Die derzeitige Debatte um eine gerechte Entlohnung von Top-Managern steht seit den Neunzigerjahren immer wieder in der Öffentlichkeit unter Kritik. Dabei wird vor allem die Vergütung von DAX-Vorständen kontrovers diskutiert. Wie lässt sich das Gehalt von Herr Winterkorn legitimieren, der zeitweise bis zu 17 Millionen Euro jährlich und damit mehr als 140mal so viel eingenommen hat, wie ein durchschnittlicher Arbeitnehmer?
"Wer mehr Verantwortung trage, solle auch mehr verdienen als andere. Aber wenn Vergütungen und Boni in Millionenhöhe gezahlt werden, obwohl Gewinne sinken oder Beschäftigte entlassen werden müssen, haben die Menschen zu Recht das Gefühl, dass dort jedes Maß verloren gegangen ist.", entgegnet Bundesjustizminister Maas dem Spiegel im Februar 2017. Kurze Zeit zuvor legte SPD-Fraktionschef Oppermann ein Gesetzentwurf zur Mäßigung von Managergehältern vor, mit dem er den stetigen Anstieg der empfundenen Einkommensungerechtigkeit der Gesellschaft bezüglich der Mangerentlohnung entgegenwirken möchte.
Die Wichtigkeit dieser Thematik zeigt sich vor allem darin, dass ein gesellschaftlich gestörtes Gerechtigkeitsempfinden negativen Einfluss auf Moral und Verhalten haben kann, welches der Volkswirtschaft immens schadet.
Aber was ist überhaupt eine gerechte Entlohnung? Welche Argumente sprechen für und welche gegen die Legitimität hoher Managergehälter? Welche Änderungen können zu einer höheren Lohngerechtigkeit führen? Die Seminararbeit hat sich den Anspruch gesetzt, diese Forschungsfragen zu untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen zum Managergehalt
2.1 Zusammensetzung des Managerlohns
2.1.1 Fixe Lohnkomponente
2.1.2 Variable Lohnkomponente
2.1.3 Nebenleistungen
2.2 Lohnentwicklung
2.2.1 Absolute Lohnentwicklung
2.2.2 Manager-to-Worker Pay Ratio
3. Begriffsbestimmung Gerechtigkeit
3.1 Prinzipien der distributiven Gerechtigkeit
3.1.1 Beitragsprinzip
3.1.2 Bedarfs- und Sozialprinzip
3.1.3 Gleichheitsprinzip
3.2 Typen der Lohngerechtigkeit
3.2.1 Leistungsgerechtigkeit
3.2.2 Marktgerechtigkeit
3.2.3 Anforderungsgerechtigkeit
3.2.4 Qualifikationsgerechtigkeit
3.2.5 Erfolgsgerechtigkeit
4. Analyse der Legitimität hoher Managergehälter
4.1 Pay for performance
4.2 Marktthese
4.3 Anforderungs- & Qualifikationsgerechtigkeit
4.4 Pay without performance
5. Resümee
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Seminararbeit untersucht die Legitimität der Höhe von Managergehältern in DAX-Unternehmen vor dem Hintergrund einer gerechten Entlohnung. Im Fokus steht die Forschungsfrage, ob und wie diese Gehälter anhand wissenschaftlicher Gerechtigkeitskriterien begründet werden können und welche Rolle dabei die Einkommensungleichheit spielt.
- Grundlagen der Managerentlohnung und ihre Zusammensetzung
- Analyse der absoluten und relativen Lohnentwicklung
- Wissenschaftliche Definition und Prinzipien der distributiven Gerechtigkeit
- Untersuchung der Legitimität hoher Gehälter anhand verschiedener Gerechtigkeitstypen
- Diskussion von Lösungsansätzen zur Steigerung der Entlohnungsgerechtigkeit
Auszug aus dem Buch
4.2 Marktthese
Oftmals werden exorbitant hohe Managerentlohnungen hinsichtlich der Frage nach der Lohngerechtigkeit mithilfe der Marktgerechtigkeit begründet. Demnach herrsche ein Fachkräftemangel auf den oberen Führungspositionen, wodurch Manager mit den entsprechenden Qualifikationen nur durch hohe finanzielle, aber marktübliche Anreize akquiriert oder gar abgeworben werden können. Ein Manager genießt eine hohe Marktmacht, wenn sein Marktwert im Vergleich zu den anderen Managern auf dem Arbeitsmarkt relativ hoch ist. Sein Marktwert setzt sich aus der Marktnachfrage, seinen Fähigkeiten, Erfahrungen, Qualifikationen, bisheriger Performance und seinem Kontaktnetzwerk zusammen. Wie schon in Kapitel 2.1.1 erwähnt, begründet die Marktgerechtigkeit das Fixgehalt eines Managers. Die Höhe des Fixgehalts orientiert sich dabei oftmals an der von vergleichbaren Vorstandspositionen anderer Unternehmen. Überbezahlte Stellen solle der Markt durch erhöhte Konkurrenz auf ein akzeptables Niveau bringen.
Das Gerechtigkeitsempfinden der Gesellschaft wird durch diese Begründung jedoch nicht zufriedengestellt. Der Kritikpunkt liegt in der Entlohnung nach dem allgemeinen Marktwert, ohne die Leistungen des Managers und damit seinen generierten Anteil der Wertschöpfung zu berücksichtigen. Dies verstößt bei vielen Menschen gegen das Beitrags- und Gleichheitsprinzip und sorge für eine wachsende Einkommensungleichheit.
Nach der Marktgerechtigkeit, wonach sich der Lohn alleinig aus Angebot und Nachfrage nach Managementleistungen begründet, ist die Managerentlohnung allerdings als gerecht zu beurteilen. Hierbei wird jedoch vorausgesetzt, dass die ausgleichenden Kräfte des Marktes so wirksam sind wie angenommen. Dies wird jedoch von einigen Wissenschaftlern stark bezweifelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die öffentliche Kritik an der Vergütung von Top-Managern und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der gerechten Entlohnung und deren Legitimität.
2. Grundlagen zum Managergehalt: Dieses Kapitel definiert die Rolle eines Managers und erläutert die Zusammensetzung des Gehalts sowie die beobachtbare Lohnentwicklung im Vergleich zum Arbeitnehmerlohn.
3. Begriffsbestimmung Gerechtigkeit: Es erfolgt eine wissenschaftliche Aufarbeitung des Gerechtigkeitsbegriffs, unterteilt in die verschiedenen Dimensionen und Prinzipien der distributiven Gerechtigkeit.
4. Analyse der Legitimität hoher Managergehälter: Anhand der zuvor definierten Gerechtigkeitstypen werden verschiedene Begründungsansätze für hohe Managergehälter kritisch auf ihre Legitimität geprüft.
5. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und stellt fest, dass Managergehälter nur ansatzweise, jedoch nicht in der aktuellen Form, als gerecht begründet werden können.
6. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung diskutiert mögliche Maßnahmen zur Entlohnungspolitik und reflektiert über das Spannungsfeld zwischen ökonomischem Nutzen und sozialem Gerechtigkeitsempfinden.
Schlüsselwörter
Managergehälter, Lohngerechtigkeit, distributive Gerechtigkeit, DAX-30, Manager-to-Worker Pay Ratio, Leistungsgerechtigkeit, Marktgerechtigkeit, Anforderungsgerechtigkeit, Erfolgsgerechtigkeit, Einkommensungleichheit, Unternehmensethik, Vorstandsvergütung, Marktthese, Machtthese, Entlohnungssysteme
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der gesellschaftlich und ethisch kontroversen Debatte über die hohen Gehälter von Top-Managern in deutschen DAX-Unternehmen und hinterfragt deren Gerechtigkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Struktur der Managervergütung, die Lohnentwicklung im Zeitverlauf, philosophische Gerechtigkeitsprinzipien sowie die Analyse von Legitimitätsargumenten für hohe Gehälter.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu untersuchen, ob hohe Managergehälter anhand wissenschaftlicher Gerechtigkeitstypen als legitim angesehen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein theoretisch-analytischer Ansatz gewählt, der vorhandene ökonomische und ethische Literatur zur Gerechtigkeit mit aktuellen statistischen Entwicklungen der Vorstandsvergütung verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Vergütungskomponenten, die Definition von Gerechtigkeitsprinzipien und die kritische Analyse von Argumentationsmustern wie Performance- oder Marktorientierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Lohngerechtigkeit, distributive Gerechtigkeit, Manager-to-Worker Pay Ratio und Leistungsgerechtigkeit charakterisiert.
Wie bewertet die Arbeit die "Marktthese" zur Gehaltsfestlegung?
Die Arbeit stellt fest, dass die Marktthese zur Begründung sehr hoher Gehälter durch empirische Daten angezweifelt wird, da oft machtpolitische Aspekte anstelle eines effizienten Arbeitsmarktes eine Rolle spielen.
Was ist das Fazit zur "Erfolgsgerechtigkeit" bei Managergehältern?
Das Fazit zeigt, dass Erfolgsgerechtigkeit oft verletzt wird, da Managergehälter auch bei Misserfolg steigen, während gleichzeitig eine angemessene Partizipation der Mitarbeiter am Unternehmenserfolg empirisch kaum nachweisbar ist.
- Arbeit zitieren
- Stefan Schellenbeck (Autor:in), 2018, Die Höhe von Managergehältern. Was ist gerechte Entlohnung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388820