Wissen als Wahrnehmung im Dialog "Theätet" von Platon


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

1
Inhaltsverzeichnis
1.
Einleitung ... 2
2.
Die Darlegung der ersten Definition von Wissen ist Wahrnehmung (151d-160e) ... 2
2.1.
Der ,,Homo-Mensura"-Satz des Protagoras und die Flusstheorie des Heraklit (151e-155e) ... 3
2.2.
Der Wahrnehmungsakt als interaktiv gedachtes Modell (156a-160e) ... 5
3.
Die Widerlegung der ersten Definition (161a-186e) ... 7
3.1.
Die erste Kritik an der protagoreischen Lehre und der ersten Definition (161a-165e) ... 8
3.2.
Die Verteidigungsrede des Protagoras durch Sokrates (165e-168e) ... 10
3.3.
Das theoretische Argument der Selbstwiderlegung und Zweifel an diesem (169a-172b) ... 11
3.4.
Endgültige Widerlegung der Flusstheorie des Heraklit (177c-183b) ... 13
3.5.
Die abschließende Falsifikation der ersten Definition (183c-187a) ... 14
4.
Die Funktion der minuziösen Diskussion der ersten Definition ... 15
5.
Fazit ... 16
6.
Quellenverzeichnis ... 19
7.
Literaturverzeichnis ... 19

2
1. Einleitung
Die Fragen, was Wissen ist, wie es klassifiziert werden kann und vor allem auch was Wissen nicht
ist, sind viel diskutiert und sehr aktuell. Nicht für umsonst wird die moderne, westliche Gesellschaft
auch mit dem Begriff ,,Wissensgesellschaft" umschrieben. Dieser Terminus der Wissensgesellschaft
­ also der wissenden Gesellschaft ­ ist dabei inhaltlich ähnlich schwer zu fassen, wie der Logos
,,wissen" selbst. Diese Problematik, die sich um das Wissen aufbaut, beschäftigt die Menschen
schon seit jeher.
1
Platons Dialog Theätet befasst sich eingehend mit jener Problematik und versucht
eine adäquate Definition für Wissen zu erzielen. Dieser Dialog, der zum Spätwerk Platons zählt,
lässt sich in sechs thematische Abschnitte teilen, wobei die ersten beiden Teile eine einleitende
Funktion erfüllen. Das Rahmengespräch (142a-143c), in welchen die momentane Situation
geschildert wird, begründet dabei mit dem Tod des Mathematikers Theaitetos die Bewandtnis
dieses Dialogs, der bereits dreißig Jahre zurückliegt und vor dem Tod des Sokrates stattgefunden
haben soll. Die eigentliche, wenngleich fingierte Unterhaltung beginnt ab dem darauffolgenden
Abschnitt (143d-151d), welcher ein Einleitungsgespräch zum eigentlichen Thema zwischen
Sokrates, Theaitetos und Theodoros ist. Theodoros ist dabei der Lehrer des Theaitetos und stellt
diesen seinem Freund Sokrates vor. Diesem anschließend wird die erste Wissensdefinition ,,Wissen
ist Wahrnehmung" (151d-186e) besprochen, welche Inhalt dieser Arbeit ist. Nachdem die oben
genannte Definition als nicht zureichend für eine Begriffsbestimmung von Wissen abgelehnt wurde,
folgen die Annahmen von ,,Wissen als wahre Meinung" (187a-201c) und ,,Wissen als wahre
Meinung mit Erklärung" (201c-201b) und ein kurzer Schluss (210b-210d).
2
Diese Arbeit widmet sich der ersten Definition ,,Wissen als Wahrnehmung", welche in etwa die
erste Hälfte des gesamten Dialogs ausmacht. Es wird dabei vorrangig versucht, den Gedanken zu
dieser Definition nachzuspüren, sie zu verstehen und sie schlüssig wiederzugeben. Abschließend
wird sich mit der Frage beschäftigt, welche rhetorische Aufgabe der lange gefasste erste Teil des
Gesprächs erfüllt.
2. Die Darlegung der ersten Definition von Wissen ist Wahrnehmung (151d160e)
Nachdem Theaitetos im Einleitungsgespräch eine Reihe von Wissensarten aufgezählt hat, dabei
aber keinen adäquaten Definitionsversuch erarbeiten konnte, hilft ihm Sokrates einen solchen zu
gebären. So kann Theaitetos die erste Definition von Wissen formulieren, denn er sagt: ,,Mir also
scheint, wer etwas weiß, daßjenige wahrzunehmen, was er weiß; und wie es mir jetzt erscheint, ist
Wissen nichts anders als Wahrnehmung" (151e). Sokrates will diese Definition oder ­ um in der
1
Vgl. Mikl, Josef: Wissen und Bildung. S. 36/ 37.
2
Vgl. Heitsch, Ernst: Platons Dialoge und Platons Leser. S. 216/ 217.

3
Metapher zu bleiben ­ die erste gedankliche Geburt des Theaitetos genauer betrachten. Dabei stellt
er die Aussage Theaitetos` in eine Gegenfrage um. Theaitetos formuliert also seine Definition von
Wissen, als Wissen ist Wahrnehmung. Sokrates hingegen fragt zurück, ob er richtig verstanden hat,
dass Wahrnehmung Wissen ist, was von Theaitetos bestätigt wird. Durch Umstellung der Worte
findet eine Verdeutlichung von Theaitetos Aussage statt. Denn wenn Theaitetos seinen ersten
Versuch einer Definition von Wissen als Wahrnehmung darlegt, dann wird zunächst der Eindruck
vermittelt, dass Wissen über etwas vorhanden ist und es erst dann wahrgenommen werden kann.
Durch den zweiten Teil seines Satzes wird dies präzisiert, sodass geschlussfolgert werden kann,
dass es Wahrnehmung notwendigerweise geben muss, um zu wissen. Diese Aussage verstärkt
Sokrates und formt sie zu einer All-Aussage um ­ freilich mit der Zustimmung von Theaitetos.
Demnach lautet die erste Definition von Wissen kurz: Wissen ist Wahrnehmung. Präziser formuliert
heißt das, dass eine Person genau dann Wissen von etwas besitzt, wenn es von dieser Person
wahrgenommen wird. Für Sokrates scheint diese Darlegung von Wissen nicht unbekannt zu sein,
denn er meint, dass Protagoras dies auf ähnliche Weise geäußert hätte und zwar in Form des Homo-
Mensura-Satzes.
3
2.1. Der ,,HomoMensura"Satz des Protagoras und die Flusstheorie des Heraklit
(151e155e)
Wie konnte Sokrates eine Verbindung zwischen der ersten Definition und dem Homo-Mensura-
Satz, welcher eine These des Protagoras ist, erkennen, sagt letztere doch weder etwas über das
Wissen aus, noch über die Wahrnehmung? Der Homo-Mensura-Satz besagt ,,nämlich, der Mensch
sei ,das Maß aller Dinge, der seienden, daß sie sind, der nichtseienden, daß sie nicht sind`" (152a).
Darin ist weder eine Aussage über das Wissen, noch eine über die Wahrnehmung auffindbar. Das
wirft die Frage auf, wie die These des Protagoras nun dasselbe ausdrücken kann wie Theaitetos`
Definition von Wissen als Wahrnehmung. Die Antwort liegt hierbei in der Interpretation des Homo-
Mensura-Satzes, die Sokrates vornimmt: ,,[W]ie ein jedes Ding mir erscheint, ein solches ist es auch
mir, und wie es dir erscheint ein solches ist es wiederum dir" (152a). Das Schlüsselwort ist dabei
der Begriff ,,erscheinen", da das Erscheinende, auch wahrgenommen werden kann. Hierüber schlägt
Sokrates unter der Zustimmung des Theaitetos die Brücke zur ersten Definition und stellt dabei fest,
dass alle Dinge so geartet sind, wie sie der jeweiligen Person in Erscheinung treten, dieser sie also
wahrnimmt, denn ,,Erscheinung also und Wahrnehmung ist dasselbe" (152c).
4
Das Beispiel des
Windes verdeutlicht den Zusammenhang zwischen der ersten Definition und dem Homo-Mensura-
3
Vgl. 151a-152a. Und: Gerstmeyer, Thomas: (Er-)Kenntnis und Erkenntnis bei Platon. S. 80. Und: Becker, Alexander:
Kommentar zu Platon Theätet. S. 258/ 259.
4
Vgl. Hardy, Jörg: Platons Theorie des Wissens im ,,Theaitet". S. 51/ 52.

4
Satz. Der Wind erscheint für die eine Person beispielsweise kalt während er für eine andere warm
ist, obwohl es sich um den gleichen Wind zu handeln scheint. Da dieses Beispiel auf Erfahrungen
aus dem Alltag beruht, wird zunächst kein Widerspruch erhoben. Wenn allerdings darüber
reflektiert wird, dass demselben Ding zwei diametrale Eigenschaften zugesprochen werden, wird
die Problematik dieser Alltagserfahrung sichtbar. Es muss gefragt werden, ob der Wind tatsächlich
kalt oder warm ist, oder ­ wie Protagoras laut Sokrates meint ­ ob er für die eine Person kalt und
für eine zweite warm ist? Mit anderen Worten kann das Beispiel auf zwei Weisen verstanden
werden. Zum einen kann dabei einem Ding objektiv eine Eigenschaft zugesprochen werden, da
seine Beschaffenheit eben genau so ist. In Bezug auf den Wind würde das bedeuten, dass er
objektiv kalt oder eben nicht kalt, also warm ist.
5
Zum anderen werden dem Wind keine objektiven
Eigenschaften zugeschrieben, sondern es werden lediglich die subjektiven Empfindungen einzelner
Personen gleichzeitig als die Eigenschaften des Windes statuiert. Dies entspricht der sokratischen
Interpretation des Homo-Mensura-Satzes, bei der es keine objektiven Eigenschaften gibt, die
subjektiv zugeschriebene Eigenschaften als falsch klassifizieren könnten. Jede subjektiv
wahrgenommene Eigenschaft ist also eine Eigenschaft, die dem Wind zugeschrieben werden kann.
Da Sokrates die erste Definition in 152a sofort mit der protagoreischen These assoziiert, ist die
zweite Lesart des Windbeispiels von Bedeutung, um die Definition von Wissen als Wahrnehmung
zu festigen. Dabei muss deutlich gesagt werden, dass Protagoras keine Unterscheidung zwischen
der objektiven Beschaffenheit eines Dings und dem subjektiven In-Erscheinung-Tretens dieses
Dings für eine Person vornimmt. Ein Ding ist demnach immer genau so, wie eine Person es
wahrnimmt. Somit gibt es nach Protagoras keine falschen Wahrnehmungen, sodass auch Irrtümer
vollkommen ausgeschlossen werden. ,,Wahrnehmung ist also wohl immer vom Seienden und
untrüglich, wenn sie ja Wissen ist" (152c). Im Umkehrschluss heißt das, dass auch das Wissen
Irrtumsfrei ist und sich auf die Realität rekurriert.
6
Doch wie ist zu begründen, dass jegliche
Wahrnehmung und das Wissen grundsätzlich frei von Täuschungen und Irrtümern sind, wenn doch
die alltägliche Erfahrung etwas anderes zeigt?
5
Vgl. 152b. Und: Hardy, Jörg: Platons Theorie des Wissens im ,,Theaitet". S. 52/ 53. Gleichzeitig kann bei dieser
Lesart des Beispiels noch etwas Weiteres erkannt werden, nämlich eine Bewertung der Wahrnehmung der jeweiligen
Person als richtig oder falsch. Wenn der Wind nämlich eine objektive Eigenschaft des ,,nicht-kalt-Seins" hat und
dennoch von einer Person als kalt empfunden wird, ist ihre Wahrnehmung falsch. Dies würde der protagoreischen
Interpretation des Homo-Mensura-Satz widersprechen, da ein Ding eben nicht zwangsläufig so ist, wie es einer Person
erscheint. Letztlich würde dadurch die erste Definition ins Wanken gebracht werden, weshalb auch Sokrates nicht näher
darauf eingeht.
6
Vgl. Becker, Alexander: Kommentar zu Platon Theätet. S. 263. Und: Hardy, Jörg: Platons Theorie des Wissens im
,,Theaitet". S. 53-55.

5
Die protagoreische Auffassung, dass Wahrnehmung frei von Irrtümern und immer wahr ist, wie es
tatsächlich ist, findet Begründung in der Flussontologie des Heraklit
7
. Sokrates führt hierzu die
geheime Lehre des Protagoras an, in der Protagoras ausschließlich seinen Schülern die Wahrheit
mitgeteilt haben soll.
8
In dieser Geheimlehre wird davon ausgegangen, dass ,,durch Bewegung,
Veränderung und Vermischung miteinander [alles erst wird], wovon wir sagen, daß es ist, es damit
aber nicht richtig bezeichnen; denn niemals ist irgend etwas, sondern immer nur wird es" (152d-
152e). Falls sich zuvor noch die Frage gestellt hat, wie mehrere Personen ein Ding auf
unterschiedliche Weise wahrnehmen können, so soll dies damit erklärt sein. Es wird nämlich
gesagt, dass die gesamte Realität konstanten Veränderungen unterworfen ist und alles in einem
beständigen Fluss der Modifikation abläuft. Damit ist auch Interpersonalität und Intertemporalität
ausgeschlossen, denn gegensätzliche Wahrnehmungen mehrerer Personen gelten immer als wahr
für die jeweilige Person, was es unmöglich macht, sich innerhalb mehrerer Personen oder über
einen längeren Zeitraum hinweg auf objektiv Gegebenheiten zu einigen. Objektive Eigenschaften
existieren demnach nicht, da sich alles in konstanter Bewegung verändert. Protagoras bestreitet also
die Existenz objektiver Eigenschaften einer Sache, indem er einen gemeinsamen, interpersonellen
und intertemporellen Bezugspunkt ausschließt.
9
Doch wenn es eben jenes einheitliche und
beständige Bezugsobjekt in der Wahrnehmung nicht gibt, wie kann dann überhaupt etwas
wahrgenommen und somit gewusst werden? Um die Problematik, die aus der Flussontologie
entsteht, zu klären, wird im Folgenden der Wahrnehmungsakt genauer fokussiert und beschrieben.
2.2. Der Wahrnehmungsakt als interaktiv gedachtes Modell (156a160e)
Wie bereits gesagt, unterliegt die Realität laut der Flussontologie kontinuierlich fließenden
Wandlungen, die sich sowohl außerhalb eines Wahrnehmenden wie auch in dessen Inneren
vollziehen. Wahrnehmung entsteht hierbei als ein besonderes Drittes durch das Zusammentreffen
7
Wie Gauss bemerkt, wird äußerlich in der Diskussion vorrangig Protagoras angeführt, obwohl es sich um eine
Auseinandersetzung mit der Flusstheorie des Heraklit handelt. Heraklit wird bei Gaus als ein ,,Vorkämpfer des Werdens
und des ,ewigen` Flusses der Dinge" charakterisiert. Somit wird die These begründet, dass es sich nur vordergründig
um einen protagoreischen Gedanken ist, aber eigentlich dem Heraklit entspringt. (Gauss, Hermann: Philosophischer
Handkommentar zu den Dialogen Platos. S. 29.)
8
Vgl. 152c. Wieso es sich laut Platon um eine geheime Lehre des Protagoras handeln soll, wird in der Literatur
unterschiedlich interpretiert. Hardy schreibt in ,,Platons Theorie des Wissens im ,,Theaitet"", dass es sich um eine
Geheimlehre handelt, da Protagoras die Flusstheorie nicht explizit vertreten zu haben scheint (S. 57). Gauss hingegen
vertritt im dritten Teil seines ,,Philosophische[n] Handkommentar[s] zu den Dialogen Platos" die Ansicht, dass diese
esoterische Lehre nur den Schülern Protagoras zu Teil wurde, die bereit waren, mehr dafür zu bezahlen (S. 30).
Dennoch herrscht der allgemeine Konsens, dass es sich dabei um ein Konstrukt von Platon handelt. Dies bedeutet
jedoch nicht notwendiger Weise, dass der gesamte Inhalt dieser Doktrin von Platon erdacht wurde, wenngleich die
Lehre über die Wahrnehmung an einigen Stellen Gedanken aufzeigen, die platonisch geprägt zu sein scheinen. (Vgl.
Kranz, Margarita: Das Wissen des Philosophen. S. 108/ 109.)
9
Vgl. Gauss, Hermann: Philosophischer Handkommentar zu den Dialogen Platos. S. 30. Und: Hardy, Jörg: Platons
Theorie des Wissens im ,,Theaitet". S. 58.

6
des Wahrgenommenen und des Wahrnehmenden. Unter Wahrnehmungen werden beispielsweise
das Gesehene und das Gehörte, aber auch Sinneseindrücke wie Geruch und Erwärmung bzw.
Abkühlung, sowie Lust, Angst oder Begierde verstanden. Das von Sokrates angeführte Beispiel der
gesehenen weißen Farbe illustriert den beschriebenen Vorgang genauer. Denn die weiße Farbe ist ­
begründet durch die Flusstheorie ­ nicht an einem bestimmten Ort zu finden. Das heißt, das Weiße
ist weder an eine Sache außerhalb der Augen geknüpft, noch an den Augen selbst zu finden, da es
sonst nicht fließend, sondern festgesetzt an einem Platz bestehen würde. Das Weiße ist also ein
Dazwischen, welches innerhalb des Zusammentreffens von angestoßenem Äußerlichen und
anstoßenden Auge entsteht und als Wechselwirkung zwischen diesen beiden verstanden werden
kann.
10
Die weiße Farbe bzw. generell jede Farbe ist damit nicht mehr als eine Qualität eines
Dinges zu begreifen, sondern als etwas Besonderes, das durch den Zusammenprall entsteht und in
jeder Wechselwirkung zwischen der Gegenstandswelt und den wahrnehmenden Organen miterzeugt
wird. Dabei wirkt die gegenständliche Welt auf die Sinnesorgane ein, welche diese äußere
Bewegung eigenständig erwidern. Freilich muss dabei verdeutlicht werden, dass nicht nur die
Objektwelt, sondern auch die Sinnesorgane selbst sich in fließender und verändernder Bewegung
befinden und diese nicht erst durch ihr Zusammentreffen entsteht. In Bezug auf die Farbe Weiß
entsteht ein als weiß wahrgenommenes Ding und ein weiß wahrnehmendes Auge. Kurz gesagt: Das
sehende Auge sieht etwas Weißes. Das Weiße ist allerdings nur in einem raschen Moment des
Zusammenstoßes zu erfassen und somit nur ein kurzzeitiger Zustand, der sich ständig verändert und
somit eine Reihe von subjektiven Wahrnehmungen resultieren lässt. So ist es möglich, dass ein
Ding für verschiedene Personen unterschiedliche Qualitäten aufweisen kann. Durch die ständige
Veränderung, die in der Objektwelt und den Sinnesorganen und daraus folgend ebenfalls in der
Wahrnehmung vorzufinden ist, kann in der Realität nicht mehr von einem ,,Sein" gesprochen
werden. Die Wirklichkeit muss demnach immer als ein ,,Werden" begriffen werden.
11
Doch ob die Untrüglichkeit der Wahrnehmung durch ihren werdenden Charakter für ein und
denselben Wahrnehmenden gilt, der aber unterschiedliche Wahrnehmungen desselben Dinges hat,
oder ob es doch zu Irrtümern und Täuschungen kommt, bleibt noch zu prüfen. Dazu führt Sokrates
die Beispiele des Träumens, der Krankheit und des Wahnsinns ins Feld, die zumindest in der
alltäglichen Auffassung ­ wie Theaitetos selbst bemerkt ­ falsche Wahrnehmungsurteile erzeugen
können.
12
Nach dem Homo-Mensura-Satz gilt, wie ein Ding von jemanden wahrgenommen wird, so
ist auch für diesen wahr. Aber wie kann dies der Fall sein, wenn beispielsweise der kranke Sokrates
10
Vgl. 153d-154a. Und: Gauss, Hermann: Philosophischer Kommentar zu den Dialogen Platos. S. 30.
11
Vgl. 156a-156e. Und: Gauss, Hermann: Philosophischer Kommentar zu den Dialogen Platos. S. 31.
12
Vgl. 157e/ 158 b.
Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Wissen als Wahrnehmung im Dialog "Theätet" von Platon
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
(OS) Platon, Theaitetos
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
20
Katalognummer
V388550
ISBN (eBook)
9783668625556
ISBN (Buch)
9783668625563
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Platon, Theaitetos, Theätet, Wissen, Wahrnehmung, Wissen als Wahrnehmung, 1. Definition
Arbeit zitieren
Dorothee Stauche (Autor), 2017, Wissen als Wahrnehmung im Dialog "Theätet" von Platon, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388550

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