Karl der Große im "Rolandslied" des Pfaffen Konrad in seiner Position als Herrscher


Hausarbeit, 2017

24 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 1
2. Karls Legitimierung für die Kriegsführung im religiösen Zusammenhang ... 2
2.2 Die Beschreibung Karls als heiligen Herrscher ... 5
2.3 Die Verschmelzung von religiösen und politischen Motiven in der Figur Karl ... 8
3. Charakterisierung von Karl dem Großen in seiner Position als Herrscher ... 9
3.1 Darstellung Karls als außerordentlich schön und wohlhabend ... 9
3.2 Des Kaisers Zorn zur Machtunterstreichung ... 13
4. Fazit ... 19
5. Literaturverzeichnis ... 21

1
1. Einleitung
Das ,,Rolandslied" des Pfaffen Konrad wird in der Forschungsliteratur als in facto Karls-Epos
1
oder als Karlslied erklärt. Denn die Überschrift dieses höfischen Romans liegt in seiner Adap-
tion des französischen Manuskripts, dem Chanson de Roland, begründet.
2
Bei der französischen
Vorlage handelt es sich um eine Heldenepik aus mündlicher Tradition. Sie entstand vor dem
Hintergrund des verlorenen Kriegszugs Karls des Großen im Jahre 778. Die real ausgebliebene
Rache gegen das islamische Spanien wird in diesem Gedicht poetisch nachgetragen.
3
Heinrich
der Löwe beauftragte 1170 dem Pfaffen Konrad das Rolandslied vom Französischen ins Deut-
sche zu übersetzen
4
und als Widmungsgedicht an den Herzog zu verfassen.
5
Die deutsche Fas-
sung des ,,Rolandliedes" entstand damit aus einer schriftlichen Tradition und wurde von einem
klerikal gebildeten Autor verfasst. Beim ,,Rolandslied" des Pfaffen Konrad handelt es sich um
die erste chanson de geste. Der höfische Roman wurde im zeitlichen Rahmen zwischen dem 2.
und 3. Kreuzzug geschrieben.
6
Der Inhalt des ,,Rolandliedes" steht im Einklang mit dem histo-
rischen Kontext seiner Zeit. Er ist sehr religiös orientiert und handelt von starken und mutigen
Kreuzrittern. Die Kreuzzüge werden verherrlicht und Karl der Große, als Führer des christli-
chen Heers in Spanien, gerühmt.
In der Forschungsliteratur wird vermutet, dass Karl der Große den Auftraggeber der deutschen
Fassung, Heinrich den Löwen, repräsentieren soll.
7
Die besondere Rolle Karls wird bereits im
Prolog unterstrichen (V.1 ff.). Karl der Große verkörpert im Rolandslied den Repräsentanten
des Christentums und einen Idealtypus von christlichen Herrscher. Demgemäß könnte er als
eine Schlüsselfigur für die Intention des höfischen Romans fungieren. Über die Analyse der
Karlsdarstellung im ,,Rolandslied" könnte Aufschluss darüber gewonnen werden, welche In-
tention Heinrich der Löwe bei der Auftragsgabe hatte. Nicht unberücksichtigt darf insbesondere
bei der Kreuzzugsthematik der historische Kontext gelassen werden. Durch einen mentalitäts-
geschichtlichen Ansatzes werden Ideen und Vorstellungen in die Analyse mit einbezogen. Sie
1
Ulrich Ernst: ,,Kollektive Aggression" in dem Chanson de Roland und im Rolandslied des Pfaffen Konrad: die
Idee des Gottesfriedens als Legitimationsmodell für Reconquista und welfische Expansionspolitik. In: Euphorion
Bd. 82 (1988), S. 211-225, hier: S. 219.
2
Karl-Ernst Geith: Das deutsche und das französische Rolandslied: Aspekte einer Beziehung. In: Danielle Bu-
schinger u. Wolfgang Spiewok (Hgg.), "Chanson de Roland" und "Rolandslied", Greifswald (1996), S. 59-71.
3
Dieter Kartschoke: Nachwort. In: Das Rolandslied des Pfaffen Konrad, Stuttgart (1993), S. 772.
4
Volker Mertens: Religiöse Identität in der mittelhochdeutschen Kreuzzugsepik (Pfaffe Konrad: Rolandslied,
Wolfram von Eschenbach: Willehalm). In: Danielle Buschinger u. Wolfgang Spiewok (Hgg.), "Chanson de Ro-
land" und "Rolandslied", Greifswald (1996), S. 77-86, hier: S. 77.
5
Dieter Kartschoke: Nachwort. In: Das Rolandslied des Pfaffen Konrad, Stuttgart (1993), S. 784.
6
Volker Mertens:Religiöse Identität, S. 77.
7
Karl-Ernst Geith: Das deutsche und das französische Rolandslied, S. 67.

2
hilft die Präsentation Karls des Großen im Rahmen der Kreuzzüge nachzuvollziehen. Somit
ergibt sich die Fragestellung dieser Arbeit, wie Karl der Große im ,,Rolandslied" als Herrscher-
figur präsentiert wird.
Nach der Leitthese dieser Arbeit ist eine politische Motivation für die Veröffentlichung durch
die Auftragsgeber einen Repräsentanten des weltlichen Adels, ausschlaggebend: Die Erschei-
nung der mittelhochdeutschen Kreuzzugsepik hatte einen propagandistischen Zweck.
Im ersten Schritt der Arbeit wird die Legitimierung für Kriegsführung des Kaisers unter religi-
ösen Gesichtspunkten im zeitlichen Kontext gesetzt. Das nächste Kapitel handelt von der Posi-
tion Karls innerhalb der Figurenkonstellation im ,,Rolandslied". Im Fazit der Arbeit werden
alle Ergebnisse zusammengefasst.
2. Karls Legitimierung für die Kriegsführung im religiösen Zusammenhang
In Peter Rückerts Aufsatz ,,Adelige Herrschaft und Repräsentation im hohen Mittelalter" wird
die These vertreten, dass elitäre Repräsentationsformen, wie die höfische Literatur, das adelige
Herrschaftsprofil im hohen Mittelalter offenlegen. Gerade die höfische Literatur war auf die
Außenwirkung angelegt. Demnach können die verschiedenen höfischen Romane die politische
oder soziale Intention der adeligen Auftraggeber aufdecken.
8
Wird der höfische Roman ,,Ro-
landslied" des Pfaffen Konrad beleuchtet, stellt sich heraus, dass auch dieses Gedicht im Zuge
der Kreuzzugsbewegung eine auf die Außenwirkung angelegte Intention hatte.
Die Hauptrolle für die religiöse Legitimierung des im höfischen Roman beschriebenen Kreuz-
zuges wird durch die Figur Karl den Großen verwirklicht. In den folgenden Kapiteln geht es
um den religiösen Argumentationsmuster zur Rechtfertigung der Kriegsführung im Rolandlied.
2.1 Die Rolle der Religion im hohen Mittelalter für Moral und Recht
Das Rolandslied ist ein stark religiöses und von Gewaltbeschreibungen geprägtes Gedicht. Mo-
ral und Recht gründeten im Hochmittelalter vor allem auf religiöse Praktiken und Vorstellun-
8
Peter Rückert: Adelige Herrschaft und Repräsentation im hohen Mittelalter, in: Literatur und Architektur der
Grafen von Werheim und der Herren von Gamburg. S. 289-306, hier: S. 304.

3
gen. Peter Dinzelbacher legt in seiner Monografie, über die Kultur und die Mentalitätsge-
schichte im Hochmittelalter, die Einstellung zur Ethik und Recht um das 12. Jahrhundert dar.
Er beschreibt ein Weltbild, in dem Moral und Recht so gut wie stets religiösen Beurteilungen
unterlagen. So beschreibt Dinzelbach die theonomen Vorstellungen dieser Epoche:
,,Gott hatte in der Bibel geoffenbart, nach welchen Geboten sich der Mensch zu richten
hatte, und er hatte in der Seele jedes Einzelnen das Gewissen geschaffen, das selbst
jenen Heiden, die nie von Christus gehört hatten, eine Richtschnur für moralisches und
unmoralisches Verhalten bot."
9
Einige Intellektuelle wären jedoch auch Anhänger von intentional berücksichtigenden Moral-
konzepten gewesen, in denen nicht die Handlung ausschlaggebend für die Beurteilung von Gut
und Böse war, sondern die Absicht dahinter. Dinzenbacher führt Stoffe der höfischen Literatur
wie ,,Parzival", ,,Der arme Heinrich" und ,,Gregorius" an, in denen Schuld hinsichtlich innerer
Beweggründe behandelt würde.
10
Dennoch sei vordergründig die Religion als Beurteilungskri-
terium von Handlungen präsent gewesen und habe die Mentalität dieser Epoche geprägt. Die
Religion hätte bei Gerichtsprozessen im Hochmittelalter eine zentrale Rolle inne, indem der
Wahrheitsbeweis sich durch Eideshelfer oder durch einen Gottesurteil ereignete.
11
In Europa
war die Vorstellung vom Jenseits also allgegenwärtig und die Religion formte die Moralinstanz
in der Gesellschaft.
Karl der Großen wird bereits zu Beginn des ,,Rolandsliedes" in seiner Frömmigkeit beschrieben
(Dô der gotes dienestman V. 31). Es wird angeführt, wie er sich inständig dem christlichen Gott
unterwirft und zu ihm betet (Karl bette dicke V.47). Somit wird er bereits im Prolog als ein
gottesfürchtiger Kaiser vorgestellt, der sich im Auftrag des Christentums sieht. Während Karl
der Große mit positiven Ausdrücken beschrieben wird, wird sich über die Sarazenen negativ
ausgedrückt (,,unkiusclîchen", ,,die apgot an beteten" V. 33-34). Somit werden bereits eingangs
des Werkes die Position und Rolle des Kaisers als den Guten, den christlichen Herrscher ver-
deutlicht.
Karl fungiert im ,,Rolandslied" als ein Auftragsnehmer Gottes. Im Prolog, während Karls trä-
nenerfülltem Gebet zu Gott, erscheint ihm ein Engel, der zu ihm spricht:
9
Peter Dinzelbacher: Europa im Hochmittelalter 1025-1250.Eine Kultur-und Mentalitätsgeschichte. Darmstadt
2003, S. 154.
10
Dinzelbacher: Europa im Hochmittelalter, S. 154.
11
Ebd.

4
Karl, gotes dienestman,
île in Yspaniam!
got hât dich erhoeret,
daz liut wirdet bekêret.
die dir aber wider sint,
die heizent des tiuveles kint
unt sint allesamt verloren.
die slehet der gotes zorn
an lîbe unt an sêle.
die helle bûwent si iemermêre.`
(,,Rolandslied" 12, 44-64)
Anhand dieser Szene wird die Beziehung Karls zum christlichen Gott deutlich. Karl zeigt sich
vor seinem Gott sehr devot und emotional, indem er tränenerfüllt zu ihm betet. Durch die En-
gelsbegegnung wird Karls Gottesfürchtigkeit und seine besondere Nähe zur Gott offengelegt.
Karl-Ernst Geith führt weitere Stellen im Werk an, in denen die Gottesnähe zu erkennen ist:
Auch die Szenen in denen Karl eine Engelsbotschaft bei seiner Klage um Roland erhält (V.
7000-7014) und in der das Wunder des Sonnenstillstands beschrieben wird, deuten auf seine
Gottesnähe hin.
12
Dinzelbacher beschreibt, wie geistliche, als auch weltliche Herrschaftsträger, ihre Machtstel-
lung entweder als von Gott berufen erklärten oder wenigstens mit dessen Zustimmung ausführ-
ten. In diesem Zusammenhang stehe das ,,Sakralkönigtum" oder der ,,Gottesgnadentum" als
Herrschaftsgrundlage, womit ein direkter Zugang des Herrschers zur Gottheit ausgedrückt
wurde.
13
Karl erhält somit seine Berufung zum Auserwählten vor Gott direkt aus dem Himmelsreich und
hat somit die religiöse und in den Vorstellungen des Hochmittelalters moralische Begründung
für seinen Kreuzzug gegen die Sarazenen.
Der Prolog im Rolandslied, in dem ein Engel den Kaiser anspricht, ist jedoch nicht nur ein Indiz
für Karls starke Religiosität. Seine besondere Nähe zu Gott kann in Hinblick auf den zeitlichen
Kontext der Veröffentlichung des ,,Rolandsliedes" auch zu expliziteren Schlussfolgerungen
12
Geith: Das deutsche und französische Rolandslied, S. 62.
13
Dinzelbacher: Europa im Hochmittelalter, 142.

5
führen. Inwiefern Karl im zeitlichen Kontext als Heiliger im ,,Rolandslied" zu verstehen ist,
wird im nachfolgenden Kapitel behandelt.
2.2 Die Beschreibung Karls als heiligen Herrscher
Während in den ersten Jahrhunderten nach Christi ausschließlich Märtyrer, als Nachfolger Je-
sus`, als heilig galten, wurden ab Beginn des Frühmittelalters einzelne Gläubige als heilig ver-
ehrt, die als Übermittlungsinstanz zwischen Gott und den Menschen verstanden wurden. Ihnen
wurde ein heiliger Schutzpatron von Gott zugesprochen. Eine Verschmelzung zwischen der
Idee der Heiligen hoher aristokratischer Herkunft und der Machtausübung fand statt und der
Heiligentypus des Adelsheiligen verbreitete sich. Gerade Herrscher, die einen Beitrag zu der
Einführung des Christentums leisteten, konnten als Heilige betitelt werden. Einer von diesen
Herrschern war Karl der Große, der sich im Jahre 1165 kanonisieren ließ.
14
Peter Dinzelbacher
führt an, dass in Konkurrenz dazu, sich Päpste als Heilige verehren lassen wollten.
15
Volker Mertens merkt in seinem Aufsatz an, dass im Rolandslied die Figur Karl der Großen
mehrmals als ,,heilig" beschrieben wird (vor gote ist er V. 12) und von den anderen Figuren des
höfischen Romans als solchen betitelt wird (heiliger kaiser V. 2861, 9001).
16
Zwar wird der Begriff ,,heilig" zweimal gebraucht, jedoch einmal von der Figuren Ganelun (V.
2861), der dem Kaiser hintergeht. Daher kann die Wortverwendung an dieser Stelle als nicht
aussagekräftig eingestuft werden. Das zweite Mal wird Karl von seinen Fürsten im Epilog als
,,heilig" bezeichnet (V. 9001). In der neuhochdeutschen Fassung wird in dieser Szene dieses
Adjektiv als ,,fromm" übersetzt. Inwieweit der Kaiser hier explizit als ,,heilig" eingestuft wird,
ist damit undurchsichtig.
Nach Karl-Ernst Geith wird Karl der Große nicht ausdrücklich als Heiliger bezeichnet, jedoch
implizit als solcher beschrieben.
17
Diese Auffassung ist angesichts der Undeulichkeit bei der
Verwendung dieses Begriffes schlüssig. Karl der Große wird zwar nicht direkt als ,,Heiliger"
bezeichnet, jedoch legt die Prologszene diese Annahme nahe.
14
André Vauchez, 'Heilige, I. Heiligkeit', in Lexikon des Mittelalters, 10 vols (Stuttgart: Metzler, [1977]-1999),
vol. 4, cols 2014-2015, in Brepolis Medieval Encyclopaedias - Lexikon des Mittelalters Online)
15
Dinzelbacher: Europäische Mentalitätsgeschichte, S. 139.
16
Mertens: Religiöse Identität, S. 78.
17
Geith: Das deutsche und französische Rolandslied, S. 62-63.
Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Karl der Große im "Rolandslied" des Pfaffen Konrad in seiner Position als Herrscher
Hochschule
Universität Bremen
Note
1,3
Jahr
2017
Seiten
24
Katalognummer
V388603
ISBN (eBook)
9783668626690
ISBN (Buch)
9783668626706
Dateigröße
608 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
karl, große, rolandslied, pfaffen, konrad, position, herrscher
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Karl der Große im "Rolandslied" des Pfaffen Konrad in seiner Position als Herrscher, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388603

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Karl der Große im "Rolandslied" des Pfaffen Konrad in seiner Position als Herrscher



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden