Das „Rolandslied“ des Pfaffen Konrad wird in der Forschungsliteratur als in facto Karls-Epos oder als Karlslied erklärt. Nach der Leitthese dieser Arbeit ist eine politische Motivation für die Veröffentlichung durch die Auftragsgeber einen Repräsentanten des weltlichen Adels, ausschlaggebend: Die Erscheinung der mittelhochdeutschen Kreuzzugsepik hatte einen propagandistischen Zweck.
Im ersten Schritt der Arbeit wird die Legitimierung für Kriegsführung des Kaisers unter religiösen Gesichtspunkten im zeitlichen Kontext gesetzt. Das nächste Kapitel handelt von der Position Karls innerhalb der Figurenkonstellation im „Rolandslied“. Im Fazit der Arbeit werden alle Ergebnisse zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Karls Legitimierung für die Kriegsführung im religiösen Zusammenhang
2.2 Die Beschreibung Karls als heiligen Herrscher
2.3 Die Verschmelzung von religiösen und politischen Motiven in der Figur Karl
3. Charakterisierung von Karl dem Großen in seiner Position als Herrscher
3.1 Darstellung Karls als außerordentlich schön und wohlhabend
3.2 Des Kaisers Zorn zur Machtunterstreichung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Darstellung von Karl dem Großen im „Rolandslied“ des Pfaffen Konrad, um zu analysieren, wie er als Herrscherfigur konstruiert und legitimiert wird. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, inwiefern die Verbindung von religiösen und politischen Motiven sowie die Inszenierung spezifischer Charaktereigenschaften dazu dienen, den Kaiser als idealen und charismatischen Repräsentanten des Christentums darzustellen.
- Analyse der religiösen Legitimierung der Kreuzzugsführung
- Untersuchung der Verschmelzung von Sakral- und Politkönigtum
- Charakterisierung des Kaisers durch Schönheit und materiellen Glanz
- Instrumentalisierung von Zorn und Selbstbeherrschung als Herrschaftsmittel
- Kontextualisierung des Rolandsliedes im Rahmen der mittelalterlichen Kreuzzugsepik
Auszug aus dem Buch
3.1 Darstellung Karls als außerordentlich schön und wohlhabend
Evamaria Freienhofer definiert in ihrer Monographie „Verkörperung von Herrschaft und Macht in Texten des 12. Jahrhunderts“ eine Besonderheit bei der Darstellung des Kaisers im „Rolandslied“. Dabei wählt sie die Szene, in der die muslimischen Boten am kaiserlichen Hof ankommen. Sie treffen dort auf ein äußerst prachtvolles Hof, Reichtum und Kraft demonstriert.Diese Szene wird in der Forschung als „Hoflagerdarstellung“ bezeichnet, da sie im Vergleich zum französischen Vorbild auch höfische Elemente aufzeigt (V625-708).24
Die Herrschaft Karls würde in dieser Szene durch die Darstellung seines Körpers, nicht vordergründig durch seinen Thron oder andere Insignien, dargelegt. Karine Kellermann beschreibt dies folgendermaßen:
Die körperliche Aura des Königs wird durch Licht-und Gestirnsmetaphorik, zentriert in seinem Gesicht. Der Glanz seiner Augen und sein leuchtendes Antlitz, nicht die Krone, kennzeichnen den König. Wie ist das möglich? Indem Dichter und Maler den physischen Körper des Königs durchsichtig machen und in derselben Person auch den überirdischen Körper erstehen lassen:‘germina persona‘.25
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Rolandslied als höfischen Roman ein, erläutert dessen Entstehungskontext zwischen den Kreuzzügen und stellt die Forschungsfrage nach der Repräsentation Karls als christlichem Idealtypus.
2. Karls Legitimierung für die Kriegsführung im religiösen Zusammenhang: Dieses Kapitel analysiert die theologische Rechtfertigung des Kreuzzuges durch die Figur Karls, der als göttlich legitimierter Herrscher und Vermittler fungiert.
2.2 Die Beschreibung Karls als heiligen Herrscher: Der Abschnitt befasst sich mit der impliziten Heiligendarstellung Karls und dessen Funktion als Schutzpatron sowie religiöse Autorität im Kampf gegen Heiden.
2.3 Die Verschmelzung von religiösen und politischen Motiven in der Figur Karl: Hier wird untersucht, wie religiöse Identität und politischer Machterhalt im Rolandslied miteinander verschmelzen, um die Kreuzzüge propagandistisch zu stützen.
3. Charakterisierung von Karl dem Großen in seiner Position als Herrscher: Dieses Kapitel betrachtet die weltliche Ebene der Herrschaftsinszenierung und analysiert, wie Karls Ansehen durch spezifische Charaktereigenschaften beim Rezipienten erhöht wird.
3.1 Darstellung Karls als außerordentlich schön und wohlhabend: Der Fokus liegt auf der „Hoflagerdarstellung“ und der physischen Inszenierung Karls durch Licht- und Glanzmetaphorik, die ihn als idealen Herrscher markiert.
3.2 Des Kaisers Zorn zur Machtunterstreichung: Dieser Teil erörtert die taktische Verwendung der Emotion „Zorn“ als Herrschaftsinstrument, wobei besonders Karls Disziplin im Umgang mit Feinden hervorgehoben wird.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Karl als vielschichtige, zwischen göttlicher und menschlicher Sphäre vermittelnde Figur zur Legitimation des Kreuzzugsideals dient.
Schlüsselwörter
Rolandslied, Pfaffe Konrad, Karl der Große, Herrschaft, Kreuzzug, Sakralkönigtum, Mittelalter, Religion, Legitimation, Zorn, Hoflagerdarstellung, Gottesnähe, Mittelalterliche Literatur, Christentum, Herrschaftsideologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die literarische Darstellung Karls des Großen im Rolandslied des Pfaffen Konrad unter Berücksichtigung seiner Rolle als christlicher Herrscher und Kreuzzugsführer.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die religiöse Legitimierung von Kriegen, die Inszenierung königlicher Macht durch körperliche Attribute und der ideologische Zweck des Rolandsliedes im Kontext der Kreuzzugsbewegung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu erklären, wie und warum Karl der Große im Rolandslied als idealisierte Herrscherfigur präsentiert wird und welche Intentionen die Auftraggeber damit verfolgten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen literaturwissenschaftlichen Ansatz mit einem mentalitätsgeschichtlichen Fokus, um die höfische Literatur als Medium adeliger Repräsentation zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der religiösen Legitimierung des Kaisers, seiner Einordnung in die Figurenkonstellation sowie seine Charakterisierung durch Schönheit, Wohlstand und den taktischen Einsatz von Zorn.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Rolandslied, Sakralkönigtum, Kreuzzug, Herrschaftslegitimation, Karl der Große und mittelalterliche Mentalität.
Wie unterscheidet sich Karls Zorn gegenüber Feinden im Vergleich zur Gefolgschaft?
Karl zeigt sich seiner Gefolgschaft gegenüber scharf und verärgert, während er in der direkten Begegnung mit seinen Feinden Disziplin und Besonnenheit bewahrt, um seine Überlegenheit zu demonstrieren.
Welche Bedeutung hat das „Hoflager“ für die Wahrnehmung des Kaisers?
Das Hoflager dient durch die Beschreibung von Pracht und Lichtmetaphorik dazu, Karls physische Erscheinung als „göttlich“ zu stilisieren, was seine Unnahbarkeit und moralische Überlegenheit unterstreicht.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2017, Karl der Große im "Rolandslied" des Pfaffen Konrad in seiner Position als Herrscher, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388603