In dieser Arbeit werden die Konzeptionen der triuwe im Nibelungenlied und im König Rother analysierend herausgearbeitet und im Anschluss miteinander verglichen. Die zentrale Fragestellung dieser Arbeit lautet: Inwiefern unterscheiden sich die Konzeptionen der triuwe im Nibelungenlied und im König Rother voneinander?
Um sich der mit dieser Fragestellung verbundenen Zielsetzung inhaltlich zu nähern, ist es im Rahmen des Kapitels 2.1 zunächst erforderlich, eine definitorische Begriffsbestimmung der triuwe vorzunehmen. Daran anschließend wird in Kapitel 2.2 eine Analyse der triuwe-Konzeption im Nibelungenlied vorgenommen. Um der ambivalenten Verwendung des triuwe-Begriffs im Nibelungenlied gerecht zu werden, erfolgt anschließend in Anlehnung an Kückemanns eine Darstellung derjenigen Arten der triuwe, die im Nibelungenlied besonders handlungsrelevant erscheinen.
Im Anschluss daran, erfolgt in Kapitel 2.3 die Analyse der Konzeption der triuwe in Bezug auf den König Rother. Hier ist es naheliegend, dass die beiden Herrscher Rother und Konstantin jeweils separat hinsichtlich ihres Verhaltens betrachtet werden, sodass Rückschlüsse auf die Bedeutung der triuwe für das jeweilige Herrscherbild gezogen werden können. Es bietet sich an, das Verhalten Rothers im Zusammenhang mit seinem Vasallen Lupold zu analysieren, da insbesondere in dieser wechselseitigen Beziehung bedeutende Aspekte für den Charakter der Figur Rothers entdeckt werden können. Ohne an dieser Stelle bereits zu sehr auf Unterschiede zwischen Rother und Konstantin eingehen zu wollen, ist es in Bezug auf Konstantin hingegen nicht naheliegend, sich auf einen bestimmten Vasallen zu fokussieren, da das königliche Umfeld Konstantins im Gegensatz zum Regierungsverbund Rothers keine namentliche Erwähnung findet, sondern vielmehr durch anonyme Figuren verkörpert wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Definitorische Begriffsbestimmung der triuwe
2.2. triuwe im Nibelungenlied
2.3. triuwe im König Rother
2.4. Vergleich der triuwe-Konzeptionen
3. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Konzeptionen des Begriffs triuwe im Nibelungenlied und im König Rother, um die jeweilige Bedeutung und die semantischen Unterschiede dieses zentralen mittelalterlichen Wertes herauszuarbeiten.
- Semantische Bestimmung und Abgrenzung des mittelalterlichen Begriffs triuwe
- Analyse der verschiedenen Formen der triuwe im Nibelungenlied (Vasallentreue, personale Bündnisse, verwandtschaftliche Bindungen)
- Untersuchung der herrschaftsbezogenen triuwe-Konzeption im König Rother
- Vergleich der unterschiedlichen Funktionen und Gewichtungen von Treuebindungen in beiden Epen
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Es finden sich in der Literatur zahlreiche Publikationen, die jeweils die triuwe im Nibelungenlied und im König Rother herausstellen. Gentry, der sich intensiv mit der triuwe im Nibelungenlied auseinandergesetzt hat, geht bspw. in Bezug auf die Bedeutung der triuwe für das Nibelungenlied so weit, dass sie für ihn die „message“ des Nibelungenliedes darstellt. In Bezug auf die triuwe im König Rother hält G. Ehrismann fest, dass „das Gedicht […] ein Denkmal für die Macht der Treue“ darstellt. Diese beiden Aussagen legen nahe, dass beide mittelalterlichen Epen gemeinsam zu haben scheinen, dass die triuwe jeweils eine wesentliche Rolle spielt. In diesen Publikationen wird die triuwe jedoch oftmals ausschließlich für ein einzelnes Werk herausgearbeitet oder lediglich beiläufig als Motiv herausgestellt. In der umfassenden Forschungsliteratur findet sich folglich keine Veröffentlichung, die einen expliziten Vergleich der Konzeption der triuwe in diesen beiden mittelalterlichen Texten vornimmt. Um diese Forschungslücke zu füllen, setzt sich diese Arbeit als Ziel, die Konzeptionen der triuwe im Nibelungenlied und im König Rother analysierend herauszuarbeiten und im Anschluss miteinander zu vergleichen. Aus dieser Zielsetzung ergibt sich die zentrale Fragestellung dieser Arbeit, inwiefern sich die Konzeptionen der triuwe im Nibelungenlied und im König Rother voneinander unterscheiden.
Um sich der mit dieser Fragestellung verbundenen Zielsetzung inhaltlich zu nähern, ist es im Rahmen des Kapitels 2.1 zunächst erforderlich, eine definitorische Begriffsbestimmung der triuwe vorzunehmen. Diese beinhaltet eine kurze Klärung des mittelalterlichen Begriffsverständnisses und die damit verbundene Abgrenzung vom heutigen Treuebegriff, da die Begriffe triuwe und Treue zwar teilweise semantische Ähnlichkeiten aufweisen, aber nicht in Gänze ein und dasselbe meinen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet das Forschungsinteresse, führt in das Thema der triuwe ein und umreißt die Zielsetzung, die Konzeptionen in den beiden Epen durch einen systematischen Vergleich gegenüberzustellen.
2. Hauptteil: Der Hauptteil widmet sich zunächst der Definition des Begriffs, analysiert anschließend die spezifischen Ausprägungen und Konflikte der triuwe im Nibelungenlied sowie im König Rother und schließt mit einer vergleichenden Gegenüberstellung der Ergebnisse.
3. Zusammenfassung und Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und beantwortet die Fragestellung nach den unterschiedlichen triuwe-Konzeptionen der untersuchten Texte.
Schlüsselwörter
triuwe, Nibelungenlied, König Rother, Mittelhochdeutsch, Vasallentreue, Verwandtschaftstreue, mittelalterliche Literatur, Herrschaftslegitimation, Ethos, Tugend, Treue, personale Bindung, Lehnswesen, Konstantin, Rother
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung und Funktion des mittelalterlichen Begriffs triuwe in den beiden Epen Nibelungenlied und König Rother.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen mittelalterliche Wertvorstellungen, soziale und politische Bindungsverhältnisse sowie deren literarische Darstellung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein expliziter Vergleich der Konzeption der triuwe in beiden Werken, um Unterschiede in der Darstellung und Gewichtung dieser Tugend aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die exemplarische Textbelege heranzieht und diese in den Kontext des zeitgenössischen Forschungsstandes stellt.
Was wird im Hauptteil inhaltlich behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsbestimmung, Einzelanalysen der triuwe in beiden Epen und eine zusammenführende Vergleichsanalyse.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind triuwe, Vasallentreue, Herrschaft, Mittelalterliche Literatur und Verwandtschaftsbindungen.
Wie unterscheidet sich die triuwe im König Rother von der im Nibelungenlied?
Im König Rother dominiert die Vasallentreue und die Idealisierung der Herrschaftsstruktur, während im Nibelungenlied eine ambivalente Vielfalt an Bindungsarten (familiär, personal) besteht, die oft in Konflikte führt.
Welche Rolle spielt die Figur des Konstantin im Vergleich zu Rother?
Konstantin fungiert als negativer Gegenpol zum idealen Regenten Rother, da er durch Geiz, Gewaltbereitschaft und Beratungsresistenz gekennzeichnet ist, was zu einem Bruch der Loyalität seiner Vasallen führt.
- Arbeit zitieren
- Jens Rakers (Autor:in), 2017, Vergleich der triuwe-Konzeption im "Nibelungenlied" und im "König Rother", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388454