der Sozialen Arbeit
ein Hyperonym für Organisationen ,,die sich mit Sozialer Ar-
beit ideell fördernd, konzeptionell entwickelnd, planend und vor allem ausführend sowie fi-
nanzierend befassen" (Bieker/Floerecke, 2011: 13).
1.1 Die Öffentlichen Träger
Öffentliche Träger sind Organe des Sozialstaats. Funktional werden bei den Öffentlichen
Trägern zwischen Einrichtungen und Diensten, die staatlich finanzierte Sozialleistungen er-
bringen und jenen, die sozialadministrative Aufgaben übernehmen unterschieden. Die So-
zialadministration ist im Kontext auf die Sozialversicherung Allgemeinvorsorge, Schadens-
ausgleichversorgung, Sozialhilfe, Jugendhilfe und Gesundheitshilfe zuständig. Sie koordiniert
Prozesse der Entscheidungsvorbereitung, -findung und dem Entscheidungsvollzug über alle
Leistungen und Verpflichtungen der sozialen Sicherung (vgl. Griesehop, 2011: 50). Die Öf-
fentlichen Träger auf der regionalen Ebene, Jugendamt, Sozialamt und Gesundheitsamt,
handeln als Sozialleistungsbehörde aber auch als Gewährleistungsträger. Als Sozialleis-
tungsbehörde werden Träger von Einrichtungen und Diensten bezeichnet. Gewährleistungs-
träger sind Institutionen, die die Gesamtplanungsverantwortung in ihrem Zuständigkeitsbe-
reich übernehmen müssen und somit auch als Ansprechpartner für Leitungsansprüche fun-
gieren. Die Öffentlichen Träger auf überregionaler Ebene, das Landesjugendamt und übe-
rörtliche Träger der Sozialhilfe, beraten und inspirieren die übergeordneten Behörden. Über
die administrative Funktion hinaus, werden sie nur in konkreten Realisierungsprozessen, um
den überörtlichen Versorgungsbedarf zu decken, tätig. Die für die regionale Ebene charakte-
ristische Doppelfunktion existiert auf überregionaler Ebene nicht (vgl. Merchel 2003, in
Griesehop (2011: 46).

2
Öffentliche Träger sind gesetzlich auf das Subsidiaritätsprinzip verpflichtet, verabschiedet
wurde dies im SGB I. Im sozialstaatlichen Auftrag leisten sie als Institutionen
Hilfe zur
Selbsthilfe
und unterstützen den Einzelnen und Gruppen, wenn deren Kompetenzen und
Ressourcen zur Erhaltung der Eigenverantwortung nicht mehr ausreicht. Der Subsidiarität
entsprechend, erfolgt der hilfreiche Beistand hierarchisch von der übergeordneten Einheit, in
diesem Fall der Staat, für die untergeordnete Einheit, dem Bürger bzw. der Familie (vgl.
Bettmer 2010, in: Griesehop (2011: 48).
1.2 Die Freien Träger
Eine regionale und überregionale Differenzierung der Freien Träger ist nur sehr selten zu
beobachten, ein Beispiel dafür sind jedoch gemeinnützige Stiftungen. Größtenteils sind Freie
Träger in Verbandsstrukturen eingebettet, die den konfessionellen Wohlfahrtsverbänden
oder den Jugendverbänden zuzuordnen sind. Diese Zugehörigkeit ist auch bei der Mehrheit
der Selbsthilfe- und Initiativgruppen, die über die Mitgliedschaft in Wohlfahrtsverbänden ent-
steht, zu erkennen (ebd.:47). Freie Träger sind im Allgemeinen nicht-staatliche Organisatio-
nen, z. B. Vereine, Gesellschaften mit beschränkter Haftung etc., die in privat und frei-
gemeinnützige Non-profit Organisationen unterschieden werden. Gemeinnützig ist eine pri-
vate Organisation, wenn eine soziale Leistung ohne eine Absicht Gewinne zu erzielen ange-
boten wird (vgl. Olk, 2011: 415). Eine klare gesetzliche Definition für Freie Träger gibt es
nicht. Die Vielzahl der Organisationen sind jedoch den Spitzenverbänden angeschlossen.
Diese sind der Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt e. V., Deutscher Caritas-Verband e. V.,
Deutsches Rotes Kreuz e. V., Diakonisches Werk der evangelischen Kirche in Deutschland
e. V., Gesamtverband des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes e. V., Zentrale Wohlfahrtsstel-
le der Juden in Deutschland e. V. Ebenso zu erwähnen sind Selbsthilfe- und selbstorgani-
sierte Gruppen (Arnold, 2003: 25 f.).
1.3 Das Verhältnis zwischen Öffentlichen und Freien Trägern
Zwischen dem Öffentlichen Träger (i. d. R. die Kommune) als Kostenträger, dem Freien Trä-
ger (z. B. ein Altenheim) als Leistungserbringer und dem Adressaten (Klient/in) als Leis-
tungsnehmer entsteht ein Dreiecksverhältnis. Das Verhältnis von Leistung und Gegenleis-
tung ist entkoppelt (vgl. Arnold, 2003: 24). Das Verhältnis von Öffentlichen und Freien Trä-
gern der Jugend- und Sozialhilfe ist weitestgehend durch das Subsidiaritätsprinzip geregelt.
Ist der Bedarf an sozialen Hilfsangeboten und Einrichtungen größer, als die zur Verfügung
stehenden Ressourcen, haben Freie Träger ein bedingtes Vorrecht darauf, diese zur Verfü-

3
gung zu stellen (vgl. Griesehop, 2011: 49). Somit besteht für die Freien Träger eine Be-
standsgarantie (vgl. Olk, 2011: 415) sowie ein Mitwirkungsrecht in öffentlichen Entschei-
dungsfragen, insbesondere durch den gesetzlich vorgeschriebenen Jugendhilfeausschuss
im Bereich der Jugendhilfe (vgl. Arnold 2003: 27). Erst wenn die Freien Träger den Bedarf
nicht ausreichend decken können, die Gesamtverantwortung einschließlich der Planungs-
verantwortung obliegt den Öffentlichen Trägern, treten diese selbst ein, um eine bestmögli-
che Versorgung des Leistungsempfängers zu gewährleisten (vgl. Griesehop, 2011: 49).
,,Planung bedeutet die Entwicklung längerfristiger und weitreichender Handlungsstrategien
und bezieht die Bedarfserhebung, die Planungsziele, die Finanzplanung und die Erfolgskon-
trolle ein" (Arnold, 2003: 6). Die Gesamtverantwortung verpflichtet die Öffentlichen Träger
gesetzlich zum Ausbau und zur Sicherung der Versorgungsstrukturen (vgl. Arnold 2003: 6).
Die auf der Grundlage des Subsidiaritätsprinzips starke sozialpolitische Stellung der Freien
Träger und die Gewährleistungsverantwortung der Öffentlichen Träger charakterisieren die
Einmaligkeit des deutschen Sozialmodells
(vgl. Olk, 2011: 415). Nach Arnold lässt sich ,,die
Zusammenarbeit [...] als Korporatismus bezeichnen, als das ,körperliche Zusammenwirken',
das planvolle, aufeinander abgestimmte Ineinandergreifen von gesellschaftlichen Akteuren"
(Arnold, 2003: 27).
1.4 Nützliche Aspekte für Adressaten
Durch das Interaktionsgeflecht entstehen für den Adressaten nützliche Aspekte. Die Dienst-
leistung wird im direkten Kontakt mit dem Leistungsempfänger erbracht und von Fachkräften
koordiniert (vgl. Arnold, 2003:29 f.). Durch seine aktive Teilnahme an der Planung des Hilfe-
bedarfs besteht die Chance der Einflussnahme auf den Unterstützungsprozess (vgl. Badura
1976, in: Arnold, 2003: 29). Der Klient kann Angebote annehmen, aber auch ablehnen, wenn
er seinen Behandlungserfolg gefährdet sieht (vgl. Arnold, 2003: 35). Die entstehenden Kos-
ten der Hilfen werden vom Leistungsträger übernommen, der Klient muss sie nicht tragen
(vgl. ebd.: 24).
1.5 Die Gefahren für Adressaten
Für die Leistungsempfänger besteht die Gefahr, dass durch die Handlungsautonomie der
Freien Träger, die Entscheidungsprozesse der Organisation und der einzelnen Organisati-
onsmitglieder, mit einem größeren Fokus auf deren eigenen Interessen als an ihren Bedürf-
nissen und Bedarfen gesteuert werden (vgl. ebd.: 29). Der Adressat ist zwar ein ,,unbedingt
notwendiger Faktor der Dienstleistung" (ebd.:30) erscheint jedoch im Rahmen des anbieter-

4
dominierten Marktes als ,,Mittel zur Erreichung [der] Ziele" (ebd.:31) des Leistungsanbieters.
Die Adressaten besitzen keine Nachfragermacht und die Entscheidung der Zulassung oder
Ablehnung liegt bei dem Anbieter (vgl. ebd.). Eine Selektion der Interessierten bezüglich Mo-
tivation, Kooperationsfähigkeit, Zeitintensität und Einrichtungskonformität (vgl. ebd.:33 f.)
ermöglicht dem Leistungserbringer das Aufrechterhalten einer positiven Leistungsbilanz und
Schonung der knappen Ressourcen. Der Anbieter ist darauf bedacht, zwar qualitativ wenig
fordernde, aber quantitativ viele Fälle zu bedienen, um den Anforderungen des Geldgebers
zu entsprechen und finanzielle Mittel und Stellenzuweisungen zu erhalten (vgl.: 32). Diese
bestandsichernde ,,Fallerhöhung" verschlechtert jedoch die Leistungsfähigkeit und verringert
,,die Angemessenheit der Dienstleistungserbringung" (vgl. ebd.:36). Besonders für die
Unterschichtsangehörigen, die häufig den größten Hilfebedarf, aber auch die geringsten Er-
folgsaussichten aufzeigen, ist die Gefahr der Selektion am stärksten (vgl. ebd.:35). Leis-
tungsanbieter spezialisieren und differenzieren ihre Aufgaben, Tätigkeiten und Zuständig-
keitsbereiche zunehmend, um sich vor Überlastung zu schützen und nutzen die Eingrenzung
der ,,förderwürdigen, ebenso spezialisierten Zielsetzungen" (vgl. ebd.: 31) zur Argumentation
der fehlenden Anspruchsberechtigung und Nicht-Verantwortlichkeit und verweisen die Inte-
ressenten auf die Zuständigkeit der anderen Anbieter (ebd.:33). Dies hat eine demotivieren-
de Wirkung und lange Wartezeiten für den Adressaten zur Folge (vgl.: 34).
2
Prozesse der Ökonomisierung und Vermarktlichung
Im Bereich der Sozialen Dienste ist in den letzten Dekaden eine Tendenz der
Ökonomisierung zu erkennen. Die sozialpolitisch gesteuerten ,,Vermarktlichungsprozesse"
haben zum Ziel, den Dienstleistungssektor aus wirtschaftlicher Sicht effizienter zu gestalten.
Die sozialstaatlichen Interventionen führen im Bereich der Sozialen Arbeit zu Umstrukturie-
rungen und nehmen Einfluss auf das bisherige sozialpartnerschaftliche Verhältnis zwischen
Freien und Öffentlichen Trägern. Die Auswirkungen sind sowohl in der Qualität und Quantität
der Hilfsleistungen aber auch auf personalwirtschaftlicher Ebene zu beobachten.
2.1 Die Ökonomisierung sozialer Dienste
Die im ersten Kapitel beschriebene privilegierte Stellung der Freien Träger ergibt sich aus
dem Subsidiaritätsprinzip. Die gesetzlich verankerte, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit
den Öffentlichen Trägern hat eine historische Entstehungsgeschichte und lässt sich bis zum
Anfang des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen. Die duale Struktur der Wohlfahrtspflege ist
kennzeichnend für den Sozialstaat der BRD und hat eine sozialpolitische Ordnungsfunktion
Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Organisation und Strukturen der Sozialen Arbeit. Trägerstrukturen und Prozesse der Ökonomisierung und Vermarktlichung
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V388446
ISBN (eBook)
9783668623606
ISBN (Buch)
9783668623613
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
organisation, strukturen, sozialen, arbeit, trägerstrukturen, prozesse, ökonomisierung, vermarktlichung
Arbeit zitieren
Sina Eichler (Autor), 2017, Organisation und Strukturen der Sozialen Arbeit. Trägerstrukturen und Prozesse der Ökonomisierung und Vermarktlichung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388446

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