"Bartleby, der Schreiber" im Bezug auf Hannah Arendts "Vita Activa"


Präsentation, 2018
23 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Bartleby

Themen

- Macht und Gewalt
- Der Zusammenhang von Sprache und Handeln
- Pluralität und Gemeinschaft
- Natalität
- Offenheit
- Freiheit
- Narrativität

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Macht und Gewalt

- Macht basiert nach Arendt auf dem Faktum, dass sich Handelnde aufeinander beziehen können und Initiativen gemeinsam vollziehen. Gewalt hingegen erzeugt eine kollektive Ohnmacht, weil die Möglichkeit, Öffentlichkeit zu stiften und gemeinsam zu handeln, dadurch verloren geht.

K ö nnen wir in diesem Sinne also davon sprechen, dass Bartleby Gewalt aus ü bt? Sorgt sein Widerstand daf ü r, dass die Handlungsfreiheit aller Beteiligten eingeschr ä nkt wird?

- „ Die einzig reine materielle, unerl äß liche Vorbedingung der Machterzeugung ist das menschliche Zusammen selbst. Nur in einem Miteinander, das nahe genug ist, um die M ö glichkeit des Handelns st ä ndig offen zu halten, kann Macht entstehen . . . Wer, aus welchen Gr ü nden immer, die Isolierung sucht und an diesem Zusammen nicht teilhat, mu ß zumindest wissen, da ß er auf Macht verzichtet und die Ohnmacht gew ä hlt hat, ungeachtet dessen, wie gro ß seine individuelle St ä rke und wie gut seine Gr ü nde sein m ö gen. “

Vita activa S. 195 der Online-Ausgabe, Kapitel 28

- „ Doch ich gehorchte wieder ganz der gewaltsamen Herrschaft, die der unergr ü ndliche Schreiber ü ber mich hatte, und von dieser Herrschaft konnte ich, trotz all meines Str ä ubens, nicht g ä nzlich loskommen. (Melville S. 30)

- „ Nichts kann einen ernsthaften Menschen so aufbringen wie passiver Widerstand. “ (Melville S. 25)

Nicht-Handeln

- „Ein Leben ohne alles Sprechen und Handeln andererseits […] wäre
buch stäblich kein Leben mehr, sondern ein in die Länge eines
Menschlebens gezogenes Sterben; es würde nicht mehr in der Welt unter Menschen erscheinen, sondern nur als ein Dahinschwindendes sich überhaupt bemerkbar machen; wir wüßten von ihm nicht mehr als wir, die Lebenden, von denen wissen, die in den Tod schwinden, den wir nicht kennen.“ (Vita activa S. 215)

Wie wirkt sich sein Nicht-Handeln auf Bartleby aus? Ist sein Leben wirklich ein „in die Länge gezogenes Sterben? Und wie kann es im Sinne von Arendt sein, dass er gerade durch dieses Nichts-tun so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht?

- „Wäre das kleinste bisschen Unbehaglichkeit, Wut, Ungeduld oder Unverschämtheit in seinem Auftreten gewesen, mit anderen Worten wäre irgendetwas gewöhnlich Menschliches an ihm gewesen, hätte ich ihn zweifelsohne sofort meiner Kanzler verwiesen. Aber wie die Sache stand, hätte mir ebenso gut in den Sinn kommen können, meine blasse Gipsbüste Ciceros der Kanzlei zu verweisen.“ (Melville S. 11)

Der Zusammenhang von Sprache und Handeln

- Hannah Arendt geht davon aus, dass Worte ohne Taten „leer“ und Taten ohne Worte „gewalttätig stumm“ sind (VA 252), weil ein Mensch seine Individualität nur durch Sprache realisieren und sich als eine einzigartige Person enthüllen kann (VA 226).

Wie verh ä lt sich das bei Bartleby? Welche Bedeutung steckt hinter der Aussage „ Ich m ö chte lieber nicht “ ?

- „Sprechen und Handeln sind die Tätigkeiten, in denen diese Einzigartigkeit sich darstellt. Sprechend und handelnd unterscheiden Menschen sich aktiv voneinander, anstatt lediglich verschieden zu sein; sie sind die Modi, in denen sich das Menschsein selbst offenbart. Dies aktive In-Erscheinung-Treten eines grundsätzlich einzigartigen Wesens beruht, im Unterschied von dem Erscheinen des Menschen in der Welt durch Geburt, auf einer Initiative, die er selbst ergreift, aber nicht in dem Sinne, daß es dafür eines besonderen Entschlusses bedürfte; kein Mensch kann des Sprechens und des Handelns ganz und gar entraten, und dies wiederum trifft auf keine andere Tätigkeit der Vita activa zu.“

Vita Activa S. 165 der Online-Ausgabe, Anfang Kapitel 24

- „As a statement the formula “excludes all alternatives, and devours what it claims to preserve no less than it distances itself from everything else [It] hollows out a zone of indetermination that renders words indistinguishable, that creates a vacuum within language [langage].”

Gilles Deleuze ü ber den Satz „ I would prefer not to “ , S. 165 der Online-Ausgabe

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
"Bartleby, der Schreiber" im Bezug auf Hannah Arendts "Vita Activa"
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
23
Katalognummer
V388713
ISBN (eBook)
9783668637900
Dateigröße
676 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bartleby, Vita Activa, Hannah Arendt, Melville
Arbeit zitieren
Ann-Kathrin Latter (Autor), 2018, "Bartleby, der Schreiber" im Bezug auf Hannah Arendts "Vita Activa", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388713

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