Folienpräsentation zu einem Referat über Herman Melvilles "Bartleby, der Schreiber" aus Sicht von Hannah Arendt (mit Zitaten aus der Vita Activa). Diverse Diskussionsfragen.
Inhaltsverzeichnis
1. Macht und Gewalt
2. Nicht-Handeln
3. Der Zusammenhang von Sprache und Handeln
4. Pluralität und Gemeinschaft
5. Natalität
6. Offenheit
7. Freiheit
8. Narrativität
Zielsetzung & Themen
Dieses Referat analysiert die Erzählung "Bartleby, der Schreiber" von Herman Melville im theoretischen Kontext von Hannah Arendts Werk "Vita activa". Dabei wird untersucht, wie Bartlebys Verhalten und sein wiederholtes "Ich möchte lieber nicht" die von Arendt definierten Kategorien des menschlichen Handelns herausfordert oder dekonstruiert.
- Die Analyse der Machtverhältnisse und der Rolle von passiven Widerstandsformen.
- Die Untersuchung der Verbindung zwischen Sprache und der Realisierung von Individualität.
- Die Fragestellung nach der Möglichkeit von Pluralität bei totaler sozialer Isolierung.
- Die philosophische Einordnung von Nicht-Handeln im Gegensatz zum aktiven Handeln und Neuanfangen.
- Die Betrachtung von Bartleby als "Held" einer Geschichte, deren Sinn sich dem direkten Zugriff entzieht.
Auszug aus dem Buch
Macht und Gewalt
Macht basiert nach Arendt auf dem Faktum, dass sich Handelnde aufeinander beziehen können und Initiativen gemeinsam vollziehen. Gewalt hingegen erzeugt eine kollektive Ohnmacht, weil die Möglichkeit, Öffentlichkeit zu stiften und gemeinsam zu handeln, dadurch verloren geht.
Können wir in diesem Sinne also davon sprechen, dass Bartleby Gewalt ausübt? Sorgt sein Widerstand dafür, dass die Handlungsfreiheit aller Beteiligten eingeschränkt wird?
Zusammenfassung der Kapitel
Macht und Gewalt: Dieses Kapitel erörtert Arendts Verständnis von Macht als kollektives Handeln und hinterfragt, ob Bartlebys passiver Widerstand als eine Form von Gewalt zu werten ist, die das Handeln anderer blockiert.
Nicht-Handeln: Es wird diskutiert, ob Bartlebys Verweigerungshaltung ein "in die Länge gezogenes Sterben" darstellt und wie seine Passivität paradoxerweise hohe Aufmerksamkeit erzeugt.
Der Zusammenhang von Sprache und Handeln: Hier wird beleuchtet, dass Arendt Sprache als Instrument der Individualität sieht, während Bartlebys Formel "Ich möchte lieber nicht" einen Zustand der Indetermination schafft.
Pluralität und Gemeinschaft: Das Kapitel reflektiert, ob unter den Bedingungen von Bartlebys extremer Abgrenzung noch von einer Pluralität im Arendtschen Sinne gesprochen werden kann.
Natalität: Es wird untersucht, wie Arendts Konzept des Geborenseins, das zum Neuanfangen motiviert, auf eine Figur wie Bartleby anzuwenden ist, die keine schöpferische Initiative zeigt.
Offenheit: Dieses Kapitel thematisiert die Notwendigkeit, sich im öffentlichen Raum zu offenbaren, und fragt, ob Bartleby sich durch seine totale Verschlossenheit selbst handlungsunfähig macht.
Freiheit: Die Unterscheidung zwischen negativer und positiver Freiheit wird genutzt, um Bartlebys Handlungsspielraum und seine bewusste Wahl der Passivität zu bewerten.
Narrativität: Abschließend wird analysiert, inwiefern der Erzähler Bartlebys Geschichte erst konstruiert und ob Bartleby selbst als Autor seines eigenen Lebens bzw. seines "Wer" gelten kann.
Schlüsselwörter
Hannah Arendt, Vita activa, Bartleby der Schreiber, Macht, Gewalt, Pluralität, Handeln, Nicht-Handeln, Natalität, Freiheit, Narrativität, Individualität, Sprache, Passiver Widerstand, Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die philosophische Konfrontation der Romanfigur Bartleby mit den zentralen Kategorien menschlichen Handelns nach Hannah Arendt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten gehören Macht und Gewalt, der Zusammenhang von Sprache und Handeln sowie die Konzepte von Freiheit, Natalität und Narrativität.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, wie Bartlebys radikaler Rückzug und sein Nicht-Handeln die Arendtschen Konzepte von gesellschaftlicher Teilhabe und menschlicher Wirksamkeit infrage stellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Textanalyse, die Melville-Zitate mit Kernbegriffen aus Arendts "Vita activa" konfrontiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene thematische Abschnitte, die jeweils einen Aspekt der menschlichen Existenz laut Arendt beleuchten und auf die Bartleby-Figur übertragen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Pluralität", "Natalität", "Passiver Widerstand" und "Narrativität" definiert.
Wie ist Bartlebys berühmtes Zitat "Ich möchte lieber nicht" im Arendtschen Sinne zu deuten?
Es wird als ein "Vakuum innerhalb der Sprache" gedeutet, das die Fähigkeit zur Realisierung der Individualität durch aktives Handeln gezielt aushebelt.
Kann man Bartleby als einen "freien" Menschen bezeichnen?
Dies ist eine der zentralen Fragen; die Arbeit untersucht, ob seine Freiheit nur negativ (Abwesenheit von Zwang) oder durch seine Passivität als Fehlen von positiver Freiheit zur Gestaltung seines Seins definiert ist.
- Arbeit zitieren
- Ann-Kathrin Latter (Autor:in), 2018, "Bartleby, der Schreiber" im Bezug auf Hannah Arendts "Vita Activa", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388713