Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › History of Germany - Modern History

Behauptung und Bedeutungsschwund. Der niedere deutsche Adel im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Title: Behauptung und Bedeutungsschwund. Der niedere deutsche Adel im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Seminar Paper , 2005 , 17 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Henriette Kunz (Author)

History of Germany - Modern History
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Tiefgreifende Veränderungen im Zuge der Pluralisierung der Gesellschaft nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches im beginnenden 19. Jahrhundert brachten die fortschreitende Nivellierung des Adels als Stand. Trotz dieser Einschränkung seiner Rechte und bisherigen Privilegien gelang es dem Adel mindestens bis 1918, seine gesellschaftlich und politisch führende Rolle weiterhin zu behaupten.
Ausgehend von den Kennzeichen des Adels als Stand vor 1800 im Vergleich zu den Änderungen des 19. Jahrhunderts sollen infolgedessen die Strategien und Faktoren skizziert werden, die jenes „Obenbleiben“ ermöglichten und bedingten, wobei zwischen Taktiken innerhalb des Adels, die explizit die Kohäsionskraft der Gruppe stärken sollten, und dem Wesen sowie den Inhalten des sozialen und symbolischen Kapitals, die beide zudem legitimierend wirken mussten, unterschieden wird.
Gleichwohl der Generierung von Adeligkeit - bezogen auf den gesamten deutschen Adel - durchaus eine gemeinsame Technik zugrunde lag, waren jene kulturellen Inhalte keineswegs überregional stets in gleicher Form zu finden. Adeligkeit und deren Entstehung kann ausschließlich regional betrachtet werden, weshalb sich diese Arbeit verstärkt sächsischen Beispielen bedient.
Trotz aller Erfolge im Beharren auf einer gesellschaftlichen Führungsebene sind jedoch ebenfalls Niederlagen des Adels im Zuge der Moderne zu verzeichnen. Die Gründe für diesen Bedeutungsschwund bilden den vierten Teil dieser Arbeit.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Adelsstand vor 1800 im Vergleich zum 19. Jahrhundert

3. „Obenbleiben“ – Strategien und Faktoren

3.1. Das symbolische Kapital

3.2. Das soziale Kapital

3.3. Die Erzeugung von Adeligkeit

4. Der Bedeutungsverlust am Ende des 19. Jahrhunderts und nach der Zäsur von 1918

5. Zusammenfassung

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die sozialgeschichtlichen Mechanismen, durch die es dem niederen deutschen Adel gelang, trotz weitreichender gesellschaftlicher Umbrüche und Nivellierungsprozesse im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert seine gesellschaftliche und politische Führungsposition bis zur Zäsur von 1918 weitgehend zu behaupten.

  • Soziokulturelle Anpassungsstrategien und Bewahrung von Standesmerkmalen.
  • Die Rolle von symbolischem Kapital bei der Legitimierung des Eliteanspruchs.
  • Bedeutung des sozialen Kapitals und der adeligen Binnenkommunikation für den Gruppenzusammenhalt.
  • Instrumente zur Erzeugung von Adeligkeit im Kindes- und Erwachsenenalter.
  • Ursachen für den schleichenden Bedeutungsverlust und die Zäsur nach 1918.

Auszug aus dem Buch

3.1. Das symbolische Kapital

Die lange Zugehörigkeit zur politischen und gesellschaftlichen Führungsschicht gewährleistete dem Adel, auf ein immaterielles, vergangenheitsorientiertes Kapital, das ausschließlich „auf dem Glauben beruht“, zurückgreifen zu können. Eine wichtige Dimension dieses Glaubens war die Anerkennung jener Höherstellung durch die übrigen Stände. War diese aufgrund der ständisch gegliederten Gesellschaft bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gesichert, wurde sie in der Moderne nun zu einem Instrument, das den Eliteanspruch des Adels legitimieren sollte.

Auch die eingangs schon erwähnten soziokulturellen Distinktionsformen, die der Adel entwickelte, um sich von den Nichtadeligen abzuheben, basierten auf dem adeligen Unterschiedsglauben. Sie schlossen Wappen, Ordenszugehörigkeit, das Jagdrecht sowie Sprech- und Körperkultur bis hin zu Ehren- und Verhaltenscodizes ein. Die körperlichen Kommunikations- und Repräsentationsformen bildeten einen wichtigen Kontext auch in Bezug auf das „Obenbleiben“. Die adelige Selbstdarstellung erfolgte vorzugsweise über das Medium des Körpers.

Je mehr Kapitalvolumen aufzubringen war, desto breiter gefächert waren die Möglichkeiten, die „soziale Kluft“, die den Adel von den übrigen Formationen trennte, wirksam zu reproduzieren. So scheint es kaum verwunderlich, dass der Adel im 19. Jahrhundert besonders verstärkt um die Erhaltung dieser Merkmale, die folglich für sein Selbst- und auch Fremdbild in einem großen Maße wichtig waren, kämpfte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Adelsforschung zum 19. und 20. Jahrhundert ein und umreißt die Fragestellung nach den Mechanismen der Selbstbehauptung des niederen Adels im Zuge der Moderne.

2. Der Adelsstand vor 1800 im Vergleich zum 19. Jahrhundert: Dieses Kapitel kontrastiert die privilegierte Stellung des Adels vor 1800 mit den tiefgreifenden rechtlichen und sozialen Einschränkungen des 19. Jahrhunderts.

3. „Obenbleiben“ – Strategien und Faktoren: Der Hauptteil analysiert die soziokulturellen Anpassungs- und Verteidigungsstrategien des Adels, um als Stand in einer sich wandelnden Gesellschaft bestehen zu bleiben.

3.1. Das symbolische Kapital: Hier wird untersucht, wie der Adel durch Tradition, Geschichtsbewusstsein und ein spezifisches Wertesystem seinen Eliteanspruch symbolisch begründete.

3.2. Das soziale Kapital: Dieses Unterkapitel beleuchtet die Bedeutung von Beziehungsnetzen, Vergesellschaftung und Binnenkommunikation für den Zusammenhalt der Gruppe.

3.3. Die Erzeugung von Adeligkeit: Es wird dargelegt, wie durch Erziehung und Institutionalisierung adelige Werte weitergegeben und der Nachwuchs in den Stand integriert wurde.

4. Der Bedeutungsverlust am Ende des 19. Jahrhunderts und nach der Zäsur von 1918: Das Kapitel dokumentiert die Gründe für den schleichenden Machtverlust und die durch die Revolution von 1918 sowie die Weimarer Verfassung bedingte Zersplitterung des Adels.

5. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass der Adel trotz erfolgreicher kultureller Selbstbehauptung im 19. Jahrhundert den ökonomischen und politischen Modernisierungsdruck letztlich nicht dauerhaft kompensieren konnte.

Schlüsselwörter

Adel, 19. Jahrhundert, Sozialgeschichte, Obenbleiben, symbolisches Kapital, soziales Kapital, Elite, Standesbewusstsein, Moderne, Binnenkommunikation, Adeligkeit, gesellschaftlicher Wandel, Distinktion, Tradition, Monarchie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Überlebensstrategien des niederen deutschen Adels im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert angesichts schwindender Privilegien und der Herausforderungen durch die Moderne.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Begriffe des symbolischen und sozialen Kapitals, die Mechanismen der Identitätsstiftung sowie die soziokulturelle Abgrenzung des Adels gegenüber dem Bürgertum.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie es der Adelsgruppe gelang, ihre gesellschaftliche Bedeutung durch gezielte Strategien bis zur Zäsur von 1918 aufrechtzuerhalten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine sozialgeschichtliche Analyse, die verschiedene aktuelle Publikationen und Sammelbände zur Adelsforschung auswertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert, wie durch symbolisches Kapital, soziale Netzwerke und spezifische Erziehungspraktiken das adelige Selbstbild und die Kohäsion innerhalb der Gruppe gesichert wurden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Obenbleiben, Adel, symbolisches und soziales Kapital, Standesbewusstsein sowie den gesellschaftlichen Wandel im 19. Jahrhundert beschreiben.

Welche Rolle spielte die Ausbildung für den Adel?

Die Ausbildung, insbesondere der häusliche Einfluss und das Studium, war entscheidend für die Vermittlung adeliger Werte und das Erkennen anderer Gruppenmitglieder.

Warum war das Jahr 1918 ein so entscheidender Wendepunkt?

Der Verlust der Monarchie entzog dem Adel das zentrale Bezugssystem, während die Weimarer Verfassung die rechtlichen Grundlagen für adelige Vorrechte und Besitzsicherung (wie den Fideikommiss) aufhob.

Excerpt out of 17 pages  - scroll top

Details

Title
Behauptung und Bedeutungsschwund. Der niedere deutsche Adel im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
College
Dresden Technical University  (Geschichte)
Course
Zeitzeugen sächsischer Geschichte - Sommersemester 2004
Grade
2,0
Author
Henriette Kunz (Author)
Publication Year
2005
Pages
17
Catalog Number
V38846
ISBN (eBook)
9783638377980
ISBN (Book)
9783638790376
Language
German
Tags
Behauptung Bedeutungsschwund Adel Beginn Jahrhunderts Zeitzeugen Geschichte Sommersemester
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Henriette Kunz (Author), 2005, Behauptung und Bedeutungsschwund. Der niedere deutsche Adel im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38846
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  17  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint